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Der Wanderer.

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Kelletristisches Dkiblatt jur Nassauischen

Zeitung.

Wr. 5.

Donnerstag den 6. Januar

18X3.

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/ Eine Geschichte aus vem Hunsrücker Hochlande.

(Fortsetzung.)

Was sie so nachdenklich machte, waren zwei besondere Um­stände, die seit kurzer Zeit auffallend hervortraten. Hannjost ^schien den Auftritt auf der Wiese ganz vergessen zu haben. Er schien blind für die Verachtung, die sie ihm bewies, taub liegen die harten Worte, womit sie ihn, wenn er sich ihr Rechte und das that er mit sichtlichem Bemühen zurück- 'wies. Er ging ihr überall nach, und wo er dachte, er könne r|te finden, da war er gewiß. Dieses auffallende Betragen ^stand nicht allein. Auch sein Vater und seine Mutter waren nt^r so ungewöhnlich freundlich, daß sie fast zu ahnen anfing, 'man beabsichtige von dieser Seite her eine Verbindung anzu- "bahnen.Das war das Eine, was das verständige Mädchen Zutzig machte. Das andere kam aus dem eigenen Hause- iSchon mehrmals hatte ihr Vater, wenn andere Leutemaje- nten," d. h. zu Besuch da waren, die Gelegenheit vom Zaune gebrochen, davon zu reden, wie nothwendig cs für redliche Eltern sei, dahin zu wirken, daß ihre Kinder sich in keine un­passenden Verbindungen einließen; daß es der Kinder Pflicht jsei, den Eltern auch beim Heirathen unbedingten, blinden Ge« ihorsam zu leisten. Es sei, sagte er, heutzutage so eine dumme t Einbildung nnd Nachäfferei der Herrenleute, daß man von Siebe rede, die zum Heirathen gehöre. Die Hauptsache sei, ^daß man etwas habe und erheirathe, denn die Lieb' lasse den , Magen leer und damit sei nicht auszukommen. Derartige t Reden führte er gar oft. Auch hatte er mehrmals hart über Bauermanns geredet, man sah's, absichtlich. Einmal, als 1 SonntagsMaje" (Besuch) da war, hätte sie nicht schweigen ' können. Ihr Vater redete wieder vom Gehorchen beim Hei- rathen.

Vater," hatte sie da gesagt,meint Ihr denn, es sei I vor Gott Recht, daß ein Vater oder eine Mutter ihr Kind zwingen könne, eine Heirath mit einem Unhold einzugehen, den es haßt und verschmäht? Meint Ihr, es sei auch da ge­horsam zu sein schuldig, wo es sich um das Glück oder Elend

seines ganzen Lebens handelt? Meint Ihr, zum Beispiel, ich ließe mich so von Euch verschachern, wie unsere Kühe an den Juden verschachert werden? Da irrt Ihr! Ich muß mit dem Manne leben, den ich nehme, nicht Ihr. Und sehe ich vor­aus, daß üb ihn nicht leiden kann, so soll mich keine Macht zwingen, Ja zu sagen. Das ist meine Meinung. Der Ge­horsam hat auch seine Grenzen, und ein Kind ist nicht das Opferthier, das die Eltern zur Schlachtbank führen dürfen." Da war er aufgebraust mit dem wildesten Zorn, hatte von verdorbenen, ungerathenen Kindern gesprochen, und wie er sie würde, zahm zu machen wissen.

Ein andermal hatte sie, als er über Bauermanns losfuhr, ihre Partei ergriffen und sie vertheidigt; da war denn das Gewitter losgebrochen mit Donner und Blitz und er hatte ihr rund erklärt, er werde nie ftine Einwilligung geben, ihr aber fluchen, wenn sie ähnlichen Gedanken forthin Raum in ihrer Seele gebe.Wohlan," hatte sie da gesagt,so bleibe ich ledig und sterbe als alte Jungfer!"

Seitdem war das Verhältniß zu ihrem Vater nicht mehr das rechte. Kein freundlich Wort sprach er mehr mit ihr. Nur Schnurren und Purren war im Hause; der Friede, wie er früher allzeit geherrscht, war verschwunden. Das hatte ihr schon manche schwere Stunde gemacht und manche Thräne hatte sie mit der treuen Lene geweint. Sie sah, wie auch ihr ein Schicksal nahte, gleich dem der Freundin.

Das alles ging jetzt atz ihrer Seele vorüber und immer tiefer sank sie in kummervolles Nachdenken. Da berührte plötzlich eine Hand ihre Schulter. Sie zuckte vor Schrecken und wandte sich schnell um. Es war Stoffel, der eben aus dem Dorfe kam und nach der Mühle ging. Auch in seinen Zügen spiegelte sich der Kummer. Eine Weile sahen sie sich in die Augen, so still, als sollte« die Blicke reden. Sie thatens freilich auch. Endlich sagte Stoffel:Amini, nun ist die ganze Geschichte klar!"Welche?" fragte das Mäd­chen.Nun, die mit dir und dem Hannjost."Nenne den Namen nicht!" sagte das Mädchen mit großem Ausdruck. Er ist mir so widerlich wie eine Blindschleiche, wenn sie sich zu meinen Füßen windet! Aber sag', was hast du denn? du