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Iul-aer Anzeiger

J7?» Bei Lieferungsbehinderungen durch Tageblatt für Rhön und Vogelsberg 6*[penc u[w. ermassen dem Bezieher leine Zulöa- unö Haunetal ^Zulöaer Kreisblatt Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Re-aktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-flnschluß Nr. IW

Druck: Füednch Ehrenklau, Lauterbach i. H. KachSruck »tr mit * nerfehtatn Artikel nur mit tßurUenangab» ,$u!èerr Rn^grr'geftaeet.

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^r. 290 1933

Fulda, Dienstag, 12. Dezember

10. Jahrgang

Srun-sätze neuer Wirlschastspositik.

9er kMßègè Aufbau

der deuWen Mtschafi.

Ter Keichswirtschaftsminister über die nächsten Aufgaben.

Keichswirtschaftsminister Dr. Schmitt sprach vor Skürercrn der deutschen und der ausländischen Presse. Der Minister erinnerte daran, daß er es als seine vordring- Ochste Aufgabe angesehen habe, die Arbeitslosen in Be­schäftigung zu bringen, und zwar zunächst durch die Durch- sührung öffentlicher Beschaffungsprogrammc, in zweiter Linie durch die allmählich einsetzende natür­liche Wirtschaftsbelebung. Im Einvernehmen nit dem Führer sei seinerzeit die Parole ausgegeben wor­den, bis aus weiteres die Durchführung des st ä n d i s ch e n Aufbaues zurückzustellen, damit die Wirtschaft zur Ruhe firne und Vertrauen in die Zukunft gewinne. Heute dürfe man mehr denn je an unseren wirtschaftlichen Erfolg glauben.

Das Entscheidende aber sei, daß überall im Lande der Kleinmut zurückgedrängt sei und neuer Glaube

«id neue Hoffnung Play greife. Zunächst, so führte der Minister wer er aus, haben wir auch für die Zukunft, und Mr nicht nur für den bevorstehenden Winter, sondern irrt va über hinauf aus Grund der bereits beschlossenen ftb.ÜSbeschassungsmaßnahmen eine positive Unter» hüBunp im Kampf gegen die Wirtschaftskrise zu erwarten. Rebr und mehr müsse nun aber in den Vordergrund treten, daß unsere Wirtschaft von sich aus einge­schaltet werde.

Der wirtschaftliche Wiederaufbau könne nur erreicht Arden, wenn der wirtschaftende deutsche Mensch, gleich- Miq, wo er stehe, ob im Handwerk oder im Handel, ob Arbeiter oder Industrieller, sich mit seiner Persönlichkeit M und ganz einfent, und wenn die Gütererzeugung sich aus einem auS Vertrag, und Bindungen ausgeklü- Men Durchschnitt, sondern aus einer im frischen, âr- '^98 fairen Kampf erzeugten Höchstleistung ergäbe.

tvoßen*. so führte der Minister aus,eineS Geistes sein und das Interesse für Volk und Vater- «nd über alles stellen, damit auch über die Interessen mseres Berufe« Wir wollen aber eben'o durch L e i st u n- ifH. und zwar durch Heransholen der jedem in ] e I nen von Sott gegebenen Fähig- et t e n , reale Werte schaffen und dadurch unter Volk und tut Wirtschaft wieder vorwärtsbringen. Mit diesen Ge- >an!rnaänaen verträgt es sich nicht, wenn man vom hichswinschaftsminister erwartet, daß er die einzelnen Kftscbaf steige

in Feste!« schlägt und daß er sic bevormundet, sicherlich gibt es Fälle, in denen der Staat in die Wirt- âikisi eng eilen muß. So haben wir erst in diesen lagen gegen die

Gefahr weit verbreiteter Preiserhöhungen in energisches Veto eingelegt, und wir werden das immer un, wenn das Wohl der Nation es erfordert. Im übrigen >ier st-be ich auf dem Standpunkt, daß wir unS daraus schränken müssen, der Wirtschaft eine Organisation zu üben, in der sie

in eigener Verantwortung

W unter möglichster Aufrechterhaltung der individuellen Wungsfähigkeit sich selbst verwaltet. Dazu wird ihr

im Rahmen des ständischen AuftaueS

^.Möglichkeit gegeben werden. Ich hoffe, daß wir schon 'Nang nächsten Jahres wichtige Schritte in dieser Nich- ^g tun können. Wenn ich auch heute darüber noch keine Oberen Angaben machen kann, so darf ich doch zwei Nicht- >Mkte hervorheben: Wir werden Schritt für Schritt "aönahmen treffen, die eine vernünftige Zusammen- ^beit der örtlichen und fachlichen Gruppen gewährleisten.

Wir werden dafür Sorge tragen, daß die Betätigung Cntschlußfreihcit des einzelnen nicht mehr ringe» WSnkt wird, als es das Interesse der Gesamtheit ge- 'üet. So wollen wir bewußt für das Können des ein- ^»en die volle Bewegungsfreiheit offen halten, wofür " Gerdings auf der anderen Seite die Verantwortung lwgen hat.

, Sie spiegelt sich in der von ihm aufzustettenden Kal- "otion und in der davon abhängenden Rentabilität !""es Betriebes. Unerbittlich entscheidet im Wirtschasts- der Erfolg, ob es sich um einen Großbetrieb H lmt einen kleinen Haushalt handelt. Wir Ä alles tun, um die Ertragfähigkeit unserer win- WsMhciten von der Staatsscite her so groß wie mog- A machen. Wirtschaftseinheit ist dabei nicht nur das ^nehmen, der Betrieb, sondern

L. jeder einzelne Haushalt.

Ertragsmöglichkeit steigt, wenn die auf ihm liegenden IL. .n verringert werden. Der Staat muß daher immer bedacht sein, seine Verwaltung so billig wie mög- !^M gestalten. Dies gilt aber nicht nur für den Staat, n au* für alle die Institutionen, die ihre Kosten I v1 ®«8 eigener Arbeit, sondern aus der anderer decken.

I Zusammenhang möchte ich auf

I 4. ^c besonders schwere Lage des Hausbesitzers

I Re k ^?? kommen. Die Dinge liegen hier ganz ähnüch

I istbisher in der Landwirtschaft waren. Ihr I -cwi,.-^dringlichsten, berechtigten Interessen der Ration

I B großzüaiqem Maße geholfen worden. Wir wer- I ^ tun mMen um auch unseren Hausbesitz einer

wachsenden Gesundung zuzuführen. Ich muß aber hinzu- sügen, daß nicht dem einen auf Kosten des andern ge­holfen werden kann, sondern daß

durch einen wirklichen Gcsundungsprozcst allmählich geholfen werden muß. In diesem Zusammen­hang erscheinen mir

die Bewegungen auf unserm Kapitalmarkt

in den letzten Monaten von besonderer Beachtung. Wir sehen eine ständige Steigerung der Kurse, vor allen Din­gen für die fe st verzinslichen, l a n g f r i st i g e n Anlagen. Wir werden alles tun, um diese Entwicklung zu fördern. Jeder deutsche Volksgenosse muß wieder daran glauben, und darf wieder daran glauben, daß wir nicht nur die Leistung eines jeden einzelnen schätzen, sondern daß wir auch ebenso den Erfolg seiner Arbeit ihm erbalten und in keinem Wert sichern werden.

Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt während seiner Rede vor der ausländischen und der deutschen Presse, in der er zu den Problemen der Wirtschaft und zur Wirtschafts- gesundung un nationalsozialistischen Staat Stellung nahm.

Mit ihrer ganzen Autorität wird die Negierung schützen, was der einzelne Volksgenosse in einem Leben voll Arbeit sich für sein Alter und feine Kinder geschaffen hat. In diesem Vertrauen wird das deutsche Volk zum Sparen und zur Bildung neuen Vermögens angeregt wer­den. Das ist das Beste und in Wahrheit einzige Mittel, um der deutschen Volkswirtschaft aus eigener Kraft das für die Zukunft benötigte Kapital zur Verfügung zu stellen und im übrigen auch der einzige Weg, um den Preis für Leihkapital, den Zinssatz natürlich zu senken.

Je mehr es uns gelingen wird, wirklich national­sozialistisch denkende Menschen in unserer Wirtschaft zu haben, desto schneller und stärker werden wir dabei die oben erwähnten wirtschaftlichen Lehren und Realitäten berücksichtigen. Deutschlands Wirtschaft wird aufsteigen! Vor allem andern die Nation! über alles das Wohl der Gesamtheit! Im übrigen furchtlose, ehrliche, tapfere und pflichtbewußte Kämpfer!

Eme Frügs an die Well. dr. Schacht über die deutschen Zinszahlungen an das Ausland.

Vor der Deutschen Handelskammer in der Schweiz, kezirksgruppe Basel, hielt Neichsbankprästdent Dr. Schacht »uun Vortrag ü er das ThemaZins oder Divr- Dcnbe?" Dr. Schacht ging davon aus, daß das alte l i b e r a l i st i s ch e W i r t s ch a f t s s y st e m gegenüber tun großen sozialen Notwendigkeiten ebenso versagt haben w.e die Politik.

Aus den Kehlen von 25 Millionen Arbeitslosen der »anzen Welt schreie dem liberalistisch - kapitalistischen System heute der Ruf entgegen:Du taugst nichts; wenn du uns nicht ernähren: wenn du unS nicht nützlich beschäf­tigen kannst; verschwinde, deine Zeit! st vor- b e i!"

Faschismus und Nationalsozialismus suchen dem Prob ein ruf gesünderem Wege beizukommen, aber sie stoßen in W e si e nrpa auf Widerstand, denn Westeuropa wird nicht von dynamischen, sondern von stati­schen Kräften beherrscht. Das statische Prinzip in der Wirtschaft äu'ert sich darin,§ man

seine kapitalistischen Zinsrechte zu sichern und zu bewahre« sucht.

Dieser Standpunkt kommt, das führte Dr. Schacht an Hand von Beisp'elen aus, in den deutschen Transfer- verhand ' ungen mit seinen Gläubigern kraß ^um Ausdruck. Das Leihkapital vergesse ganz, daß es von dem Wirt'chaftserfolg des Unternehmers abhängig sei. Die Abneigung der Masse richtet sich instinktiv gegen das

arbeitslose Z i n s ei n k 0 m m e n, wenn andere mangels Beschäftigung Not leiden müssen.

Das, worauf es ankommt, ist die Frage an den Rentner in der ganzen Welt, ob er angesichts der geschäft­lichen Schrumpfung und angesichts der sichtlich steigenden Unmöglichkeit seines Schuldners, ihm die vollen Zinsen zukommenzulassen, fortfahren will, auf der Erfüllung von Bedingungen zu bestehen, die unter ganz anderen Verhält­nissen und Erwartungen abgeschlossen waren, oder ob et auch seinerseits den veränderten Verhältnissen Rechnung tragen will.

A's Tatsachen aus seinen Darlegungen stellt Dr. Schacht folgende auf: 1. Die internationaieSchul- denlast ist zur Zeit über die Tragfähigkeit einzelner Volkswirtschaften hinausgewachsen; 2. der Geschäftsum­fang d s Welthandels und damit die Verd'enstmög- Ittffeiten sind auf ein unaewölmlich niedriges Maß nt= sammenge chrnmpft; 3. die T r a n s f e r v e r p f l i ch - tung übersteigt bei weitem die derzeitigen Ansfuhrmög- Hs feiten, und biete Tatsache trägt zum Ruin gan'er Volkswirtschaften bei, 4. die Fortdauer eines solchen Zu­standes muß, ganz abgegeben von soria'en und politischer Gefahren, die er in sich birgt, sehr baTb die Transferierung der ge'chu beten Beträae ganz zum Erliegen bringen.

Dr. Schacht appelliert zum Schluß an die Wissender und die Wollenden in allen Lagern, Hüben und brühen: He ans aus Lethargie und Erstarrun'! Wir wollen wieder produzieren und abfetten von Küste zu Küste, von Land zv Land! Gläubiger und Schuldner miteinander, das ist ein neuer Ausgangspunkt für Wirtschaft und Politik eint neue Hoffnung.

Der stanzöWe Bstschaster beim Führer

Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichskanzler empfing in Gcgcnwaw des Reichsministers des Aus­wärtigen, Freiherr« von Neurath, den französischen Botschafter Francois-Poncet. Die Unterhaltung diente der Fortsetzung der am 24. vorigen Monats be­gonnenen Besprechung über die verschiedenen schwebenden Fragen.

Vor der Eröffnung w neuen Reichstages.

Die Kroll-Oper in Berlin ist zum Empfang deâ neuen Reichstages gerüstet. Das Gestühl des Sitzungssaales ist der größeren Zahl von Reichstagg- abgeorbneten entsprechend um sechs Sitzreihen erweitert worden, so daß sich die Sitzplätze der Abgeordneten im Parkett bis tief unter den ersten Ring erstrecken. Hinter den Plätzen des Präsidiums sind wieder die Farben der nationalen Erhebung angebracht. Für die Aufnahme des Rundfunks und für Filmaufnahmen ist der nötige Platz im ersten Ring freigemadu worden. Die Karten für die Publikumstribünen sind längst ver­griffen. Besondere Drucksachen werden dem Neick'stag zunächst nicht zugehen mit Ausnahme des Mit­gliederverzeichnisses, das in wenigen Tagen fertig gestellt sein wird. Aus dem Dache der Kroll Oper wehen die Fahnen des neuen Reiches.

Sir Reichsiagretöffuma im Rundfunk.

Abhörstellen für Rundfunkübertragung.

-Die Reichspropagandaleitung der N S D A P. gibt, wie NSK. mitteilt, besannt: Zur ersten Sitzung des am 12. November gewählten Reichstags werden alle Ortsgruppen angewiesen, die Abhör­stellen für die Rundfilnkübenragnng am Dienstag, dem 12. Dezember, nachmittags 15 Uhr, herzurichten.

Außerdem ersucht die Reichspropagandaleitung alle Gaststätten, die mit ftbertragungsanlagen versehen sind, den Akt in der Krolloper zu übertragen und die Be­völkerung durch Plakataushang darauf aufmerksam zu machen.

Deutscher Prinz aus Ssierre-ch geflüchtet.

Vor der Überführung ins KonzcntrationS!agcr nach Italien entkommen.

Prinz und Prinzessin Bernhard von Sachsen- Meiningen sind von Schloß Pitzelstetten bei Klagen­furt nach Italien geflüchtet Prinz Bernhard war bekanntlich wegen nationalsozialistischer Betätigung zn einer Arreststrafe von sechs Wochen verurteilt worden, die er abgebüßt hat. Nach Abbüßung der Strafe sollte er ins Konzentrationslager Wöllersdorf übergeführt werden, wurde aber zunächst auf fein Schloß, das unter B e w a ch u n g stand, entlassen. Auf Ein­wirken der d e u t s ch e n Gesandtschaft hin wurde ihm zweimal zur Ordnung seiner Privatangelegenheiten ein Aufschub der Überführung zug'cbilligt. Der Leiter des Polizcikommissariats in Klagenfurt, dem die Überwachung des Schlosses oblag, ist vom Dienst enthoben worden. Die WienerPolitische Korrespondenz" teilt in diesem Zusammenhang mit, daß noch am Sonntag (also a l s Vergeltungsmaßnahme) die Überführung einer größeren Anzahl bekannter Nationalsozia­listen nach Wöllersdorf verfügt worden fei.

fiÄ^K^Ä der österreichischen Regierung zur Die Flucht des Prinzen Bernhard von Sachsen Meiningen. ^Wiew Als Vergelmnasmaßnahine für die Flucht des

Bernhard von Sachsen Meiningen aus der österreichi- lchtU^Poltzetausstchi wurde eine Anzahl bekannter National­sozialisten in das Konzentrationslager Wöllersdorf gebracht darunter der Bruder des ehemaligen Gauleiters der NSDAP Eduard Frauenfeld.