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ZMMijches DeidlsU ;»r Asssasischc» Allgemeine» Zeitung.
H>. 286.
Freitag den 3. December
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Sage» KtiUfried.
D » n F. W. H ü ck l â « » c».
(Fortsetzung.)
Und hat der junge Bildhauer au Rosalie nie geschrieben ? fragte Eugen. Hat er ihr seinen Entschluß nicht mit- zetheilt?
Ich glaube wohl, daß sie etwas der Art weiß, entgegnete &ie Frau; denn schon seit zwei Jahren weint und klagt sie auch gegen die Marie nicht mehr; sie ist ruhig und still geworden, und wenn sic über jene Zeit spricht, so kann sie wohl sagen: Ach, Marie, ich habe auf der Welt doch nichts, als Leid und Schmerz; wenn es nicht sündhaft wäre, so zu denken, so möchte ich wohl, ich könnte sterben. Dann sehe ich ihn wohl wieder.
Eugen wußte nicht, was er machen sollte, ^ob eS thunlich fei, die Mittheilungen , die er über jenen jungen Mann von Doctor Wellen erhalten, sei cs durch Maric oder den Verwalter selbst, an Rosalie gelangen zu lassen. Er verstand wohl die trüben Ahnungen, die daS Herz des armen Mädchens erfüllten, die Ahnungen über daS Schicksal des Mannes den sie so innig geliebt, und es dünkte ihm nicht grausam, wenn er ihr die traurige Gewißheit hierüber verschaffte. Ist doch die traurigste Gewißheit weit besser und nicht so quälend, als immerwährende bange Zweifel.
Die Wirthin schien, ohne es zu wissen, oder zu wollen, in seine Gedanken eiuzugchen; denn sie sagte : Wenn man nur etwas Bestimmtes wüßte über das Schicksal des armen jungen Mannes, wenn man es nur Schwarz auf Weiß hätte! Es läge doch eine Art von Beruhigung für das unglückliche Mädchen darin. Ueber Jemand, der gestorben ist, klagt sich weit sanfter und besser; über ihn beruhigt sich das Herz leichter, als über jemand, von dem man keine Sylbe weiß, wo er geblieben ist.
Aber Rosalie glaubt, daß er todt fei ? fragte Eugen bekümmert.
Sie sagt, sie wisse es gewiß, entgegnete Frau Rosel. Es ft ihr etwas Eigenthümliches passirt. Sie können Sich ben- Kn, daß die Capelle ihr Lieblingsplatz ist. Da saß und sitzt
sie oft Stunden lang und betrachtet die Marmorbilder und denkt an ihn. — Und vor zwei Jahren, im Jahre 1849, war sie ebenfalls da, an einem trüben Nachmittage im Frühjahre. — Marie war nicht droben; die arme Rosalie war ganz allein in der Capelle. — Da habe sie inniger als je an ihn gedacht und habe ihn im Geiste vor sich gesehen, alt sie unwillkürlich ihre Augen geschlossen; aber nicht lebend und gesund, wie sonst wohl, sondern bleich und mit Blut bedeckt. Und sie habe plötzlich die Augen wieder geöffnet, denn eS sei ihr gewesen, als fahre Jemand mit der Haud über die Marmorfiguren. Aber daS war nichts Unnatürliches, sondern nur ein verwelkter Blumenkranz, der von selbst losgerissen und herabgesalleu war. Aber den Blumenkranz hatte sie damals : als ein Zeichen um ihr eigenes Bild gehängt und hatte zu : sich selber gesagt : Dort soll er Haugen bleiben, bis ich von ihm sichere Nachricht erhalte. Der fiel nun herunter, und das durchschauerte sie. Als Marie an dem Abend hinauf kam, warf sie sich ihr weinend um den Hals und sagte; ^Du kannst mir glauben, heute ist er gestorben. Das war am 23. März. .
Ja, sie hatte Recht! rief Eugen erschüttert, das war der Tag der Schlacht von Novara.
Die Wirthin sah den jungen Mann ängstlich fragend an und nickte mehrere Mal mit dem Kopfe. Ja, ja, sagte sie nach einer Pause, so hätte es geheißen, meinen Sie .— Novara. — Ja, ich habe es nicht vergessen. — Aber sprechen Sie, Herr Wellen, was wissen Sie um Gottes willen davon ? Sagten Sie nicht, es wäre so, er wäre gestorben?
Das sagte ich gerade nicht, gute Frau Rosel, sagte Eugen einigermaßen bestürzt; sondern ich meinte nur. . .
Macht mir keine Flausen! antwortete die Frau. Habe ich mit Ihnen offenherzig gesprochen, so thun Sie eS auch mit mir. Sie sind mir ein feiner Vogel! Gehen Sie da her und forschen mich aus und wissen am Ende mehr als ich! Pfui! schämen Sie Sich I
Sie thun mir wahrhaftig Unrecht I Ich will Ihnen gern sagen, was ich weiß. Allerdings habe ich durch Zufall eine . Geschichte erfahren, die sehr viel Aehnlichkeit mit der Ihres