Einzelbild herunterladen
 

Den Mittelpunkt des bewegten Lebens bildete das neue BadhauS, eben so wie auch die erlauchte Frau, die eS nun bewohnt, der alleinige Gegenstand der größten Sorgfalt und Aufmerksamkeit ist. Die Dienstbeflissenheit,: die sich um sie herum bemüht, steht jedoch in keinem Ver­gleiche zu der AlleS erschöpfenden, aus AlleS bedachten Fürsorge, die angewendet wurde, um die Räume, die ihr zum Aufenthalte dienen, würdig und möglichst komfortabel ouSzustatten.

Die Mythen, welche über daS untere Badhaus und seine Einrichtung unter der Schlangenbader beau monde Don Mund zu Mund gehen, sprechen von feenhafter Pracht und orientalischem LuruS. DaS neue BadehauS selbst ist ein stattliches geräumiges HauS von zwei Stockwerken. 3m Erdgeschoß sind die Bäder, im ersten Stockwerk die Wohnzimmer der Kaiserin, im zweiten die ihrer weib­lichen Begleitung.

Die Gänge deS HauseS sind mit Lagen feiner Tep­piche bedeckt, die Seitenwände mit rothem Glanzb'attist auSgeschlagen, worüber weißer Moll gespannt ist. Allent­halben sind gewählte Blumen angebrachtdie daS Auge erfreuen und die Luft mit Wohlgerüchen füllen". Die Wohnzimmer haben Thibet-, Sammt- und Atlastapeten, daS Wohnzimmer der Frau Gräfin ZnamenSkaia hat einen Grund von rother Jndienne mit darüber gespanntem weißem Tüll. DaS Zimmer der Frau Großfürstin Olga ist ähnlich decorirt und außerdem sind die Wände mit BouquetS besteckt; die Vorhänge sind von den schwersten Stoffen, die Drappirungen Muster von Geschmack und Geschicklichkeit; alle Möbel und der ganze Hausrath sind nach den neuesten Zeichnungen rc. re. rc.

Im Badezimmer ist, wie leicht begreiflich, Alles zu­sammengedrängt, waS Ek größte Sorgfalt, die höchste Bequemlichkeit erfinden und gebieten kann.

Der Garten hinter dem Hause bietet mit seinem kühlen Schattengängen einen angenehmen Aufenthalt im Freien und hinlänglichen Raum zu kurzen, weniger an­strengenden Promenaden, auch werben dort nicht selten von einzelnen Gruppen der hohen Gäste, wie Laune und Zufall ifte vereinigen, die kleinen Mahlzeiten einge­nommen.

In den Garten selbst gelangt man vom zweiten Etockwerk auS auf Treppen, die zu beiden Seiten deS HauseS angebracht sind. Die eine, wahrscheinlich für die Dienerschaft bestimmte, ist mit einem Baldachin von Trill gedeckt, die andere mit einem architektonisch geformten in byzantinischem Styl gehaltenen Flechtwerk von Stäben überdacht, daS mit blühenden G-wächsen verziert und von Schlingpflanzen durchzogen sich mit feinem eleganten und luftigen Bau anmuihig von dem grünen Hintergrund des Gartens und deS waldgekrönten BergeS abhebt.

Im oberen Badehause sind die nach dem Nassauer- Hof und nach der Terasse gelegenen Zimmer den beiden Großfürsten eingeräumt, die gegen den sogenannten Neu­bau gelegenen Zimmer den Kavalieren der Suite zuge­wiesen. Der Herzog von Leuchtenberg wohnt im Hotel Victoria, der Prinz von Preußen wird die bisher von dem Prinzen Friedrich von Würtemberg bewohnten Zim­mer beziehen.

Während ich dieses Alles sah und waS ich nicht se­hen konnte, erfuhr, hatte die herzogliche RegimentSmusik die in zwei großen Omnibus und einer entsprechenden An­zahl von Droschken eingetroffen waren ihre Morgenpro- ductionen beendet; der Schall der Musik verstummte, die Berge schwiegen, die Equipagen verschwanden, die Pferde wurden auSgespannt, nach den Ställen geführt, der Corso von Schlangenbad wurde leer, die Hotels füllten sich; die bürgerliche Welt sah sich tim nach Speise und Trank.

Ich flüchtete in den Schatten der Veranda am Hotel Viktoria. DaS anspruchlose AuSs.hcn dieses gastlichen Raumes war nur MaSke gewesen. Mögen die Schlan­genbader Wirthe in allen Punkten, namentlich in Bezug auf die Vorzüge ihrer Gasthäuser, verschiedener Meinung sein, in einem Puncte entfallen sie eine rührende Neber­einstimmung : in dem Bemühen, einander wenigstens in Bezug auf die Preise die Concurrenz zu halten. Sie ha­ben vage Vorstellungen von einer in gewisser Zeit dro­henden HungerSnolh, von dem Ausschlagen aller Lebens­mittel, von Sprengung deS Zollvereines, von einer Doua« nenthtie im Wallufer Thal und am Bürstadter Weg; eine glühende Fantasie, gepaart mit unrichtigen Begriffen über den Werth deS Geld.S, vergegenwärtigt ihnen die Folgen solcher Ereignisse, sie eilen der Zeit voraus und ihre Preise haben Mühe, ihrem Gedankenflug nachzukeu­chen. Ein penny-a-liner hätte gedacht, fordere du nur zu, ich werde mir dein SuperpluS schon herauâschreiben, du lieferst mir Stoff, also Geld, und hätte geg-ffen und getrunken und gezahlt in der angenehmen Aussicht, die Länge seines Berichtes mit der Höhe der Rechnung in Einklang bringen zu können. Eine zweite Flasche und daS Dessert hätte ihm ein herrlicher Männergesang ge- deckt, der während meines MahleS vom Berge herab tönte; eine Tafelmusik die mich um so mehr freute , als sie nicht für mich bestimmt war. Es war daS Sänger­chor deS zweiten Herzoglichen Regimentes, daS der Kai­serin auf diese Art feine Huldigung brachte und so viel ich trotz der weiten Entfernung entnehmen konnte, auch Lieder mit eigenS zu dieser Gelegenheit gedichteten Tex­ten sang.

Nach Tisch war ein Spaziergang in die Anlagen angezeigt. An dem Springbrunnen auf der Terrasse hinter dem Nassauer Hof, hatte sich eine fröhliche Gesell-