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Zul-aer Anzeiger

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höhere Gewalten", Streiks, Bahnsperre usw. erwachsen dem Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Druck: Friedrich Lhrenklau, Lauterbach i. H.

^, 277 1933

Fulda, Montag, 27. November

10. Jahrgang

ja neuen Deutschland nicht mehr Mell...

Bon Helmut Sündermann.

M. Nicht ohne einen gewissen Stolz auf unseren MN Staat betrachten wir Deutsche Ereignisse, wie sie W beispielsweise in Frankreich in diesen Tagen abspielen.

Auch wir kennen aus vergangenen Zeiten jene Tage der Mchte und Reportersorgen, mit denen das Ende einer ergangenen und der Anfang einer neuen Regierung auch lim parlamentarischen Deutschland begleitet zu sein Ljiegten. Und wir begreifen verwundert durch die Mllelität der Ereignisse den ganzen Unsinn des »ergangenen deutschen Parlamentaris­mus, wenn wir Berichte lesen, wie sie uns von der Lten französischen Regierungskrise mitgeteilt wurden, genn wir erfahren, daß eine Regierung, die kurz vorher Lt bedeutsamer Mehrheit das Vertrauen der Volksver- Utlung ausgesprochen erhielt, etwa eine Stunde später Iin Derselben Sitzung von demselben Gremium mnichtend geschlagen wird. Wir erkennen daraus ein lickressames Bild von der völligen Sinnlosigkeit eines Mmmgsmodus, das man auch bei uns alsDemo- ilme' bezeichnet hat, unb das mit dem Willen eines doch bei Gott nicht das geringste zu tun hat.

Die Presse der Welt pflegt an solche Kabinettskrisen, sie in parlamentarisch regierten Ländern an der h^oriniung sind, interessante statistische Betrachtungen jiibnbie Lebensdauer der verflossenen Kabinette und den des kommenden Kabinetts in der meist bereits recht IMngreichen Ahnenreihe der bisherigen Regierungen I anjuftellen. So hat das letzte Kabinett in Frankreich bei- MMweise achtundzwanzig Tage regiert und ist lavierte Kabinett der laufenden Legislaturperiode W md das d r e t u n d n e u n z i g st e Kabinett, das in »Wreich seit 1871, also seit 62 Jahren, die Geschäfte

Irs Kabinett tst tot es lebe das

» Mine t t!" dieser Schlachtruf ist uns Deutschen noch

Kabinettskrisen des vergangenen Staates in leb- Da Erinnerung wir denken mit Grauen zurück an bis Reiten, in denen oft in wochenlangem Feilschen und |(Wn Don der SPD. bis hinüber zur Rechten Minister- besetzt und wieder umbefetzt, Staatssekretärstellen »Wer und hinüber gehandelt wurden wie ein Wnchtbarer Traum ersteht dieses Bild vor uns, Md mit Stolz blicken wir auf die neue Staats- jühung, die Deutschland vor solchen Schauspielen IMrt, wie sie im französischen Parlament der Welt »boten werden.

» Parlamentrismus und wahrer Volks- M^tsind zwei Begriffe, die nicht nur nicht identisch sind, Bibern die sich diametral gegenüberstehen.

I Vir leben in Deutschland in einem wahre» Mollsstaat das hat der 12. November vor aller eindrucksvoll bewiesen, und wir haben deshalb eine MWführung, die z u t i e f st im Volke verwurzelt Mobwohl sie oder vielleicht gerade weil sie nicht abhängig M bon Zufallsmehrheiten und Taschenspielerkunststücken »Mcntarifdien Routiniers.

M Wir Deutschen verfolgen deshalb auch die Ereignisse, sich in den parlamentarisch regierten Ländern ab- mit einem besonderen Interesse, weil wir an Men sehen können, daß genau so wie im Deutschland des »beniberMtemâ so auch überall bei den Kulturvölkern » Welt die liberalistisch-parlamentarischen Staatssysteme

wehr sich selbst ad absurdum führen.

Der deutsche Nationalsozialist verfolgt diese Entwick- Mgm Mt dem Interesse eines Wissenschaftlers, der fest- die Gesetze, die er als richtig erkannt hat, auch M^wen ungläubigen Kollegen immer mehr als richtig M i die bisher angegebeten als falsch erweisen.

» ras deutsche Volk kann aber mit Stolz auf die Ge- M °Wheit der Nation und auf die Kraft seiner Führung daß wir jene Sorgen des parlamentarischen M!''"sspiels Gott sei Dank überwunden und mit freudigem Herzen bei der Betrachtung der ».Achen Regierungskrise und der Ereignisse,,die zu » l!emhrt haben, sagen können: Das ist der uns l* mehr altue11!

ßanzöWe Botschafter beim Kanzler. itoPCrJra^ Botschafter Francois-Poncet Reichskanzler Adolf Hitler empfangen, wurde die Unterredung des Führers mit dH Poncet von der Presse ganz allgemein als A u f- b e u t sch -französischen V e r h a n d^- loüea et11 ^wertet und dementsprechend als bedeutungv- die L^Mis kommentiert. DerParis Soir" betont habe sich schr g ü n st i g abgewickelt und are Ergebnisse zeitigen, sobald das "'che Kabinett gebildet sein werde.

I Erster Michshauerrriag.

-0. und 21. Januar in WeiM a r.

Skoße Rcichsbauerntag, der ursprünglich stattfinde» sollte, wegen der Wahlvor- Zen aber verschoben werden mußte, findet nun- "Deutsche Zeitung" berichtet, bestimmt am iMinsö' ^un 20., und am Sonntar, dem 21. Januar Im ar statt. Auf dem Rcichsbauerntag wird sich in eindrucksvoller und umfassende, dn-n Zielen und Aufgaben im Dienste bet ^ilÄgemeinschast bekennen.

Der Tod an der Grenze

Llvverschämte Entstellungen.

Österreichische Fälschungsversuche zu dem blutigen Grenzvorfall.

Die österreichische Regierung hat die Herausgaoc eines ausführlichen amtlichen Berichtes über den mit einer schweren Grenzverletzung verbundenen blutige» Zwèschclifall, bei dem ei» Rcichswehrsoldal erschossen wurde, in unverständlicher Weise verzögert. Gerade die ungewöhnliche Schwere des Vorfalles und die außer­ordentlich bedenklichen Begleittt»,stände hatten eine Be­schleunigung der österreichischen Untersuchung zur Folge haben müssen. Die deutschen Behörden haben be­kanntlich die Lage unmittelbar nach dem blutigen Ereignis einwandfrei geklärt. Eine amtliche Wiener Ver­lautbarung versucht die sehr sonderbare Verzögerung mit unsichtigen Bodenverhältnissen" undgroßen Ent­fernungen" zu beschönigen.

Unterdessen werden von nichtamtlicher österreichischer Seite Behauptungen verbreitet, die den Tatsachen schroff widersprechen: die österreichischen Grenz­wächter hätten

sich von 200 Reichswehrsoldaten und SA -Männern umgangen gefühlt";

ferner habe sich der Vorfall auf österreichischem Boden ab­gespielt, und schließlich seien die Grenzer von den Deut­schendurch Zurufe und Heil-Hitler-Rufe provoziert" worden.

Fast soviel Lügen wie Worte. Ihre Widerlegung ist denkbar einfach. 1. Es waren, wie schon gemeldet, nicht 200, sondern nur 23 Mann, völlig unbewaffnet, in zivilen Skianzügen ohne alle Abzeichen, als Reichswehr- soldaten selbst aus nächster Nähe in keiner Weise erkennbar aber es wird frisch darauf losgelogcn: 200 Reichswehrsoldaten und (natürlich) SA.-Männcr"! 2. Es ist durch die deutsche Uutersuchungskommission ein­wandfrei festgestellt, daß die Soldaten

auf deutschem Boden beschossen wurden, und zwar in einer einsamen Gegend, die etwa zwei Gehstunden von der nächsten Ortschaft entfernt ist. Die 23 Reichswehrsoldaten waren übrigens nicht nur unbewaffnet, sondern auch nicht einmal auf Skiern; sie befanden sich auf einem Ausflug zu Fuß. 3. Wie unsinnig die Behauptungen von deutschenProvokationen" sind, geht schon allein aus der Tatsache hervor, daß die Schüsse

auf eine Entfernung von 800 bis 1000 Meter abgegeben wurden! Es ist lächerlich, über eine solche Ent­fernung weg durch Zurufeprovoziert" sein gu wollen. Und trotz dieser Entfernung will man die in S k i - Anzügen steckenden Deutschen als Reichswehr und SA. ersannt haben und gar noch von ihnenumgangen" worden sein!

4. Der Feuerübcrfall erfolgte entgegen allen inter nationale» Regeln und Bräuchen ohne jeden vor­herigen Anruf.

5. Selbst wenn ein ähnlicher Rus wieHeil Hitler!" oder dergleichen gefallen wäre, dann ist das noch immer kein Grund, einen friedlich dahingehenden Menschen über den Haufen zu schießen. .

Der Reichsaußenminister hat, als das Ergebnis der Untersuchung seststand, den deutschen Gesandten in Wien angewiesen, sich zum österreichischen Außenministerium zu begeben und zu fragen, was die österreichische Regie­rung zur Bestrafung der Schuldigen und zur Ver­hinderung ähnlicher schrecklicher Vorkomumissc für die Zukunft zu tun gedenke.

*

Ferner wird aus Wien amtlid) mitgeteilt: Die an läßlich des Zwischenfalles an der österreichisch-bayerische» Grenze bei Erpfendorf nördlich von Kitzbühel sofort eim geleitete» Erhebungen haben vorlânsig zu nachstehenden Ergebnissen geführt:

Eine aus drei Mann bestehende Gcndarmerie- Assistenz-Patrouille, die auf der Eggenalpe im Greuz- dienst stand, nahm eine Abteilung von Reichswehr- männern oder SA.-Männern wahr, die unter Heil-Hitler- Rufen österreichisches Gebiet beim Grenzstein Nr. 6 be­traten. Da gerade auf Diesem Gebiet wiederholt Feuer- überfälle unb Angriffe auf die im Grenzdienst stehenden österreichischen Organe erfolgt sind, gab die österreichische Patrouille in der begründeten Annahme, daß es sich wieder um einen derartigen Überfall handele, Schüsse ab. Einer dieser Schüsse traf einen Rèichswehrmann am Kopf. Nach dem Ergebnis des Lokalaugenscheines steht fest, daß sich der Erschossene auf österreichischem Territorium befunden hat, da eine Blutlache auf österreichischem Boden vor­gefunden wurde. Zwecks genauer Überprüfung des Vor­falles befindet sich eine Gerichtskommission und Organe der politischen Verwaltung am Tatort. Zwecks Mit­wirkung wurden auch Geometer und Photographen beran- gezogen. Zu bem von rcichsdeutschcr Seite veröffent­lichten Ergebnis der Untersuchung des Vorfalles, wonach sich der erschossene Reichswehrmannn auf reichsdeutschem Boden befunden hat, ist zu bemerke», daß biefe Mitteilung auf eine nicht genaue Kenntnis des Grenzverlaufs zurück­zuführen fein dürfte

Dazu wird von zuständiger deutscher Stelle bcmertl: Diese amtliche österreichische Mitteilung bestätigt die u n - erhört leichtfertige und»verantwort

t i ch e Handlungsweise der österreichischen Gen­darmericpatrouille. Lediglich auf die Vermutung hin, daß von der völlig unbewaffneten und weder als Sol­daten noch als SA.-Männcr kenntlichen Mannschaft ein Überfall erfolgen könnte, ist der tödliche Schuß auf eine Entfernung von etwa 800 Meter abgegeben worden.

Diese Vermutung fand in dem Verhalten der deut­schen Soldaten keinerlei Begründung, da, wie von der deutschen Gerichtskommission fcstgestellt, weder Heilrufe noch irgendeine Belästigung der österreichischen Patrouille erfolgten. Gegenüber der Behauptung, daß der erschossene Schütze Schuhmacher sich auf österreichischem Boden befunden habe, muß auf die einwandfreie Fest­stellung der deutschen Gerichtskommission verwiesen wcr- den, nach der sich Schuhmacher auf reichsdeutschem Boden befand.

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ilnbefriedigende Erklärung Dollfuß' über den Grenzzwlschensall.

Bei der Vorsprache des deutschen Gesandten.

Bei der V o r s p r a ch c des deutschen Gesandten in Wien, Dr. Rieth, wegen des Zwischenfalles an der bayerisch-österreichischen Grenze hat nach einer amtliche» österreichischen Mitteilung Bundeskanzler Dr. Dollfuß folgende Erklärung abgegeben:

Die sogleich eèngeleitete Untersuchung sei im Zngc. Er werde eine Antwort erst erteile» können, so­bald über diesen jedenfalls bedauerlichen Zwischenfall die Unterfuchungsmaterialien in ihrer Gänze vorliegen. Das Ergebnis der mit aller Sorgfalt geführten Untersuchung werde samt Unterlagen dem deutschen Gesandten zur Ber- fügung gestellt werden.

Man hätte wohl zumindest erwarten dürfen, daß in dieser amtlichen Mitteilung der österreichischen Regierung das Bedauern über den Tod eines Angehörigen der Reichswehr wesentlich [tarier hätte zum Ausdruck kommen müssen. Nur an einer Stelle der Mitteilung spricht man von dembedauerlichen Zwischenfall". Die Erklärung des Bundeskanzlers an den Gesandten Dr. Rieth ist völlig unbefriedigend. Die ganze Haltung der Wiener Regierung macht den Eindruck, als ob man zunächst a u s w e i ch c n will.

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Berlins StndentenWaff an das 3. R. 21.

Absendung eines Bcileidtelegrämms.

Die D e u t s ch e S t u d e n t e n s ch a f l, Kreis Berlin, sandte an das 21. Infanterieregiment in Nürnberg an­gesichts der Ermordung des deutschen Neichswebrmannes folgendes Telegramm:

21. Jnfanterieregimenr zu Nürnberg. In tiefster Trauer und voll höchster Empörung über den Mord an der österreichischen Grenze sprechen wir Ihnen in kameradschaftlicher Verbundenheit unser wärmstes Beileid aus. Wir betrachten die Tat als uns selber mitgcschcben. Die deutschen Studenten des Kreises Berlin.

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Der ReichSivkhrmimster bei der Sei» setzung des Schützen Schuhmacher.

Auch der Chef der Heeresleitung n i in m t teil.

Die B e i s e ü u n g des von einer österreichischen Grenzpatrouille erschossenen Schützen Schuhmacher vom Infanterieregiment 21 findet am Montag, dem 27. November, 16 Uhr 15 Minuten, in Nürnber g statt. An den Bcisetzungsfcierlichkcitcn werden der Reichs weh rm in i ster Generaloberst von Blomberg und der C h e f der Heeresleitung, General der In­fanterie Freiherr von Hammerstein, teil nehmen.

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Die österreichiWe HjMotzz« ein rlnterfth'llvs für Vorbestrafte.

Im Nredcrösterreichischen Landtag wurde eine Anfrage von feiten der Sozialdemokraten cin- gebracht, aus der hervorgeht, daß sich bei den Assistenz- truppen (H i l s s p o l i z e i), die aus den der Regierung nahestehenden Wchrvcrbänden gebildet sind, eine große Anzahl von Leuten befindet, die wegen öffentlicher G e - w a l t t ä t igkcitcn, Diebstahls, Betruges und anderer Straftaten vorbestraft sind? In offener Sitzung wurden dazu noch Mitteilungen gemacht, dir* denen hcrvorgeht, daß die Assistenzkommandos, die in den kleineren Orten in der Umgebung von Wien eingesetzt sind, in einer Anzahl non Fällen b i s über die Hälfte derartiger Vorbestrafter unter sich haben.