ihrerseits den Uebergang versuchen, sie ertrinken wie die ersten. Mehrere Offiziere sehen die Gefahr, verbieten daS vereinzelte Uebersetzen und geben den Soldaten den Rath, einander zu zwölf und zwölf an den Händen zu fassen und so die Macht der Strömung zu brechen.UZweimal glückte dieses Manöver, aber sei eS, daß ^daS mit jedem Moment steigende Wasser unwiderstehlich wurde, sei es, daß die Nachkommenden nicht mehr die nöthige Kraft hatten, sei eS, daß ihre frosterstarrten Hände nicht mehr fest genug fassen konnten, daS drittem«! ließen mehrere los und verschwanden für immer.
In dieser höchsten Noth sieht man erhabene jZüge von Hingebung und Heroismus, eS gibt keinen Unterschied der Grade mehr: Da ist ein Offizier, der dem Tode trotzt, um einen seiner Soldaten zu retten, der am Ertrinken ist, dort find Soldaten, die sich in die stärkste Strömung werfen, um ihre Offiziere die von den Fluthen fortgerissen werden, herauszuholen. Dr. Laure, Wundarzt im achten Linienregimenl, steigt von seinem Pferd und nöthigt einen Hauptmann, eS zu besteigen. Einen Augenblick nachher fand er den Tod als er zu Fuß übersetzen wollte. Mittlerweile brach die Nacht an, daS Zeichen zu einem allgemeinen Sauve-qui-peut. Es war tiefe Finsterniß. Von denen, die zuerst über den Wed-Krir gekommen, konnten einige noch am Abend Budfchia erreichen und daselbst Lärmen machen, die andern irrten die ganze Nacht auf dem Feld herum. Enige fanden eine Zuflucht unter den kabylischen Hütten, wo sie aufs Herzlichste ausgenommen wurden. Andere mit dem General BoSquet und dem General Jamin blieben jenseits des Wed-Krir, sie waren mit Anbruch der Nacht am Ufer des Flusses angelangt und noch mit einem Theil der Colonne zusammengetroffen. Beim Anblick des Stroms verbot General Bosquet neue UebergangSversuche, und bald sanden sich auS den benachbarten Districten Eingeborene ein, die auf die Nachrichten von dem Mißgeschick der Truppen sich und waS sie besaßen, zur Verfügung deS Generals stellten: Sie brachten die Soldaten in ihre Hütten oder unter ihre Zelte die in ziemlicher Nähe vom Wed-Krir lagen, und entschädigten sie nach besten Kräften für die Entbehrungen und Leiden des TagS.
Nicht eher, als nachdem ste alle ihre Leute geborgen wußten, gönnten sich die beiden Chefs auch einige Ruhe und nahmen für die Nacht die Gastfreundschaft eines KeidS an. Am andern Morgen wurde der Uebergang deö Wed-Krir, dessen Wasser beträchtlich gefallen war, gefahrlos bewirkt und gegen Mittag erreichte man Bud- fchia. Unterwegs, unfern der Stadt, kamen ihnen Wa. gen mit Lebensmitteln und anderm Bedarf entgegen.
Bereits am Abend vorher hatten mehrere Einwohner von Budfchia aus eigenem Antrieb nach den verirrten Soldaten gestreift und eine gute Zahl halb erstarrt vor Hunger und Kälte zurückgebracht und an mehreren folgenden Tagen fanden sich noch manche Nachzügler, theils einzeln ein, theils wurden sie von den Kabylen zurückgeführt.
Beim Abgang des Couriers wurden noch 144 Mann vermißt und über 200 lagen in den Spitälern. Bei einer großen'Zahl der Settern war die Amputation nöthig geworden. Von Offizieren war außer Laure keiner umgekommen. Im Lager war alles zu Grund gegangen; Zelte, Vorrâthe, eine ganze Heerde. Aber schon am 4. März hatte die Colonne, neu organisirt, den verlassenen Lagerplatz wieder eingenommen. Seit 40 Jahren erinnern sich die Araber keines so schrecklichen Wetters.
M i s c e 11 e n.
(Justi z des Sultans.) Ein reicher Armenier hatte kürzlich ein Portefeuille mit 400,000 Piastern verloren und bot dem, welcherdaffelbe gefunden habe und zurückbringe, einen Finderlohn von 40,000 P. Ein alter armer Mann fand das Verlorne und machte auf die ausgesetzte Belohnung Anspruch; Der Armenier aber, welcher sich der Auszahlung einer so ansehnlichen Summe gern entzogen hätte, behauptete, in dem Portefeuille habe sich auch ein sehr werthvoller Ring befunden, de« der Finder gestohlen haben müsse, da er fehle. Die Sache kam, da man sich nicht elnigen konnte, vor den Sultan und als dieser sich von der Ehrlichkeit des armen Finders, wie von dem Geize des reichen Armeniers überzeugt hatte, gab erden Ausspruch: da das vorliegende Portefeuille den Ring nicht enthalte, könne es das nicht sein, welches der Armenier verloren haben wolle und der Arme zurückgebracht habe, der Armenier müsse deßhalb das ungerechter Weise an sich genommene Portefeuille mit den 400,000 Piastern an den Finder zurückgeben und sich von Neuem bemühen, das von ihm verlorene mit) dem Ringe wieder zu finden.
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Ein Pariser Spekulant hat eben Patent auf ein auf einen wasserdichten Stoff gedrucktes Journal genommen, welches zum Lesen beim Baden bestimmt ist.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. A. Boczek.
Theater zu Wiesbaden.
Dienstag, den 30. März. Lucia von Lammermoor Große heroische Oper in 3 Auszügen. Musik von Donizetti.
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Druck und Verlag der L. Schelleuberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.