Nachricht, die halbe Stadt »stehe in Flammen, Mein Freund St. und ich warfen unö rasch in die Kleider und eilten auf die taghell erleuchtete Straße. Für unS war nichts zu fürchten, also wollte ich zu B.'S, einem befreundeten Handlungshause, eilen. Wir liefen durch mehrere Straßen, wo rechts und links alles brannte und die entsetzlichste Verwirrung herrschte. Zuletzt konnte» wir nicht weiter, denn die ganze untere Stadt und ein Theil der Werste stand in lichterlohen Flammen. Wir eilten nun zurück auf den Broadway -Hügel und das wildgroßartige Schauspiel deS brennenden St. Francisco lag vor unsern Füßen.
Nero hatte hier feinenfWunsch, eine ganze Stadt brennen zu sehen, befriedigen können. Den großartig schauerlichen Anblick dieses riesigen Flammenmeeres werde ich nie vergessen, selbst wenn ich das höchste Alter erreichen sollte. DaS fürchterliche Element jagte in tobender Wuth ungeheure Rauchmassen über Stadt und See, die wie in Flor gehüllt nur durch die vom Feuerstrahl glänzenden Schiffsmasten hie und da erhellt wurde.
DaS dumpfe Gewühl in den unS fern liegenden Stadttheilen, das Schreien und Toben in den naheliegenden , das Einstürzen der Häuser, das Rennen und Retten der bedrängten flüchtenden Einwohner, daS alles machte das Blut in den Adern erstarren. Und welch ein Anblick am folgenden Morgen! Glimmende Schutthaufen, eingestürzte Gebäude, heimathlose, umherirrende Menschen, Möbel, HauSgerâth aller Art überall zerstreut. Gestohlen wurde entsetzlich, das Geschäft wurde en gros betrieben.
So waren in dem verschütteten Waarenlager eines HandlungShauseS Hunderte des gemeinsten Gesindels eingebrochen und was das Feuer geschont, wurde jetzt vernichtet. Kisten und Fâffer wurden hervorgewühlt, aufgeschlagen, Champagner, Rheinweine, Bordeaurflaschen anS Licht gezogen und die Orgien begannen. Was da und dort mit Mühe wieder gesammelt war, wurde von diesen Räubern mit Gewalt wieder genommen, und erst als einige Polizisten erschienen, setzte eS Prügel und Arresta- tionen, und so konnten wohl noch einige Wagen mit Lebensmitteln und Getränken gerettet werden, aber eS war im Ganzen kaum der Mühe werth, daS Bessere und Werthvollere war getrunken oder zerstört.
Hier zu Lande verzweifelt kein Mensch, er darf sich wirklich nicht einfallen lassen zu verzweifeln, sonst ist er verloren. Neben und auf den rauchenden Trümmern erhoben sich bald wieder neue Häuser, und der Hammer und die Art tönten von Morgens früh bis Abends, Sonntags wie Werktags durch die geräuschvolle Stadt. Aber
nur starke Hände finden Beschäftigung. Mein Verlust und der ganze Zustand von St. Francisko hatten mich zudem mit Ekel erfüllt und so entschloß ich mich bald, mit einigen Freunden nach den Minen abzuziehen. Am 13. Mai 1851, Mittags 4 Uhr, schwammen wir auf dem Dampfer H. T. Clay auf der Sousann-Bay, mündeten gegen Abend in den Sacramento und waren gegen 6 Uhr des Morgens in Sacramento-City. Wir gingen zum Frühstück ans Land, setzten dann unsere Fahrt fort, passirten Trymont und Vernon, die vis-ä-vis liegen, elende, halbunbewohnte Nester am Feder-River, daS hier den Juba-River aufnimmt, in den wir einfuhren ; um 4 Uhr Mittags waren wir in der nach SutterS Tochter benannten Stadt MarySville.
Bei einem Bekannten eines meiner Reisegefährten warfen wir unsere BlankrtS ab und gingen dann aus, um unS nach der Route von Wiandott zu erkundigen, aber Niemand konnte unS Genaueres hierüber mittheilen, aber NachtheiligeS über die dortigen Minen hörten wir, überall liege noch zu viel Schnee und vor einem Monat sei an keine Arbeit zu denken. Wir entschlossen uni deßhalb kurz, nach Sacramento zurückzukehren und nach einem andern Theil der Minen zu gehen. (Forts. folgt.)
M i s c e l1 e n.
Aus Cowes wird unterm 6. Mai gemeldet, daß die schöne Dacht „Titania" deS Herrn Stephenson, welche es im vorigen Jahre allein mit der americanischen Dacht „America" in Schnellsegeln aufnehmen konnte, verbrannt ist. Mitten unter den Dachten im Hafen liegend, fing sie Feuer durch zu starkes Heizen der Wärmeröhre, und man fürchtete, das Feuer werde sich den übrigen Dachten mittheilen, weßhalb man nur darauf Bedacht nahm, diese zu retten, und die „Titania" ganz niederbrennen ließ, weil man zudem aus Furcht vor ihrem Pulvervorrathe es nicht wagte, sich dem Schiffe zu nähern. Das Schiff brannte bis auf den Kiel nieder, aber glücklicher Weise ohne Crplosion, da daS feuersichere Pulver-Magazin sich bewährte.
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Alle eng lischen Colonieen in Australien gedeihen aufs beste, was besonders diejenigen auf Neu-Seeland beweisen. Iw Jahre 1848 zählten dieselben 17,000 europäische Bewohner und 1850 schon 27,000. Im I. 1848 führten sie für 44,215 8. aus, während die Ausfuhr im Jahre 1850 schon 115,414 8. betrug. Die Staats - Einkünfte betrugen 1848 nur 48,589 8. und 1850 schon 57,743 L.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. A. Boczek.
Drack und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.