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Der Wanderer.

Dkiblatt ;«r Uassamschm Allgemme« Zeitung

». 283.

Dienstag den 30. November

ZS. 5».

Eugen Stillfried

Vs» F. W. Hacklände v.

(Fortsetzung.)

Die Theilung ging vor sich; der Heldenspieler, Herr Hol- Ler strich sein Geld mit einer Miene der Geringschätzung ein, der Geberde des Kapitalisten, dem es einmal Spaß macht, statt sich immer in großen Zahlen zu bewegen, einen kleinen unbedeutenden Verdienst der Merkwürdigkeit halber in Empfang zu nehmen. Herr Trommler ging leicht und gewandt auf die Principalin los, schaute mit einem schmerzlichen Blicke auf die rechte Seite des Buches, wohin der Finger der Madame Mül­ler wies, und strich seufzend das Geld ein, das ihm hinge­zählt worden.

Jetzt kam die Reihe an die drei neu Engagirten, denen man, wie sich von selbst versteht eine frische Seite ejngeräumt hatte. Mit einem wohlwollenden Lächeln zählte die Principa­lin ihren Abend-Antheil hin, während sich der Principal schmun­zelnd auf den Tisch stützte, wobei seine heitere Miene sagen wollte: Nicht wahr, das ist schon etwas? Man steht sich nicht so schlecht bei mir. Doch wer beschreibt das Erstaunen dieses würdigen Mannes, als Eugen seinen Antheil sowie den des Herrn Müller leicht mit der Hand zurückschob und die Versicherung gab, cs sei ihm unmöglich, für die jetzige Zeit, die er als eine Lehrzeit j betrachte, sich bezahlen zu lassen. Zch, sowie mein.College, Herr Müller, setzte er hinzu, haben, Gott sei Dank! noch einiges Ersparte und werden uns nur dann entschließen, eine Gage von Ihnen zu nehmen, wenn wir kinmal einsehen, daß wir Ihnen von wirklichem Nutzen sind. - Was dagegen den Herrn Hannibal anbetrifft, fuhr er fort, indem er diesen herbei rief, so verhält sich die Sache freilich anders. Er soll sein Geld nehmen, setzte Eugen etwas leise hinzu; so ungeschickt, wie er sich anzustellen pflegt, so ist doch dieser junge Mann im Stande, Ihnen den allergrößten Nutzen in bringen.

Der Schauspiel-Director sah ihn verwundert an.

Er hat seine Launen, fuhr Herr Wellen fort; aber wenn " in seinem eigentlichen Fache arbeiten will, so setzt er die ^clt in Erstaunen.

Und was ist denn sein eigentliches Fach? fragte der,Prin­cipal.

Das steht ihm doch auf seinem Gesichte geschrieben, ent­gegnete Eugen. Haben Sie je Züge gesehen, die mit einer kleinen Ausbesserung von Kreide und Schminke eine vollkom­menere Pierrot-Maske geben würden?

Sie bringen mich da auf eine Idee, sagte lächelnd der Schauspiel-Director, indem er seine rechte Hand in die Seite stemmte und mit der linken das Kinn unterstützte. Pantomi­men und dergleichen ist eine Leibspeise für das Publicum; aber seit mein armer, dicker Komiker starb . . .

Der von der Kugel herabrollte?

Derselbe. Seit er nicht mehr ist, war ich nicht mehr im Stande, dergleichen zusammen zu bringen.

Mit Hannibal ist Ihnen schon geholfen, sagte hierauf Eugen mit einer Bestimmtheit, welche allen und jeden Zweifel niederfchlug. Er faßte den Arm des Schauspiel-Dircctors und fuhr fort: Wenn ich Ihnen erzählen könnte, was dieser junge Mann in seinem Fache Alles schon geleistet hat, Sie würden erstaunen.

Aus diesem jungen Manne ist für Ihre Anstalt der größte Nutzen zu ziehen; er ist ein Künstler im besten Sinne des Wortes. Aber er will mit Strenge und Ernst behandelt sein.

Uebergeben Sie ihm morgen in irgend einer Pantomime eine beliebige Rolle, so wird er auf die Probe kommen und Ihnen sagen, er könne das nicht machen weil er nicht will. Hartnäckigkeit und Eigensinn sind die Grundlagen sei­nes Charakters. Aber wie ich Ihnen schon sagte: er ist ein vortrefflicher Künstler.

Also man müßte ihn mit großer Strenge behandeln? meinte der Director und streichelte seinen langen weißen Rock.

Mit großer Strenge! fuhL Eugen fort; zu seinem eigenen Besten allerdings. Und das Gute au diesem Künstler ist, daß er, sobald man ihn ernst und streng behandelt, baldigst einsteht, man habe nur sein Bestes gewollt, und sich alsdann sehr dankbar für die Mühe bezeigt, die man sich mit ihm gegeben.

Nun, wir wollen sehen! sagte der Director schmunzelnd.