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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allstem. Zeitung.

No. 129. Freitag den 4. Juni 1852.

Die Königin der Nacht.

Roman von Levin Schücking.

(Fortsetzung.)

Sie beurtheilen mich ganz und gar falsch! antwor­tete Wennemar mit einem unbeschreiblich wehmüthigen Tone. Machen Sie mir keine Vorwürfe, Margarethe; ich wäre der Letzte auf Erden, der die Hand zu etwas böte, über da'S Sie Sich zu beklagen Ursache hätten aber ich, ich habe Ursache, mich bitter über Sie zu be­klagen.

Sie über mich, Wennemar, über Ihre beste Freundin? . Ja, denn, Margarethe , Sie glauben mich bestechen zu können!

Verzeihung, Wennemar! sagte betroffen die junge Frau und gab ihm sogleich gerührt die Hand. Sie sind ein edleS Herz! Ich hatte Unrecht aber wenn Sie wüßten, wie viel bittere Empfindungen seit gestern und heute durch meine Brust gezogen sind, so würden Sie mich nicht verurtheilen. Wennemar, ich fühle eine Krisis in meinem Verhältnisse zu Maximilian nahe; mein Mann ist im Begriffe mir sein Vertrauen zu entziehen ge­schähe es wirklich und in dem Umfange, wie es mir leider bereits der Fall zu fein scheint, eS wäre der Tod für unsere Ehe; wenn der Mann der Frau nicht mehr vertraut, so ist das ein Beweis, daß er sie nicht mehr achtet und eine Ehe ohne meines Gatten volle Achtung zu der wird sich Margarethe Gräfin von Wartenstein nun und nimmermehr herablassen !

Aber um Gottes willen, Sie nehmen eine unbedeu­tende Sache so ernst und tragisch, Margarethe . . .

Als wenn eS sich um die wichtigsten Dinge handelte darum handelt eS sich auch, mein Freund, eS handelt stch um mein LebenSglück. Glauben Sie, ich sähe nicht? Halten Sie den Scharfsinn einer Frau, welche liebt, für sv gering, daß fie blind für Dinge ist, wie sie gestern

und heute mir entgegengetreten sind? Marimilian'S plötz, licheS Auf- und Davongehen, seine Rücksichtslosigkeit da­bei gegen mich, seine Weigerung, mich die Verwandten in Mildenfurth begrüßen zu lassen, dieser Spanier mit dem Galgengesichle, Ihre und Marimilian'S Aufregung kurz, eS geschieht etwas, das vor mir verborgen wird, ich lasse mich nicht täuschen, ich will AlleS wissen, durch Sie will ich Alles wissen, oder ich bin eine unglückliche Frau für ewig!

Wennemar war außer sich gerathen bei diesen Wor­ten der schönen jungen Frau, die ihre Erregung nicht mehr zu verbergen suchte und in deren Wimpern eine Thräne perlte.

Aber, mein Himmel, Margarethe, meine liebe Cou­sine! sagte er, woher soll ich Worte nehmen, um Ihnen den Ungrund Ihres Argwohnes darzuthun? ich will gleich mit Maximilian reden, er wird . . .

Nichts davon Sie, Sie selbst sollen offen gegen mich sein, damit ich Maximilian bestrafen und für seine Heimlichkeiten beschämen kann!

Der ehrliche Chronist, dem so alle Ausflüchte abge­schnitten waren, stand eine Weile in heftigem Kampfe mit sich selber. Endlich hatte er ein AuSkunflsmittei ge­funden, mit dem er sein Gewissen beruhigte, während er erweicht nachgab und daS Schweigen brach, welches er Maximilian gelobt hatte.

In der GemülhSverfaffung, in welcher Sie sind, Margarethe, sagte er, bleibt mir nichts übrig, als Ihnen die ganze Wahrheit zu gestehen; ich glaube, es ist das meine Pflicht, um ein trauriges Zerwürfniß zu verhüten. Sie sollen sehen, wie ungegründet, wie lächerlich all Ihr Verdacht wider den guten Maximilian lst. Der Spanier hat sich erboten, uns diesen Abend, wenn die Dunkelheit eingetreten, imHohlspiegel", wie er eS nennt, sehen zu lassen, wer eigentlich der Fremde auf Mildenfurth ist.