Der Wanderer.
I ir. sro
Kellelristisches Deiblatt;ur
Allgemeinen Leitung.
Samstag den 18. September
iss».
Eugen Stillfried.
Nach F. W. Hackländer.
(Fortsetzung.)
I Seitdem Madame Schoppelmann aus dem Küchenbuche I des Stillfried'schcn Hauses als Lieferantin ausgestrichen wor- I den, versank Martha, die Köchin in eine gelinde Schwermuth. I Sie hatte anfänglich geglaubt, hinter den Augen der Staats- I rcith n doch noch von der dicken Gemüsehändlerin das Noth- I wendigste und Beste beziehen zu können, und hatte auch in I; dieser Richtung einen Antrag an sie gestellt, den aber Ma- I baute Schoppelmann mit Verachtung von sich wies. Wenn I ich Eurer Dam' nicht mehr gut genug bin und nicht mehr I Eurer Frau ins Haus kommen soll, so bin ich dagegen viel I zu stolz, um mich durch die Hinterthür zu schleichen. Für ■ Euch thut es mir leid, setzte sie halbgerührt zur Köchin hin- I zu; aber das kann ich Euch versichern, Eure Frau oben wird I uoch viel darum geben und einstens noch einmal sehr froh I darüber sein, wenn die Frau Schoppelmann wieder kommt I und ihr einen guten Tag wünscht.'
Genug davon! Euer Haus ist ein respectables Hans, das I wird kein Mensch läugnen; aber es gibt noch viele derglei- I men, noch recht viele ähnliche. Aber — nun, ich will mich I lucht selbst loben, und doch kann ich es nur mit Stolz sa- I Ü^u — es gibt in der hiesigen Stadt nur Eine Frau Schop- I Pelmann.
Und darin hatte die Gemüsehändlerin vollkommen Recht. [ Die Köchin empfand dies aufs allerschmerzlichste; aber auch die Staatsrälhin selbst hatte nicht wenig unter dem Wechsel ch^er Lieferantin zu leiden. Wir können es leider nicht verzweigen, daß die alte Dame seit jenem Tage lauter man- Alhche Diners bekam. Gute Fische kamen gar nicht mehr ^i ihren Tisch; das Geflügel, statt gemästet zu sein, sah aus, uls habe es krankheitshalber eine Hungercur durchgemacht; das Gemüse war schlecht und dürftig, und von neuen, feinen Gemüsen war gar keine Rede mehr. Umsonst hatte die Staatsrâthin schon einige Mal selbst, und sogar durch den ^ustizrath, diese Angelegenheit unten in der Küche ermahnend tarnend zur Sprache gebracht; umsonst hatte sie die Drohung ausgesprochen, wenn sich diese Geschichten da unten
nicht ändern würden, so sehe sie sich in die Nothwendigkeit versetzt, in ihrem Hanse eine allgemeine Aenderung eintreten zu lassen. — Alles umsonst. Die Familie in der Küche hatte sich gegen die Familie droben verschworen, und die Familie droben mußte nachgeben, wie das so oft in dieser Welt geschieht, wenn eine gesinnungstüchtige Dienerschaft fest zusam- mcnhaltcnd gegen die Herrschaft conspirirt.
Sei Sie vernünftig! sagte der Jacob zur Köchin; lass' Sie es jetzt in dieser Geschichte genug sein; am Ende wird Sie doch noch und wir alle mit, den Kürzeren ziehen müssen. Mach' Sie bessere Einkäufe für den Tisch droben. Der Teufel auch! wenn ich die Staatsräthin wäre, ich hätt's schon lange geändert.
Ja, ja, fügte der Kutscher hinzu, jetzt lass' Sie es gut sein, Martha. Da ist noch eine andere Lieferantin, eine gewisse Frau Weber. .
Mit der soll ich mich einlassen? schrie die Köchin und schwang ihr Schlachtmesser mit einem entsetzlichen Blick über ein paar unscheinbare Hühner, wahre Jammergestalten, welche vor ihr auf dem Tische lagen. Zu dieser Weber sollte ich gehen? wiederholte sie; zu der Todfeindin der Frau Schoppelmann? Nie!
Martin nahm einePrise und machte die Schnalle an einem Steigbügel, den er geputzt, laut lachend in den Riemen. Das Weibervolk ist unverbesserlich! fagte er alsdann, und Jacob setzte hinzu: Und lächerlich in seinem Hasse, wie in seiner Freundschaft.
Ja, schloß der Kutscher, und hartnäckig wie alte Kutschcn- pferde!
Nanette, das Stubenmädchen, saß nähend in der Ecke der Küche, und da man sie, das junge, unreife Ding von sechsunddreißig Jahren, nicht zum Sprechen aufforderte, so hatte sie auch nicht den Muth, sich einzumischen.
Ja, rief die Köchin laut hinaus, es war eine brave Frau, die Schoppelmann. Aber Ihr Männer habt von so etwas keinen Begriff. Fragt die Nanett' da hinten, wie man sich auf die dickeHrau verlassen konnte. Du lieber Gott auch, wie wußte die auswendig, was ich brauchte! wie konnte sie so schön mit mir überlegen!