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Der Wanderer.

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Deiblatt ;« Nassauischen Allgemeinen Zeitvng.

Jr. 263.

Samstag den 6. November

/S.5».

Eugen Stillfried.

Don F. W. Hackländer.

(Fortsetzung.)

Aber wenn deine Sehnsucht so gewaltig mit der Entfer­nung wächst, fuhr der lustige Rath fort, nachdem er sich für bas Kompliment bedankt, so wirst du's leider Gottes nicht mehr aushalten können und nach der Stadt zurück verlangen, und damit wäre unsere ganze Kunstreise beendigt.

Ein Ende muß sie jedenfalls einmal nehmen, sagte lächelnd Eugen.

Ehe sie noch angefangen hat?

Das nicht; ich weiß, daß ich nicht zurückkehren kann, und jo sehr ich schon auch danach verlange, die Verhältnisse, an »eiche mein Herz denkt, und die ich in einiger Confusion zu­rückgelassen, bestmöglich zu ordnen, so ist eS doch schon recht, daß ich einige Zeit hier zurückgehalten werde, Wird nicht weine Freude desto größer sein, wenn wir uns auf den Heim­weg begeben?

Ach ja, sagte Herr Sidel ironisch lächelnd.

Und wenn ich die Stadt wieder sehe, wo sie wohnt?

Ach ja!

Und Madame Schoppelmann mich in die Arme schließt?

Versteht sich! Und Herr Fritz und Herr Konrad dir bie Hände schütteln.

Ganz recht! sagte lacheud Eugen. Das wird sich Alles !o begeben, wie du so eben prophetisch vorausgesagt, und du wirst im Bunde der Sechste sein; ich werde dann ein Moßes Haus einrichten, und dir wird dann die ehrenvolle Aufgabe, die Herren Friß und Konrad Schoppelmann bestens iu erziehen.

Das kannst du nicht von mir verlangen, entgegnete der ästige Rath mit komischem Ernste; denn wie du weist, habe zur Erziehung gar kein Talent. Aber jetzt wäre es besser, fuhr er mit anderem Tone fort, wenn wir uns nach wiserem Frühstück umsähen. Es riecht aus der Küche unge­heuer appetitlich herauf nach frisch gemahlenem Kaffee und neugebackenem Brod. --He! du Kleine!

Dieser Ausruf galt Marien, der Wirthstochter, welche im

Begriffe war, sich auf die Terrasse neben dem Hause zu begeben.

Das junge Mädchen sah augenblicklich in die Höhe.

Die ist fast zu hübsch, sagte Herr Siedel zu Eugen, als daß ich so vom Fenster herab mit ihr sprechen dürfte.

Thu es immerhin! entgegnete dieser; denn ich halte eS noch für viel unpassender, sie so lange warten zu lassen, biS du dich mit deiner dicken Figur binabgewälzt bast.

Diesem Rathe folgend, sprach also Herr Sidel zum Fen­ster hinab, doch verwandelte er das vertraulicheDu" mein respektvollesSie". 3

Würden Sie nicht die Güte haben, sagte er demgemäß, uns freundlichst für ein Frühstück besorgt sein wollen? Kaffee Butter und Brod.

Für zwei Herren? rief das Mädchen herauf.

Natürlich, für Zwei! rief Herr Sidel hinab.

Und der Herr Hannibal? sagte lächelnd das Mädchen.

Richtig! antwortete lachend der lustlge Rath, jetzt Herr Müller genannt, Herrn Hannibal hätten wir beinahe vergessen.

Dieser Künstler, nahm Eugen das Wort, wird für sich allein frühstücken; aber wenn es Ihnen keine große Mühe machte, mein liebes Kind, so würde ich Sie bitten, unseren Kaffee auf die Terrasse bringen zu lassen; muß sich da vortrefflich frühstücken lassen.

Recht gern! .rief das Mädchen und sprang in's Haus zurück.

Betrachte doch einmal diese Kirche, sagte Eugen nach einer Pause, sieh den viereckigen Thurm, überhaupt die zierliche, hübsche Bauart des Ganzen an und betrachte dir dort an dem Chor jene hohe Mauer, die sich eine Strecke weit den Berg hinauf sortsetzt. Dort endigt sie mit dem kleinen runden Thurm, um höher hinauf, aber zerbrochen, wieder anzufangen. Die Kirche ist wahrscheinlicher Weise zu gleicher Zeit mit dem älteren Theile des Schlosses da oben entstanden und war mit jenem verbunden.

Das heißt, entgegnete Herr Sidel, jene Mauer, die wahrscheinlich um das Ganze dort herumlief, setzte das Letztere mit dem Castell da droben in Verbindung und war eine Art