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Der Wanderer.

Ar. IC«.

M NaMische» Allgemeinkn Zeitung.

Samstag den 17. Juli

F«L».

Der Bauernfänger.

Erzählung von Bernd v. Guscck.

(Fortsetzung.)

Da ist der Herr Adsestcr," sagte Joseph.

Der Assessor ging wirklich eben über die Flur, ziemlich geschäftig, wie es schien. Als er sie bemerkte, schob er sich die Brille zurecht und sagte verdrießlich:Sind Sic schon hier? Müssen warten! Oder wenn Sie das nicht wollen, so kommen Sie in zwei Stunden wieder."

Aber wir möchten doch gar zu gern abgefertigt sein" sagte Vater Martin bescheiden.

Das möchte ein Jeder! Indessen Sie sind weit her und wollen heul' schon wieder abreifen: kommen Sie! Wir müssen in mein Geschäftslocal gehen, es ist nur ein Paar Straßen weit und ich will Ihnen schon diesmal den Gefallen thun."

Dankbar folgten ihm die Beiden. Er führte sie, um den nächsten Weg einzuschlagen, durch mehrere krumme Winkel­gäßchen, dann über eine Brücke und wieder in kleine Stra­ßen mit halben Trottoirs. Endlich kamen sie in eine brei­tere Straße, wo er in ein Haus trat.Ich wohne hier oben in der Vorderfronte, mein Burean ist im Hinterhause, man kann bei dem Lärm nicht arbeiten. Hoffentlich wird mein Secretär zu Hause sein." Sic waren eine kleine Treppe hinaufgegangen, der Assessor klopfte an eine Thüre.

Wer ist da?" rief von innen eine Stimme.

Ah, er ist zn Hause. Machen Sie auf, Herr Simon, ich bin's." Die Thüre wurde aufgeriegelt und ein kleiner blasser Mensch im dürftigen Rocke stand vor ihnen, der ver­beugte sich und sagte:Es sind schon drei hier gewesen, Herr Assessor. Der Herr v. Bielefeld hat tausend Thaler ein- gezahlt in Friedrichsd'or, die Gcheimräthin Memmingcr holte sich ihre Zinsen von den Pfandbriefen, und der Herr Graf von Reichenau schickte her wegen des Anschlages von Ober­hermsdorf."

Haben Sie es abgemacht, Herr Simon?" fragte der As­sessor gleichgültig, indem er eintrat und den beiden Bauern, welche bei dem Namen ihres Gutsherrn die Ohren spitzten, einen Wink gab, ihm zu folgen.

Ja wohl, Herr Assessor. Sie hatten ja das große Siegel draußen gelassen."

Gut. Hier ist der Bauerngutsbesitzer Biber aus Ober- hermsdorf Sie wissen ja." /

Biber aus Hermsdorf, ja wohl. Ihr habt Eure Erb­schaft in Empfang genommen und wollt die Gelder int De­positenbuche löschen lassen?"

Ich weiß weiter nichts mein Geld hab' ich," sagte ' der Bauer.

Seid froh und haltet es fest," versetzte der Schreiber lächelnd, ,indem er an einen Tisch ging und ein paar große Bücher, welche dort lagen, zurecht rückte.Bei uns Gerichten läuft zuweilen das Geld wie Quecksilber durch die Finger, daß man gar nicht weiß, wo es geblieben ist." Ueber diesen Spaß lachte er selbst am meisten. Der alte Martin kratzte sich ungeduldig hinter den Ohren.

Fertigen Sie die Leute ab," sagte der Assessor, welcher sich auf einen Stuhl geworfen hatte nnd ein großes Zei- tungöblatt las.Sie wollen noch heute in ihre Heimath zu- rückreisen."

So zeigen Sie her," sprach der Schreiber und schlug sein Buch auf.Sie werden wissen, daß Depositengelder gelöscht werden müssen."

Der Herr Assessor hat uns mit hergenommen," sagte Martin zögernd.Weiter weiß ich nichts. Drüben im Gerichte ist schon viel geschrieben und ausgestrichen worden."

Sie halten die guten Leute zu lange auf, Herr Simon", nahm der Assessor das Wort, legte sein Zeitungsblatt hin, schob sich die blaue Brille zurecht, welche seine Augen gar nicht erkennen ließ und winkte den alten Bauer zu sich.Ihre Papiere? Es ist Ihnen doch in Papier ausgezahlt worden?"

Martin griff in die Brust seiner Weste, wo er der Sicher­heit wegen den ganzen Schatz untergebracht hatte und zog Pfandbriefe und Papiergeld heraus, welches er mit einem gewissen Widerstreben dem Beamten darreichte. Ihm war, als könnte er die Summe, welche er kaum wie er sich ausdrücktelosgeeiset", wieder in die Hände des Gerichts zurückfallen sehen. Mit scharfen Augen bewachte .er seinen Hort.