Der Wanderer
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitlmg.
No. 1. Donnerstag den 1. Januar 1852.
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Martin Tyrius.
Novelle von Adolph Görliug.
(Schluß.)
— Sie werden erfahren, ob der Mammon elend ist, blex, Myvrouw van Halen! knirschte TyriuS. Wollen Sie Ihre Lumperei von Papieren und HalSgeschmeide und Achseltüchern mitnehmen oder nicht?
— Nein, Mynheer l Ich mußte bezahlen und habe bezahlt.
— Wird Câeilie meine Frau werden? Sie sehen, ich riSkire, mich lächerlich zu machen durch diese letzte Frage, aber ich will sehen, wie weit Ihr Haß gegen mich reicht?
Frau van Halen betete ein „Ave Maria“ für sich und ging an der Hand deS stummen Blödsinnigen fort, so rasch sie vermochte.
Martin TyriuS schlug die Thür seiner Klause fest zu, öffnete die Juwelenschachtel und übergab sich, Angesichts der redenden Zeugen einer glücklichen Vergangenheit seiner früheren Geliebten dem heftigsten
fast Mitternacht und noch immer saß der seiner elenden Lampe, seinen LebenSlauf ES schien, als hätte er sich selbst ge-
VII.
Schmerze.
Es war Geizige bei überdenkend, beichtet.
Ein sonderbarer Gast stand vor dem Alten... ClaaS Thorsten.
— Du! rief TyriuS erstarrt.
— Ja ich, Rheder, ich binSl Ich komme ein wenig spät; aber Mörder haben besondere Ursache, wißt Ihr, das Licht zu vermeiden...
— Waö sprecht Ihr von Mördern? stammelte Martin TyriuS.
— Ich bin ein Mörder, Hund von einem Verfüh- rer! Vier brave Kameraden habe ich zu Grunde gesandt; waS hält mich ab, auch Dich zum Teufel zu schicken?
— JesuS, mein Herr! sagte Martin auf seinen Stuhl sinkend. Ihr habt Eure tausend Gulden... Ich dachte, Ihr hättet Euren Schwur gehalten und wärt mit der „Fille de la Grève“ auS Mâlo nach Amerika ge fahren...
Er schwieg; er konnte kein Wort mehr hervorbringen.
— So, sagte der Matrose höhnisch. Ei, daS wäre Euch angenehm gewesen, Rheder... Nein, der schlechte Kerl, der ClaaS ist noch hier und geht, beim großen Meer, für tausend Gulden nicht von dannen. Ich will mein Leben genießen... Ich will... zehn.. . nein, ich will zwanzigtausend Gulden, Rheder... Nein, JudaS von einem Rheder, ich werde mit einer solchen Kleinigkeit nicht zufrieden sein —, ich will AlleS, waS Du besitzt, bis auf den letzten Deut, hörst Du und daS Alles will ich in alle vier Winde zerstreuen, ich willS auf der Straße den Armen entgegen werfen... Und dann werde ich gehen, und werde mich beim HalSgericht anzeigen und mich henken lassen... Siehst Du, Rheder, daS will ich und Du sollst, obgleich Du Alles hergiebst, waS Du besitzest, dennoch neben mir baumeln...
Der Matrose ballte die Hand, und streckte sie auf den Tisch. Sein Gesicht war ruhig, seine Haltung fest, obwohl seine Augen rollten wie ein Schiff im Sturm.
— Ach mein bester Sohn, mein liebster ClaaS Thorsten... jammerte Martin, vor dem Zimmermann niederkniecnd und die Hande faltend.
Thorsten gab dem Alten einen furchtbaren Fußtritt. TyriuS ward an die Wand geschleudert , daß sein Kopf krachte... Fast besinnungslos erhob er sich wieder... Sein Auge war fast erloschen...