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Ver Wanderer.

Beiblatt ;»r Aassasischea Allgemeinen Zeitnng.

H>. 12. Freiicrg den M. Januar ,«rs

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Eine Geschichte aus vem Hunsrücker Hochlande.

(Schluß.^

In diesem Augenblick stürmten die Massen der Bienen zum Flugloche heraus. Summend schwärmten sie nach der Höhe.Der fliegt ab!" rief Bender.Ist denn Niemand da?Doch," sagte jetzt Bauermann und stand auf, Ben- der'n grüßend. Der hatte sich schon zur Erde gebückt und eine Handvoll Erde ergriffen, welche er in den Schwarm warf.Hol' das Faß! geschwind!" sagte er zu Bauermann, ich will dir helfen!" Rasch sprang er um die Ecke, wo die Thüre war, und stand bald neben dem Müller. Ohne auf etwas anderes cinzugehcu, sprach Bender eifrig von den Bie­nen und beobachtete dabei die Richtung, welche der Schwarm zu nehmen schien.Dort am Bäumchen hängt er sich," sagte er, uni) wirklich bildete sich bald der dicke Klumpen, anzeigend, daß dort die Königin ihren Ruhepunct gewählt habe. Der Schwarm wurde nun gefaßt und dann ins Gras gestellt, wo er sich bald beizog. *

Jetzt fühlte Bender, daß er reden müsse von dem, was ihm im Herzen brannte.Bauermann," sagte er verlegen, ich habe dich viele Jahre lang im Verdachte gehabt, du seyest mein Gegner und Feind, Gestern sind mir die Augen auf- gegaugen und ich hab's eingesehen, daß ich dir groß Unrecht gethan. Sieh, darum komm' ich und reiche dir die Hand und sage ehrlich: verzeih mir's; der Hader soll begraben sein in's tiefste Meer!" Bauermann hatte ihm bewegt zu ge­hört.Gottlob," sagte er,und Gott lohn's dem, der's ge­than, daß du zur Einsicht kommst. Hitr ist inline Hand! Niemand kann sie lieber reichen als ich, denn Hader ist Eiter in den Gebeinen und Friede ernährt, Unfriede aber verzehrt." Mit einem herzlichen Händedruck war der Friede hcrge- Mt und besiegelt. Noch lange saßen sie bei einander, bis der nahende Mittag zur Heimkehr rief. Als Bender schon wieder jenseits der Pütz war, rief er noch zurück:Sende den Stoffel mit dem Wagen, ich muß heute noch Korn fassen." -Es geschehen Zeichen und Wunder!" rief Bauermann,

als er zu seiner Frau trat, bei der Stoffel stand. Keines begriff, was er meine; als er aber erzählte, was sich ereignet, hörten sie voll Verwunderung zu und die Mutter schlug die Hände zusammen; Stoffel aber ging in den Garten, weil es für sein Herz zu enge wurde in der Stube. Die Freude war so groß, nach so langer trostloser Aussicht; die Hoffnung schwellte sein Herz auf's neue. Er konnte den Abend kaum erwarten, wo er Ammi wieder sehen sollte, und diesmal im älterlichen Hause, das er seit seinen Kinderjahren nicht mehr betreten hatte.

Ammi ahnte nichts, als ihr Vater mit dem Knechte ging Korn zu fassen und ihm-sagte, er habe den Müller selbst be­stellt. Abends stand sie in der Stube, als ein Müllerwagen daher rasselte, den die Glocken der Rosse verkündeten. Sie hatte fast laut anfgeschtien, als sie Stoffel sah, der am Hause hielt und hereinsprang, nachdem er die Peitsche an's Kummet gesteckt. Hocherrötheud blickte sie in ihres Vaters Angesicht. Dieser lächelte und sagte:Geh, Ammi, nnd zeige dem Stof­fel das Korn, das er laden soll."

Sie zauderte das war zu außerordentlich, als daß sie hätte daran glauben sollen.Nun," sagte Bender,soll ich selbst die hohe Treppe hinauf steigen?" Da flog sie pochen­den Herzens hinaus und vor Stoffel die Stiege hiuau, daß er ihr kaum folgen konnte. Aber droben? Da sank die Glückliche an des Jünglings treue Brust und im Jubel er­zählte sie ihm alles, was sich seit gestern Wunderbares er­eignet hatte. Doch wie erstaunte sie, als nun auch Stoffeb ihr die neue Mâhr vou heute Morgen mittheilte. Ammi blickte dankend nach oben, Stoffel aber drückte sie an seine Brust und rief:Ammi, es tagt nach langer Nacht und die Hoffnung geht auf wie die Morgensonne." Und ihr in die Augen blickend, fragte er leise:Sagst du auch nein, wenn du mit mir am Altare stehst und dich der Pfarrer fragt, ob du mein Weib werden wollest?" Da riß sie sich aus sei­nen Armen, deutete auf die Säcke und rief:Stoffel, trag das Korn hinab! Hörst du, es klingelt! die Mühle ist leer!" Und im Nu war sie die Treppe hinab und verbarg das glühende Antlitz in ihrer Kammer.