Zul-aer /lnzeiger
^gRM. Bei Lieferungsbehinderungen durch Tageblatt für Rhön und Vogelsberg» ten^aX^ $Ät, iSÄÄ»; S“«»= uns ßaunstal . $Ma« ««fobla« r ÄSÄEZ.K Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Reöaktlsn und Gefchästsftrlle: Königstraße 42 ♦ Zernfprech-Rnsthluß Nr. Md für hiesige Auftraggeber berechnet. Bei Rech- Dmck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Vachüruck ü»r mit * ptrsetuntn NrtU.i nur mit «du-ll-nangod* ,Zul»a<r n»r»is»»'s»sta«»«. nungsstellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.
Sir. 285 —1933____________ Fulda, Mittwoch, 6. Dezember 10. Jahrgang
Oer „Arbeitsvorrat"
der Bauwirtschafi.
Ungefähr an das Ende der diesjährigen Bausaiso« war unter dem Leitwort: „Hausbesitzer, schafft Arbeit!" in Berlin eine große Versammlung anb»- raunn worden, an der neben den Haus- und Grund- tzsiyervereinen vor allem auch die Hauptverbände Deutscher Baugenossenschaften und -gesellschaften teilnahmen, gut lenkt den Blick zurück auf die Entwicklung, die in diesem Jahre die B a u w i r 1 s ch a f t gehabt hat. Sie war und ist ja eine der wichtigsten Hebel für die Arbeits- deschaffung, eine der Hauptwaffen im Kampf gegen die Abeitslosigkeit, und auch in der jetzt herannahenden saisonmäßig ungünstigen Zeit des Winters soll und wird alles daran gesetzt werden, um von dem großen Einfluß, den die Bauwirtschaft als Schlüsselindustrie besitzt, möglichst viel aufrechtzuerhalten im Kampfe gegen die slibeilslosigkeit.
Bei diesem Rückblick ist zunächst einmal scstzustellen, )ai nun wieder, im Jahre 1933, der Umfang der Bauproduktion zum ersten Male eine Steigerung ilisweisen konnte, während er feit 1929 in fortdauerndem Wyang gewesen war. Natürlich ist noch längst nicht in der Bauproduktion jener Umfang erreicht, den sie vor litt Jahren besessen hat, als man ihn noch auf fast neun Wiarden schätzen konnte. Es läßt sich eben in einem Jahre nicht aufholen, was man in vier Jahren ein- ftbüit hat! Außerdem aber bat sich noch eine gewisse 5trf d) i e b u n g dadurch ergeben, daß in der dies- jidngen Bausaison sich der Tiefbau, namentlich aus inind des Arbeitsbeschaffungsprogramms, stark in den Yndergrund geschoben und etwa die doppelte Anzahl »n Arbeitskräften beschäftigt hat, wie in den Jahren |uDor. Aber auch im Wohnungsbau zeigte sich Iltgtnüber dem Vorjahr eine beträchtliche Besserung, die ins etwa 35 bis 40 Prozent zu schätzen ist. Das alles Mi eine sehr natürliche Gegenwirkung des gegen die ipaltige Aufblähung des Hochbaues in den Jahren M bis 1930, wobei die Wohnungsbau-Subventionen h öffentlichen Hand eine vielfach verhängnisvolle Rolle Dielt haben. Und endlich tritt in der jetzt hinter unS exenden Bausaison noch eine andere Umschichtung zu Dye: ES ist die Bevorzugung und die größere Berttck- ichtigung einmal des mittel ständischen und dann des -r/s ansässigen Baugewerbes bei den ffenttidjen Ausschreibungen; der Arbeitsanteil der mitt- Hen und kleinen Unternehmungen ist aber nicht bloß im Sief», sondern auch im Hochbau erheblich gewachsen, »äbrend früher die Großbetriebe hier das Feld fast ganz Herrschten. Große Hoffnungen setzt man natürlich auf die Beschäftigungssteigerung für 1934, weil sich erst dann die Arbeitsbeschaffung voll auswirken wird. Sogar der Der ganz daniederliegende Industriebau läßt einige Zeichen für eine künftige Belebung erkennen.
In der Sportpalastversammlung der Berliner Haus- ^.er und Baugenossenschaften hatte nämlich der StaatS- iiretär im Reichsfinanzministerium, Reinhardt, auch Duf hingewiesen, daß von den 1390 Millionen Mark, i im Rahmen der drei Arbeitsbeschaffungsprogramme r den September 1932 bewilligt worden seien, erst 509 Millionen ausgezahlt wurden. Da inzwischen auch noch «ilere Bewilligungen und freiwillige Spenden einliefen, • lässt sich Der „Arbeitsvorrat- heute noch auf Dd 1230 Millionen Mark beziffern. 200 Millionen sind die Instandsetzung an Gebäuden und noch weitere N Millionen durch das Gebäude-Jnstandsetzungsgesetz ^Verfügung gestellt worden; — aber dann ist Schluß! Due Wiederholung wird nicht erfolgen", erklärte per ’Gtâfelretär und fügte hinzu, daß sich die Rentabilität Hausbesttzes aus dem Sinken der Arbeitslosigkeit er» e«w müsse und ergeben werde.
Wenn die Regierung nicht, wie vielfach gewünscht Dde, durch eine Senkung oder Beseitigung der H a u s- Ds steuer die steuerliche Lage des Grundbesitzers für weitsbeschafsungszwecke erleichtert hat, so ist doch für ne nahe Zukunft eine solche Erleichterung — und zwar M bloß für den Hausbesip — durch eine allgemeine ‘Gestaltung und Herabsetzung der Einkommen- Dier vorgesehen, worüber der Staatssekretär Rein- ”°> bereits einige Mitteilungen machte. Besonders er» bulrch daran sind die für das kommende Steuerreform- vorgesehenen bevölkerungspolitischen Gichten, die sich vor allem in Ermäßigungen für die ‘ Kinder gesegneten Familien ausdrücken werden. Die Schwachen sollen geschont, die Väter und Mütter «'"lich nicht tatsächlich schlechter gestellt sein als jene ^nkommenbezieher, die sich von Familiensorgen fern- "MN.
. Selbstverständlich ist aber ebenso wie mit den gewal- M Mitteln, die für die Bauwirtschaft bereitgestellt sind, mit den künftigen Steuererleichterungen immer wieder nur das eine, das wichtigste, das Wiel der nationalsozialistischen deutschen Wirtschafts- mk angestrebt: Arbeitsbeschaffung!
^er Führer Wieöer m Werlm.
Reichskanzler A d o l f H i 1 l e r ist, wie der „Angriff"
viel^. ^^anzter A d o l f H t t t e r rg, wie u^ ^uh“u Ä mit dem Flugzeug, aus München kommend, auf Staaken gelandet. Trotz mehrfacher Ver- itibtI: Augzeugführers, auf Sem Tempelhofer Feld zr ^h»' mh er üc^ gezwungen, wegen der starken >ebe-- D^^ uach Staaken weiterzuftteaen und dort meder-
Treibeis und Meeresstürme.
Treibeis auf deutschen Kläffen.
Infolge der scharfen Kälte hat sich hier und da auf den Nebenflüssen des Rheins Treibeis gebildet. So trieb der Main Treibeis bei Schwein- furth, Würzburg und Lohr. Durch das Niederlegen der Wehre ist der Obermain auch plötzlich stark gefallen. Die
Mainschiffahrt ist schon teilweise eingestellt worden. Auch für die L a h n und den Neckar besteht jetzt die Gefahr, daß sie über Nacht Treibeis führen werden. Die vor ihrer endgültigen Vollendung stehenden letzten Betonarbeiten an der neuen Moselbrücke in Koblenz können bei der empfindlichen Kälte nicht mehr weitergeführt werden. Auch die Mosel führte leichtes Treibeis. An verschiedenen von der Strömung nicht stark erfaßten Stellen hat sich bereits Saumeis festgesetzt. Von der Nahe wird gemeldet, daß auch dort leichtes Treibeis besteht. Bei dem sehr niedrigen Wasserstand hat sich Dort schnell an beiden Fahrrinnen Saumeis gebildet. In der Nähe der Drususbrücke bei Bingen ist das SaumeiS soweit in den Fluß vorgedrungen, daß nur noch eine schmale Wasserrinne vorhanden ist.
Teilweise Stillegunz der Schiffahrt zu den Ostfriefische« Inseln.
Der strenge Frost hat die Unterbrechung der Schiffahrt nach einigen ostfriesischen Inseln zur Folge gehabt, die dadurch bei Anhalten der gegenwärtigen Witterung in eine schwierige Lage kommen. Während der Verkehr nach Borkum noch funktionierte, mußte man für Norderney bereits ein stärkereSSchiff einsetzen, um durchzukommen. Der Dampfer nach Juist mußte wieder umkehren, ohne daß er die Insel erreichen konnte. Ebenso sind
Baltrum, Saageeeg und Spicker» »z ohne Schiffsverkehr.
Bei diesen Inseln wird man, wenn der Frost auch nur noch einen Tag anhält, wieder Flugzeuge für de« Transport der lebenswichtigen Güter einsetzen müssen. Auf Norderney haben der Frost und das damit verbundene Niedrigwasser bewirkt, daß das Wrack des 1905 in der Nähe des Leuchtturms gestrandeten Schiffes „Hilte Horn" völlig freigelegt wurde. Die Inselbewohner haben sich zu dem Wrack begeben, um dies soweit als möglich abzurüsten. Die Schiffahrt auf dem Dortmund-EmS-
öltlltrnltl-ttmjn in WW genommen.
Staatssekretär Reinhardt über ArbeitSbefthaffnng md Steuerpolitik.
Aus dem Generalappell der Berliner
HauS- und Grurrdbesitzer.
Der Bund der Berliner HauS- und Gruud- tzesitzervereiue veranstaltete :nr Berti, rer Sport palast einen Generalappell, an dem etwa 22 000 Haus und Grundbesitzer teilnahmen. Die Veranstaltung war ein eindrucksvolles Bekenntuls der Bereitwilligkeit der Haus- und Grundbesitzer, mit allen Kräften den Kampf gegen dieArbeitslosigteitzu unterstützen. Auf der Versammlung ergriff auch Staatssekretär Reinhardt das Wort zu sehr bemerkenswerten Ausführungen über die Gesetze und Pläne zur Arbcitsbcschafftrng und über die neue Steuerpolitik.
Die Finanz- und Steuerpolitik im neuen Deutscher, Reich, so führte er u. a. aus, ist, solange es noch Arbeitslose gibt, in erster Linie auf Verminderung und schließlich aus Beseitigung der Arbeitslosigkeit abgestellt. Im Rahmen der drei Arbeitsbeschaffungsprogramme vom September 1932, Januar 1933 und 1. Juni 1933 sind bis zum 1. Dezember 1933 1390 Millionen Mark bewilligt worben, davon ausgezahlt bis zum 1. Dezember 1933 erst 509 Millionen. Der Rest von 881 Millionen Mark stellt den noch vorhandenen u n nr i 1 t e l baren Arbeits- Vorrat dar. Dazu kommen 220 Millionen für noch schwebende Bewilligungen, 50 Millionen Bedarfsdeckungsscheine an Vie Bezirksfürsorgeverbände und rund 80 Millionen, die bis jetzt aus bem Aufkommen an freiwilliger Spende zur Förderung der nationalen Arbeit bewilligt worden sind
Das ergibt einen unmittelbaren Arbcitsvorrat von insgesamt 1230 Millionen Mark. Es bietet sich uns also, wenn wir an die weitere Auswirkung der bisherigen Arbeitsbeschaffungsprogramme denken, ein außerordentlich günstiger Ausblick in die Zukunft.
Über das G e b ä u d e i n st a u d s e tz u u g s g e f c tz machte der Staatssekretär gleichfalls sehr bemerkenswerte Angaben: Ms Instandsetzungen im Sinne des Gesetzes gelten
alle Arbeiten, die der E r h a l t u n g der Gebäude dienen,
jo z. B. zur Erhöhung des Wertes des Gebäudes, Einbau von Öfen, Zentralheizuugs- und Lichtanlagen, Personen- aufzöaeu, Ainörmgung non Doppelfenstern usw. An Hand von Beispielen setzte Staatssekretär Reinhardt auch die Art der steuerlichen Dergünstigunsen für Instandsetzungen
Kanal sowie der Fährverkehr auf der völlig brückenloseu UnteremS ist ebenfalls eingestellt worden.
Schnee und Eis an der Riviera.
Die Kältewelle hat sich auch auf die i t a l t e Nische Riviera ausgedehnt. Die Temperaturen sind stellenweise unter null Grad gesunken. An der Küste herrscht starker Sturm mit Schnee und Eisregen. In G e n u a fiel der erste Schnee. Auch von der Adriaküste werden heftige Stürme und starke Kälte gemeldet. Triest ist völlig vereist. Bei Venedig wurden zwei Matrosen eines Fisch dampfers vom Sturm ins Meer geschleudert und ertranken. — Die Kältewelle in England hat bisher fünf Todesopfer gefordert. — Aus den Ostkar - Paten wird eine Kälte von 3 1 Grad unter Null gemeldet.
Stürme auf allen Meeren.
Ein schwerer Sturm wütete über dem Englischen Kanal. Das französische Leuchtschiff „San- bettie* wurde von seiner Verankerung in Sangatte in der Nähe von Calais
loSgerissen und trieb mehrere Stunden lang hilflos auf dem Kanal umher. Das treibende Schiff war eine große Gefahr für die Kanal-Schiffahrt. Gegen Mitternacht gelang es einem englischen Schlepper, das Leuchtschiff in Schlepvtau zu nehmen und etwa neun Meilen von Dover entfernt zu verankern. — Nach ergänzenden Meldungen aus Istanbul hat der S t u r m im Schwarzen Meer die Schiffahrt völlig lahmgeieg:. Zie Zahl der V e r m i ß l e n S c e l c u t c in der Gegend von Samsun beläuft sich auf über hundert. Der Sachschaden übersteigt 10 0 Millionen Franken. — Das Motorschiff „Continental" kenterte während eines heftigen Sturmes bei der Einfahrt in den portugiesischen Hafen Figueiro da Foz. Die B c- s a tz u n g und dreißig Fischer stürzten in die See und ertränken zum größten Teil. Fünfundzwanzig Menschen werden noch vermißt. Mehrere Leichen sind bereits geborgen worden.
Kältewelle auch über Bulgarien.
Sofia. Bulgarien wurde von starker Kälte bcimaciucht die von schweren Schneestürmen begleitet war, so daß zahlreiche Bahnlinien verschneit sind. Die niedrigste Temperatur mit 32 Grad wurde in Gorna-Orchowitza gemessen. Über dem Schwarzen Meer wütet schwerer Sturm. Im Hafen BuraaS sind mehrere verankerte Dampfer losgerissen und auf das offene Meer hinausgetrieben worden.
und Ergänznnzcn an Betriebsgcbäudcn auseinander. Wendet ein Gebäudeeigentümer für In standsetzungen ober Ergänzungen 2000 Mark auf, so er hält er 400 Mark in bar und 384 Mark in Z i n s v e r gâtüngsscheinen. Hinzu kommen noch 160 Mark Einkommen steuere rmäßigung bei Gebäuden usw., die einem gewerblichen Betrieb dienen.
Die ZinSvcrgütuttgsscheinc lauten auf den Inhaber und sind übertragbar, aoer nicht pfändbar. Noch günstiger gestaltet sich das Bild, wenn es sich um Aufwendungen zu Zwecken des zivilen Luftschutzes handelt. Eine weitere Vergünstigung ergibt sich aus dem Runderlaß an die Finanzämter vom 28. November 1933, wonach rückständige Steuerschuld in Höhe des Jnstandsetzungsbetrages erlassen wirb.
Wer einen Zuschuß erhalten will, muß unbedingt sofort handeln, zumal die Nachfrage außerordentlich aroß ist
Wesentliche Steuererleichterungen in Aussicht genommen!
Über die direkte Steuerpolitik wies der Staatssekretär aus die Vorarbeiten für eine grundlegende Vereinfachung unseres gesamten Steuerwesens hin, das aus nationalsozialistischem Geist geboren sein wird. Wir be finden uns erst am Anfang der Stcuerreformarüeitcn. Ich glaube aber heute schon sagen zu können, daß wohl jeder von Ihnen eine nicht unbedeutende steuerliche Erleichterung erfahren wird. Über Einzelheiten zu reden, wäre verfrüht, ich habe aber keine Bedenken, den Gebäudeigentümern zu empfehlen, mit den Sparkassen, Banken und Privatpersonen, die ihnen 80 ober 50 Prozent geben, zu vereinbaren, daß der B e tra g jeder künftigen Steuere ntla st ung zur Tilgung des Instandfetzungs - oder Er • ginzungsdarlchcus zu verwenden ist.
Wir arbeiten gegenwärtig an der Neugcstaltuun der Einkommensteuer. Wir haben eine all gemeine Ermäßigung des Satzes in Aussicht genommen; der Einkommensteucrtaris soll nicht mehr mti JO, sondern mit 8 Prozent beginnen und nicht mehr bis zu 50 Prozent reichen, sondern schon weit tiefer feine Höchstgrenze erreichen. Darüber hinaus sind bebcu teude Kinderermäßigungen (15 Prozent ffti das erste, 20 Prozent für das zweite, 25 Prozent für dos drifte und 30 Prozent für das vierte und jedes weitere Kind) in Aussicht genommen, mit der Maßgabe bat Windest- und Höchstsätze nor gesehen sind.