Gießen, 31. Oft. (Berufung eine» (Siegener Gelehrten nach Münst e r.) Der Privatdozent für römisches und vergleichendes bürgerliches Recht an der Gießener Universität Tr. Max Kaser hat einen Ruf auf einen Lehrstuhl an der Universität Münster erhalten und angenommen.
G'cßen, 31. Oktbr. E i n Ko mm unistenführer wegen Betrug ins Gefängnis.) Der frühere Führer der Kommunisten in Butzbach, der jüdische Kauf- mann Josef Oppenheimer von Butzbach, der auch im öffentlichen Leben des früheren Systems eine Rolle spielte, hatte sich in mehrtägiger Verhandlung vor dem Gießener Schöffengericht wegen Betrugs in mehreren Fällen und Anstiftung zum Betrug zu verantworten. Mit ihm standen noch mehrere Personen von Butzbach als Angeklagte vor Gericht, die man als seine Opfer bezeichnen kann. Oppenheimer war mit seiner Firma in Konkurs geraten und hatte dann im Laufe der Konkursabwicklung eine Reihe von Verfehlungen begangen, durch die zahlreiche Gläubiger empfindlich geschädigt wurden. Oppenheimer verleitete auch einen Bankbeamten zu dienstlichen Unkorrektheiten, die diesen auf die Anklagebank brachten. Der mehrtägige Prozeß ergab, daß Oppenheimer bei den ganzen dunklen Machenschaften die treibende Kraft war. Oppenheimer erhielt dafür fünf Monate Gefängnis, ein Mitangeklagter erhielt einen Monat Gefängnis, die beiden anderen Angeklagten wurden freigesprochen.
Büdingen, 31. Okt. (Ein Bürgermeister und ein Rechner verhaftet.) Bürgermeister Sellheim von Ober-Mockstadt (Kreis Büdingen) wurde gestern verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängnis in Nidda einge- liefert. Es werden ihm Urkundenfälschung und Unregelmäßigkeiten in den Holzversteigerungsverzeichnisien zur Last gelegt, die er als Markmeister der Mark Mockstadt begangen haben soll. In dieser Angelegenheit wurde auch der Rechner Mickel von Nieder-Mockstadt verhaftet und nach Nidda eingeliefert.
Frankfurt a. M., 31. Okt. (Die verkrachte Afrika-Expedition.) Einst sollte von Frankfurt aus eine Expedition nach Afrika abgehen, die das Land durchqueren und fleißig filmen wollte. Die Teilnehmer hatten alle Vorbereitungen getroffen, und eines Tages ging die Reise los. Aber man kam weder an den Nil mit seinen Katarakten. noch an den Sambesi mit seinen Krokodilen, vom Oranje ganz zu schweigen. Schon auf deutschem Boden verkrachte die Gesellschaft, und das übelste war, daß sich der Staatsanwaltschaft für sie interessierte, denn es gab Leute, die behaupteten schlankweg, es habe sich um ein betrügerisches Unternehmen gehandelt. Dem war nun nicht gerade so. Es steckte zu viel Idealismus hinter der Sache, und es war zu wenig Geld vorhanden, um den Plan durchzufüh- ren. Das Verfahren gegen die Beteiligten wurde eingestellt. An der Expedition beteiligte sich auch die frühere Gattin eines Arztes. Sie hatte bei anderen Leuten Mittel für das Unternehmen gesammelt und — wie jetzt eine Verhandlung vor dem Schöffengericht gegen ste ergab — etwa 600 Mark unterschlagen. Die Frau wurde zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt.
Frankfurt a. M., 31. Okt. (Taubstummer Heiratsschwindler.) Unter den Namen Schmidt und Rubenstrunk hat der Taubsftmme Otto Müller hier und in anderen Orten verschiedene Betrügereien ausgeführt. Er machte sich hauptsächlich an taubstumme Mädchen heran, die er unter allerhand schwindelhaften Angaben, teilweise auch unter Versprechung der Ehe, betrog. Der taubstumme Schwindler konnte jetzt festgenommen werden.
Frankfurt a. M., 31. Okt. (EineMauslegtrinen F a b r i k b e t r i e b still.) In einer Fabrik in Frankfurt a. M.-Höchst, in der 1000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt sind, mußte plötzlich die Arbeit eingestellt werden, da der elektrische Strom ausblieb und alle Räder stillstanden. Was war passiert? In einem elektrischen Etagenkasten fand man bald den Störenfried: eine Maus, die in den Kasten eingedrungen war und bei ihren Kletterkünsten durch die Berührung zweier Pole einen Kurzschluß verursacht hatte. Das Mäuschen büßte den Streich mit dem Leben. Nach einer halben Stunde war der Schaden wieder repariert und die Arbeit konnte ihren Fortgang nehmen.
Frankfurt a. M., 31. Okt. (Tie Hinterlassenschaft des Konsuls Moritz Oppenheimer.) Bekanntlich ist vor einiger Zeit der Inhaber der Mitteldeutschen Mechanischen Papierwarenfabrik und Besitzer des Gestüts Erlenhof Konsul Moritz Oppenheimer in Frankfurt a. M. in Untersuchungshaft genommen worden, nachdem er Konkurs angemeldet hatte. U. a. hatte Oppenheimer von einem im Ruhestand lebenden Frankfurter Studienrat ein Darlehen von 1% Mill. Mark erhalten, und zwar stammt dieser Betrag aus einer amerikanischen Erbschaft des Studienrats. Der Studienrat ist der Hauptleidtragende in diesem Konkurs. In der heutigen ersten Eläubigerversammlung machte der Konkursverwalter in- teresiante Angaben über das Konkursverfahren. Danach waren bei Eröffnung des Konkurses im September frei verfügbare Aktiven in Höhe von etwa 485 000 Mark vorhanden. Dabei ist der Wert des Pferdematerials im Gestüt Erlenhof mit 200 000 Mark angenommen, ein Wert, der indessen nur sehr ungenau geschätzt werden kann. Demgegenüber stehen an Verpflichtungen ungefähr 3,64 Mill. Mark ungesicherte und 190 000 Mark bevorrechtigte Forderungen, darunter etwa 100 000 Mark Steuern. Bis jetzt konnte noch keine Klarheit in die Gründe zur Zahlungseinstellung gebracht werden. Jedenfalls ist es unwahrscheinlich, daß die Verluste aus dem Fabrikbeirieb entstanden sind, da während der Leitung des Betriebes durch den Konkursverwalter und vorher durch einen Treuhänder die Fabrik gut gearbeitet hat. Der Rennstall beherbergt 60 erstklassige Pferde, die dem Konsul in den letzten acht Jahren einen Renngewinn von etwa 1 % Mill. Mark ein- gebracht haben. Tie Frankfurter Fabrik ist vom Konkursverwalter an eine von dem Studienrat als Tarlehns- Hauptgläubiger gegründete GmbH, verkauft und der Berliner Betrieb an die GmbH, verpachtet worden, um auf diese Weise die etwa 200 Mann starke Belegschaft weiter beschäftigen zu können, womit einem Wunsche des Treuhänders der Arbeit Dr. Lüer entsprochen wurde. Ter Käufer verbürgt den übrigen Gläubigern 3 Prozent Quote bis zum Höchstbetrag von 70 000 Mark. Bezüglich des Gestüts lauf Äebernahmevsrhandlungen mit einem ernsten Interesienten. Der Verkauf soll möglichst beschleunigt werden, zumal sich die monatlichen Kosten des Gestüts auf 10—15 000 Mark belaufen. Der Gläubigerausschuß beschloß, sich nicht für die Enthaftung Oppenheimers einzusetzen, wenn dieser auch behauptet hatte, in persönlichen Verhandlungen eine bessere Verwertung des Gestüts durchführen zu können. Ter Gläubigerausschuß hatte der Frau des Oppenheimer einen Betrag von etwa 200 Mark für dringende Ausgaben zur Verfügung gestellt; die Eläubigerversammlung war jedoch der Ansicht, daß der Frau Oppenheimer aus dem Verkauf oder der Beleihung von Schmucksachen derartige Beträge zur Verfügung ständen,
daß man es nicht verantworten könne, durch Beihilfen, die auf Kosten der Masse gehen, kleine Handwerksmeister weiter zu schädigen. So hat beispielsweise ein Schmied in Bad Homburg für das Beschlagen der Pferde noch 800 Mark zu fordern.
Bellmans mit bei Sammelbüchse.
Eine Hundegeschichte von R. Herminghausen.
Winterhilfe!
Ein großer, schwerer Transportwagcn rollt durch die lopfsteingepflasterteu Villenstraßen; obenauf sitzen SA- und LS-Männer und singen ihre Kampflieder. Eitler von ihnen aber schreitet neben dem Wagen her unb stößt mit seiner gelben Messingtrompete den gellenden Alarmruf in die stille perdstlnft: Winterhilfe! Gebt zur Winterhilfe des deutschen Volkes!
Die Bevölkerung weiß bereits aus den Zeitungen, daß die Sammelwagen unterwegs finb, und so türmen sich in den freundlichen Gartenhäusern schon seit Tagen die in dickes Packpapier geschlagenen Spenden. Hier werden Schuhe herausgereicht, dort ein getragener, gut erhaltener Wintermantel, in der Nebenstraße opfert man Untermeng, und die Wurstfabrik am Ort spendet drei Fässer Schweineschmalz.
Zuletzt — aber nur der Sache, nicht dem Sinne nach — kommt ein kleines, reizendes Tierchen angetrottet, ein schwarzweiß gefleckter Foxterrier mit einer spitzen Schnauze. Das Tier zittert am ganzen Körper, und man könnte denken, es friert ganz jämmerlich. Aber dieses Zittern ist nur eine Eigenart dieser Foxterrier. Bellmans heißt der Hund. Er erhielt den Namen von einem Regisseur, der ihn aus seinen Gastspielreisen mitnahm, aber mit der Zeit bekam dem Fox die Eisenbahnfahrerci schlecht, nnd so erhielt er Erlaubnis, unter „Mammis" Aufsicht zuhause zu bleiben. Jetzt strolcht er tagsüber mit den anderen Hunden — soweit ihm die Rasse zusagt, andernfalls betrachtet er sie als Köter und läßt sie kaltblütig an den Kautsteinen stehen. Sein Fell ist glatt, glänzend, seidenweich, aber das Schönste an ihm sind doch seine wundervoll dreinblickenden Augen. Einem Menscher sonnten diese Augen gehören. Wenn Bellmaus uns so vor unten heraus anblinzelt, scheint ein stummes Fragen unt Suchen in seinem treuen Hundeblick zu sein, ein fast nach deutliches Forschen und Trachten.
Bellmans weiß und rät alles auf den ersten Anhieb, be sonders, wenn die „Mammi" mit ihm ausgehen will. Er ist auch der Liebling im Hause, nur eins darf er nicht: betteln, wenn Besuch kommt! Dann faßt ihn sein Herr scharf ins Auge und kommandiert: „Kusch Dich, Bellmaus, nicht betteln!" Prompt kuschelt sich der Fox schmollend in seinen Korb, schmiegt seine schwarze Schnauze an die welche Wolldecke und schließt, gerade wie ein Mensch, ergebungsvoll die Augen, als wolle er sagen: „Da kannst' halt nix dran machen!" Bellmans ist ein Muster an Sanftmut, aber er kann auch anders. Sein Herr braucht nur mit dem aus- gestreckten Finger auf den Garten zu deuten und zu hetzen: „Bellmatls, die Ratte!" Dann schießt der Fox wie ein Wilder auf die Gartenmauer los und wühlt in sinnloser Wut du Erde aus, um das verhaßte Tier zu fassen.
Bellmans spielt auch gern mit Garnrollen und Bi^i v knäueln. Nur eins kann er grundsätzlich nicht Wenn nämlich die „Mammi" kleine Kinder streichelt, gerät er in rasenden Zorn, belfert scheußlich und schnn,» d toller Wilt nach den zarten, rosigen Fingern der w 15 Wenn die Kinder dann angstvoll brüllen, bellt er' und scharf dazwischen, als wolle er sie auffordern, hinauszugehen und aus der Straße weiter 51t brüllen, die Situation erst soweit gediehen, dann hilft nur eine drohend hingeworfene Wort: „Peitsche!" Das nur, daß sie nie angewendet wird, die Drohung zieht oiJ • Bellmans ist eben ein Hund, der nicht geschlagen m braucht, vor diesem triften Schicksal bewahrt ihn immer so merkwürdig das Hingen mag — sein Verstand. Ein §llnl? verstand, wird man vielleicht sagen — ja, aber ein artiger Hundeverstand! Ich stelle mir vor, das Michael sein Bruder Jerry, die beiden durch Jack London dich,^ beschriebenen Hunde, denselben fragenden, suchenden J bewußt nach Teilnahme am Geheimnis des menschijz!" Lebens lastenden Blick hatten, wie ich ihn bei dem Foxterrier Bcllmaus sehe.
Jetzt also sammelt Bellmans, mit zwei blechernen Buch!, um den Hals, für die Winterhilfe und trottet brab L Straße zu Straße. Was ihm zugute fommt, ist seine Naim anlage. Der Hund begreift oder ahnt, daß die Menschen d ihn lieben, hegen und pflegen, ihn mit einer ganz befonbert Aufgabe losschicken. Wohin er auch fommt, gibt er sich, wie er eben ist, als der kleine, seidenweiche, zitterige terrier Bcllmaus! Er braucht kein Theater zu spielen, denn । wirkt durch sein Dasein. Hat er einmal auf den ersten % hieb keinen Erfolg, dann benimmt er sich durchaus nicht ein gewöhnlicher Straßenköter, der schimpfen nnd trafeeü würde. Er bleibt nur mit gesenkter Schnauze stehen m richtet von unten herauf einen Blick ans seinen bunte braunen Augen nach oben, einen Blick, aus dem man all herauslesen kann, was hier ein Wesen der Schöpfung mi zuteilen hat: stiller Vorwurf, nochmalige stumme Bitte, mahnender Appell an das menschliche Herz! Und jetzt ft totsichcr die klingende Münze in die Sammelbüchse, denn gibt niemanden in der Stadt, der Bellmans' Blick jema widerstehen könnte.
Winterhilfe!
Ein Tier zieht los mit der Sammelbüchse. Ein kleine zitteriger Fox trottet, ohne zu murren unb zu knurren, {tum durch die Straßen und verrichtet seinen Hilfsdienst wie d alltäglichste Sache der Welt. Und dann geht sein Herr m ihm zum SA-Mann, der den Sammelwagen begleitet, ui liefert die gefüllten Büchsen ab.
Sollte das — Hand aufs Herz — nicht eine Mahnui für uns Menschen sein? Ich glaube ja! Es lohnt sich w bedingt, zuhause einmal in aller Stille über diese Sache m dem Foxterrier Bellmaus nachzudenken ...
Börse und Handel.
* Devisenbörse. Dollar 2,78—2,79; engl. Pfund 13,26 di 13.30; holl Gulden 169,23—169,57; Danzig 81,70—81,86; fron; Franc 16,41—16,45; schweiz. 81,17—81,33; Belg 58.49—58,61 Italien 22,09—22,13; schweb. Krone 68,38-68,52; dän. 593 bis 59,36; norweg. 66,68—66,82; Ischech. 12,42—12,44; öften Schilling 48,05—48,15; Argentinien 0,96—0,96; Spanien 35,1 bis 35,1'9.
Verantwortlich für die Schriftleitung: Christian Seipel.
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Marktstr. 15
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Fernspr. 2578
Die Ausnahmesperre im Stahlhelm B. d. F. ist vorübergehend für die Zeit vom 1. bis 5. Nov. 1933 aufgehoben.
Anmeldungen können erfolgen bei:
a) Kreisführer d. Stahlhelm Dr. Kruska, Neuhof. Fernspr. Nr. 43, b) Ortsgruppenführer
Rode, Fulda. Fernsprecher Nr. 2007, c) bei den Ortsgruppen
Flieden, Hofbieber, Schloß Bieberstein und Neuhof.
Von Mittwoch bis einschl. Montas
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Hauptrollen: Fritz Rasp, Camilla Spira. Fritz Campers, Marianne Hoppe und Theodor Loos.
Beiprogramm.
Für Jugendliche zugelassen.
Spielzeiten am Freitag und SonnW
3, 5, 7 und 9 Uhr.
Werktags 4*/». 7 und 9 Uhr.
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Von Mittwoch bis einschl. Mont®8
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