Der Wanderer.
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Dnblatt zur Uasamsches Allgemniicll Zeitung.
Freitag den 7. Januar
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3 m in t.
Eine Geschichte aus Dem Hunsrücker Hochlande.
(Fortsetzung.)
Der Mittag war stille herangekommen. — „Hast du Wecken int Hause?" fragte da der Later. Als Animi es verneinte, gab er der Magd Geld, sie zu holen. „Nun richte süße Milch zu," sagte der Vater, „und Speck und Eier, denn die Freiersmänner kommen und ich will sie nach Landessitte traktireu." — „Welche Freiersmänner?" fragte sie und ihre Wangen wurden noch bleicher als sonst. — „Die für Weie- richö Hannjost um dich freien. Ich will, daß du seine Frau werdest, und heische vollen Gehorsam. Keine Widerrede dulde ich'" Er sprach diese Worte in einem ganz rauhen, herrischen Tone.
„So thätet Ihr am besten, Ihr lüdet Eure Flinte und schösset mir eine Kugel vor den Kopf; dann schwiege ich für immer!" Ammi sagte diese Worte mit voller Heftigkeit. — „Ammi," versetzte der Alte, „es gibt mehr Ketten als reißende Hunde, sagt das Sprüchwort. Ich rathe dir, nicht noch einmal ein solches Wort zu reden!" Sein Auge rollte so fürchterlich bei diesen Worten, daß Ammi unwillkürlich zitterte. — „Nehmen mußt du ihn, das hab' ich ausgesprochen, und mein Jawort nehm' ich nie zurück. Nichte dich darnach, und wehe dir, wenn du es nicht thust! — Ammi zerdrückte eine Thräne und that still, was er befohlen.
Mittags um zwei Uhr traten zwei Männer in das Haus. Sie hatten ihre Sonntagskleider, die langen blauen Röcke an und die breitkrempigen Hüte auf. Ihre hellblauen Strümpfe waren an dem Knie, wo die kurze gelbe Lederhose endete, aufgerollt und mit dem Lederriemen und der Schnalle befestigt. Schuhe mit blanken gelben breiten Schnallen und die lange dunkelblaue Tuchweste, zugeknöpft bis zum schwarzen Halstuche, mit weißem, überliegendem Kragen, vollendeten den feststehenden Sonntagsstaat. Es waren nahe Verwandte Weierichs von des Mannes und der Frau Seite. Ihre Haltung war steif und feierlich, ihr Gruß höflich und zuvorkommend. Mit lachender Miene begrüßte sie Bender
und setzte ihnen Stühle und schwieg dann, den „Spruch" des Aeltesteu der Beiden erwartend, der nach dem Herkommen erfolgen mußte.
Nach einigen Minuten räusperte sich dieser und stand auf. Er redete Ammi's Vater mit dem vollen Tauf- und Ge- schlcchtsnameu an und sagte, es sei ihnen wie aller Welt bekannt, daß das Haus einen Schatz herberge, köstlicher als Silber und Gold, nämlich eine Jungfrau, holdselig und schön, wie keine mehr unter den Töchtern des Landes, aber, was mehr gelte, züchtig und von untadeligen Sitten und Wandel, fleißig und kundig ein Hauswesen zu regieren, reinlich und wacker vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Solche Vorzüge hätten die Augen einer braven Mutter und eines gutbeleumundeten .Vaters, der auch ein tüchtig Hauswesen, Viehstand, Ackerbau und Baares habe, auf sie geleitet, und sie wünschten, sie als Schnur zu haben für ihren einzigen Sohn und Erben.
„Sagt den Namen an," sprach darauf nach des Landes Sitte der Vater des Mädchens. — Sie nannten ihn; allein noch ließ es die Sitte nicht zu, daß der Vater eine Entscheidung gegeben hätte; indessen lag diese schon in der Aufwartung, die nun folgte. Hätte er ihnen einen Schnaps und Butter, Brod und Käse vorgesetzt, so wäre das ein Korb gewesen, auch ohne ein ausdrückliches Nein.
Die Freicrsmânner harrten mit gespannter Erwartung dessen, was folgen werde; denn wußten sie auch gleich, wie es etwa stand, so konnte ja doch mittlerweile der Stand der Sache ein anderer geworden sein. An den Gesichtszügen war nichts zu merken, denn der Brauch forderte den feierlichsten Ernst, und Bender war nicht der Mann, der das, was ihn innerlich bewegte, geäußert und dadurch seiner väterlichen Würde und Haltung etwas vergeben hätte. Er saß noch einige Minuten still; dann stand er auf und sagte: „Das läßt sich überlegen; daß wir aber das können, werdet ihr mit mir etwas genießen."
Er ging zur Thüre und rief, daß das Bestellte aufgetra- gen werde. „Ich muß das selbst thun," sagte er, „denn ihr wisset, es hat Gott gefallen, mich in den traurigen Wittwer-