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OStahlhelm"-Auto verunglückt. Zwischen Friedrichs­felde und Turawa (Oberschlesien) fuhr ein mit 30 Stahl­helmern besetztes Lastauto gegen einen Baum und stürzte in den Chausseegraben. Die Insassen wurden herausge­schleudert. Zwei Stahlhelmer wurden schwer verletzend mußten in das Hospital in Oppeln gebracht werden. Fünf andere Stahlhelmer erlitten leichtere Verletzungen.

O Grosrfcuer auf einem Rittergut. Ein großes Schaden­feuer brach auf dem Gut Wendhof bei Wendisch-Priborn (Mecklenburg) aus. 24 Kühe, 5 Kälber und 8 Schweine kamen in den Flammen um. Außerdem wurden je 500 Zentner ungedroschener Hafer und Roggen vernichtet. Auch Futtermittel und landwirtschaftliche Maschinen fielen dem Riesenbrand zum Opfer.

O Motorrad rast in Hitlcrjungen. In Volksdorf bei Hamburg fuhr ein Motorradfahrer von hinten in eine marschierende Abteilung von 15 Hitlerjungen hinein. Vier Hitlerjungen wurden verletzt, von denen einer in ein Krankenhaus übergeführt werden mußte. Der Motorrad­fahrer, der ebenfalls zu Fall kam, zog sich erhebliche Kopf­verletzungen zu. Vermutlich ist der Unfall darauf zurück­zuführen, daß ein entgegenkommendes Kraftfahrzeug nicht abgeblendet hatte.

O Mörder hingerichtet. Der wegen Mordes zum Tode verurteilte ledige Tapezierer Robert Grötzinger von Neckarweihingen, Oberamt Ludwigsburg (Württemberg), ist im Hofe des Justizgebäudes in Stuttgart hingerichtet worden. Der Reichsstatthalter in Württemberg hat von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch zu machen ver­sucht. Grötzinger hatte Ende März seine Geliebte in den Weinbergen am Neckar von einem Felsen herabgestürzt und dann die vom Sturz schon tödlich Verletzte durch Steinwürfe völlig umgebracht.

O Das Schmugglerdrama im Pasieiertal. Das Schicksal von drei italienischen Zollbeamten im Passeier- tal, die tot ausgefunden wurden, ist jetzt aufgeklärt. In das Innsbrucker Krankenhaus wurde der 25jährige italienische Staatsangehörige Johann Gufler aus dem Passeiertal eingeliefert. Er gestand, daß er und ein zweiter Südtiroler namens Hofer beim Warenschmuggel aus Österreich nach Italien von den drei Zollbeamten fest­genommen und nach der Zwickauer Hütte gebracht worden seien. Dort sei es ihnen gelungen, sich zu befreien und die drei Zollbeamten zu überwältigen. Dabei habe er, Gufler, einen Lungenschuß erhalten. Hofer habe die am Boden liegenden drei Soldaten erschossen und die Hütte an­gezündet.

O Tribüneneinsturz beim Boxkampf CarneraPaolino. Während des großen Boxkampfes zwischen dem italieni­schen Boxweltmeister Carnera und dem Spanier Paolino brach eine der Tribünen wegen Überlastung zusammen. Sieben Personen wurden dabei verletzt.

O Im Aufzugschacht zerrissen. In Budapest wollte eine Hausmeisterin den im dritten Stock haltenden Lift her­unterbefördern und drückte, ohne den Auszug bestiegen zu haben, auf den Fahrknopf. Als sie nachträglich in den Fahrstuhl zu gelangen versuchte, geriet sie zwischen den Auftug und die Mauern des Aufzugschachtes und wurde buchstäblich zerrissen.

O Petroleumzug verbrannt. Aus der Strecke Sinaia Eloesti (Rumänien) ist ein Petroleumzug mit zwei allein­fahrenden Lokomotiven zufammengestoßen. Ein Petroleum- wagen geriet in Brand, und das Feuer griff rasch auf den ganzen Zug über. Nach den bisherigen Feststellungen wurden fünf Personen getötet und acht schwer verletzt.

Tochter des ehemaligen Reichsministers Koch-Weser tot aufgesunden.

Berlin. Im U-Babn Tunnel zwischen den Stationen Fehrbelliner und Hobenzollernplatz wurde die Leiche der 25jäbrigen Tochter Käthe des ehemaligen Reichsministers Koch- Weser ausgesunden. Cb sich das junge Mädchen, das kurz vor dem Abschluß eines akademischen Eramens stand, selbst aus dem fahrenden U-Bahn-Zug gestürzt hat oder ob ein Un- alücksfall vorliegt, ist noch ungeklärt.

Gewlnnauszug

1. Klaffe 42. Preußisch-Süddeutsche Staats-Lotterie.

Ohne Gewähr Nachdruck verboten

Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und H

2. Ziehungstag 21. Oktober 1933

In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 100 M. gezogen

2 Gewinne zu 2000 M. 182856

6 s-winn- tu 1000 M. 116222 157958 212154

16 Dewinne,u Soo M. 8562 16963 43393 113452 228889 277266 382547 385433 46 G-winn- ,u S00 M. 14765 32150 37405 55792 64026 68883 84129 97674 99033 104018 119896 142992 164372 187337 190188 277368 338755 341435 361707 380086 385406 388625 394913

198 Gewinn« Ml 200 3863 5476 6765 11917 15120 16544 24200 29992 33684 40917 41729 44997 49316 50554 62312 64764 65288 67367 74140 83081 87005 88834 91238 95364 97913 98990 99980 101456 104067 116843 117364 131228 131619 131894 132459 137508 141428 151487 154045 156548 167966 182178 185015 185033 189982 198101 211710 219288 222846 225113 225397 227077 232416 234023 240734 244494 244691 246294 259764 266066 266189 269356 270048 270030 271381 272864 276188 277637 281747 291145 291373 291975 301040 302574 308542 309842 313084 314966 315313 318498 319802 326649 326862 332798 338897 343185 348668 350764 351947 361137 363372 363972 371351 382830 386103 388569 390009 390054 399062 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 100 M. gezogen

6 Setoinne ,u 2000 M. 132340 229023 245147

14 Gewinn- iu 1000 W. 21850 62182 128245 204827 278117 279285 372097 18 Gewinne «i 800 M. 10832 54107 163865 223570 266497 268998 311137 347160 357140

40 Gewinne »U 800 M. 35592 67495 75974 122555 145595 168678 175154 177601 183699 191226 274889 282369 293209 300136 307573 329690 349264 367813 388821 399424

160 Gewinne zu 200 M. 1750 2233 3765 4519 6604 13088 14865 23195 37212 37836 46618 46847 52710 52944 54463 56706 65653 65861 88241 88511 91095 96271 96997 101626 102986 104266 104422 104513 119285 125279 146652 147205 156763 163696 168937 173485 175169 183805 191019 193037 203253 208239211886 230816 232832 236776 240898 246544 246862 250363 250936 254918 257317 259260 261077 264209 266379 269848 271569 272115 289225 293545 300026 306993 326677 330837 339707 344517 346128 347669 350048 351510 355015 356724 363856 366566 371739 380847 382707 391866

20 Tagesprämien.

Auf jede g-zogene Nummer sind 2 Prämien zu je 1000 NM gefallen, und zwar e eine a f die Lose gleich r Nummer in den beiden Abteilungen I und II.

64916 75004 126154 178164 185213 219816 260594 319115 344945 398284

Die Ziehung der 2. Klaffe der 42. Preußisch-Süddeutschen (268. Preußischen) Staatslolterie findet am 15. u. 16. November 1933 statt.

Tag der hessischen Geflügelzucht in Offenbach.

Die hessischen Leistungsgeflügelzüchter haben eine ihrer bedeutendsten Jahresveranstaltungen wie im Vorjahre wieder nach Offenbach verlegt und zwar in Form einer Herdbuchhahnen-Prämiierung und Versteigerung von an­gekörten Herdbuchhahnen mit Abstammungsnachweisen. Diese große Zuchthahnenschau, die mit dem besten Tier­material der 14 dem Eeflügel-Herdbuch-Hessen (E.H.H.) an­geschlossenen Herdbuchzüchtern aus ganz Hessen beschickt sein wird, nimmt am Sonntag den 2 9. Oktober, um 11 Uhr, im Stadtgarten in Offenbach ihren Anfang. 130 erstklassige Leistungshähne der Rassen: Weiße amerikanische Leghorn, Rhodeländer, schwarze Rheinländer, braune Lei­stungsitaliener und weiße Wyandottes werden nachmittags um 2 Uhr zum öffentlichen Verkauf kommen. Schon jetzt sind zahlreiche Aufträge an die Bauernkammer zum Ankauf er­gangen. Auch im Vorjahrs bestand sehr rege Nachfrage nicht nur aus Hessen, sondern von außerhalb aus Bayern, Baden, Oldenburg und Sachsen. Das Preisrichten der Tiere beginnt bereits am frühen Morgen. Als Preisrich­ter ist u. a. der Leiter der kurhessischen Geflügelzucht und bekannte Kenner Tierzuchtinspektor Küthe, Kassel, ge­wonnen.

Die Veranstaltung in Offenbach ist für alle hessischen Wirtschaftsgeflügel-Züchter schon deshalb von besonderer Bedeutung, als jeder strebsame Züchter bemüht ist, für seine Herde einen erstklassigen Zucht- und Leistungshabn zu erstehen. Außerdem ist es für die von der Bauernkam­mer anerkannten Eeflügelzuchtstationen bereits seit einem

Jahre Vorschrift, daß für die Zucht nur angckörte wendet werden dürfen, ähnlich wie bei der ©roto^ 1 wo beispielsweise für alle zur Zucht verwendeten Ä insbesondere Eemeindefasel, der gesetzliche Körzwvn steht. Auf der Versteigerung beträgt die

7 RM. Züchter, die persönlich am Erscheinen I sind, können Aufträge zum Ankauf von Zuchthahnen I Geschäftsstelle des G.H.H. bei der Bauernkammer in? M stadt, Rheinstr. 62, aufgeben. Den Besuchern der Versteigerung in Offenbach kommt übrigens der Vorteil Benutzung von Sonntagsfahrkarten zustatten. M

Börse und Handel. I

Devisenbörse. Dollar 2,912,92; engl. Pfund iui r I 13,45; holl. Gulden 169,28169,62; Danz. 81,67-8183- 8 Franc 16,1116,45; schweiz. 81,22-81,38; Belg. 58 44^51 Italien 22,1122,15; schweb. Krone 69,13-69,27; dän LI bis 60,01; vorweg. 67,3867,52; tschcch. 12,4412,46- Schilling 48,0548,15; Argentinien 0,960,96; Spanien L W bis 35.16. I

Frankfurt a. M. (Getreidebörse vom 23. Oktal- I Die Getreidebörse lag für Brotgetreide und Mehle weib^I sehr still, die Preise blieben unverändert bis auf Wen-«?» 1 RM. nachließ. Das Angebot reichte allgemein für geringe Nachfrage aus. Am Futtermittelmarkl war bas rl gebot in Weizentleie gering, der Preis zog um 30 Pf Doppelzentner an, auch ölhaltige Artikel lagen be' kleiner frage fester. Aus dem Norden erhielt sich Interesse für schnitzel zu etwa 99.25 RM. Kartoffeln lagen im | weiter fest, das Geschäft war aber ruhig. Es notierte O treide je Tonne, alles übrige je 100 kg) in RM.: Weii-nW« Roggen 161162, Braugerste 182.50185, Hafer 137.50 mehl Spez. 0 mit Austauschweizen 28.7529.50, do. ohne fe| 27.2528, Roggenmehl 060prozentige Ausmahluna 22.5oJ| do. südd. Spez. 0 23.50, Weizenkleie 9.15, Roggenkleie M Soyaschrot mit Monopolzuschlag (m. M.) 14.7014.75 kuchen 14.50 m. M., Erdnußkuchen 16.3016.55 m. M.'. w| 1616.25, Heu 6. Kartoffeln: Industrie biet. ®e

2.302.40 RM. (zuletzt 2.25) per 50 kg bei Waggonbezug I

Frankfurt a. M. (Schlachtviehmarkt Dom 23. OHM Auftrieb: Rinder insgesamt 1438 (gegen 1442 am letztenM tagsmarkt), darunter befanden sich 446 Ochsen, 95 Bullen Kühe, 396 Färsen und seit dem letzten Markt dem SchiMM zugeführt 44 Tiere. Kälber 407 (391), Schafe 127 Schweine 3798 (4025). Notiert wurde pro ein Zentner gewicht in RM.: Ochsen: al) 2931, a2) 2528, b) 2124.1 Bullen: a) 2730, b) 2326. Kühe: a) 2428, b) 2023 cf bis 19, d) 1215. Färsen: a) 2932, b) 2628, c) Kälber: Sonderklasse, a) 3640, b) 3035, c) 2529, b) bis 24. Lämmer und Hämmel, Schafe: e) 2527, f) 22-J g) 1821. Schweine: a), b) 5053, c) 4852, b) 4-1-511 Im Preisvergleich zum letzten Montagsmarkt gaben DM Kühe, Färsen und Schafe je 1 RM. nach, Bullen, Kälbert« Schweine blieben unverändert, letztere in Klasse D gaben 2 nach. Marktverlauf: Rinder ruhig, Ueberstand. ruhig, Schafe mittelmäßig, später stark abflauend, UebeâM Fettschweine begehrt, gering genährte waren vernachläßM Fleischgroßmarkt. Beschickung: 710 Viertel RindslchD 18 ganze Kälber, 12 ganze Schafe und 261 SchweinehHlsdiW Preis für 1 Zentner frisches Fleisch in RM.: Ochsen- unb fleisch 1. 5254, Ochsen- und Rindfleisch 2. 4652. Bullens 4652. Kuhfleisch 2. 3642, Kuhfleisch 3. 2532. KalbsleHM 6270. Hammelfleisch 6065. Schweinefleisch 1. 6570. schäftsgang des Fleischgrotzmarktes: sehr ruhig.

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31)

(Nachdruck verboten).

Vielleicht erinnern Sie sich, Hauptmann Döllnitz, daß Preußen mit Frankreich freundschaftliche Abkommen getroffen hat . "

Döllnitz unterbricht ihn scharf:Das ist die Meinung der Souveräne nicht die Meinung des Volkes! Und der Wun'ch des Volkes ist mein Wunsch! Ihn zu verwirklichen, setzte ich bisher mein Leben ein Mein ganzes Denken und Schaffen gilt der Freiheit meines Vaterlandes. Ich hoffe, Sie haben mich verstanden. Herr Hauptmann Sie sind Offizier, wie ich!"

Lefevre sieht seinen Gegner mißtrauisch an. Er sucht einen versteckten Sinn hinter seinen Worten. Die Kühnheit dieser Rede macht ihn nervös. Er versucht zu parieren:Ich habe Ihnen aus Gründen, die hinreichend bekannt sind. schon ein­mal das Leben geschenkt! Sie gaben mir Ihr Wort, als Mann von Ehre, mich nicht ein zweites Mal in die Lage zu bringen, gegen mein besseres Wissen zu handeln Sie haben es trotzdem gewagt . . ."

Ich sagte Ihnen schon, was mich zwang so zu bmtbeln!* Döllnitz' Stimme ist schneidend.

üereore wird wütend Seine Worte kommen erregt: Hoffen Sie nicht, daß ich Sie schonen werde! Was meine Frau getan hat, entsprang der verantwortungslosen Gut­gläubigkeit . "

Wieder unterbricht Döllnitz:Nein Herr Hauptmann! Es war der Wille zu helfen Gleiches mit Gleichem zu ver­gelten! Ich hatte das Glück. Ihre Frau aus den Händen von Mördern zu retten, die aus den Reihen Ihrer Armee stammen dielen Augenblick, der dem Tod so nahe war, ver­gißt keine Frau im Leben!" Döllnitz macht eine Pause, er begreift, wo hinaus Lefevre willÖm übrigen fürchten Sie nicht, daß ich. um mein Leben zu retten, irgendwann von dieler Affäre Gebrauch machen werde. Ich weiß über Dinge, die gewesen sind, zu schweigen!"

Lefevre steht ein daß diese Partie für ihn verloren geht. Er muß sie beenden, bevor der Gegner ihn schachmatt setzt. Sie sind mein Gefangener, Hauptmann Döllnitz! Alles weitere ist Sache des französischen Kriegsgerichtes."

Jetzt hält Döllnitz den Zeitpunkt für gekommen, seinen Trumpf auszuspielen.Aller Voraussicht nach, Herr Haupt­mann, wird Ihr Kronzeuge, der Kommissar Rambeaux, da­bei fehlen!"

Lefevre blickt auf und starrt Döllnitz an, der mit bewußtem Nachdruck weiterspricht:Ihr Spitzest. ist in der Hand von Mitgliedern des deMchen TugAMVdss^ Mt heute abend-

Herr Hauptmann. Die Macht dieser Vereinigung preußischer Patrioten zu fühlen, wäre für Sie und Ihre Kameraden sehr unangenehm. Ich würde Ihnen also raten, sofern Ihnen am Wohlbefinden des Kommissars auch nur das Geringste liegt, die angedrohten Repressalien erheblich zu mildern." Ein bitteres Lachen, zwilchen Hohn und Stolz steht offen auf Döllnitz GesichtMeiner Perlon haben Sie sich nun auf an­genehme Art versichert Ihr Kriegsgericht wird so­genanntes Recht sprechen, womit der eigentliche Fall, der mich betrifft, erledigt wäre. Sie brauchen auf mich keinerlei Rück­sicht zu nehmen ich warne Sie aber dringend, die Bevölke­rung oder die Schloßbewohner auch nur die mindeste Gewalt spüren zu lassen. Ich hoffe, Sie haben mich verstanden!"

17.

Gegen Mittag des 25 Februar, es ist ein sonnenwarmer heiterer Spätwintertag, rollt im beschwingten Trab eine schwere Reisechaise auf der Straße nach Brèslau Im matt- grauen Dunst der Ferne ragen schon die Türme der Stadt, oer Kuncher treibt die Gaule an, befriedigt setzt sich der müde Reisende noch einmal bequem in den Kissen zurecht, die nur wenig die harten Stöße der Wagenfedern mildern können. Die Straßen sind löcherig und verwahrlost, den unaufhör­lichen Strapazen seit Monaten preisgegeben.

Der Freiherr vom Stein ist aus Kalisch mit besonderen Vollmachten des Zaren Alexander abgereift. Sein gicht- kranker Körper hat die Mühen des unwirtlichen Weges nicht gescheut alles steht auf dem Spiel was gilt Leben, Be­quemlichkeit und Gesundheit eines einzelnen! Er kennt feit Jahren in feinem Vaterlande und im Exil, dieses Vagabun- dierenmüssen, dieses Wandern um der Sache willen, ohne Heim, ohne Ruhe. Fast ein Jahrzehnt fd)on geht dieses Nomadenleben einmal wird es ein Ende haben im Guten oder Bösen. Diese Mission kann die letzte fein, die schwerste ist sie seit langem! Der Baron kennt den König, kennt das Zaudern, das Hinauszögern aller Entschlüsse, kennt die Höflinge er weiß, daß nur eine harte Sprache das zu­stande bringen kann, was der Augenblick als Größtes fordert: Offenes Bekenntnis zum Anschluß an Rußland .

Stein wird aus feinen Gedanken gerissen: Immer lauter dröhnen Marschtritt und Gesang an seine Ohren er öffnet das Fenster und beugt sich suchend hinaus. Der schnelle Trab des Wagens bringt ihn dem Zuge näher: Freiwillige auf dem Marsch nach Breslau!

Aus hellen Kehlen steigt das Vaterlandslied seines Famu­lus und treuen Wegbegleiters. Ernst Moritz Arndt, in den sonnigen Winterhimmel:

Der Gott, der Eisen wachsen ließ,

Der wollte keine Knechte,

Drum gab er Säbel, Schwert und Spieß

Dem Mann in feine Rechte,

Drum gab er ihm den kühnen Mut,

I)en Zorn der freien Rede,

Daß er bestände bis aufs Blut,

^is in den Tod die Fehde')"

Machtvoller, jauchzender ichwilll der Gesang an. ü Kutsche verlangsamt die Fahrt Der Mar'chtrupp gibt g Weg frei. Der Freiherr beugt sich aus den Kissen vor,« kranker Leib fühlt keine Schmerzen mehr das ist MZ Musik!

O Deutschland, Heil'ges Vaterland!

O deutsche Lieb und Treue!

Du hohes Lanè>! Du schönes Land!

Dir schwören wir aufs neue:

Dem Buben und dem Knecht die Acht!

Der füttre Krähn und Raben!

So ziehn mir aus zur Hermannsschlacht

Und wollen Rache haben!"

Scharf zeichnet sich der Kopf des Freiherrn vom Ste'R Rahmen des geöffneten Fensters ab. Die Marschiere« i erkennen ihn. Blitzende Augen suchen ihn, Arme reifen w Waffen und eichene Stöcke fliegen, von markigen geschwungen, zu begeistertem Willkommen in die * jubelnde Hochrufe grüßen Stein, den Mann der Tat!

Laßt brausen, was nur brausen kann.

In hellen lichten Flammen,

Ihr Deutschen alle Mann für Mann, Fürs Vaterland zusammen!

Und hebt die Herzen himmelan!

Und himmelan die Hände!

Und rufet alle Mann für Mann:

Die Knechtschaft hat ein Endel"

Langsam tehnt sich der Freiherr in die Polster ^'.,1 Seine grüßende Hand sinkt in den Schoß, ferner i Gesang, der Marschtritt verhallt, der Wagen maan I schnelle Fahrt.

Ein Glanz liegt in den Augen des Barons, ein o fein wie selten in all den Jahren der ewigen ° gibt Kraft, diese Gewißheit stärkt für die kommende Wie oben im Osten, so will auch hier das Volk oas» Freiheit! Man muß das Wort elzw'ngen, der M handeln! Dann sind Jahre der Not nicht umwnn M dann hat Dieses zerrissene Leben einen Sinn!

Hinter ihm marschieren sie die Freiwilligen. I

Den gleichen Weg, den gleichen Willen >rn HeE

Nation Vaterland-- Preußen! Ein Marschiert ihr. ihr jungen Menschen, ihr » maner. Gymnasiasten, Arbeiter und Bauern. I aller Zünfte ihr reifen Männer von Amt un" I Familienväter ihr, die ihr entschlossen seid, zu opfern ich bereite euch den Weg!

(Fortsetzung folgt.) 1

Man soll sich beim Eingehen einer Che W ' legen: glaubst du, dich mit dieser Frau bis lns 4 gut zu unterhalten? Alles andere in der Che J âr dis Ärststs ZÄk ds§ MrLLhrs gstzvrt W