Dalk". — „Schon recht", beschied Kathi, „die Lenerl ’ braucht ja nur zu schaffen. Sie soll einen haben, wie frisch'auS Dem Ei geschält".
Mit ihrem holdseligsten Lächeln nahm die Köchin Abschied. Auf,6 er Schwelle kam ihr ein junges Mädchen entgegen, und jetzt fand ein Aufritt statt, der stumm und rasch vorübergehend dennoch ân ausdruckvoller Beredt- samkeit manche stundenlange Unterhaltung überbot. Die Eintretenve war ein überaus zierliches Geschöpf Gottes, wohlgerathen vom Wirbel bis zur Ferse. In dem lâng, lichrunden Angesicht leuchteten ein paar große Augen von sanfter, aber nachhaltiger Gluth, gemildert durchIlange seidene Wimpern. Die Gestalt war schlank ohne Magerkeit, gerade hoch genug, um nicht für klein zu gelten, voll unbefangen kindlicher Anmuth in allen Bewegungen bis zu den feinen Fingerspitzen der schmalen Hände, bis zu den Zehen der niedlichen Füßchen. Die scheidende Köchin und daS eintretenden Stubenmädchen musterten einander von oben bis unten mit jenem rasch prüfenden, sicher auffassenden und eine Welt von Feindseligkeit auS. drückenden Blick, welcher nur den Weibern zu Gebote sieht, den sie aber auch alle ohne Ausnahme in steter Bereitschaft haben.
Kathi wünschte „der Fräulein Ciller!" einen guten Abend. Diese dankte mit trübseliger Freundlichkeit und erwiderte MundiS Gruß so verbindlich, daß ihm ob der ungewohnten Huld daS Herz weit aufging. — „O du mein Gott" ! sagte die Greißlerin, „waS treiben'S denn? Sie haben ja ganz rothe Augen". — „Weil ich just geweint habe", antwortete Cilli mit jenem Freimuth der üblen Laune, welche nicht mehr der Mühe werth findet, sich irgend einen Zwang anzuthun, weil ihr daS Leben überhaupt verleidet ist, und des Lebens Rücksichten nicht mehr für sie bestehen.
„Ich kann's nimmer aushalten bei der Gnädigen", fuhr daS Mädchen fort; „grad hab' ich sie angelegt, und weil ich sie nimmer jung anziehen kann, fekirt sie mich auf'S Blur. Wenn ich nur weg könnte von der Z'wider- wurzen"!
„Nun, und warum sollen's nicht wegkönnen von ihr? Sind Sie vielleicht mit den Niedermoser'schen verhei- rathet"? — „So drum herum. Ich gehöre weitschichtig in die Freundschaft vom gnädigen Herren, und mein Vormund hat mich zu ihm in'S HauS gethan. Ich soll nur bei Verwandten dienen, weil die mehr auf mich Acht geben und mich besser behandeln. Küss' die Hand! Wo. rin besteht der Vortheil? Daß ich weniger Lohn bekomme und tapfer ausgemacht werde. Wo ein gewöhnlicher Dienstbot' nur auSgejcholten wird, bekommt das Kind auS der Freundschaft seine Watschen. Brad hab' ich wieder ein paar gefangen". (Forts, solgt.)
Näheres über Bosquets Rückzug nach Budschia.
Selbst bei der jetzigen gedrückten Lage der französischen Presse bricht sich die Wahrheit Bahn. Die Regierung hatte Ansangs Sorge getragen, die Katastrophe des Rückzugs nach Budschia in milberm Licht erscheinen zu lassen, nun bringt daS „Siecle" den Bericht eines Augenzeugen, der alle diese freundlichen Illusionen grausam zerstört. ES war am 19. Februar, wo daS Unwetter im Lager von Dschemaa-el-Taouint begann. Drei Tage nach einander fiel unaufhörlich Schnee und war von einem eisigen Wind begleitet. Der hin und wieder den trüben Horizont erleuchtende Blitz, daS dumpfe Echo des über Berg und Thal rollenden Donners, vermehrten den Schrecken. Die Colonne war mit Lebensmitteln versehen bis zum 22. Februar, aber bei der scharfen Kälte hatten viele Soldaten von ihren Rationen voraus empfangen und schon vom 22. an, litt ein gutes Drittheil Mangel. Am Tag zuvor hatte General BoSquet die Anzeige erhalten, daß die nach Budschia abgeschickte Abtheilung, welche neue Zufuhr holen sollte, nicht weiter könne, da die Gebirgöpfade für die Maulthiere unwegsam seien und daS fortwährende heftige Schneegestöber jede Verbindung abzuschneiden drohe. Die Vorräthe waren daher, wenn man einige Fässer Branntwein abrechnet, nahezu erschöpft und die Colonne auf dem Punkt unterm Schnee begraben zu werden, als der General am Abend deS 21. Februar Befehl gab, sich auf den nächsten Morgen marschfertig zu halten. Der Aufbruch auS der Beiwacht erforderte eine beträchtliche Zeit und wurde mit unendlicher Mühseligkeit vollbracht.
Die Glocken- und Trommelsignale hatten nicht mehr die Macht, die Leute in Bewegung zu setzen. Erst gegen 11 Uhr — die Vorhut war schon weit voraus — konnten sich die letzten Abtheilungen im jämmerlichsten Zustand endlich auf den Weg machen. In Ermangelung von Nahrung waren eine Zahl Leute über den Branntwein hergefallen und hatten, trotz der Ermahnungen und selbst Befehle ihrer Obern , unmäßig getrunken. DieS waren die Unglücklichen, die man nach wenigen Stunden als Leichen am Weg liegen sah. Von der Kälte überwältigt, starben sie so zu sagen auf dem Marsch.
Die nicht sehr kräftigen und die nicht hinreichend gegessen hatten, widerstanden eben so wenig. General BoSquet, dessen kaltblütige Besonnenheit und treue Hingebung über alles Lob erhoben war, hatte sich mit dem General Jamin zur Nachhut begeben, wo er die Nach« zügler sammelte, ermunterte, vorwärts trieb, den Oberst- Lieutenant de Wengy, Ober-Commandanten des Kreises