Der WEderer.
Dciblalt zur
Allzmemm Zeitung.
^. ess. Dienstag den
28. September fs««.
Eugen SMlfrrcd.
Von F. W. Hackländer.
(Fortsetzung.)
Sollten Sie wohl glauben, fuhr der Major nach einer Pause fort, daß es Leute gibt, die behaupten, es sei nicht mehr eentil und anständig, Meerschaumköpfe zu rauchen?
Der Adjutant schauderte und sagte mit gepreßter Stimme, er glaube nicht, daß cs solche Menschen gebe.
Und doch! rief der Major triumphireud; sehen Sie unseren General-Auditeur an. Der Mann hat, Gott weiß, woher! so kleine schwarze Chemnitzer Thonköpfe bekommen und bildet sich nun ein, das sei etwas Elegantes. Ich Hab's ihm aber auch gesagt: so ein Chemnitzer Kopf ist passend für einen Unteroffizier , aber Jemand, der Stabsoffiziersrang hat, kann sich, wenn er nicht den ganzen Tag Cigarren rauchen mill, nur der Meerschaumköpfe bedienen. — Zwiebel! unterbrach hier der Major den Strom seiner Beredtsamkeit und schaute ärgerlich nach dem Bedienten um, der in der Ecke drinnen beschäftigt war, die blank gewichsten Stiefel seines Herrn auf einem Gestelle in saubere Richtung zu bringen. Zwiebel! rief der Major abermals; mach' Er keinen so höllischen Lärmen.
, Der Bediente duckte sich sichtlich zusammen und machte ein Hit jammervolles Gesicht ; dann entfernte er sich' aus den Zehenspitzen und zog die Thüre ohne das geringste Geräusch hinter sich zu.
, Der Major sah ihm grinsinig nach, zog einige gewaltige Zâze aus seiner Meerschaumpfeife und sagte alsdann: Sollte ^an das glauben, daß ich jetzt volle zwei Jahre an die- sem Kerl erzogen habe, an ihm herumgeschliffen und polirt, nun endlich doch finden muß, daß statt guten und brauch- Stoffes nur eine jämmerliche, nicht zu verwendende an ihm ist? Ist das nicht fürchterlich, Herr Lieute- von Stiefeler?
Fürchterlich | wiederholte der Adjutant und sah mit trost- To Gefichtsausdruck nach der Thür, durch welche Zwiebel •° eben verschwunden.
Ich habe mir, fuhr der Major fort, mit diesem Menschen
die unsäglichste Mühe gegeben, ich habe ihm das Servicen bcigebracht, ich habe ihm etwas gute Lebensart eingeprägt, ich habe ihm eine außerordentliche elegante Livree machen lassen und zu ihm gesprochen: Siehst du, Zwiebel, wenn du meinen Befehlen gehörig folgst, so kann aus dir ein ganz ge- wichs'ter Kerl werden; wenn du ausgedient hast und ich mir einen neuen Burschen anschaffen muß, so soll es mir gar nicht schwer fallen, dir bei fortgesetztem gutem Lebenswandel eine anständige anderweitige Anstellung zu verschaffen.
Ich weiß cs, sagte von Stiefeler empört. Der Herr Major haben für diesen Burschen väterlich gesorgt.
Ja wohl, väterlich! sagte groß der Major; das ist das rechte Wort, und danach geht diese undankbare Creatur hin und blamirt mich vor meiner ganzen Whist-Gesellschaft! — Bei diesen Worten betrachtete der Major angelegentlich seinen Meerschaumkopf, und nur das sanfte Braun, das dort zu Tage kam, schien ihm einigermaßen einen Trost zu gewähren.
Waren Sie in dem Augenblicke in dem Zimmer? fuhr der Freiherr von Brander nach einer Pause fort. Gott der Gerechte! ich meine, mich sollte der Schlag treffen. Born die Theegesellschaft hatte sieb glücklicher Weise verlaufen, Madame sich in ihr Zimmer zurückgezogen, und da sitzen wir so harmlos bei einander und rauchen und plaudern, und der alte Oberst war so in seinem Gott vergnügt; er hatte einen glücklichen Tag gehabt, wir alle eigentlich mit ihm; denn bei der Marade, die an jedem Morgen Statt fand — Se. Majestät der König hielt jene Parade ab —, da wandten Allerhöchst- dieselben Ihr Pferd herum, wie wir mit klingendem Spiele anrückten, und sagten zu Ihrem ersten Adjutanten: Ah, das zwanzigste Regiment! und Sie begreifen, bester von Stifeler,. was dieses königliche Wort heißen wollte. Seine Majestät wollte unzweifelhaft damit ausdrücken: bis jetzt habe ich nur so aus Pflicht die Parade mit ansehen müssen, aber von dem Augenblicke an, wo das zwanzigste Regiment aufmarschirt, macht es mir ein wahres Vergnügen. Für mich war dieses wichtige Ereigniß doppelt angenehm; denn in dem Augenblicke, wo Seine Majestät sprachen: Ah, das zwanzigste Regiment! hatte ich das Glück, gerade mit meinem Bataillon vorbeizumarschiren. Dieser Ausbruch hat uns alle sehr glück-