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Der Wanderer.

Beiblatt M Nassauische« Allgemeinen Zeitung.

Ar. 19Oi

Samstag den m. August

18M(

Äatiza.

Magyarische Novelle, nach einer wahren Begebenheit. Von A. N. von Perger.

(Fortsetzung.)

Die Räuber werden genug mit dem Leichnam zu schaffen haben, und wenn sie das Pferd mit der Beute ver­missen, ziehen sie gewiß so schnell ab, als sie können, denn sie werden glauben, daß man ihnen auf der Lauer liegt. Darum versiegelt diese Sachen und geht dann nach Hause. Für heute sind wir sicher.

Aber trotz dieser beschwichtigenden Rede des Wirthes sollte doch noch eine Unterbrechung stattfinden, denn mit einem Male stürzte ein junger Mann mit glühendem Antlitze, rollenden Augen und verwirrtem Haare athemlos zur Thüre herein. Er schwang in seiner Rechten einen Dreschflegel und schrie: Wo ist Katiza! Zeigt mir Katiza! Katiza!" Und da er sie erblickte, warf er den Flegel weg, stürzte zu ihren Füßen, umfaßte sie und rief ohne an die Gegenwart der Uebrigen zu denken:Dn verwegene, Du schreckliche Katiza, was hast Du mir angethan? Aber weil Du nur wieder da bist! Nur wie­der da! Und dabei gerieth er in Lachen und Weinen und ließ nicht los von dem Halse des Mädchens, das sich vor Freude und Verlegenheit nicht zu helfen wußte.

Es war Antal. Der gute Bursche kam wohl nach erhal­tenem Befehle nicht wieder in das Zimmer, aber es konnte ihm Niemand verbieten, sich an's Fenster zu schleichen nnd zu horchen, wo es sich wahrscheinlich um sein Liebstes handelte. Er vernahm wohl Einiges, doch konnte ihm der Zusammenhang des Ganzen nicht klar werden, da man bald laut, bald aber sehr leise sprach. Als aber Katiza endlich ^as Hülltuch umwand, und gerade da es zwölf schlug, die Gaststube verließ, begab er sich rasch vom Fenster, wobei er unvorsichtiger Weise das erwähnte Geräusch veranlaßte, eilte 111 die nächste Scheuer, wo er, um irgend eine Wehr zu ha- den, einen Dreschflegel nahm und schritt dann voll Besorg- nlß dem Mädchen nach, welches offenbar einem großen Wa- gestück entgegen ging, denn es nahm quer über die Wiesen en Weg nach dem Sandhügel. In den dortigen Gebüschen ""d im Dämmer der Nacht verlor er sie aus dem Gesichte,

gewahrte dann aber ihre Gestalt für einen Augenblick wieder dicht am Galgen und verlor sie dann neuerdings. Wie gern hätte er ihr gerufen, aber auch er hatte bemerkt, daß der Leichnam des Räubers fehle und ahnte daher, daß Gefahr in der Nähe sei. Da vernahm er endlich den Hufschlag des Pferdes. Sein erster fürchterlicher Gedanke war, daß die Räuber Katiza entführten. Er stürzte dem Walde zu, aber dort war Alles still und verödet. Da klang ihm der Huf­schlag wie von der Straße herüber. Er kehrte um und rannte dem Schalle »ach, wie ein Verzweifelnder, bis et endlich das Gasthaus erreichte, über den Zaun sprang und seine Katizcr wohlbehalten vor sich sah.

Dem Müller war jedoch diese allzuoffene Darlegung der Gefühle seines Sohnes keineswegs angenehm. Er sah wohl ein, daß er nach Dem, was Katiza vollbrachte, nicht mehr zurücktreten konnte, ohne sich der Mißachtung aller Einwohner von Gönyvar auszusetzen, allein er wollte, daß nunmehr das Ganze im Wege väterlicher Gnade vor sich gehen solle. Der jüngste Aufkitt aber, der nicht nur vor den Stammgästen, sondern auch vor den Knechten des Wirthes stattfand, schnitt ihm hierdurch den Weg ab und schien ihn hier zu einer un­bedeutenden Nebenperson machen zu^ wollen, wenn er nicht wieder selbstthätig in den Gang der Dinge eingreifen würde. Und dieses Letztere that er denn auch auf folgende Weise.

Es ist gut, Vetter Wirth," sagte er;Du hast dieses Mal Alles für Dich und deine Meinung. Und was ich ver­sprach, das werde ich halten, denn deine Schaffnerin ist brav. Aber Jstvan, sie hat unsere Stadt in eine Klemme gebracht. Wqr hat ihr geheißen, daß sie das verdammte Packroß der Räuber mit hereinbringe? Es war ja genug, daß sie dort war, und wenn sich der Murgu nicht mehr vorfand, so konnte ja Katiza nichts dafür. Aber mit dem Fortnehmen des Pfer­des hat sie uns die ganze Bande auf den Hals geladen. Die Diebe schonten uns bisher, weil wir zu nahe am Walde wohnen, jetzt aber müssen wir ihre ganze Rache fürchten und Wer weiß, ob meine einsame Mühle nicht schon morgen um Mitternacht brennt. Wie gesagt, der alte Nagy wird sein Wort nicht brechen, aber bevor das unzweckmäßige Benehmen