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ß Miu Regen durchnäßten und hungrigen Truppen wohl mit I blutendem Herzen besichtige. Er hatte seine Brust muthig den Kugeln blosgegeben, unerschrocken dem Tode ins Ange I geblickt, aber der Tod verwarf dieses Opfer.

Der König beging den Fehler, sich von seinen Truppen s zu trennen, und statt in einem dem Walle nahe gelegenen s Hause nahm er seine Wohnung im Hause des Grafen Creppi I mitten in der Stadt; er entfernte seine Escorte und ließ sich I blos von Mailänder Nationalgarden bewachen. Diese übel- s verstandene Großmuth kam ihm theuer zu stehen und hätte ihm beinahe das Leben gekostet. Kaum war er vom Pferde 6 gestiegen, so berief er einen Kriegslast), dem auch Deputa­tionen der Stadt Mailand und das Vcrtheidigungscomitö I beiwohnten. Die Lage der Dinge ward nun von allen Sei­ten berathen , und es fand sich, daß sie gänzlich unhaltbar . sei. Die Stadt hatte nur noch auf zwei Tage Lebensmittel, es fehlte durchaus an Kriegsmunition; kurz , die Meinung * aller Mitglieder fiel einstimmig dahin aus, daß man mit dem I Feinde eine Kapitulation eiligeren müsse. Die beiden Ge- nerale Lazzari und Rossi wurden also beauftragt, sich in das ; Hauptquartier des Feldmarschalls zu begeben und eine Con­vention mit ihm abzuschließen.

Demzusolge kam ein Vertrag zu Stande, nach welchem die Picmontesische Armee Mailand und die Lombardei in zwei i Tagen räumen sollte. Denen, die sich compromittirt glaub- ! len, waren 12 Stunden Frist gestattet, um die Stadt zu ver- i lassen. Um 4 Uhr Nachmittags sollte die Ratification aus- gewechselt, den 6. August um 6 Ubr die Porta Romana un- I firn Truppen übergeben werden und um 12 Uhr der Feld- marschall feilten Einzug mit seinen Truppen halten.

Wer die Lage der picmontesischen Armee und der Stadt Mailand ohne Leidenschaft zn beurtheilen im Stande war, der mußte gestehen, daß vortheilhaftere und gemäßigtere Be­dingungen weder erwartet, noch gegeben werden konnten; denn »och einmal wiederholen wir: Mailand entging dadurch einem Bombardement und wahrscheinlich einer Plünderung. Wir unsererseits zweifelten auch gar nicht, daß man diese Bedin­gungen mit Dank annehmen würde.

Allein kaum war das Gerücht vom bevorstehenden Ab­züge der Piemontesen in der Stadt bekannt geworden, so öff- ueten sich die Häuser; die bis dahin Verborgenen strömten die vor einer halben Stunde noch todten und öden Straßen, jeder Piemontese, der sich blicken ließ, ward insul- twt und das Wort tradimento durchzog im Wahnsinn aber- mals die Straßen.

^w ließ nun die Bedingungen der Capitulation bekannt machen und ein großer Theil der Einwohner beruhigte sich, le Ezallirten aber, durch die republicanische Partei aufge- ^' wälzten sich gegen das Palais des Königs; hier stieß

man auf die königlichen Equipagen, die eben abfahren woll­ten; der Pöbel stürzte die Wagen um, plünderte sie und er­richtete damit Baricaden um das Haus Creppi.

Der König wird mit Deputationen bestürmt, und während dieses vorgeht, fliegt ein Theil des Geniegebâdes , wo man Patronen verfertigte, in die Luft, wobei mehrere Menschen ge- tödtet wurden. Dieses Ereigniß, das nicht den leisesten Zu­sammenhang mit den Vorfällen im Palais Creppi hat, erneuert den Tumult und abermals tönt es aus tausend Kehlen:Tra- dimento I Tradimento"!

Der König zeigt sich dem Volke, und zum Kampfe auf­gefordert, antwortete er:Ihr wollt, daß ich bleiben soll, wohlan, ich werde bleiben, aber nur unter der Bedingung, daß ihr euch schlagen werdet"!Hunderttausend italienische Hände werden sich für die italienische Freiheit erheben"! war die Ant­wort.Keine Phrasen" , entgegnete der Monarch,sondern schlagt euch"!

So erzählt man das Zwiegespräch zwischen dem Könige und den Volkslenkern.

Unterdessen umlagerte der Pöbel das Haus, ließ keinen Offizier aus demselben, welcher die Nachricht von der drohen­den Gefahr des Königs und seinem festen Entschlusse, den Kampf wieder aufzunehmen, hätte an die Truppen überbringen können.

In der Stadt aber hatte sich die Nachricht schnell ver­breitet, daß der König die Capitulation nicht bestätigen wolle. Die Mehrzahl der Einwohner, die Folgen dieses Schrittes fürchtend, beschlossen, eine. Deputation an den Feldmarschall zu senden; an ihrer Spitze befand sich der Podesta von Mai­land, Paolo Bassi, und der Erzbischof. Der König hieß ihren Schritt gut.

Der Feldmarschall, obgleich nur iu vagen Gerüchten von dem unterrichtet/ was in Mailand vorging, gab, da die zur Ratification des Vertrags festgesetzte Stunde verstrichen war, Befehl, die Voranstalten zu einem Bombardement zu treffen. Schon waren die Offiziere der Artillerie und des Genieeorps abgegaugen, um die Stellungen der Batterien aufzusuchen, als man von den Vorposten die Ankunft der erwähnten Deputation meldete.

Inzwischen hatte die Verwirrung in Mailand den höchsten Grad erstiegen. Die Truppen, von der Gefahr des Königs unterrichtet, hatten ihre Kanonen gegen die Stadt gerichtet, und so stand Mailand in Gefahr, von Freund und Feind be­schossen zu werden. General Bava hatte gleich anfangs Mit­tel gefunden, zu entfliehen, und Befehl gegeben, daß die Prin­zen ihre Truppen nicht verlassen sollten, allein der Herzog von Genua, der Lieblingssohn seines Vaters, wie man behauptet, konnte die Besorgnisse um seinen Vater nicht besiegen, und es gelang ihm, das Palais zu erreichen. Er redete das Volk