Zul-aer Anzeiger
SXXa Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg ten? Baân usw^kostet MeKleinzeUe lXZOM^
«J^ Zulöa- unö Haunetal ♦ §ulöaer Kreisblatt R SMKSÄS Bahnsperre usw. erwachsen demBezreher keme mtt 090 ^ füt auswärtige u. mit 0.60 Mk.
Ansprüche. Verlag: Lhristran Seipel,Fulda. Redaktion unö Geschâ'stsstelle: Königstraße 42♦ Zernsprech-Rnjehluß Nr. t$W für hiesige Auftraggeber berechnet. Bei Rech- Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachdruck der mit * versehenen Mikel nur mit Quellenangabe .Zulüaer M,elgrr'e»sta««t. nungsstellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.
, 256 — 1933
Fulda, Mittwoch, 1. November
10. Jahrgang
685 Reichstagskandidaten.
WahlvsrschLag der NSDAP, mii 685 Namsrr zugelassen.
Der Re i ch s w a h l a u s s ch u tz hat unter Vorsitz des ichswahlleiters, Ministerialdirektors Dr. Reichardt, öffentlicher Sitzung den einzigen für die Reichstags- ^l nm 12. November eingereichten Wahlvorschlag zu- Igsscn, der die Bezeichnung „N a t i o n a l s v z i a - fische Deutsche Arbeiterpartei (Hitler- :w c q u n g)" trägt.
Der Vorsitzende, Ministerialdirektor Dr. Reichardt, b bekannt, daß nur ein Wahlvorschlag eingereicht orden sei, der 6 8 5 Namen enthalte. Bei dem Reichs- Mvorschlag handelt cs sich um die E i n h e i t s l i st e er NSDAP., die vom Führer und Reichskanzler d o l f Hitler geführt wird und wie sie auch in den nzelnen Wahlkreisen eingereicht worden ist. Die voll- inbige Liste wird im Reichsanzcigcr amtlich besannt«
V
Staatssekretär .Hierl hat in seiner Eigenschaft als ihrer des R e i ch s v e r b a n d e s deutscher ibeitsdien st vereine einen Aufruf an den cheitèdienst gerichtet, in dem es heißt: „Bringt das senseste Vertrauen und die unlösliche Treue, die jedem chicn Arbeitsdienstler mit dem Führer verbindet, bei der W am 12. November zum Ausdruck! Helft in jeder Seite mit, daß die Wahl eine überwältigende undgebung des Vertrauens zu unserem Wer wird! Das Ausland soll erkennen, daß das X* Volk W i e ein M a u n z u ni F ü h re r steht,
6|i«t Irs-Mrmr» Mli Lskzlu.
»«zebezichtlgtTorglerdnAslstiflllllg
Das Geheimnis um den flüssigen Zündstoff.
8m Reichstagsbrandstifterprozeß wird am Dienstag [5 erster Zeuge der aus der Haft vorgeführte Glaser ugust L e b c r m a n n aus Hamburg vernommen. Er ird vom Vorsitzenden ganz besonders eindringlich auf ie Bedeutung seiner Aussage aufmerksam gemacht und chdrücklich ermahnt, bei der Wahrheit zu bleiben. Der âge, der sich seit längerem wegen Diebstahls in Haft findet, hat früher der K 0 mmu n i st i s ch e n P a riet "gehört. Er ist später ausgetreten, weil sie ihm zu MW geworden war. Er lernte Torgler am 21. Ok- ^cr 1931 in Hamburg kennen, wo der Zeuge Mitglied "er geheimen anarchistischen Bewegung war. ergler versprach dem Zeugen, ihm eine größere Aktion "hubewahren. Er wurde mit Torgler durch einen "mmunisten namens I e tz n e r bekannt gemacht. Im "hre 1932 erklärte Torgler, er hätte eine große Arbeit £ ihn. Den Nationalsozialisten sollte ein großer "reich gespielt werden. Torgler sagte, man müsse 11entlicf)e Gebäude in Brand steck en, u. a. "ch den Reichstag. Vorsitzender: Er hat
im Januar 1932
ausdrücklich schon vom Reichstag gesprochen?
?u9e: Jawohl. Es sollten Staatsgebäude in j gesteckt werden, und er hat ausdrücklich den "chsta g- genannt. Das war am 25. oder 26. Januar
Der Brand sollte am 6. März 1932 gelegt werden. Mn wollte mir zeigen, wie der Brand angelegt werden e und wie ich laufen müßte. Wenn das Feuer angesteckt ,.; >Ee ich viel herumlaufen und Lärm machen, damit ^"ffchuappt würde und die anderen weggehen könnten, vu bin aber am 6. März nicht hingegangen, weil mir zu gefährlich war. Torgler ist drei Tage später ick »i^^âls bei mir gewesen und hat gefragt, warum gekommen wäre. Er hat mich dann durch einen cT Werner rufen lassen und gesagt, ich wäre ein âmp, und er würde mir bei Gelegenheit
- ein paar blaue Bohnen hinterherjagen.
!^ ^u ich nicht mit ihm zusammengewesen.
-ilvaäputzender: In Krefeld ist auch noch Aal^ £“^m - Zeuge: Torgler hat mit einem habe m'r gestanden. Er hat mich bearbeitet, vw Riofn« ^^gt, ivenn er mich nicht in Ruhe ließe, wurde
' 1 zur Polizei gehen. Er hat mir einen ljo . Schlag in den Magen gegeben, "'uâtö ^ «"i nächsten Tage ins Krankenhaus gehen Mtt(ü7 ^ersitzender: Sind diese Vorgänge auch habt °^' -Zeuge (laut): Ja, sie sind wirklich ^lÄMtsdirektor Parrisius: Ist in Ihrem Sie ein, "^Torgler auch davon die Rede gewesen, dap 13engp. bestimmte Geldsumme erhalten sollten? — Lett n ^ /"^e dann 16 000 Mark bekommen,
I dann meine Familie. .. . .
Reifen von feiten der Anklagebehorde dar- t'Hte. gj." Zeuge sich im Gefängnis gut geführt haben
H bann unter allgemeiner Spannung
entschlössest^ ihm am allen M»gen zu folgen. Es geht um eure und des ganzen Soiles Zukunft!"
Reichspräsident und Reichskanzler aus dem Wahlplakat Zur D o l k s a b st i in m u n g und zur Reichstags- w a h l am 12. November wirbt dieses eindrucksvolle Plakat mit den Figuren des Reichspräsidenien und des Reichskanzlers.
Torgler folgende Erklärung ab:
Ich kann zu der Aussage dieses Zeugen nur folgendes sagen: Ich habe diesen Mann noch nie in meinem Leben gesehen. Ich kenne keinen Mann namens I c ß n e r. Ich habe nie in meinem Leben mit einem Anarchisten verhandelt oder gesprochen. Ich bin ein einziges Mal in Krefeld gewesen, im Jahre 1930. Ich bin im Januar vorigen Jahres im Haushaltsausschuß des Reichstages gewesen. Ich bin nie auf Stunden in H a m- b u r g gewesen, wohl aber mehrere Male zu öffentlichen Abendversammlungen oder anderen Tagungen. Von alledem, was dieser Senge hier erzählt hat, ist nicht ein kleines Wörtchen wahr — erlogen von Anfang bis z u Ende!
Di mit r off verweist in allerlei Fragen daraus, daß der Zeuge die Anzeige gemacht hätte, nachdem er in Zeitungen vom Prozeß gelesen habe. Er habe ofscnsicht- lich die Hoffnung, jetzt entlassen zu werden auf Grund dieser Aussage. Wer hat ihn, so fragt er, beeinflußt, diese schändliche . . . — Vorsitzender (scharf): Sie sollen Zeugen nicht beleidigen! — Zeuge: Es hat mich keiner beeinflußt. — T 0 r g l e r: Ist es richtig, daß dieser Zeuge vom Vernehmungsrichter vereidigt worden ist?
Vorsitzender: Das Amtsgericht Lübeck hat diesen Zeugen beeidigt zur Herbeiführung einer wahrheitsgemäßen Aussage."
Torgler: Ich möchte darauf aufmerksam machen: Der Unterschied zwischen diesem Zeugen und dem Zeugen Sönke ist der, daß Sönke eine kleine Unwahrheit gesagt hat, während dieser Zeuge eine e i n z i ge Lüge dem höchsten deutschen Gericht darzubieten gewagt hat. Ich möchte hoffen, daß diese Tatsache gewürdigt wird.
Landgerichtsdirektor Parrisius (zum Zeugen): Was sagen Sie zu den Erklärungen Torglers? Zeuge: Ich habe die reine Wahrheit gesagt, ich bin von niemandem beeinflutzt worden.
Die Vernehmung des Zeugen ist damit zunächst beendet. Eine Vereidigung erfolgt nicht.
Der Gerichtschemiker Dr. Schatz aus Halle ergänzt dann sein früher abgegebenes Gutachten. Er schließt sein Gutachten dahin ab, daß zur Zündung im Plenarsaal Phosphor mit einer Schwefelverbindung gebraucht worden ist. Vor Ausbreitung ist zweifellos Benzin oder Petroleum oder ein ähnliches Kohlenwasserstoffhydrat benutzt worden. Einwandfrei steht fest, daß auch
im Mantel van der Lübbes sich Reste dieses Zündstoffes befinden.
Die Untersuchung im Nestaurationsraum hat ergeben, daß die Brandlegung im Nestaurationsraunl eine ganz andere gewesen ist als im Sitzungssaal. Zum Schluß nennt der Sachverständige die sieben Stellen, an denen er die seibstentzündlichc Flüssigkeit
festqestellt hat. , „ ;
Das Gericht wendet sich dann der Vernehmung des Personals des Restaurants A s ch i n g e r am Bahnhof Friedrichstraße zu. Geschäftsführer im Restaurant Aschinger, Gerhard Hoeft, erklärt, als die Nachricht verbreitet wurde, daß der Reichstag brennt, gingen sehr viele Gäste auf bei Straße, um den Brand zu beobachten.
Während die übrigen Gäste sehr aufgeregt waren, blieben Torgler und die anderen Herren
ruhig an ihrem Tisch sitzen.
Bald darauf stellte er fest, daß ein oder zwei Herren den Tisch verlassen hatten, während die anderen beunruhigt nach dem Ausgang sahen, als ob sie etwas erwarteten. Besonders auffallend war, daß gerade Reichstagsabgeo rdncte auf die Nachricht von dem Brande hin so ruhig blieben, während alle anderen Leute aufgeregt waren. Auf Befragen erklärt der Zeuge nach längerer Überlegung, er hätte den Eindruck gehabt, als wenn die Herren wußten, daß der Reichstag brennt.
Der Angeklagte Dimitroff möchte von dem Zeugen wissen ob er Streitigkeiten mit seinem Personal gehabt habe und ob er einen Haß gegen Torgler habe.
Der Zeuge erwidert, daß er Streitigkeiten nicht gehabt habe. Er sei allerdings Nationalsozialist. Torgler habe er aus dem Reichstag gekannt, ohne aber einen Haß gegen ihn zu haben.
Es tritt dann die Mittagspause ein.
In der Nachmittagsverhandlung wendet sich das Gericht dann der Vernehmung des Gastwirts S t a - midi zu, in dessen Wirtschaft am Abend des Brandes auch Torgler mit anderen Personen gewesen ist. Der Zeuge wußte am Brandabend nicht, daß einer der Besucher der Reichstagsabgeordnete Torgler war.
Pors.: Welche Personen haben nun an dem einen Tisch gesessen? — Zeuge: Nach den Bildern, die mir vorgelegt wurden, saßen an diesem Tisch um acht Uhr abends Kühne und Ossietzky. Es kamen etwa eine halbe Stunde später
zwei Chauffeure in Lederkleidung
hinzu. — V 0 r f.: Das sind höchstwahrscheinlich Sucker und Wundersee gewesen. — Zeuge: Die beiden Chauffeure sind zeitweilig weggegangen. Als die Nachricht vom Reichstagsbrand gegen 9.45 Uhr bei uns eintraf, war Koenen noch nicht da. Ich bin dann bald nach Bekanntwerden des Brandes weggefahren.
Der frühere Fleischermeister Franz K r a c z e w s k i, der dann vernommen wird, hat häufig in der Wirtschaft Stawicki am Schanktisch ausgeholfen. Er ist an dem Brandabend dauernd in dem Lokal gewesen. Der Zeuge kannte Torgler nicht. Über das
verdächtige Kommen, Gehen und Wiederkommen der Chauffeure äußert sich der Zeuge ähnlich wie der Wirt des Lokales.
Oberreichsanwalt: Kühne hat nach dem Londoner Protokoll ausgesagt: Lediglich aus Gründen der Vorsicht vereinbarten wir, daß Torgler nicht in seine Wohnung geht, sondern in meiner Wohnung übernachtet. Wir übten diese Vorsicht, weil Torglers Name besonders genannt worden war, mein Name nicht.
Torgler: Der primäre Grund, warum ich nicht nach Hause gefahren bin, war, daß praktisch eine Möglichkeit nicht gegeben war. Ich bin aber außerordentlich aufgeregt gewesen nach den Meldungen, die mir Oehme überbrachte und wonach ich fluchtartig den Reichstag verlassen haben sollte. Es waren nicht etwa Sicherheitsgründe der Polizei gegenüber für diesen Entschluß maßgebend. Es bestand wahrscheinlich die Besorgnis, daß mir auf dem Nachhausewege vom Bahnhof Karlshorst dieser Gerüchte wegen etwas passieren würde und ich dann das Opfer eines Aktes geworden wäre, mit dem ich und die Kommunistische Partei nichts zu tun hatten. Ich hoffe, so ruft Torgler mit Nachdruck aus, daß in der Weltgeschichte noch bekannt wird, wer die Urheber dieser Reichstagsbrand stiftung sind. Für mich, den damals aufgeregten Torgler, der mit der Sache dieses irrsinnigenTerroraktes nichts zu tun hatte, war die Tatsache maßgebend: der Bahnhof Aleranderplatz war geschlossen; eine Möglichkeit, nach Hause zu fahren, bestand auf dem üblichen Wege nicht.
Der Zeuge Kellner Fedor Je sch er hat am 27. Februar abends im Lokal Stawicki die Gäste bedient. Über die Anwesenheit von Kühne, Ossietzky und der beiden Chauffeure gibt er die gleiche Auskunft wie die beiden vor ihm vernommenen Zeugen. Jedesmal, wenn der Zeuge dem Tische nahekam, an dem Koenen und die anderen Leute saßen, wurde das Gespräch abgebrochen. Von der Nachricht von dem Reichstagsbrand wurde gerade an diesem Tisch keinerlei Notiz genommen. Man unterhielt sich dort vielmehr weiter im Flüsterton.
Es wird dann der Zeuge Student Perl vernommen, der eine gewisse Ähnlichkeit mit van der Lubbe haben soll.
Damit schließt die Sitzung.
*
Ban der Lübbes zweiter Wandergesährtc hat sich gemeldet.
München. Auf die öffentliche Aufforderung bin. es solle sich derjenige Wandcrgesclle melden, der im Oktober 1932 mit einem anderen Wanderburschen in der Nähe von Konstanz mit dem Hauptangellagten im Reichstagsbrandstisterprozeß van der Lubbe zusammcngctroffen sei, meldete sich der in Berglern bei Erding in Überdauern bedienstete Oskar Müller als derjenige zweite Wanderer, der mit van der Lubbe zu- sammengetrofsen war. Man nimmt an, daß Müller nach Berlin zur Verhandlung geladen werden wird.
Es geht um Deutschland! Arbeite mit am W. H. W.