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Was unternehmende spekulative Kaufleute für Glück hier machen können, sieht man auS einem Beispiele. Ein Deutscher, der in Paris sein gutes Geschäft von einem Associe führen läßt, kam mit ein paar tausend Dollars hierher und hat in 2% Monaten sein Kapital um die Hälfte vermehrt. Er berechnete kürzlich seine Verdienste im Tag auf ungefähr 280 fl. Auch noch anderwärts hat er ein Geschäft gegründet, dqs er von hier auS mit Waaren versieht, eine Sache, wozu Andere 1 y22 Jahre brauchen, er aber nur soviel Monate.

Wunderbar ist, wie plötzlich die Bauplätze im Preise sinken. Der Grund hiervon ist ebenso wunderbar. Ich erwähnte schon, daß man die Straßen hierorts mit Holz­kohlen gepflastert hat. Jetzt, wo die -Stadt und die Stra­ßen fertig find, gehen Beamte von HauL zu Haus, von einem Terrainbesitzer zum anderen jund erheben je nach der Größe des Eigenthums, enorme Summen, die durch­aus bezahlt werden müssen. Jetzt aber will jeder sein Besitzthum verkaufen, aus Furcht für seine Börse. So wurden gestern Plätze für 175 fl. versteigert, die 1 bis 2 Monaten vorher nicht mit 17,500 fl. auch nur annä, herungSweise zu erhalten gewesen wären.

Der Fond der Stadt ist noch gar schwach, sie wird daher die Grundbesitzer auch ein wenig schnüren. Der guten Stadt ging das Geld über der auf der Piazza be­gonnenen Fontainearbeiten aus, und für diese gerade soll jetzt ein Fond gegründet werden.

Auf sonderbare Weise öffnen sich hier und da Gold­minen ganz besonderer Art. Drei Irländer, darunter ein Graf, der nur wegen der Abenteuer sein Vaterland verließ und seine Güter unter Aufsicht eines Verwalters stellte, kommen hierher, um in den Minen ihr Glück ver­suchen. Aber der Graf wurde ikrank, seine beiden Be­gleiter sanden nichts Ersprießliches und so kehrten sie hierher zurück, immer nach Mitteln suchend, sich Geld zu machen.

Endlich, nachdem sie fast all ihr baareS Geld auf­gezehrt, scharren sie noch so viel zusammen, um sich ein Boot und Lebensmittel für mehrere Tage zu kaufen. Als Irländer treffliche Jäger und Fischer, bringen sie jetzt täglich von ihrer Wohnung auS per Canot ihr Wild, Seeschnepfen, wilde Gänse, Enten u. s. w. und Fische aller Art, zu Markte hierher und machen so glänzende Geschäfte, daß sie in kurzer Zeit im Ueberfluß sitzen werden.

ES ist sehr gut, wenn man hier reiten kann, auf meine geringe Kunstfertigkeit bin ich ganz stolz, zumal, wenn ich einen Amerikaner mit Händen, Füßen, Mund und sonst allen Körpertheilen durch die Straßen galop-

piren sehe. Die Spanier aber und Californier reiten ausgezeichnet schön.

Noch ein Beispiel, wie hier für Einzelnes die Preise angesetzt werden. Neulich war ein enorm großer Bâr auSgehângt, der 900 Pfund wog. Er glich einem leib­haftigen Bullen und sein Fleisch wurde zu circa 15 fi, daS Pfund verkauft. Ich wollte mir zu Andenken eint Kralle erbetteln, aber man meinte, ich sollte mir eint Tatze nehmen, sie koste nur 90 fl. DaS klingt fabel- Haft, ist aber vollkommen wahr. Ein Franzose erhandelt! endlich alle 4 Tatzen zu 220 fl., um sie als Leckerbissen nach Paris zu schicken. Er machte dieselben in einem großen chinesischen Kruge in Weingeist ein, um sie besser zu conserviren. Dadurch mögen sie nun allerdings auch einen guten Theil ihres Wohlgeschmacks eingebüßt haben, s

MisceNe rr.

Zu den vielen Versicherungs-Gesellschaften in England haben sich in neuester Zeit auch einige gesellt, bei denen man sich selbst gegen jede Beschädigung, Verletzung u. s. w. in bürger­lichen Gewerben oder auf Eisenbahnen, Dampfschiffen und dergl. versichern kann. Wenn z. B. ein Arbeiter, der von Edinburgh nach Glasgow in einem Wagen 3. Klaffe reist, statt 46 Pence l (etwa 1 */a Thaler) 47 Pence entrichtet, so erhält er außer seinem Paffagierbillet noch eine Versicherungskarte, auf welche seiner Familie 200 Pfund Sterling ausbezahlt werden, wenn er das Unglück haben sollte, auf der Reise umzukommen, und welche ihm selbst eine verhältnißmäßig starke Entschädigung für persön­liche Beschädigung sichert. Wie wir hören, will man auch in, Berlin eine ähnliche Anstalt gründen.

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Zu Ende des Jahres 1851 hatte Dresden 9 1,277 Ein­wohner , 4070 Häuser, 327 Straßen und Gassen, 3 Eisenbahn­höfe, 125 Hotels und Gasthäuser, 97 Kaffeehäuser und Billards, 32 Weinstuben, 554 Schänk- und Speisewirthschaften, 44 Tanz­belustigungsorte, 1l Kirchen, 6 Capellen, 1 Synagoge, 33 Bil­dungsanstalten, 40 Schulen, 4 öffentliche Lehranstalten, 59 ge­meinnützige öffentliche Anstalten, Institute und Vereine, 1943 Brunnen, 11 öffentliche Gärten und 13 öffentliche Bäder.

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Der bekannte französische Feuilletonist Jules Janin hat soeben ein neues Buch vollendet. Nicht ohne Verwunderung wird man lesen, daß es Den Titel führt:Die Kunst Carnarien- vögel aufzuziehen und zu vermehren".

Verantwortlicher Redacteur: Dr. A. Boczek.

Drück und Verlag der 8, Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.