: Der Wanderer.
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Eine Geschichte aus fern Hunsrücker Hochlande, n ________
(Fortsetzung.)
1 Peter hatte seine Pfeife angezündet, und nachdem die Staatshândel beseitigt waren, kamen die eigenen daran. Weie- ^rich klagte Bendern, welch einen Streich ihm sein Hannjost e gespielt mit dem Brechen mit Schneiders Lene. Es mochte t ihm damit völlig Ernst sein, aber sein geheimer Zweck forderte 'es, daß er seinen Sohn wo möglich rein wusch. Auf Lene direct eine Schuld zu werfen, wagte er nicht. Er sagte da- jher: „So leid mir auch die Geschichte thut, so Hal sie doch i eine Seite, die mir nicht unlieb ist. Dir, Peter, kann ich c schon so etwas sagen. Siehst du, die Lene ist viel zu weich 'für meinen Hannjost. Er ist so ein Wilder, weil er halt ' weiß, daß er Geld hat und kriegt. Wir waren ja auch ein- , mal jung und haben es an uns auch nicht fehlen lassen, i Das muß Unsereiner bedenken, wenn er über das Thun und ^Treiben der Jugend judicirt. Und ich frage dich, sind wir nicht tüchtige Männer und zugleich auch brave Ehemänner geworden? Freilich hatten unsere lieben Weiber — man muß ehrlich sein — viel an uns zu schulmeistern gehabt: : aber sie haben alle beide — deine, Gott hab' sie selig! und ■ meine, Gott erhalte sie! — Haar auf den Zähnen gehabt, und hingen uns den Brodkorb hoch und legten uns den Maulkorb an, besonders fürs Wirthshaus. Daraus folgte, daß wir alle beide behaltene Männer geworden sind. Die Lene wäre, wie gesagt, zu weich für ihn gewesen und ich hätte be fürchten müssen, er hätte wie ein thöricht Fohlen hinten aus geschlagen. Das ist das Einzige, warum mir die Geschichte weniger unlieb sein könnte. Ich, meines Orts," fuhr er fort, als Peter Bender dazu schwieg, „hatte immer ein anderes Mädchen im Auge für ihn, die Krone aller Mädchen im Dorf: ich will's nur rund heraus sagen — deine Ammi — Aber die Liebe ist stockblind und man mag auch nicht gerade so entgegentreten, weißt du? — Nun aber hat er's selber aufgelöst, und nun ist's gut. Leider hat aber Ammi mir alle
Hoffnung genommen, sie als meine Schnur zu sehen, da sie mit Bauermann's Stoffel, wie ich höre, ein Gehänge hat."
Ammi's Vater hatte bis jetzt still dem Redestrom des verschmitzten Weierich zugehört. Jetzt berührte dieser einen wunden Fleck. „Wer hat's gesagt," fuhr jener auf, „daß das Gehänge mit Bauermanns Stoffel mehr sei als so ein Tanzspaß? Ich denke, wenn die Sache ernstlich gemeint sein sollte, der Vater hätte auch noch seinen Batzen dazmzu geben!"
Gottfried Weierich hatte erreicht was er wollte. Er wußte nun, wie viel Uhr es war und wie die Gäule im Stalle standen. „Freilich," sagte er begütigend, „so denk' ich auch. Es ist zwar heutzutage ein bitterböser Geist in der Jugend. Sie wollen von älterlicher Zucht und kindlichem Gehorsam nichts mehr wissen und gedenken nicht, daß es im Heidelberger Catechismus heißt: „Was will Gott im fünften Gebot? daß ich meinem Vater und meiner Mutter und Allen, die mir vorgesetzt sind, alle Ehre, Liebe und Treue beweise und mich aller guten Lehre und Strafe mit gebührendem Gehorsam unterwerfe," uud wie die Worte ferner lauten. Jedes möchte gern selbst Herr sein, wenn's über einen Strohhalm springen kann."
„Wenn der Vater ein Simpel ist, dann geht's so", fuhr Peter Bender hitzig fort. „Gottlob, ich bin keiner und führe mein Hausregiment mit eigener Hand. Und dem Mädel will ich den Stoffel aus dem Kopf Herausstoffeln, daß es eine Art hat!" — „Wärst du denn nicht abgeneigt, wenn mein Hann- jost käme und um Ammi würbe?" fragte Gottfried Weierich mit sanft lautender Stimme. — „Daß ich dir's gerade sage, Gottfried, ich hab an deinem Buben viel auszusetzen", ffwach Bender; „aber wenn er sich artet, so wüßt' ich nicht was ich thäte. Das aber will ich dir sagen, was wir hier reden, muß unter uns bleiben. Merkte die Ammi, und sie ist ihres Vaters Tochter darin, daß es ein abgekartetes Wesen wäre, es gäb' schlimme Arbeit. Ein resolut Mädel ist sie, das muß wahr sein!" — „Versteht sich," sagte der Syndik. „Dem Hannjost will ich so unter der Hand sagen: „Hätt'st du Benders Ammi gefreit, so wâr' das alles nicht gekommen. Das ist genug, denn er hatte die Ainmi immer lieb, das weiß ich.