Zul-aer Anzeiger
emSfiK Tagebla« für Rbön UN» Vogelsberg SSHÄSSSÄSSÄ: *±SÄX Zu,»-- ua» Haune,al. ;ul»°°r krelsbla« £ÄSÄ?Ä| Anspüiche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Redaktion und HeschästssteUe: Königstraße 42 ♦ Zernfprech-^nsthluß Nr. 2484 Mr hiesige Auftraggeber berechnet Bei Rech- ^ruck : Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. NachSru» der mit * versehen»« Artikel nur mit «Vuellenangabe .ZulSaer ^ngeiger'gtflatteL nungsftellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.
W. 241 — 1933 Fulda, Samstag, 14. Oktober 10. Jahrgang
Handwerk und Persönlichkeit.
Dem Sprichwort zufolge gilt bekanntlich der Prophet nichts in seinem Vaterlande, — und zwar mit Recht! Denn es Vaterland weiß meist sehr genau, wie oft solch ein Prophet" die Zukunft unrichtig vorauszusagen âate Und ein derartiger Prophet hat, überdies noch in n wallenden Mantel der Wissenschaft gehüllt, schon vor »iMig Jahren geweissagt: „Wenn sich auch nicht mit Sicherheit sagen läßt, in welchem Tempo sich der weitere Mckaang des H a n d w e r k s vollzieht, so steht doch fest, M es als Betriebsform in der großen Mehrzahl der Gewerbe überwunden ist " Sonderbar nur, daß schon vor â Jahren, anläßlich der damaligen großen Berufs- u n d B e t r i e b s z ä h l n n g, etwas ganz anderes fest- acstcllt wurde, daß nämlich nicht weniger als 70 Proz. aller gewerblichen Betriebe in Deutschland tatsächlich Handwerksbetriebe waren, jeder zehnte Erwerbstätige in einem solchen arbeitete, überhaupt etwa acht Millionen Menschen von jenem Teil der deutschen Wirtschaft ab- bängen, den man als „Handwerk" zu bezeichnen seit vielen Hunderten von Jahren gewohnt ist, und daß schließlich auch außerhalb der eigentlichen Handwerksbetriebe, also etwa in der Industrie, auch noch fast zweieinhalb Millionen Deutscher als „Handwerker" beschäftigt
wurden.
Aber heute dürfen und sollen ja nicht etwa bloß Zahlen" sprechen, die „Massen" dirigieren oder liatistische Feststellungen mehr oder minder zutreffender Artuns den Weg für die Zukunft vorschreiben. Denn nicht
Men, Massen oder Statistiken übernehmen die Verantwortung, sondern nur der Mensch, — und der ist in Wer Bedeutung für den Staat, für das Leben der Nation zu werten. Nächst dem Landwirt ist aber der H a n d - L werter ein Glied, der Hauptträger in jenem Teil der | talken Wirtschaft, in dem die wertefchaffende, voll- mutwsrtliche Einzelpersönlichkeil im Mittelpunkt steht. I Wz die wirtschaftliche Entwicklung auch eine ganze Menge s W Zweigen des Handwerks zum Absterben gebracht s ton, io konnte die Maschine jene uralt-überkommene wid durchaus berechtigte Bewertung und Bevorzugung ^Wâzer stören, die IN.dem kleinen Worte „Handarbeit" Mi! Man braucht es nur zu nennen, um auch in unserem I âschinenzeitalter" sofort das Bewußtsein dafür zu : Wen: Es ist hier etwas anderes als die Maschinenware, ^ ist ein „G u t", an dem unmittelbar die menschliche tat selbst haftet. Es ist hier, weil vom arbeitenden Nta selbst geschaffen, etwas Zuverlässigeres, Festeres, âsönlicheres" dabei als bei dem, was die Maschine tm »rerleümp" herstellt. Und gerade daraum trifft auf das jMlwi® das so oft ausgesprochene Wort unseres Brers Adolf Hitler zu: „Für den Menschen ist die Wirtschaft da!"
Auch wenn das Handwerk im Laufe der Zeit durch die Wine vielfach aus dem Gebiet der Neuerzeugung von Mein hinausgedrängt wurde, so ist doch auch hier schon ! eine Art Rückentwicklung zu spüren. Unumstritten, wenn leider bisher vielzuwenig gewürdigt, sind aber die bei- Hauptaufgaben des modernen Handwerks: Einerseits ^achwèrterhaltung (Reparatur) und dann vor allem ^siterverarbeitung von Jndustrieerzeugnissen für den Mars des letzten Verbrauchers. Gegen den Schlag- e l d z u g, der im Interesse rasch vorwärts- IWbener Massenindustrialisierung mit gellenden Trom- k n di? angebliche Notwendigkeit der „Typisie- U ' der „Normierung" und anderer „ierungen" ver- I jtac> erhebt sich ganz instinktiv der — Mensch, die Per- I der auch in der Art, wo und wie er den Bedarf ^täglichen Lebens decken will, das Perfönliche IwTa^b ^"f âuch nicht missen soll! Kurz — die Uh»^ien genug ist man sich dessen bewußt, daß auch I sâ^mmer noch 80 oder 90 Prozent des Nachwuchses an ausgebildeten Arbeitskräften als Lehrling und ItÄ durch die Schule des Handwerks gehen, noch seltener denkt man daran, welch gewaltige Bedeutung das Handwerk als Inbegriff der I und vollverantwortlichen Einzelpersön-
'Ur unser Leben als Volk besaß und besitzt. Auf iRanV? nu,n ^ die Reichs Handwerker Woche die i machen, sie darauf stoßen, sie zur Be- ° Erkenntnis dessen bringen, was an Wert- "Zur unser neues Deutschland in diesem kleinen Ivi>Z,,""undwerk" liegt, Wertvollstes, das man nun aber ~ t $ d^ Tat stützen und erhalten, fördern und . Dazu gehört nicht bloß, daß die Hindernisse die eine von ganz falschen Poranssetzun- Winl^N^sde und eine, ebenso falsch voraussehende Wein ^c ^dvlitik dem Handwerk in den Weg stellte, sou ihm c. don jedem Volksgenossen praktisch die Hand Handwerk geboten wird!
Mereinfflunfl der Seiden MeÜIenburg Ä^ 200jâhriger Trennung wurden die beiden Net „^cklenbuxg-Schweritt und Mecklenburg Strelltz teilwjx,, ^'nt, ein Ereignis, an dem nicht nur d,e be- N. ^ZPrrungcn teilnahmen, sondern auch das ganze >5quaI1 selbstverständlich, daß dieses hlstorlsche Er- ^lliht»^ svcn über Mecklenburg hinaus im Reich größte ^r ^nitin?"^^l. Hier wurde im neuen Deutschland dank ^ltitt "^ve des Reichsstatthalters Hildebrandt der erste ^hkd^ttlcr staatlichen Vereinfachung zum
6 ganzen Volkes und Reiches unternommen.
Ver Reichstagsbrandstister-Prozetz.
Zu Beginn der Nachmittagssitzung gibt Rechtsanwalt Dr. Sack ein ihm zugegangenes Pariser Telegramm bekannt, wonach ein brasilianischer Journalist Castello auf feine, Sacks, Veranlassung wegen
Tendenzberichten über den Reichstagsbrandstifter- Prozeß
aus Deutschland ausgewiesen worden sei. Dr. Sack erklärte, daß er diesen Mann überhaupt nicht kenne und
Ter Lokaltermin im Reichstagsbrandstifterprozetz.
Unser Bild vom Lokaltermin im Reichstagsbrand st i f t e r p r o z e ß zeigt den Täter van der Luhhe • am.. Schauplatz leides ‘Y..<\ «f:. ^n ver ci^u Reche sieht man unter scharfer polizeilicher Bewachung den bulgarischen Angeklagten P o p o f s, rechts im hellen Mantel den Anklagevertreter Oberreichsanwall Dr. Werner, in der Mitte der zweiten Reihe, in sich zusammengesunken, den Reichstagsbrandstifter van der L u b b e.
in keiner Richtung oet neyorden deswegen vorstellig geworden sei. Der Oberreichsanwalt wies darauf hin, daß ihm von der Angelegenheit nichts bekannt sei.
Darauf wird der
Nachtpförtner des Reichstages,
Wendt, vernommen. Am 27. Februar ist er um 8 Uhr abends zum Dienst gekommen. Es wurde ihm mitgeteilt, daß der Abgeordnete T o r g l e r noch im Hause sei. Daß auch der Abgeordnete Koenen noch im Hause war, wußte er nicht. Der Abgeordnete Torgler kam nach unten und erledigte von hier aus das Gespräch. Der Zeuge hat gehört, daß er sich mit jemand treffen wollte, und hat etwa verstanden, daß diese Begegnung auf der anderen Seite bei Aschinger erfolgen sollte. Torgler ging dann wieder nach oben. Der Zeuge war inzwischen mit dem Beleuchter Scholz ins Gespräch gekommen. Während dieses Gesprächs kamen die Abgeordneten Torgler und Koenen sowie die fommiuüftifcbe Fraktionsfe kre- t ä r i n von oben. Torgler übergab den Schlüssel an Scholz. Aus Befragen erklärte der Zeuge, daß er Auffälliges beim Weggehen der kommunistischen Abgeordneten nicht bemerft habe. Es komme auch oft vor, daß Abgeordnete noch nach 8 Uhr im Hause seien. Ob Torgler eine Aktentasche bei sich gehabt hat, kann er nicht sagen. Der Zeuge hat dann das Portal abgeschlossen.
Der Zeuge wird dann noch einem längeren Verhör durch den Vorsitzenden und auch durch den Oberreichsanwali hinsichtlich der
Sicherheitsmaßnahmen im Reichstag unterworfen. Er hält es für ausgeschlossen, daß ein Zivilist unbeobachtet zu diesem Zeitpunkt noch ins Haus hineinkommen konnte.
Oberreichsanwall Werner: Ist es möglich, daß auch noch andere Abgeordnete oder Angestellte sich im Reichstag befanden? Kann der Pförtner überhaupt wissen, wer noch im Hause ist? — Zeuge: Die Möglichkeit, daß noch andere im Hause waren, besteht
Rechtsanwalt Dr. Sack hält dem Zeugen vor, daß nach seiner Angabe er das Gespräch mit dem Beleuchter Scholz etwa fünfundzwanzig Minuten vor neun Uhr ge- führi habe. Torgler sei der Ansicht, daß der Zeuge sich in dieser Zeitangabe irre, denn Torgler wäre etwa um 20.35 Uhr schou am Bahnhof Friedrichstraße gewesen. — Der Zeuge hält daran fest, daß er etwa fünfundzwanzig Minuten vor neun Uhr mit Scholz gesprochen habe.
Dr. Sack: Nock eine Frage, die ich ungern stelle: Sind Sie seit dem 10. Mai 1922 politisch orga n isert gewesen und, falls ja, bei welcher Partei? — Zeuge: Nein, bei keiner Partei. — Dr. Sack: Stehen Sie den Nationalsozialisten nahe oder haben Sie ihnen damals nahegestanden? — Zeuge: Ich habe ihnen damals nahegestanden. Es folgt dann die Vernehmung des
Hausinspektors des Reichstages,
Oberverwaltungssekretärs Alexander Scranowitz. Für mich war die Hauptsache, die Feuerwehr ins Haus zu lassen und zu diesem Zweck die Portale zu öffnen. Ich selbst rannte im Dunkeln vor mehreren Polizei
beamten die Treppe hinauf durch die Wandelhalle. Auf der Höhe des Postamtes konnte ich eine Feuerstelle sehen, die ich auch gleich ausgetreten habe. Es handelte sich um
zusammengeballte Kleidungsstücke,
die zunächst wie ein Kissen aussahen. Der Zeuge faßt seine Beobachtungen im einzelnen wie folgt zusammen: Aus dem Präsidentenp ult brannte es in voller Ausdehnung. Weitere Brände waren auf der R e g i e r u n g s- bank und dem Platz der Reichsratsvertreter. Es waren Flammenbündel von ungefähr 40 bis 50 Zentimeter Breite, spitz zulaufend, etwa 50 Zentimeter hoch, ruhig flackernd. Auf den Bänken der Regierungs- und der Reichsratsvertreter waren etwa
zwölf bis fünfzehn solcher Brände.
Die Flammen auf den Bänken der Abgeordneten brannten gleichmäßig kegelförmig und unter sich abgetrennt, jeder Brandherd für sich.
Vorsitzender: Wie groß waren die Abstände etwa zwischen den einzelnen Bränden? — Zeuge: Etwa anderthalb Meter.
Die Befragung des Zeugen durch einen Beisitzer ergibt dann, daß der Zeuge Scranowitz ziemlich genau eine Minute nach dem Polizeileutnant Latsit den Brand im Plenarsitzungssaale beobachtet hat.
Unter allgemeiner Spannung schilderte der Zeuge dann die
Festnahme des Brandstifters van der Lubbe.
Als er nach weiteren Brandherden suchte, habe er plötzlich einen Mann stehen sehen, der nur mit Hose und Schuhen bekleidet war. Er habe einem gerade hinzukommenden Polizeibeamten, dem Wachtmeister Poeschel, zugerufen:
^Brandstifter feftnehmen!^
Der Beamte nahm den Mann auch sofort fest. Der Zeuge bekundet weiter, er habe in seiner Erregung van der Lubbe angeschrien: „Warum hast du das getan?" und ihm dabei mit der Faust in die Seite gestoßen. Van der Lubbe habe darauf nur geantwortet: „Protest, Protest!" Van der Lubbe sei dann von den Beamten weggeführt worden.
Während der Bekundungen des Zeugen Scranowitz läßt der Angeklagte van der Lubbe den Kopf noch mehr heruntersinken, so das er in völlig zusammengehockter Haltung auf der Anklagebank sitzt.
Oberreichsanwalt: Der Zeuge Poeschel hat gesagt, Sie hätten sich nach der Festnahme van der Lübbes dahin geäußert, daß unten im Keller noch andere Täter sein müßten. — Zeuge: Ich habe gesagt, das kann nicht einer gemacht haben,
das müssen mindestens sechs bis acht Mann gewesen sein.
Dr. Sack: Kennen Sie Torgler und wissen Sic, daß er oft lange arbeitete? — Zeuge: Torgler hat oft ziemlich lange gearbeitet und auch viele Akten bei sich gehabt.
Der Oberreichsanwalt hält dem Zeugen dann eine ausländische Pressemeldung vor, wonach es überhaupt nicht möglich gewesen sei, daß Brandmaterial in den Reichstag hineingebracht wurde. Der Hausinspektor Scranowitz habe die Eingänge genau überwacht und auch von Zeit zu Zeit
bei den Kommunisten Spindrevisionen vornehmen lassen.
Der Zeuge erwidert, daß er gar nicht die Berechtigung gehabt habe, Spindrevisionen vorzunehmen. Wenn .solche erfolgt seien, dann nur von der Kriminalpolizei.
Landgerichtsdirektor Parrisins kommt dann noch auf
eine Stelle des berüchtigten Braunbuches
zu sprechen, an der es heißt: „Der nationalsozialistische Hausinspektor befahl den Beamten, den Dienst für diesen Tag zu beenden, da doch nichts zu tun sei." Sie haben ja schon gesagt, Herr Zeuge, daß das nicht der Fall war. Vielleicht können Sie aber in bezug auf diese Notiz im Braunbuch noch etwas über ihre politische Stellung sagen. Scranowitz: Bis heute habe ick keiner Partei angehört. Politisch aber bin ich rechts gesonnen. Vorsitzender: Sie haben also nichts an- geordnet, was gegen die Regel war? Zeuge: Nein, ganz bestimmt nicht.
Damit schließt die Sitzung. Weiterverhandlung am Sonnabend.
16. Tag.
Berlin, 14. Okt. (Eigene Funkmeldung.) Die heutige Verhandlung beginnt mit einer Verzögerung von mehr als einer halben Stunde, da das Gericht noch Beschlüsse zu fassen hat. Auch zur heutigen Sitzung ist der Angeklagte Dimitroff noch nicht zugelassen.
Senatspräsident Dr. Bünger gibt zunächst folgendes bekannt: Das Gericht hat den Angeklagten Dimitroff vor einiger Zeit von den Verhandlungen ausschließen müssen, weil er ungeachtet der mehrfachen Verbote sich in Beleidigungen von Beamten erging. Dem Senat ist nunmehr von den ausländischen Rechtsanwälten Detsheff, Erigoroff, Gallagher und Willard die Abschrift eines Schreibens vom 12. Oktober zugegangen, das diese Rechts- anmälte an den Verteidiger der Bulgaren, Rechisanwalt Dr. Teichert gerichtet haben und das sich mit den längst in