Da er sich aber weder dm Waffenstillstände, noch irgend einer Ordnung fügen wollte, brach er plötzlich mit seiner Bande auf, erpreßte von den Landesbewohnern Geld und Lebensmittel, bemächtigte sich in Arona der Dampf- und anderen Schiffe und landete bei Luino.
Er wollte in der gebirgigen Strecke, die zwischen den Seen liegt, einen Guerillaskrieg entzünden, allein der Feldmarschall, der bei der Masse Herren- und vaterlandslosen Gesindels, womit damals Italien sehr überschwemmt war, für die innere Sicherheit des Landes besorgt war, beschloß diesen Einfall zu strafen und dadurch jedem feeren Versuche ein Ende zu machen.
Er sandte zur Verfolgung Garibaldi's das ganze zweite Armeecorps, von welchem er dergestalt in die Enge getrieben wurde, daß er sich bei Marazzone unweit Varese genöthigt sah, das Gefecht anzunehmen. Er leistete ziemlich tapferen Widerstand, und obgleich von überlegenen Kräften umringt, gelang es ihm unter dem Schutze einer sehr finstern Nacht und von landeskundigen Führern geleitet, nach Luino zu entkommen, von wo er sich abermals in die Schweiz zog und später Rom mit Tapserkeit und nicht ohne Geschick gegen die Franzosen vertheidigte.
Die dreitägige Waffenruhe ward nun durch den am 9. August im Hauptquartier des Feldmarschalls erschienenen Generalquartiermeister des Königs in einen sechswöchentlichen Waffenstillstand umgewandelt, mit der Absicht, um für einen künftigen Frieden Unterhandlungen anzubahnen.
Levassors ersten Komikers am Theater des Palais royal in Paris.
Gastspiel in Bad-EmS.
Der berühmte KomikerLevassor, der schon öfter die Saison zu EmS besucht hat, erfreute uns auch dieses Jahr mit seinen trefflichen Leistungen. Seine erste Vorstellung am 26. Juli war sehr zahlreich besucht, und das Publicum gab seinen Beifall auf's Deutlichste zu erkennen, so daß die zweite Vorstellung am 28. Juli auf allgemeines Verlangen gegeben wurde. Leider war Levassor bei dem ersten Auftreten unwohl, und die Begleitung der Musik ließ sehr viel zu wünschen übrig; beim zweiten Male war beides besser. Wir fanden in Levassor einen recht denkenden Künstler, der seine großen Anlagen durch eine vortreffliche Schule zu einer großen Höhe herangebildet hat. Er verbindet mit einem herrlichen Minenspiel eine so ausdrucksvolle Darstellung, daß er das Publicum hinreißen muß. Seine Gesangstücke find von der besten Wirkung, voller Leben und Seele, seine Witze treffend, plquant. Ein Engländer fühlte sich durch die Darstellung des Anglais Monomane so betroffen, daß er mitten in der Vorstellung plötzlich aufstand, seinen Ueberzieher anzog, und davon eilte, so daß er beinahe seinen Hut vergaß. Darin lag gerade die beste Anerken
nung der gelungenen Production. Besonders interessant war auch dic Darstellung Lait d’anessc, wo Levassor's Fran mitspielte, und bie Parodie über „Robert den Teufel". Stürmischer Beifall folgte beut letzteren und Levassor wurde zum Schlüsse herausgerufen.
Wir können nicht umhin, unsere Verwunderung auszuerücken, bog noch keine Theatertruppe, die doch sonst selbst die kleinsten Bäder besuchen, sich für eine Saison etablirt hat.
Zur Caoesgelchichte.
Man schreibt aus Venedig vom 23. Juli: Gestern begab sich unsere halbe Stadt (dank der Eisenbahn) nach dem kaum eine halbe Stunde entfernten Padua. Dort wurde nämlich unter den schattigen Bäumen der Pra della Valle, geziert mit auserlesenen Marmorstatuen, ein Wettrennen zweiräderiger Wagen, der sogenannten Bighe, nach altrömischer Sitte abgehalten. Jene weite, rundförmige Ebene wurde fast zur Hälfte von den Tribunen für Zuschauer eingefaßt, worunter man die Logen für die Richter, die Commission des Municipiums und die Offiziere rc. besonders reichlich ausgestattet hatte. Alle Häuser mit Aussicht auf den Platz waren mit buntfarbigen Stoffen und eleganten Damen geschmückt. Die unzähligen Volksmassen konnten kaum durch die reitende Gensd'armerie in Ordnung gehalten werden; Alles, was nicht einen Platz in der Tribune bekommen konnte, drängte sich zu den Planken des Circus, um ja nichts von dem Feste zu verlieren. Die Spannung aber erreichte den Gipfel, als die feurigen Rosse losgelassen wurden. Die für die Wette bezeichneten neun Bighe wurden in drei Batterien abgethcilt, nach den Racen der vorgespannten Pferde. Kaum hörte man den Donner des ersten Kanonenschusses, so öffneten sich die hölzernen Gitter und die erste Batterie, Pferde italienischer Race, maß mit Blitzesschnelle drei Mal den Kreis als Vorkampf, da nur der Sieger zum letzten entscheidenden Rennen zugelassen werden sollte. Diesen Vorkampf wiederholten die andern zwei Batterien, ungarischer und englischer Race. Nach der feierlichen Verkündigung der drei Sieger rückte eine Cavallerie-Escadron aus, um den Circus von Menschen zu säubern. Musik unterhielt das ungeduldige Publicum während der Raststunde für die Wettrennen. Die Spannung unter den Zuschauern steigerte sich immer mehr. Geldwetten wurden aller Orten abgeschlossen, wobei sich die Furcht allgemein kundgab, daß auch Heuer die nationale Race hinter den andern zurückstehen werde. Auf den dritten Kanonenschuß begann endlich das eigentliche Wettrennen. Schon haben die kleinen paduaner Pferde das Geländer des innern Kreises erreicht und die englischen Rappen um ungefähr 30 Schritte zurückgelassen. Der Jubel kannte keine Grenze mehr, Beifallrufe und Händeklatschen erschallten von allen Seiten, man zweifelte schon nicht mehr an dem Siege. Allein kaum hatten die unbändigen Wettrenner den Circus einmal umfahren, als eins der italienischen Pferde, vom Koller befallen, sich auf dem Boden zu wälzen begann. Unter Ausdrücken des Bedauerns kehrte sich nun die allgemeine Aufmerksamkeit den Ausländern zu. Die feurigen Engländer erhielten die Siegerfahne und eine Geldprämie von 600 Zwanzigern, die jedoch den Eigenthümer derselben schwerlich für die ihm durch einen heftigen Krontritt verursachte Verwundung entschädigt haben werden. Die mit Lorbeer umkränzten Rosse wurden unter die Balcone der Herrschaften geführt, von wo herab zahlreiche Geldspenden regneten. Eine große Corso- fahrt von mindestens 300 Equipagen beendete das beliebte Volksfest der Paduaner. , , „
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