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unsere Brust. Glückliche Tage , wo die Laune uns führt, die Poesie unS überfluthet, wo wir Yorick sind, aber Yorick nur für einige flüchtige, wie eine Erinnerung der Kindheit unS anmuthende Stunden ... Die Fee ver­läßt unS mit dem ersten rückkehrenden Sonnenstrahle und läßt uns zurück erstaunt, geblendet!. ..

Fast ein Monat ist eS, daß ich die Ehre eines fol- chen Besuches hatte.

Ich schwöre eS bei Tristram Shandy, ich war Sterne eines Vierteltages.

II.

ES hatte sich eben eines jener Gewitter entladen, die der Juli so oft unter seinem feuerglühenden Himmel birgt. Noch regnete eS in dicken Tropfen, alS ich, in Ermangelung eines Regenschirmes, meinen Stock ergriff, meinen Hut aufsetzte, fünf Etagen hinabstieg und die Straßen von Paris betrat, ohne zu wissen, wohin ich schlendern sollte. Ohne Zweifel hatte Yoricks Fee meinen wunderlichen Einfall vernommen und war mit dem ersten Athemzug, den ich beim Heraustreten aus dem Hause that, in meine Brust eingezogen. Ich blickte umher, die Straße war fast öde, und das Unwetter hatte des Pflasters Toilette gemacht. ES lebe der Regen! rief ich, er kehrt mit dem Schlamm der Gassen auch die schon geputzten und fristrten Spaziergänger, den eiteln, unnützen Schlen­drian, das ganze Geschlecht der engen Schnürleibchen und gelben Glacehandschuhen von denselben hinweg. Unter den weiten Thorwegen vereinigt er ein allerlieb­stes Durcheinander; alle Classen, alle Stände sind da vertreten und untereinander gemischt. Ein Wassertropfen bringt diese Gleichheit, diese Brüderlichkeit hervor, die jedoch so lange als der Platzregen dauert. Die Einen sind ungestüm, ungeduldig, wüthend. Die Andern sprechen, lachen, scherzen, da befürchten einige Ver­zärtelte die Nässe, dort ist ein Armer für sein einziges Kleid besorgt, hier möchte ein Eiliger rasend werben. Man redet sich an, man plaudert vertraulich. Viele Freundschaften, manche Liebesverhältnisse entstehen im Dunkel jener CorriborS. Einzeln ist man eingetreten, zu zweien geht man hinweg.

In der Straße ist fast Niemand. Einsame Regen­schirme laufen über das Trottoir und geben den Inha­bern dieser buntscheckigen Zelte ein drolliges, verkapptes Ansehen. Am liebsten sind mir die Unerschrockenen, die festen FußeS und in stolzer Haltung unter den Wasser- strömen deS Himmels einhergehen ; der Regen macht aus ihnen wandernde Wasserbehälter, Nebenbuhler der Wol­ken ; um sie herum regnet eS zweimal; ihre Kleidung umhüllt sie in trübsinnigen Falten, überall haben sie Ab­

leitungsrinnen, die ihre Tropfen nach allen Extremitäten hinzu in die Spitzen der Finger, der Haare, der Augen­braunen, deS Kinns, der Nase, überall hin, ergießen; ihre nassen, durchweichten Hüte haben herabhängende, verzogene Ränder, die über daS Mißgeschick deS compro« mittirten FilzeS bittere Thränen zu vergießen scheinen. Wo gibt es Drolligeres, Unterhaltenderes? Fürwahr, eS lebe der Regen l (Forts, folgt.)

Jugenderinnerungen.

(Fortsetzung.)

Unternahm der Bauer einen Neubau, so erhielten Zimmerleute und Maurer Tagelohn und ein freies Essen (daSin Verding" arbeiten ist erst in neuerer Zeit auf« gekommen). Die benachbarten Höfe schickten während der Zeit deS Bauens Beiiräge zu den erforderlichen Le­bensmitteln, namentlich Erbsen, Bohnen, Butter, Eier, wofür die Magd, die diese Gaben brachte, jedesmal von der Hausfrau ein kleinesTrinkgeld" erhielt. Die An­gehörigen deS HofeS wurden bei ihrem Taufnamen, wel, chem der Name deS HofeS im Genitiv vorangeschickt wurde, genannt. Nur der Besitzer selbst, falls sein Va­ter schon gestorben war, wurde beim Hauptnamen geru­fen. Hieß also der Hof Trampe und lebte der alte Leib- züchtner noch, so wurde der Besitzer, wenn er Hermann hieß,Trampen Hierin" genannt, die Tochter etwa Trampen Mruie" (Marie), der Knecht GeorgTram­pen Jürn", der ehemalige Besitzer,de aule Trampe", seine Fraude aule Trampsche" u. s. f. Verheirathcte sich der Sohn eines Bauern auf einen andern Hof, so nahm er den Namen dieses Hofes an. Irre ich nicht, so bemühte sich der Staat seit einiger Zeit sehr angele­gentlich , auch diese Sitte zu beseitigen.

DaS Leben auf dem Hofe ist zum Theil schon näher beschrieben worden. Im Frühjahr, im Sommer und im Herbst gab eS vollauf auf dem Felde und in der Scheune zu thun; der Winter vereinigte die Angehörigen deS HofeS in der Spinnstube. Im Sommer ging man mit Tagesanbruch an die Arbeit; um sieben Uhr wurde das Jmt" (Imbiß) gegessen, in der Regel bestehend auS Hafergrütze in Milch gekocht, ober auS einer Mehisuppe, oder auS gekochter Milch mit Eiern, wozu schließlich ein Bulterbrov verzehrt wurde. Nur die ärmsten Leute aßen auch am Morgen Kartoffeln. Die Heuerlinge , die eine Kuh besaßen, unterstützten sich gegenseitig oder wurden vom Hofe unterstützt, wenn die Kuh aufhörle Milch zu geben. Um zwölf Uhr wurve zu Mittag gegessen; die Frau vom Hause »ertheilte mit ihrer Hand daS Fleisch;