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Der Wanderer.

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Deiblatt M Naffauische» Altgemeiaea Zeitung.

-vr. 297. Donnerstag den 16. December /»»».

Eugen Stillfried.

Son F. W. Hackländer, t --------

(Fortsetzung.)

ES sind schon viele Jahre her, begann Hr. Trommler, ich hatte von einer verunglückten Laufbahn gänzlich Abschied ge­nommen und mich dem Theater zugewandt, da befand ich mich ohne Engagement in C. Es ist etwas sehr Trauriges, sich ohne Engagement zn befinden. Man zählt seine Geld­börse nach, man findet nur einige Gulden, man kommt sich vor wie ein zum Tode Verurtheilter; denn mau weiß genau, wie lange man noch zu leben hat, und daß nach einigen Ta­gen Alles zu Ende sein kaun, wenn nicht bis dahin Pardon ankommt, d. h. die Antwort irgend eines Directors, der uns schreibt, daß er es mit uns versuchen wolle, der uns mit Ei­nem Wort auf's Neue anstellt.

Mau sollte glauben, wenn man so ohne Engagement her- nmgeht, meistens ziemlich herabgekommen denn,unnöthige und nöthige Garderobe ist das Erste, was in solch traürigeu Tagen versetzt wird, man sei ein abschreckendes Beispiel für alle jungen Leute, denen cs in einem angenehmen, behag­lichen Leben so wohl geht, und die vielleicht die Liebe zur Kunst, der Drang nach Freiheit, die Lust an einem regello­sen, oft wilden Leben vom Schreibpulle oder aus der Schule wegtreibt, um sich an uns anzuschlicßcn. Im Gegentheil! Wir sind auch dann noch besucht, ja beneidet von jenen leicht­sinnigen jungen Leuten, die unser Leben für das glücklichste halten und die es, selbst mit Kummer und Entbehrung, jedem andern vorziehen würden.

Ich hatte damals noch einen Collegcu, dem es nicht bes- wi ging als mir, eigentlich noch schlechter; denn ich besaß außer meinem Anzug noch einen ziemlich anständigen Hut und Paletot; Jener aber hatte nichts als eine graue leinene Hose und einen schwarzen Frack, ein Anzug, den er sogar in dem damals eben vergangenen Winter getragen, und den er der Ähreszeit Ladnrch möglichst angepaßt, daß er sich auf die- >kn schwarzen Frack mit eigener Hand einen Pelzkragen ge­näht hatte.

Das Kaffeehaus war unser einziger Zufluchtsort; dort la­

sen wir die Zeitung, tranken ein Glas Wasser und suchten Bekanntschaften anzukuüpfcn, die uns zu irgend etwas dienen könnten.

Hier hing sich nun ein junger Mensch an uns; sein Va­ter war Beamter, ein anständiger, wohlhabender Mann, der schon alles Mögliche gethan hatte, um seinen Sohn von dem unglückseligen Gedanken, zum Theater zu gehen, abzubringen. Umsonst! Dieser junge Mensch war voller Phantasie und Schwärmerei und nebenbei verliebt in eine romantische Cousine, der er auf dem Comptoir, hinter dem Schreibpult unaussteh­lich war, die ihn aber wahrscheinlich zu lieben versprach, nach­dem er ein Künstler geworden und sie und das Publicum in irgend einer schmachtenden Rolle entzückt hatte.

Er träumte nun von nichts, als von großen, glänzenden Rollen und von ungeheuren Erfolgen und lag uns mit den inständigsten Bitten an, ihn irgendwo mit hinzunehmcn und ihm zugleich mit uns ein Engagement zu verschaffen. Der Vater, der zu dem Umgänge des Sohnes mit uns durchaus nicht freundlich sah, besuchte mich eines Tages und sagte: Herr Trommler, ich halte Sie für einen braven Mann; Sie werden nicht das Unglück meines Sohnes und meiner Fa­milie wollen; bringen Sie den jungen Menschen von seiner Idee ab, und ich werde wissen, mich dafür dankbar bei Ihnen zu bezeigen.

Sehr gut, dachte ich, und eines Tages machten wir unS auf den Weg und gingen nach dem einige Meilen entfernten kleinen Badeorte, wo der eben angekommene Director noch einige brauchbare Mitglieder suchte.

Der junge Mensch, der Urlaub genommen hatte, irgend eine Tante zu besuche», begleitete unS. Natürlicherweise wußte ich im Voraus, daß dort nichts für uns zu finden war. DaS sagte uns auch der Director sogleich, und wir schlenderten auf der Promenade umher, gingen in den Kursaal, und unser jun­ger Kunstgenosse, der einige Gulden bei sich hatte, fing an zu spielen.

Wie sich denken läßt, hatte er in kurzer Zeit Alles verlo­ren, und da standen wir nun, und guter Rath war theuer; für uns wenigstens. Er aber war gutes Muthes , und es