Der Wanderer.
Jr. 173,
Deiblatt zur
Allgeuitiuen Zeitung.
Sonntag den «3. Juli
F«LS
Dee Daueenfängee.
Erzählung von Bernv v. Guscck.
t Fortsetzung.)
Zwei Tage später langte der Graf mit seiner Schwester auf dem Schlosse an. Der Jnspector hatte Nachricht davon gehabt und die Ankunft kaum erwarten können, denn er hatte ihm eine wichtige und schauerliche Meldung zu thun, wovon er auch bereits Anzeige an das Kreisgericht gemacht, zu welchem Obcrhcrmsdorf seit der Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit gehörte. In einer Schlucht der Waldberge, kaum eine Viertelstunde vom Schlosse entfernt, war vorgestern die Leiche eines Ermordeten gefunden worden, eines unbekannten, sehr dürftig gekleideten Menschen, der von Stichen in die Brust gelobtet worden war; es hatte sich bei ihm weder ein schriftlicher Ausweis über seine Person, noch irgend ein Zeichen in seiner elenden Leibwäsche gefunden — die gerichtliche Obdnction hatte Statt gehabt und schon war der Aufruf zum Drucke abgegangen.
Ein Motiv der That ließ sich schwer errathen — vielleicht hatte der Unglückliche auch Hand an sich selbst gelegt, aber die Waffe hatte sich dann auch vorsinden müssen, was hier nicht der Fall war. Einige Kupfermünzen Baarschaft hatte er noch besessen; ein Raub war' auch ohnedem hier nicht denkbar.
Der Graf hörte den Bericht mit ernster Ruhe an. „Wir können dabei nichts weiter thun! Lassen Sie uns hoffen, daß unsere friedlichen Berge mit den wüsten Erscheinungen des Weltstromes, dessen tiefster Schlamm jetzt aufgerührt ist, verschont bleiben und cs an dieser einen genug ist. — Ich kann Ihnen auch eine Nachricht bringen, etwas besseren Inhaltes- 'Der Diebstahl, der an dem alten Biber begangen wurde, ist entdeckt."
„Entdeckt!" rief der Jnspector mit großer Freude. „Das ist ja für Vater Martin ein wahres Glück!"
„Das heißt, für Vater Martin fehlt noch das Wichtigste, der eigentliche Thäter und das Geld. Nur den Helfershelfer, welcher den Actuarius gespielt, hat mein Joseph durch Zufall betroffen und gleich festgehalten, er hat noch mit ihm eine Konfrontation zu bestehen und wird darum erst nachkommen,
wenn die Untersuchung, welche doch nur eine vorläufige sein kann, geschlossen ist. Erinnern Sie sich eines gewissen Flasch?"
„D ja, Ihres gewesenen Kammerdieners, der so viele fremde Sprachen konnte , und in der ganzen Welt gewesen war."
„Dessen Sohn ist der eigentliche Räuber, der den ehrlichen Martin um seine Erbschaftsgelder betrogen hat. Sein Cumpan, welcher durch unseren geschicktesten Beamten zum Geständnisse vermocht wurde, hat ihn angegeben. Der alte Flasch hatte mich so vielfach übervortheilt, daß ich ihn endlich verabschiedete: er hatte sich mit Recht oder Unrecht ein kleines Vermögen gesammelt. Seines Knaben entsinne ich mich nicht mehr, die Sache ist vielleicht fünfzehn, achtzehn Jahre her. Der Bursche soll dann von Kindheit an sein Talent zu Ränken nnd Bübereien ausgebildet haben und die Liste der Abscheulichkeiten, wodurch er dann seine Existenz nach dem Tode seines Vaters gefristet, ja zuletzt zu einer glänzenden gemacht, übersteigt alle Begriffe."
„Wie ist er denn aber mit dem alten Biber zusammengekommen?"
„Er hat seine Tochter zufällig getroffen, mit ihr Bekanntschaft angeknüpft, diese, in ihrer Offenherzigkeit, hat über die Angelegenheit, die ihren Vater nach Berlin geführt, geplaudert — so hat er alle Fäden gehabt, dann hat Verkleidung, falscher Bart, Brille, Schminke, waZ weiß ich Alles! helfen müssen, er soll darin durch öftere Uebung eine wahre Meisterschaft besitzen — und so ist kaum zu hoffen, daß er noch im Bereiche der Gefahr verweilt. Er wird seine zusammenge- schwindelten und geraubten Schätze wohl nach America gerettet haben, das Seinesgleichen das Land der wahren Freiheit nennst
„Ja, dann thut mir der arme Biber leid!" sagte derJnspector. „Dann kommt er auch um seinen Hof!"
„Nun, nun, Walter! da wollen wir schon helfen," versetzte der Graf. — Er hatte durch Joseph erfahren, wie cs stand und war wie immer bereit, seinen Eingesessenen ein Helfer in der Noth zu sein.
Die Gräfin ging auch schon am Nachmittage hinunter, um