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Der Wanderer.

Deiblatt;ur

Allgemeinen Zeitung.

H> 7. Samstag den 8. Januar /«rs

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Eine Geschichte aus vem Hunsrücker Hochlande.

(Fortsetzung.)

Der Tag der Hüllig kam. Die Verwandten strömten zu­sammen. Auch Ammi kam ruhig herein, setzte die Kuchen und den Branntwein auf, und der Freiersmann that seinen Spruch und legte Ammis Hand in die HaniijostS; .sie zog sie aber scknell zurück. Hannjost legte das reiche Handgeld in ihre Hand; sie schob es zurück und sagte:Ich nehme keines!" Den silbernen Ring, den er ihr darbot, legte sie vor sich auf den Teller; mit ihm sprach sie kein Wort. Mit den Gästen scherzte sie unbefangen und stimmte ein in daS fröhliche Gelächter. Als der Freiersmann meinte, es sei denn doch nuu Zeit, daß sie den Ring an ihren Finger stecke, er­wiederte sie, er paffe Micht an ihre Hand, er sei für eine feinere gemacht.

Haunjost verstand sie und sah betroffen unter sich. Der Freiersmann versetzte, so müsse man ihn dem Tilberschmied wieder znstellen, daß er ihn weiter mache; sie solle ihm aber erlauben, daß er ihn ihr einmal anprobire. Er wollte ihre Hand fassen, allein sie entzog sie ihm unwillig und sagte, das sei lediglich ihre Sache. Sie habe überdieß nicht viel übrig für die alten Gebräuche, wie Ring und Handgeld; sie wolle keines von beiden. Sie sei ihrem Bräutigam treu ohne Ring und das Verloben sei kein Judenhandel, bei dem man Drauf­geld geben müsse.

Man kannte im Dorf genugsam das eigenthümliche We­sen Ammis und ihre Art, etwas kurz abzuthun. Obgleich es eine Abweichung von dem festen Herkommen war, so machte doch der pfiffige Weierich kein Aufhebens davon, weil er fürchtete Ammi zu reizen. So verstrich der Abend und Ammi ging leichten Herzens zur Ruhe. Selbst ihr Vater machte ihr keine Vorwürfe.

Aber das ganze Dorf sprach davon am andern Tage. Viele meinten, dahinter stecke etwas: andere sagten:Es ist ein hochmüthig Ding, das sich über das alte Herkommen wegsetzen will." Man suchte aus Ammi herauszulocken, warum

sie das gethan ; aber das war fruchtlos. Sie lächelte und führte mit einem Scherzwort die Leute ab. Daß sie aber alle Tage zu der so schmählig verlassenen Lene ging, das war ein Räthsel für alle Leute, und mit Grund. Was die Mädchen redeten, wußte niemand und es gab Stoff genug an Wasch­bütten, beim Flachsbrechen und bei jeder Zusammenkunft, das Unbegreifliche zu besprechen.

Samstags nach dem Essen sagte Ammi zu ihrem Vater, sie wolle zu ihrer Goth gehen, ob er es ihr gestatte, den Sonntag drüben zu bleiben und erst Montag Morgen zu­rückzukommen? Er gab es zu, aber statt nach dem Dorfe, ging sie zuerst in die Stadt. Dort hatte ihre Mutter in ei­ner achtbaren Beamtenfamilie mehrere Jahre gedient und es war ein vertrautes Verhältniß zwischen ihr und der Familie geblieben. Man trug dort das Wohlwollen auf die brave Tochter der treuen Dienerin über. Sie schüttete der wackern Hausfrau ihr Herz aus und fragte sie, ob sie nicht zu Mar­tini sie in Dienst nehmen wollte. Voll Mitleid mit dem ar­men Mädchen sagte ihr die Hausfrau daS zu und fröhlich kam spät am Abend Ammi zu ihrer Goth. Aber schon Sonn­tag Abends kehrte sie heim und hörte, daß sie der Pfarrer mit Haunjost als Verlobte an gekündigt habe. Sie lächelte und schwieg.

Die Proclamation ging an den folgenden Sonntagen vor­über. Der Vater kaufte die Braurkleider; sic wurden gemacht und waren ausgezeichnet schön. Auf Dienstag wurde die Hochzeit angesetzt. Am letzten Sonntag der Verkündigung des Brautpaars kamen die beiden Hochzcitbitter, den Hut mit Rosmarin verziert und mit dem Branntweinkrug, der an Größe dem Wohlstände des Brautpaars entsprach, in die Wohnun­gen der zu ladenden Gäste. Man trank und der älteste Hoch­zeitsbitter hielt seine von Laune sprudelnde Rede. Es solle einmal wieder eine Hochzeit geben, wie lange keine gewesen, sagte er, darum möchten sie sich einfinden und ein schönes Hochzeitgeschenk nicht vergessen.

Immer mehr wuchs das Erstaunen im Dorfe. Hannjost nur ging still umher. Eine Bräutigamsfreude war an ihm kaum bemerklich; doch ließ er sich die Scherze und Glück-