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Kellelristisches Ikiblatt zur

Mgemcinm MvG

3f. F»L. Sonntag den 4. Juli iss».

Sie Mäntgift der Nacht.

Roman von Levin Schücking.

(Fortsetzung.)

Maximilian war seiner nicht mehr Herr. Gebrochen sank er in seinen Stuhl zurück. O Gott, was that ich dir! stöhnte er im wüthendsteu Seelenschmerze, und eine Zeit lang war er wie besinnungslos und hörte nicht, daß die Saalthüre sich geöffnet hatte, und hörte nicht die Bewegung, die um ihn entstanden. Da faßte ihn eine Hand an der Schulter; er blickte empor, sein Auge traf entsetzliche Gesichter und -eine ihm unbekannte Stimme sagte leise und schüchtern hinter ihm:

Herr Baron, ich muß Sic bitten, mir so bald zu folgen, wie es Ihnen möglich ist.

Ein blasser kleiner Mann von militärischer Haltung mit einem dürftigen blonden Backenbarte stand da; er war in Uni­form, und diese Uniform sagte Alles, was er selbst aus Scho­nung oder aus Schüchternheit in dieser Versammlung angese­hener und vornehmer Männer hinzuzusetzen unterließ.

Das Geheimniß von Maximilians Doppelehe war bereits in den Besitz zu vieler Eingeweihten gekommen; die Justiz hatte einen Wink von einem so ausfallenden, beinahe so un­glaublichen Verbrechen, das in den höchsten Gesellschaftskreisen begangen sein sollte, erhalten, und sie hatte mit Blitzesschnelle handeln und ihre Pflicht thun zu müssen geglaubt, im Be­wußtsein, wie einem solchen hervorragenden Opfer gegenüber ihre Thätigkeit tausendfach controlirt werde.

Maximilian sah eine Weile den Beamten an, als ob er ihn nicht verstehe, dann erhob er sich, beugte langsam mit einer gewissen stolzen Herablassung das Haupt und sagte:

Kommen Sie, mein Herr! ich bin bereit, Ihnen zu folgen!

Es wird sich hoffentlich nur um einige Aufklärungen han­deln, welche der Herr Jnstructionsrichter sich geben zu las­sen veranlaßt ist! bemerkte der Beamte, wie um zu beschwich­tigen.

Gut, gut! kommen Sie, wiederholte Maximilian und wandte sich zum Gehen.

Max!! Er geht! Er geht! donnerte in diesem Augen­blick eine tiefe und rauhe Stimme. Es war die Ruprecht Mildeufurth's, der während der letzten Hälfte dieser Verhand­lungen wie in sich versunken, wie in völliger Stumpfheit über seiner unsäglichen Trostlosigkeit brütend da gesessen hatte, der aber jetzt nuffuhr, als ob durch diesen letzten Schlag die volle alte Krast in ihm wach gerüttelt sei, und wie ein wunder Eber brüllte.

Er gcht . . . gelassen ... in den Kerker! rief der alte Freiherr Maximilian! ehrvergessener Mensch statt den Schädel lieber an der Mauer zu zerschlagen o, so nimm meinen Fluch mit in die Wohnung der Schande ich ver­fluche dich, ich enterbe dich!

Dann bin ich doch wenigstens so etwas wie ein Bettler, da ich mich zum Verbrecher nicht habe stempeln lassen wollen! sagte Maximilian Rauschenloo mit einem unaussprechlich bitteren Lächeln, indem er stolz das todtenblaffe, gramgezeich­nete Gesicht empor zu halten suchte; aber er kämpfte verge­bens wider seine Empfindung in diesem Augenblicke an, seine Natur versagte den Dienst bei allem dem, was auf ihn ein­stürmte er fühlte einen heftigen Schwindel und tastete convulsivisch nach einer Stütze; aber es war keine Stütze da, denn er stand bereits in der Mitte des Saales; deßhalb streckte er die Hand nach dem einzigen Menschen aus, der ihm nahe geblieben war nach dem Manne des Gesetzes. Vor seinen Augen begann es immer heftiger zu flirren da vernahm er ein Rauschen von Frauengewändern, er hörte einen leisen Schrei der Angst, und ein Paar Arme schlangen sich warm, mit krampfhafter Heftigkeit um seinen Nacken, und ein warmer Odem hauchte ihm wie ein Balsam Leben ein, und:

Maximilian! Maximilian! rief die Stimme, die den Angst­ruf ausgestoßen ich bin es, ich, Margarethe, dein Weib! ja, ich bin dein Weib, und wenn dich die ganze Welt ver­läßt, ich verlaffe dich nun und nimmer ich gehe mit dir in dein Schicksal und mit dir in den Tod, wenn es sein muß unb wenn du in den Tod gehst!

Erschüttert standen die Anwesenden umher. Margarethe war ans dem Nebenzimmer gekommen, wo sie mit Amalgun-