Der Wanderer.
H*. 287.
Melristisches Beiblatt zur
Allgemeinen Zeitung.
Samstag den 4. December
im
Suge« Stillfried.
8 • n F. W. Hackläude«.
(Fortsetzung.)
Hier hatte sich unterdessen die Scene verändert. Der lustige Rath und Marie hatten ihre Stühle einen guten Schritt aus einander gerückt, und schien Ersterer beim Nähen nicht mehr behülflich zu sein, vielmehr hatte er das roth und weiße Tuch fahren lassen, sich sogar halb abgewandt und blickte mit einem außerordentlich gleichgültigen Gesichte zum Fenster hinaus.
Ah, da bist du! rief er dem eintretenden Eugen entgegen.
Ja, da bin ich, sagte dieser. Du hast mich vielleicht gesucht?
Gesucht nun gerade nicht, Meinte der lustige Rath, «der ich habe dich erwartet; du willst wahrscheinlich spazi- rcn gehen.
Wenn es dir recht ist, antwortete Eugen lachend, so Zehen wir zusammen. Willst du aber da bleiben, so gebe ich allein.
Marie, die sich selbst nicht so in der Gewalt hatte, wie der ehemalige Schullehrer, war roth geworden wie das Tuch, welches sie in ihren Händen hielt. Es mochte vielleicht der Wiederschein eben dieses Tuches sein, und der lächelnde Blick mit dem Eugen sie betrachtete, brachte sie so außer Fassung, daß sie aufstand und davon lief.
Warum läuft sie fort? fragte Eugen so unbefangen wie möglich.
Nun, begreiflicher Weise vor dir, entgegnete der lustige Rath mit einem leichten Aerger. Du hast aber auch eine Manier, die Leute anzuschauen . . .
Daß sie in Verlegenheit kommen müssen, antwortete laut lacheud, Eugen.
Danach die Leute sind, entgegnete achselzuckend Herr Eidel.
Und damit gingen die Beiden fort, um einen kleinen bpazirgang zu machen.
An diesem Nachmittage mußte übrigens der Genius der Zusammenkünfte, wenn es einen solchen gibt, seine Flügel
über dem Wirthshause zur wilden Rose schwingen. Denn in einer schattigen Partie des Gartens, ziemlich entfernt von dem Lindenbaume, unter welchem Herr Trommler lag, saß ein anderes Paar und schien sehr vertraulich mit einander zu sprechen.
Es war dies Herr Hannibal und die blonde Schwester der Principalin.
Beide hatten offenbar eine Rolle zusammen studirt; denn ein paar vergilbte Papierhefte lagen zu ihren Füßen im Grase. Doch mußten sie eben diese^Rollen bereits auswendig kennen, denn sie blickten nicht hinein und sprachen doch Worte, di« sicherlich irgend einem Drama angehören mußten. Die blonde Schwester saß auf einer Rasenbank und hatte den Kopf in malerisch schöner Haltung an einen Baumstamm gelehnt, der zufällig hinter ihr empor wuchs. Herr Hannibal saß etwat tiefer auf einem umgekehrten Fäßchen und schaute zu ihr in die Höhe.
Die Unterhaltung schien einen Augenblick ins Stocken zu gerathen. Endlich nahm sie das Wort. Herr Hannibal, sagte sie und bewegte eine Aster mit langem Stiele vor ihrem Gesichte hin und her, Sie sehen, welchen Antheil ich an Ih- nen als Künstler und Mensch nehme. Deßhalb ist es nicht recht von Ihnen, mir gegenüber den Geheimnißvollen zu spielen. Daß Die früher, in einer anderen Laufbahn waren, als Ihre jetzige ist, sah ich auf den ersten Blick, Sie und Ihre Collegen, Warum nun fortwährend läugnen? — Sie find nicht das, was Sie scheinen.
Hannibal seufzte.
Ja, fuhr die Dame fort, auch der Name, mit dem Sir bei uns austreten, der Name Hannibal, obgleich von sehr schönem Klang, ist ein anderer, angenommener; Eie heißen in Wahrheit anders.
Hannibal seufzte abermals.
Glauben Sie, nahm die Blonde wieder das Wort, daß Sie Sich in meinen Augen herabsetzen würden, indem Sie mir eingestehen, daß Sie früher in anderen Kreisen gelebt, Eie und Ihre Freunde? — O, Herr Hannibal (hier seufzte
die Dame ihrerseits), ich weiß wohl, daß eS oft sonderbar»