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mehr zu. Hat man eS durchgekämpft, so haben die Er­innerungen davon etwas Befriedigendes und Erhebendes und Großartiges, aber wie Mancher erliegt auch dem Kampf, den Entbehrungen und den plötzlichen Wechseln deS Schicksals.

St. Francisco, ganz Californien klagt über die schlechte Zeit; täglich sieht man Etablissements schließen und man kann den Anmuth der Geschäftsleute ihnen auf dem Ge, sichte lesen. Ende November und Mitte December hatten wir einige tüchtige Regenwochen, sonst ist, mit wenigen Ausnahmen, ein Tag schöner als der andere, alle Höhen und Berge find grün.

Aber der Regen ist nicht hinreichend für die Minen, die Nachrichten daher find fortwährend ungünstig, und wenn eS dort stockt, so sieht eS überall in Californien flau auS; wie bei uns eine Mißernte, so ist eS hier, wenn der Miner nichts hat, dann hat kein Stand etwas. Da­zu sind die städtischen Abgaben hoch, und geht einmal ein Geschäft ein oder zwei Monate nicht, so ist der Inhaber, welcher vielleicht sein ganzes Capital darin stecken hat, ruinirt.

Die Preise der Waaren und Lebensmittel find sehr niedrig: Rothwein von Bordeaux kostet z. B. pr. Orhoft en gros 14 Dollars, das sind 35 fl., und soviel kostet er auch in Frankreich. Cigarren kauft man hier für 6, 7, 8 und 9 Thaler, die noch bei meiner Ankunft 20 bis 25 Thaler kosteten. Kartoffeln, hiet im Lande bei Fort Roß gepflanzt, habe ich vor Weihnachten 120 Centner zu 2*/« CentS pr. Pfund verkauft, während voriges Jahr daS Pfund noch daS 50fache kostete.

So geht es durch alle Branchen, und das Speculi- ren ist hier sehr gesährlich, weil kein Preis in irgend ei­nem Artikel Stand hält.

Der Markt ist in Allem überfahren. Tritt aber auch einmal in irgend etwas Mangel ein, was häufiger » pharmaceutischen Artikeln der Fall ist, so werden unge­heuere Preise gefordert. So kostete vor 14 Tagen 1 Pfd, Fliederthee 1% 2 Thlr. Gute Schwefelhölzer sind auch ein Artikel, der hier viel verdient; eS wurden zwar einige Fabriken hierfür elablirt, aber ich glaube, sie wer­den schlechte Geschäfte machen, denn die Arbeitskräfte sind zu theuer.

Bei dem niederen Stand der Lebensmittel müssen auch die kleinen Farmer zu Grunde gehen. Die leeren Wirthshäuser, die zwar sehr besuchten französischen Wirths­häuser, wo aber nicht wie früher mit Gold, sondern mit kleinen Silberwünzen bis zu 1 Real gespielt wird, sind die deutlichsten Beweise von der geldarmen Zeit.

WaS den gesetzlichen Zustand unseres LaudeS anbe­langt, so läßt das immer noch viel zu wünschen übrig. Die öffentlichen Gelder werden verschleudert und vielfach zur Selbstbereicherung gebraucht, Recht und Gerechtigkeit nach dem Golde gesprochen. Im Laufe deS Sommers hatte sich deßhalb ein Bürgercomite gebildet, daS der be­stochenen Justiz Richteramt o.bnahm und selbst Justiz übte; eS ließ zwei Kerle hängen, die Raub und Mord gestan­den und nun unter den Fittichen der Polizei entwischen sollten. In den Mienen kommen häufig Morde vor; hier ist eS besser, obgleich tagtäglich Excesse vorfallen. St. Francisco hat fich nach dem letzten Brande nament­lich nach der See hin verschönert, die obere Stadt will sich aber nicht erholen und trägt noch überall die trauri­gen Spuren der Zerstörung.

Miscelien

Morungen, die Geburtsstadt Herder's, soll durch den Zusammentritt von Männern, die den großen Gelehrten ehren, ein Monument erhalten. Von den verschiedenen Vor­schlägen und Entwürfen kommt jetzt ein einfach schönes Denk­mal durch ein königliches Geschenk zu Stande. Aus ein Posta­ment von röthlichem, polirtem Granit, etwa 9 Fuß hoch, wird die kolossale Büste Herder's'm Erz gestellt. Der König von Preußen hat zu diesem Denkmale das auf 550 Thlr. berechnete Fußgestell in polirtem Marmor bewilligt. Durch diesen Beitrag wird dem großen Manne ein würdiges Denkmal. Es ist Alles aufgeboten, zu dem Geburtstage Herder's (25. August) die Ent­hüllung in diesem Jahre-zu bewirken.

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Vom Ural ist die interessante Nachricht eingetroffen, daß 9 Werst von St. Katharinenburg im Bezirk des Kamenskischen Hüttenwerks ein reiches Steinkohlenlager entdeckt wurde. Nach einer vorläufigen Berechnung befinden sich an dem genannten Platz gegen 50 Mill. Pud dieses Materials, und es ergibt sich die Hoffnung, daß eine Steinkohlenformation auf dem Ural vorliegt.

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Die Einnahmen des Londoner Postamtes haben im vorigen Jahre 23,841,596 Fr. betragen; bei keinem der anderen Postämter des Landes erreichten sie auch nur den zwölften Theil dieser Summe, indem das ergiebigste, jenes zu Liverpool, blos 1,898,160 Fr. einnahm.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. A Boczek.

Druck und Verlag der L. Schelleuberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.