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UntertmltuiMblatt

ien. Noch im Dunkeln

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Gott will^datz die Gemeinde gehorsam sei der Obrigkeit um Gottes willen; wiederum, daß die Obrigkeit Recht und Friede handhabe, auch um Gottes willen, und es also sein zugehe in diesem Leben, in Gottesfurcht und Gehorsam.

Luther.

Ji U£i

Bibellesen: Ich habe nun etliche Jahre her «jbel jährlich zweimal ausgelesen, und wenn sie ein k mächtiger Baum wäre und alle Worte wären Aest- und Zwerglein, so habe ich doch an den Aestlein und «Mein angeklopft und gern wissen wollen, was daran und was sie vermöchten, und allezeit noch ein paar j^ oder Birnen heruntergellopft. Luther.

Das Volk muß weiterlebeu. tzrzählung aus der Zeit der Pest von F. Kappler.

Das Folgende steht zu lesen im Kirchenbuch der Kr- Buchweiler im Thüringischen:

A. D. 1691 am Sonntag Judica. Heute sind 75 Jahre belaufen, seitdem der Herr meinen Fuß auf die irdisch Miderbahn gesetzet. Wär' somit an der Zeit, die Lehr aus titlet Erdenpllgerschaft kommenden Nachfahre« zur Be­achtung und Darnachachtung festzulegen.

Da man schrieb das ^ahr des Heils 1638, schwang über Züchen Landen Gottes Zuchtrute der schwarze Tod. Auch Frankendorf Siebenbrunn hat die Pestilenz unerbittlich Mehr gehalten, ein letzter Rest zumeist hochbetagter Greise B verrunzelter Weiblein sieht schicksalergeben dem un­leidlichen Ende entgegen. Von der lebensstarken Ge- seration hat die Seuche nur zwei. Jungknechten bisher nichts Men tömten.

»Wie haben wir's?' fragte der ältere Georg einmal den ângeren Silvester. »Wollen wir zuwarten, bis e8 auch uns

ft Du

E? Diesen Nachmittag haben sie meinen Bauern als tat vom Lindenhof eingegraben; ich bin meiner Dingnis bin frei. Was hält Dich noch? Die alte Fuchsbühleriu Laicht Deine Mutter, noch Schwester «nd helfen, kannst Du II auch nicht mehr!1

Im Vollmond der Mitternacht zogen beide gemeinsam i die Weite. Georg mit der Büchse des seligen Bauer« über u Schulter.

Von Gau zu Gau führt die trübselige Wanderschaft. Ümschliche Siedlungen sorgsam umgehend, durchstreifen sie Iber und Felder, fangen einen Hafen mit der Schlinge |N holen Feldhuhn und Wildtaube aus der Luft herunter, neben Früchte und Beeren in Fülle. Nächtens rauscht ein Miierdach über ihnen, ein Steinbruch beut Schutz vor Ge- wiiter und Sturm. Wen« einmal Menschenlaute zu thue« Bringen oder unfern gar eine müde Gestalt über einen Hof Michi, schlagen sie einen großen Bogen. Scho« geht die Bi«« Tag um Tag frühzeitiger zur Rüste, das Jahr neigt Mi« letzten Viertel zu.

I Nen haben die Gefährte« die scharfe Biegung eines Hohlwegs, umsteuert, da schlägt unvermittelt Gesang I lihi Ohr. Eine süße, junge Stimme. Da vorne sitzt am in der warmen Herbstsonne ein bäuerlich Kind, vielleicht, aber kräftig und wohlgewachsen. Es formt r Nt Sommerblume« zu einem Kranzel. Margret hat I dar ausgestorbene Heimatdorf berlassen, ist, ihne» IM »uf der Fahrt inö Ungewisse. Bedenklich schauen sich Arschen an. Solle« sie sich .abermals der AnsteckungS- äusseren, jetzt kurz vor WinterSauSbruch, vo« dem sie M Erlöschen der Seuche erhoffen? WaS geht sie ein fremd Malein an! Aber wie sie nach kurzer Ueberleaung ihre Mwdemng fortsetzen, nehmen sie das Mädchen doch mit Ich.

M neues Leben in ihre eintönigen Tage bringen, über Mlilier zu ihrer Wirtschafterin werden. Daß auS der Anf- WMe Margrets in ihren Bund Schwierigkeiten ober Ge- erwachsen könnten, das fällt in diesem Augenblick »wem bei.

« Die ersten Frostnächte haben die Kelche der Herbstzeitlosen da steht, an sanften Berghang gelehnt, eine selbst» Mâerte Hütte für drei fertig. Nun werden Stroh und für die Lagerstätten, Brennholz und andere Vorräte iMWchafft, aber in das Dorf, dessen Kirchturmspitze aus W E eines gewundenen Flußlaufs heraufgrüßt, wagen sie nicht. Dort muß erst die Kälte die verborgene Brüt Krankheitskeime ansgetilgt haben, dann werden sie unten Umschau nach Bettzeug, Wolldecken und HauSgerät In geschäftiger Betätigung laufen die Tage ab, ^ sich in der Brust der Männer die Liebe zur ge- Gefährtin. Rasch schlagen ihre Mammen höher.

Mädchen, zu beiden gleich freundlich und hilfsbereit, bevorzugend, genießt ahnungslos das Glück deS Ge- MUnsems. Georg und Silvester dagegen sind sich klar, daß «ne unausbleibliche Entscheidung vorbereitet. Sie sich nach Tunlickkeit auS. werden einsilbig und mit

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Mnach Tunlichkeit aus, werden einsilbig

" Mwöhnisch darüber, daß die Umworbene nicht Anderen allein zusammen ist.

6«neinsamem Pirschgang bleibt der Steifere un» ^u- Sein Blick sucht forschend das Auge des L Kn». Mr senkt den Kopf. Margret!' sagt er tonlos. L' X tft gebrochen, mit männlicher Offenherzigkeit ge- PiiiviNi» ^ chre Liebe ein. Beide haben gleiches Anrecht; an verzicht denkt keiner, waS tun?

fcnn S^"^'. an zermartern sie ihr Gehirn nach einer WrL> S,^nb selbst entscheiden lassen? Würde sich der M abzufinden wissen? Unmöglich! Man könnte bestimmen, wer das Feld zu räumen Ken °1 u . Zwiespalt durch gemeinsame, heimliche Flucht °amii die Begehrte der Einsamkeit und dem ^"Überantworten nicht daran zu denken!

A r v Mitternacht rüttelt Silvester den Schlaf- N Ä Sereni Schlummer. Ihm ist eine Erleuch- M« ein Gottesgericht, Zweikampf mit dem lieber emer bleibt! Ein bestechender Gedanke, aber davor zurück, fein Glück auf den Tod des gründen.

wie eine unausgesprochene Abmachung zwischen I lasse» von ihrer furchtbaren Lage nichts merken l«gcnd sL.. ^ ahnt offenbar noch immer nichts, rhrer IkfltuuuA1^ noch fremd. Sie findet ihre Ickten J rtn, der freudigen Erfüllung ihrer Hansfrancn- I ^lenruhig und stets heiter.

rauher Herbststürme bringt eure Wandlung |m£^ doch von dem verderblichen | Ä $ Er beginnt zu husten, zu frosteln und zu I ^6 sind unruhig, der Tagesanbruch ftnbct l^tt^ Schon muß er sich gröberen Ur» I w Und jetzt, da dichte Dauerschneefalle das Kalte sich bureb die dünnen Hutten- I kann er das Lager nicht mehr verkästen I D m^ Ek und es wird Nicht leicht fallen, fern I Wt&V® BHM^ich^ VechÄrmsten. fernab men

Georg und Margret pflegen ihn mit 'aufopfernder Hin- 8^' me letztere zumal ist ganz nintterliches Weib, ganz Mitgefühl und Sorge. Sie fühlt darüber ein ihr bislang unbekanntes Etwas in sich aufsteige tastend, versteht sie es nicht, dieses N Mn .Kurzes wird es den Männern

ieue zu verbergen, über ein Kurzes wird es den Männern offenbar: die große Ent­scheidung ist gefallen, Margret liebt den kranken Mann!

Bei dieser Erkenntnis bleibt Georg gelassener, als er jelbft es für möglich gehalten hätte. Ihm steht das Ueber» Schicht des Gesunden, Vollkräftigen gegenüber dem Schwa­chen, Siechen zur Seite. Wer will voraussehen, ob sich die Natur die endgültige Entscheidung nicht selbst Vorbehalten hat zu seinen Gunsten! Nur nicht ungeduldig werden! Zwar empfindet er das Verwerfliche, Sündhafte solcher Gedanken- gänge, aber er kommt von ihnen nicht los. Keinesfalls wird er die Treupflicht am Freund verletzen, das hat er sich zu­geschworen., Das Licht, das ihm aus weiter Ferne leuchtet, gibt ihm die Kraft, auszuharren bis zum Aeutzersten.

Unterdessen ist es in einer Stunde des Alleinseins zwischen Margret und Silvester zum offenen Ausbruch ihrer Gefühle gekommen. Man wird sich Georg nicht offenbaren, denn nun weiß auch das Mädchen mit einem, daß dieser es ebenfalls begehrt. Es sind nur wenige, geheime, bitter-süße Augenblicke, da die Liebenden ihr schattenumdüstertes Glück auskosteu, dürfen. Dem Kranken wird die Liebe zum mäch- sigen Auftrieb des Genesungswillens, nach langen, bangen Wochen machen sich Besserungsanzeichen bemerkbar und die ersten linderen Lüfte umfächeln einen dem Leben Zurück­gegebenen. Doch muß er bald einsehen, daß er eine un­widerrufliche Einbuße an seiner Gesundheit erlitten hat. Er ist nicht mehr der alte und wird es auch nie mehr werden; das hat er untrüglich im Gefühl. Die folgenden Monate die drei befinden sich längst wieder auf zielloser Wanderschaft bestätigen nachdrücklich seine trübe Erkenntnis. Was aber bedeutet ein Bauer, der körperlich nicht auf voller Höhe steht! And das Wichtigste von allem: der Bauer braucht Nachwuchs, gesunden, vollkräftigen Nachwuchs. Wenn seine Kinder schon von Mutterleib an mit der Anlage zu Unkraft und Schwäch­lichkeit belastet würden! Sooft er Georg ansieht, der. finster

und verschlossen, in der ganzen Kraft seiner Mannheit neben Margret steht, dann däinmect es in bezwingender Klarheit vor ihm auf: nicht um den einen oder anderen geht es, nicht um persönliches Glück oder Leid, es geht um Höheres: das Volk muß weiterleben!

Am Morgen eines hellen Junitages ist Silvester ohne Abschied von seinen Weggenossen verschwunden.

Er ist über seinem Opfer nicht zugrunde gegangen. Nach langen Wirrnissen hat ihm Gottes Hand einen neuen Weg gewiesen, auf dem er viele Jahre zum Segen der Gesamtheit wirken durfte. In späten Jahren ist es ihm gelungen, durch vertrauliche Forschung und vorsichtige Erkundigung in^ Er­fahrung ;u bringen, daß der wohlhabende, ange " ichulze Georg Meinrad im Hessischen an der Frau Margret und einer blühenden Schar gesunder Kinder das Glück gefunden hat.

So hat der Verzichtende seinen Entschluß nicht zu be­reuen gehabt und sein Geschick bei vollem Seelenfrieden vor­stehend am heutigen Tag mit eigener Hand niedergeschrieben. Silvester Recknagel, Pjarrherr zu St. Johannes in Buch- weiler."

Jahre zum Segen der Gesamtheit Jahren ist es ihm gelungen, durch d vorsichtige Erkundigung in Er- wsehene OrtS- r Seite seiner

Der Außenseiter.

Skizze von Sophie Freiin Stjerna.

Er war der Dreizehnte. Zu seinen zwölf kleinen, blan­ken Geschwistern erst ziemlich spät Hiuzugekommen, hatte er nie ein rechtes Verhältnis zu ihnen gesunden. Während sie im alten Niederländer-Stollenschrank ruhig und still in ihren grünen, gerade für sie berechneten Filzbettchen ruhten, rutschte er eben ein Eindringling, ein Störenfried mit Behagen und feinein silbernen Geklirr gern hin unb her.

Er war auch ein wenig größer als die übrigen zwölf silbernen Kaffeelöffelchen und nicht fo Modern wie sie, wenn-

silbernen Kaffeelöffelchen und nicht fo Modern wie sie, wenn­gleich sie in Wirklichkeit ganz alt und nur durch den Wandel der Mode wieder zeitgemäß geworden waren. Seinen Griff zierte weder Namenszug noch Krone wie bei den anderen, sondern nur ein Muster, ein Biedermeiermuster trug er und war darauf noch besonders stolz. Na überhaupt, er hatte wohl Grund, bei seinen Erlebnissen stolz zu sein. Plumps das fam vom Dicketun! rutschte er wieder auS dem ordentlich aufgerichteterr Stapel seiner Kameraden heraus.

Meine Tochter schalt.Er paßt nicht dazwischen", und die Jüngste, gleich ihr mit Tischabräumen beschäftigt, konnte auch Mutters Liebhaberei für diesen einzelnen kleinen Löffel nicht begreifen". Da ward es Zeit, daß sie die Ge­schichte des kleinen Außenseiters erfuhren..

In sorgloseren Vorkriegszeiten hatte ihn auf einem Wohltätigkeitsfest ein glücklicher Fähnrich gewonnen. Auf blauem Samt gebettet, strahlte er int Glanz feiner Neuheit wie die blauen Knabenaugen, als schlanke Fraucnhände ihn dem jungen Manneals erstes Stück für den eigenen Haus­halt" überreichten. Leicht war diese erste Etappe im Leben des kleinen Löffels nicht. Es ging nichts ohne ihn, aber es kam auch nicht so genau darauf an, ivas mit ihm gegessen wurde, wenn nur überhaupt etwas zu essen da war. Einmal nur geschah es, daß auch wieder eine zarte, weiße Mädchen- Haud ihn berührte, ihn zum Munde führte mit süßen Dingen; aber das Löffelchen schwieg taktvoll, klirrte nicht und lächelte nur leise. Gepflegt wurde es; fast allzu viel geputzt, was aber seiner guten Konstitution nicht schadete, denn der Herr Leutnant! Und der gute Bursche rieb und polierte. Aber solche Glanzzeiten pflegen im Leben nie von langer Dauer ui sein, und jäh wurde es ganz anders. Tag und Nacht schallte der Schritt junger Männer in Uniform^ und solcher, Oie noch der Einkleidung bedurften, durch die Straßen, Tag und NachtDenn wir ziehen in den Krieg.. "

Leutnant von Osten packte, und sein Bursche half ihm dabei. Er packte drei Koffer; zuerst den grauen mit Eisen beschlagenen, der seinen Namen trug, und den des Regiments, denn der ging ins Feld, in den Krieg, dein Feinde entgegen. Den zweiten behielt seine Wirtin, in den kam Wäsche, Zivil- zeug, zum Nachfchicken im Fall einer Verwundung, und der dritte ein leises Lackeln huschte über das ernst aeivordene junge ^euwr war etn atles, kleines Kadellenkofferchen; ziemlick Mitgenommen von all den Urlaubsfahrten sah es aus, in den kamen Mililärpapiere, Patente, Polizen, Fa- milienandenken, und obenauf:Nach meinem Tode zu senden an..." Jochen von Osten dachte an seine Mutter, sein

hte an seine Mutter, sein gutes nicht einmal Lebewohl sagen

Mütterchen, dem ' er nun

konnte: aber viel Zeit zum Denken gab es nicht.

Was ist's noch, Kaludrigkeit?"'Der Bursche hielt etwas

Mankes rn großen uüb?MfsRen Händen.Unser Loftelchen, Herr Leutnant, wsbin?^ *~'Gib her! Haft recht. WarMv

soll's hier bleiben?* Aber drei Koffer stauben offen. In welchen...? Schwer wurde das kleine Ding ihm unter den Fingern. Im Felde? Esten mutzte er dort auch, wenngleich es nicht immer viel geben würde. Er hing nun mal an dem blanken Ding. Ein Stückchen friedliche Heimat war's: s das Löffelchen in den feldgrauen Koffer, der dann hörbar zuschnappte.

so flog

Ilm immer bei der Hand zu sein, kam es später in den Tornister, und sein Herr erduldete manche Neckerei seiner Kameraden, die ihn dennoblen Osten" nannten, wenn er mit seinem silbernen Löffel den Rest einer Liebesgaben­tonserve auskratzte. Blank war das Ding nicht gerade mehr, auch einige Schrammen und Beulen hatte es abbekommen. Aber was tat's? Dem jungen Offizier war's tote ein Gruß aus der Heimat, wenn er es zur Hand nahm. Sie lagen nun schon Monate, endlos lange Monate im Schützengraben, da bekam man Sehnsucht und träumte wohl auch von so mancher Stunde, an die der silberne Freund erinnerte. Weißt du noch? Der Abend des Wohltätigkeitsfestes? Die schöne Frau, die so hell lachen konnte, und der perlende Wein in den Gläsern? Ob sie jeßt wohl weinte um den Mann, den die

jeindliche Kugel ihr genommen? Ob wohl eine um weinen würde, Hans Jochen? Ein Lächeln, ihm bewußt,'verklärte sein junges, schnial gewordenes Gesicht. Schwester, die Mutter, sein Muttchen ... Sie schrieb schickte so treulich, und noch eine andere tat das gleiche

dich un- Die und zu­sein tm der

weilen. Seine erdigen Finger drehten sein Löffelchen, karges Nachtmahl war eingenommen. Dich hat sie Munde gehabt, einst die Annemarie! Drüben funkte Feind seinen Abendsegen herüber, das tat er immer um diese Zeit. Osten störte es nicht mehr. Blonde Haare, wirre, krause hat sie gehabt. Heute meinten die drüben es aber

zu arg, waS fiel ihnen nur ein! Die letzte Granate hatte fast den Graben getroffen. Sollte daS etwa Wiedereröffnung des HöllenkonrertS bedeuten? Vergessen waren mit einem Schlage süße Dinge aus friedlichen Zeiten, die junge Gestalt straffte sich, doch daS Kommandowori erstarb in wehem Röcheln...

Der Feind hatte sich eingeschossen, aber es half ihm nichts. Tagelang ging der Kampf um den Graben: die Deutschen hielten stand. Sie rächten die Opfer, dl? er gekostet, sie er­oberten ein neues Stück feindlichen Landes.

Tränenden Auges packte eine alte weißhaarige Mutter das kleine Köfferchen ihres Sobnes aus. Zu Oberst lag iem Testament.Mein Jung", schluchzte sie,mein einziger Jung!"Weinen und Klagen ziemt nicht um einen ge­fallenen deutschen Offizier", las sie die Worte in ihres Sohnes deutlicher Knabenbandschrrft und überwand die Tränen, ihm

zu lieb, aber ein Feldpostpäckchen auS ferner Karpalhengegsnd ließ sie aufS neue fließen. Der Bursche Kaludrigkeit schrieb oh, sie hatten alle geschrieben, der Oberst, der Hauptmann, ein Freund aber der treue Ostpreuße schickte den Wappen­ring und das Eiserne Kreuz. Es klebten noch Erdspuren

ran. Verschüttet gleich ihrem Herrn und doch rote durch Wunder wieder emporgeworsen. Die Tochter stützte die ^rau.Da ist noch etwaS, Mutter--Sein Lvsfelchcn. Erdfarben allmählich und unansehnlich: lange hielt es Mutter Hand.

da- ein al!'

der

Ich erbat mir's als Andenken. Mädels, wißt ihr nun, warum ich den kleinen Löffel so liebe? Fortan besah man den Außenseiter mit ehrfürchtigen Mienen, faßte den kleinen dreizehnten mit sorgsameren Händen an, so daß sich auch sein Verhältnis zu den blanken Geschwistern erheblich besserte. Ja, eS ist manchmal gut, eine Vergangenheit zu haben!

Fahnenehre.

Skizze von Bernhard Sckulz.

In bet kleinen Stadt, darinnen auf einem Hügel da? Schlön der Freiherrn von Borrcndirnk als ein Wahrzeichen deutscher Kraft und Treue efeuumraukt erstanden ist, schreiben sie zum ersten Male den Feiertag der nationalen Arbeit.

Am Abend dieses ersten Mai, vom Duft der Kirschblüten, der Primeln und der Gartenerde seltsam köstlich angeregt, öffnet der jüngste Enkel des ehemaligen Fähnrichs und Frei Herrn von Borrcndunk, auf dessen Schenkeln andächtig sitzend oer Vater alle die lieben, tollen und ernsten Geschichten empfangen hatte, die Tür zu einem der heimlichen Turm­gemache. Knirschen der Angeln, weil sie rostig find, naher Dohlenschrei und Hauch des weiten, unendlich stillen Raumes.

Langsam, ein Träumender, der beten, ewig beten möchte, sieht der Knabe zu dem eichenen Rahmen empor. Von frischem Eichenlaub ein Kranz umrundet ihn festlich. Da hängt es, hinter dem dunkelnden Glas: ein Fetzen purpurner Seide, Fahnentuches, rubinen strahlend vor dem Kerzenlicht.

Bald werden es hundert Jahre sein", hatte der Vater gesagt.

Zärtlich ertasten die Knabenfinger die tiefen Kerben in dem steinernen Holz.---.

Eine kleine Heldenschar nur noch, besiegt, geschlagen. In ihrer Mitte brennt im letzten Abendlcuchten groß und rot die Fahne. Steil, wehrlos und blntend steht sie da. Ein Kämpfer nach dem anderen bettet sich in der granatgefurchten Erde zu Grab.

Einen weichen dunklen Mantel webt die Nacht über Samt und Eisen, Lederzeug und Wagenräder.

Den Kopf gebeugt, yclmlos, das Haar zerzaust, totenblaß, die zerschosiene Fahne in der Hand, wartet der Fähnrich auf das Ende. Sie haben keinen Schuß mehr im Laus, die Kolben sind zersplittert und die Bajonette stumpf und schartig. Um­ringt sind sie von Feinden. Und mitten unter ihnen die Fahne! Sie wissen, daß es keinen Ausweg mehr gibt. Sie warten nur noch auf den Tod.

Dunkler wird es. Immer noch steht die Fahne. Nun sehen sie sich in die jungen Gesichter und senken matt die Köpfe. Was wird mit der Fahne geschehen? Kouunt der Tod bald? Sie warten auf ihn.

Da schleicht es sich durch die dunklen Büsche heran. Knacken der Aeste, metallisches Klirren. Hier, dort, von überall her. Geflüsterte Worte und dumpfer Befehl. Fackel­licht durch das Laub der Bäume. Kein Schutz fällt. Die Heine HelLenschor steht unbeweglich, märtet. Wartet wartet, Atmet kau.ru.