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Der WMderer.

Ikiblatt Mr Uassamschc» Allgemeinen Zeitung.

Jr. i?l,

Freitag; den «« Juli

im

Der Bauernfänger.

Erzählung von Bernd v. Guscck.

Vil

(Fortsetzung.)

Am Morgen, als er vor seinem Toilettenspiegel sich den Bart ordnete und sich anzog, fiel ihm selbst auf, wie blaß er war. Zwischen seinen Augen, welche nicht das alte Feuer sprühten, zog sich eine Falte tief hinab , war er krank? Ein spöttisches Lächeln zuckte um seinen Mund: die Kur war ja zur Hand. Er mußte ja enttäuscht, von seinen romantischen Ideen, wenn er ihnen nur den Zügel schießen ließ, schnell ge­nug in die Wirklichkeit zurückgeführt werden. Mit diesem Gedanken wanderte er aus. Er hatte zuerst nach dem Schlosse hinaufsteigen wollen, aber ben Hirtenjungen, dem er begegnete, fragte er nach Martin Bibers Hause. Es stand dicht vor ihm ein Bauernhaus , wie alle anderen. Wer einen recht praktischen Blick gehabt hätte, würde vielleicht dock- gesehen haben, wie sich dieser Hof als der eines tüchtigen Wirthes von manchem benachbarten unterschied, aber Mosen hatte seine Augen nur auf ein helles Kopftuch gerichtet, das über dem Zaune sichtbar wurde. Und wirklich täuschte er sich nicht, es war Marie. Sie war auf einen Stein gestie­gen , welcher innerhalb der alten Ulme lag und schaute in das Dorf hinaus, Mosen wähnte einen Augenblick: nach ihm, aber sie sagte ihm gleich, als er ihr guten Morgen bot, daß sie nach dem Doctor schaue, mit dem Vater ginge es schlechter.

Da war denn mit ihr, die sich in der ängstlichsten Span- mmg befand, nicht viel zu reden, Mosen sagte ihr ein paar Worte des Trostes, die ihr wohl thaten und schied dann von 'hr. Aber wie anziehend war sie ihm wiederum erschienen! Er beschleunigte seinen Schritt, gleichsam als wolle er Ge- douken entfliehen, die sein Haupt und sein Herz so schwer machten, doch cs war hier vergebens, sich zu sträuben und er setzte sich endlich auf eine Ruhebank, welche er unterwegs traf, nieder, stützte dann seinen Kopf in die Hand, so daß sie den Ausdruck seines Gesichtes gänzlich verdeckte und saß

in dieser Stellung wohl eine Viertelstunde, bis er plötzlich aufsprang.

Und warum nicht?" sprach er vor sich hin.Ich habe meinen Kahn vom Ufer gestoßen, die Wellen sind hinter ihm zusammengeschlagen, meine Spur ist jeglichem Auge verwischt! Wenn ich nun hier ein neues, ein glückliches Leben anfangen wollte! Nur Eins stört mich das Schloß dort!"

Er ging aber demungeachtet hinauf. Der Inspektor, wel­cher das Gut bewirthschaftete, war noch auf dem Hofe, Mo­sen stellte sich ihm unter seinem Namen vor und sagte auch ihm, daß er sich ankaufen wolle, wobei er von ihm, als einem erfahrenen Manne, einige Auskunft über Lage und Werth von Besitzungen, die ihm vorgeschlagen worden, zu erhalten hoffe. Es war ein einfacher und praktischer Landwirth , mit dem er hier zu thun hatte, keiner von den jungen, welche nach Bü­chern wirthschaften und selbst Bücher über die Oekonomie schreiben, noch ehe sie dieselbe recht getrieben. Gewiß hätte Mosen von ihm den besten Rath erhalten können, aber auch diese Gegend war nicht verschont geblieben von den Güter- speculanten und Schwindlern, welche recht ein Ruin der Land­wirthschaft und des Grundbesitzes sind, da sie nur Güter an sich kaufen, um möglichst rasch daraus so viel zu Gelde zu machen, als nur zu erlangen, durch Holzschlag. Ueberdüugung rc., gleichviel ob der reelle Werth des Gutes und seine Bo­denkraft dadurch heruntergebracht wird, und es dann schnell wieder losschlagen, an bcthörte Käufer oder neue Speculanten. Der alte Inspector war also mißtrauisch gegen fremden Besuch und ging nicht recht auf Mosen,s Wünsche ein, so vortheilhaft ihn sein ganzes Benehmen auch von der anders auftretenden Clique unterschied.

Es bedurfte erst wiederholten Zusammentreffens, das sich in der nächsten Zeit oft ganz zufällig machte, um für Moseu eine andere Meinung, dann aber auch großes Zutrauen zu gewinnen. Der junge Mann hatte von Natur die Gaben er­halten, welche geeignet sind, überall die Herzen zu erschließen, wohl Jedem, der solche Gaben hat und sie nicht miß - braucht!

Er blieb vor der Hand ganz in Oberhermsdorf. Um seiner ersten Aussage treu zu seyn, machte er viele Ausflüge