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"Fulda, den 13. Oktober 1933.

ginn eines E'nschre'bebriefes. Ein Einschreibe- Lin Wertbrief, b. h. geht dieser verloren, so kann ^yinher (nicht der Empfänger) nur die Gebühr von nls Entschädigung für den Verlust fordern, beim 40 "^klarierten Wertbrief aber die volle Summe des richte Geld wird man in Einschreibesendungen nicht ver- 8"^ ^' Durch Ueberweisungsscheck ist das kostenfrei, durch zimaer, und wenn der Empfänger kein Postscheck- k ist die Postanweisung am praktischsten. Der eines Einschreibebriefes quittiert doch nur über nicht über den Inhalt! Taran muß man r " Post ist der Inhalt nicht bekannt, wenn es sich ^ -âoisene Briefe handelt. Darum: Geld nur in mi' durch Ueberweisungsscheck, Zahlkarte, Postan- m usw nicht aber in Briefen, auch nichtEin-

Kttiben. __________________

zum KOjähr'gen Jubiläum des Kriegervereins Fulda,

morgigen Sonnabend abend im großen Stadtsaal ü Leaanqen wird, wird uns mitgeteilt, daß die Fest- Vressewart des Landes-Verbandes, Kamerad Million aus Kassel, gehalten wird. Die Kameraden Kn gebeten, Orden und Ehrenzeichen anzulegen.

Ehrentage für Fulda.

I Anlaß der feierlichen Einführung des neuen Gleiters der NSDAP., Pg. Adam, werden die Staats- U Oberprüsident Prinz Philipp von Hessen und diäter Weinrich, Kassel, am 18. Oktober im Rahmen el Staatsreise durch das südliche Kurhessen der Stadt »L einen Besuch abstatten. Am 19. Oktober werden die Ln Herren an einer Sitzung des L a n d e s a u s - jUses des Regierungsbezirkes Kassel, die in Fulda ttiinhen wird, teilnehmen.

klvig Bellinger, Vizepräsident der Preußischen

Industrie- unb Handelskammer für das Rhein-

Mainische Wirtschaftsgebiet:

I Das Handwerk hat vor Zeiten die Industrie aus

Kl Taufe gehoben. Als treuer Helfer stand das Lblperf der Industrie in ihrer Entwicklung zur Rkite. Deshalb darf auch die Industrie das Hand- Wll nicht untergehen lassen. Gebet dem Handwerk

MM was des Handwerks würdig ist!

Reichsbürgschaft für Kleinwohnungsbau.

I SMagistratsprefsestelle gibt bekannt:

I Ja Reichsarbeitsminister ist ermächtigt worden, im Wmkmhmen mit dem Reichsminister der Finanzen im WchM Rechnungsjahr für die Förderung des Klein- WWMues bis zum Gesamtbeträge von 100 Millionen W KWaften zu übernehmen. Gefördert werden Ge- MWhmngen und Einfamilienhäuser, die in Gruppen Wmdestens 5 Häusern durch einen einheitlichen Träger ratet werden. Die nutzbaren Wohnungsflächen sollen Mtn Eeschoßwohnungen 75 qm, bei den Einfamilien- WM in der Regel 90100 qm nicht übersteigen. Die «rlürgenben Hypotheken sollen sich einschließlich vor- Mhender und gleichstehender Erundpfandrechte im Mmen von 70 v. H. der Eesamtherstellungskosten halten, p dH die Bauherrn die erste Hypothek (etwa 40 v. H.) W die restlichen 30 v. H. der Eesamtherstellungskosten andere Weise beschaffen müssen. Die Hypotheken müs- Mtl v. H. getilgt werden.

r Bestimmungen werden im einzelnen demnächst be- pnigegeben. Anträge können schon jetzt bei den obersten Wesbehörden, in Preußen bei dem Ministerium für und Arbeit eingereicht werden. Es empfiehlt ^gleichzeitig ein Doppelstück der Deutschen Bau- und »»bank, Berlin W 8, Taubenstratze 48 zu übersenden.

I Mitteilungen der Leitung für die Werbewoche!

gesamte Bevölkerung von Fulda (Stadt und Land) Ildgebeten, besonders am Sonntag, den 15. Oktober 1933 I Mier durch Fahnen, Grün und Blumen auszuschmük- auch dadurch die Verbundenheit der gesamten Be- I Iun9 mit dem Handwerk zu zeigen. !

£ Handwerker anläßlich der Handwerkerpropa- r^oche am Sonntag, den 15. Oktober 1933 zu Fulda.

: Auf dem Heinrich von Vibraplatz.

r , Heinrichstraße-Ecke Sturmiusstratze (Evangel. L Mrhaus).

ung: Heinrichstraße.

I L ^skapalle SA.-Fahne RS.-HAEO. I 7lneA des Jnnungsausschusses Standarte des Jn- I ^M^es Führer des Innungsausschusses I von Gewerbeverein und Eesellenverein.

I I. Gruppe (Nahrung).

I 1 a $ ; Zwischen Heinrichstraße und Eisenbahn-

I âilio?murichstraße-Ecke Sturmiusstraße.

I Bäcker Konditoren Musikkapelle der «=3nnung Stadt Metzger Gärtner. *L ®*"We (»*»«»)

I ~~ Musikkapelle Horas Schneider

I Weber Modistinnen u. Putz-

I - é;;,Sen Schirmmacher Bleicher u. Plätter I u. Hutmacher Optiker Uhrmacher, I - &i('<>r 1 ^'Wiiebe Buchbinder Buchdrucker I - Photos ^bmacher Musikinstrumentenmacher k^Ael^s m° Gruppe (Wohnung). atz: Echloßstraße.

- Stucks Sanitätskolonne Maurer Zimmerer Ad DC^ure Dachdecker Steinhauer Töpfer ft1 keim n-er " Schornsteinfeger Glaser Kapelle Ä> Feuerwehr - Maler - Schlosser u. MtS* Spengler Schmiede Musik- I M,.?^-^ Schreiner Drechsler Elektri- " Ab "kapelle Eichenzell Sattler u. Tapezierer J Böttcher - Wagner.

Drr Zunftmristir von Mrnbcrg".

Zur Aufführung des Festspieles am 15. Oktober.

Im Rahmen der Werbewoche für das deutsche Hand­werk, die vom 15. bis 21. Oktober im ganzen Reiche durch­geführt wird, hat das Fuldaer Handwerk für den 15. Okto­ber etwas ganz besonderes dazubieten, indem das Festspiel Der Zunftmeister von Nürnberg" von der Spielschar des Gewerbevereins Fulda e. V. im Stadtsaal aufgeführt wird.

Eine bessere Wahl hätte wohl für die Handwerkswoche nicht getroffen werden können. Das Stück spiegelt die Zunftkämpfe des Mittelalters wider, welche die Zünftler mit den Geschlechtlern um ihre Anerkennung und Gleich­berechtigung zu führen hatten. Was da an Opfergeist und Opfermut von einigen Zünftlern, an der Spitze der Zunft­meister Wilhelm Kraft, aufgebracht wird, dürfte für unsere heutige Zeit nachahmenswert sein. Alles opfert der Träger der Titelrolle Wilhelm Kraft, sein Haus, seine blühende Werkstätte, seine Mutter, die man verschleppt; seine Liebe reißt er sich aus dem Herzen, alles, um dem Handwerk und seiner Vaterstadt Nürnberg zu dienen. Schwere Kämpfe hat er zu bestehen mit Gegnern aus seinen eigenen Reihen. Einen Aufstand von dem roten Tuchmacher, demGeisbart", an­gezettelt,, erstickt er dadurch im Keim, daß er den Rat Nürn­bergs gefangen setzt, um so ein allgemeines Blutvergießen zu verhüten.

Und wieder tritt er als Sprecher der Zünftler vor den Rat, nachdem man ihn am Tage zuvor abgewiesen hatte mit dem Bescheid: Lernt Demut und seid zufrieden. Der Rat der Siebenherren will sich nun angesichts solcher Opfer doch nicht beschämen lassen und der Aelteste tritt seine Ratsherrn - Kette an ihn ab. Aber noch steht des Nürnberger Bürgermeisters Töchterlein Agnes, abseits, denn ihr scheint Kraft verloren, da er um die Stadt zu retten, den Schwur getan, nur eines Zunft­genossen Tochter zum Weibe zu nehmen. Der edeldenkende und gerechte Bürgermeister Behaim läßt sich in die Zunft der Kaufleute aufnehmen und eines Zunftgenossen Tochter ist nun Agnes, die er dem aufrechten, furchtlosen und opfer­bereiten Wilhelm Kraft zufllhrt. Der Ausspruch Behaims: Nun mag der Burggraf kommen, Nürnberg ist einig" be­schließt das Bühnenwerk. Vieles kann unser heutiges Handwerk aus dem Stück lernen, vor allem Opfergeist, um dem Berufsstand wieder dem Platz zu verschaffen, der ihm seiner Bedeutung nach zukommt. Der Spruch: Gemeinnutz geht vor Eigennutz", ist in Wirklichkeit im Stück verkörpert. Die Spieldauer ist knapp 3 Stunden, und wird von Mu­sikvorträgen der neuen Standartenkapelle umrahmt. Die Rollen etwa 50 Mitwirkende liegen alle in sehr guten Händen, so daß die Aufführungen'einen vollen Er­folg versprechen. Am Sonntag, den 15. Oktober wird das Spiel zweimal gegeben und zwar um 3 Uhr nachmittags für die auswärtigen Handwerker und Gäste und um 8 Uhr für die Fuldaer Meister und die Bürgerschaft. Die Platz- peise sind niedrigst gehalten, res. Platz 1 Mark, Saalplatz 30 Pfg. Karten sind im Vorverkauf im Handwerks- und Gewerbeamt, Steinweg 3, zu haben.

Gießen, 12. Oktober. (Gefängnis für Staats­feind e.) Das hiesige Schöffengericht verurteilte gestern den auf der Durchreise hier weilenden Schreiner Ferdinand Will aus Neuhof wegen schwerer Beleidigung der SA. zu 2 Monaten Gefängnis. Der Zimmermann Georg Becker aus Bad Nauheim erhielt wegen schwerer Beleidigung des Führers und der SA. 5 Monate Gefängnis. Der Telegra­phenarbeiter Peter Muth in Vilbel wurde wegen Beleidi­gung der nationalen Regierung zu einem Monat Gefängnis verurteilt; die geringe Strafe ist hier nur darauf zurückzu­führen, daß das Gericht dieLeffentlichkeit" der Beleidi­gung ablehnte.

Friedberg, 12. Okt. (Schluß der Friedberger Herb st tage. Ochs am Spie ß.) Mit der erstmali­gen Schmorung eines wohlgenährten Ochsen am Spieß wurde am heutigen Tage etwas ganz besonderes geboten. Die Lokalpatrioten sahen als Ehrenflicht an, daß der saf­tige Braten nicht dem Verderben anheimfalle. Nachdem die gewaltigen Fleischviertel die ganze Nacht dem Brat­feuer ausgesetzt waren, begann heute früh gegen 10 Uhr im Beisein der Vertreter der Stadtverwaltung der große Schmaus auf der Kaiserstraße. Gegen 12 Uhr war nur noch das breite Knochengerüst des einst so gewichtigen Ochsen zu sehen. Man hatte in unheimlich kurzer Zeit ganze Arbeit gemacht. Um die Mittagstunde wurde mit einem kurzen Schlußakt die Marktfahne eingezogen. Die in jeder Hinsicht erfolgreichen Werbetage für die Kreisstadt hatten damit ihr Ende gefunden.

Dillenburg, 12. Okt. (Nach ISJahrendenTrau- ring w i e d e rg ef un den.) Eine Ehefrau in Nister-

Nordische Glaubensart.

Von Josias Tillenius.

Wir entnehmen den folgenden Aufsatz mit Eenehmi- migung des Verlages I. F. Lehmann, München 2 SW., der inhaltsreichen SchriftRassenseele und Chri­stentum" (geh. 2,15 Mark, Lwd. 3,15 Mark); der Ver­fasser, ein echt deutscher Seelsorger, will darin dieEr­kenntnisse der Rassenforschung im religiösen Dienst am Volk" verwerten, ein Versuch, der jedem deutschen Christen wertvolle Aufschlüsse und Anregungen geben wird.

Es ist offenbar orientalischer Stil, nur das zu sehen und anzuerkennen, was mit den Sinnen faßbar, zählbar, errechenbar, meßbar ist, während für den nordischen Geist unsichtbare Wellen Tatsachen sind und in Wirksamkeit treten. Der Orientaleglaubt" auf andere Art als der Norde. Man muß sich hüten, dem nordischen Menschen einen orientalisch bestimmten Glauben aufzudrängen. Nor­dische Glaubensart ist nicht minder berechtigt wie orien­talische. Mit dieser Einsicht fallen von vornherein alle Dogmen. Nicht in dem Sinne, daß die Kirche ihre Dogmen entbehren könnte, im Gegenteil, die Wissenschaft muß sein und bleiben, aber für den nordischen Menschen existiert kein Dogma. Für ihn kommt nur Christus selbst in Person in Betracht. Das Wissen von Jesus und über Jesus ist ihm wertlos; er sucht den großen Männ, von dem er ler­nen will, nach dem er sich richten kann, in dessen Anschauen er bereit ist, sich zu ändern. Die Biographie Jesu ist eine rein innerliche. Wir brauchen die Gegenwart Gottes und des Göttlichen; wir brauchen, wenn der Ausdruck erlaubt ist, zeitlose Gegenwart. Originelle, ganz ihren eigenen Weg gehende, von Grund ihres Herzens demütige und fromme Menschen, welche nur um Gottes Willen handeln und leben, solche Menschen, wie sie Lagarde beschreibt, sind dem nordischen Geiste Tatsachen. Hat nicht Christus selber ähnlich gefühlt, als er verschmähte, ein einziges Wort aus­zuschreiben, wiewohl er schreiben konnte, und nur durch eine einzige Handlung im Gedächtnis der Menschen leben wollte (beim Brechen des Brotes im heiligen Mahl sollten sie seiner gedenken); alles konnten sie vergessen, alles mochte aus ihrem Gedächtnis ausgelöscht werden, nur das eine einzige sollte unverwischbar tief im menschlichen Bewußt-

Möhrcndorf gelangte jetzt wieder in den Besitz ihres vor' 45 Jahren verlorenen Trauringes. Ihr Enkelkind fand ihn! beim Kartoffelausmachen. Deutlich waren Name und^ Jahreszahl noch zu erkennen.

Kirchhain, 12. Okt. (Arbeitsdienstlager K i r ch-' Hain.) Das bisher auf der Schönen Aussicht bei Schwa­bendorf befindliche Stammlager des Freiwilligen Arbeits­dienstes, das etwa 216 Mann zählt, wird im Laufe der Woche nach Kirchhain verlegt werden. Bis die Stadt die notwendigen Baracken errichtet hat, werden etwa 80100 Mann in der städtischen Turnhalle einquartiert werden. Arbeitsmöglichkeiten sind im Kreise Kirchhain sehr viel vorhanden. Es kommen etwa 800 000 Tagewerke in Frage, die in der Hauptsache sich auf die Ohmregulierung erstrecken dürften.

Marburg, 12. Okt. (Schwere Zuchthaus st rafen für Meineidige.) Vor dem Schwurgericht hatte sich heute der 28jährige Arbeiter Katz aus Marburg wegen Meineids und die Brüder Peter und Heinrich Freiling aus Niederwetter wegen Anstiftung zum Meineid zu verantwor­ten. Katz wollte dem Peter Freiling, der in einen Alimen­tationsprozeß verwickelt war, einen Freundschaftsdienst er­weisen. Er wurde von Peter und Heinrich Freiling bewo­gen, nacheinander vier Meineide zu leisten. Das Urteil lautete für Katz auf ein Jahr Zuchthaus, für Peter und Heinrich Freiling wegen Anstiftung zum Meineid auf je drei Jahre Zuchthaus, vier Jahre Ehrverlust und dauernde Aberkennung der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter. '

Marburg, 12. Okt. (SA. - Gepäckmarsch Mar­burg Berlin in 13% Tagen.) Zum Empfang durch den Minister- und Staatsratspräsidenten Göring war heute eine fünf Mann starke SA.-Eruppe aus Marburg an der Lahn im Ehrenhof des Potsdamer Neuen Palais erschienen. Diese fünf SA.-Männer waren die einzigen, die im Ehrenhof Aufstellung nehmen durften. Es handelte sich um eine Gruppe unter Führung des Hauptmanns a. D. von Kaltenborn, die die 500 km lange Strecke von Marburg bis Potsdam in 13% Tagen als Gepäckmarsch gemacht hat­ten. Hauptmann a. D. von Kaltenborn ist ein ehemaliger Potsdamer Kadett. Er hat seine Gruppe am 10. Oktober dme Reichskanzler Adolf Hitler in der Reichskanzlei vorge­stellt. Die Gruppe wurde heute vom Minister- und Staats­ratspräsidenten sowie vom Staatsrat Stabschef Röhm herz- zlich begrüßt. In einer kurzen Unterredung erklärte der Führer der Gruppe, daß er und seine Leute während des ganzen Marsches nicht einen einzigen Meter gefahren sind und daß sie sich jedes Tropfen Alkohols und des Rauchens völlig enthalten haben.

Offenbach a. M., 12. Okt. (W arenhaus- und Fili al steuer in Offenbach.) In der gestrigen Sitzung des Offenbacher Stadtrats wurden sämtliche Punkte der Tagesordnung en bloc einstimmig angenommen. Be­schlossen wurde die Erhebung einer Warenhaus- und Filial­steuer in Höhe von 200 Prozent der allgemeinen Gewerbe­steuer mit der Maßgabe, daß diese Ortsregelung mit Wir­kung ab 1. April 1933 in Kraft tritt. Die Bürgersteuer 1934 wurde in Höhe von 600 Prozent des Reichssatzes feft- gelegt.

Frankfurt a. M., 12. Okt. (Aus Furcht vor Ope­ration aus dem Fenster gestürzt.) Aus dem Fenster eines hiesigen Krankenhauses stürzte sich gestern ein Patient, der operiert werden sollte. An den Folgen des Sturzes ist er verstorben.

Darmstadt, 12. Okt. (EineganzeFamiliewegen Blutschande verhaftet.) Wegen Blutschande wurde eine ganze Familie, Vater, Sohn und Tochter, die auf einem Gutsbof in der Umgebung Darmstadts beschäftigt sind, von der Polizei festgenommen. Ob noch weitere

Die Einführung des Gesetzes zur Verhütung kranken Nachwuchses und zur allmählichen Reinigung des Volkskörpers muß als eine Tat der Nächstenliebe und der Vorsorge für die kommende Generation auf- gefaßt werden. Reichsinnenminister Dr. Frick hat mit Recht betont, daß letzten Endes eine falsche, über­triebene Humanität und soziale Fürsorge sich für unser Volk als eine unerträgliche Grausamkeit aus­wirken müsse. An der sittlichen Pflicht, die schwer erbkranken Menschen von der Fortpflanzung auszu­schalten, kann und darf uns daher keine falsch verstan­dene Nächstenliebe hindern.

sein eingeprägt bleiben: geopfert für die Menschen. Finden wir nicht beim Apostel Paulus, den andere freilich gering einschätzen, dem aber H. St. Chamberlain besondere Bedeu­tung beimißt, ebenfalls eine grenzenlose Verachtung der geschichtlichen Tatsachen", so daß er ein Apostel sein kann, ohne Christum persönlich gekannt zu haben, während er alles Gewicht auf die einzige Tatsache legt, auf das Kreuz Christi. Man braucht offenbar nicht zu wissen, wo, wie, wann, unter welchen Umständen Jesus durchs Leben ging, aber das muß man missen, daß der Schlüssel zu seinem Ver­ständnis beschlossen liegt im Kreuz. Christi Worte konnten mißverstanden werden und unverstanden bleiben das Brechen des Brotes, das Vergießen des Weines, das Kreuz führen eine so einfache Sprache, daß alle Zeiten und alle Völker seine Bedeutung verstehen.

Wenn also Matthäus einen Bericht über Jesu Leben und Sterben verfaßt hat, um Juden zu gewinnen; wenn des Markus Darstellung sich vorzüglich an Heiden wendet; wenn Lukas gewissermaßen ein Sammelwerk der Tradition von Jesus aufstellt; wenn Iohannes erstmalig in geistiger Schau das Christusereignis gestaltet, so ehren wir diese Absichten und nehmen uns die Freiheit, darüber hinweg­zusehen. Aber es ist eine Erfahrungstatsache, daß Schrift­steller oft nicht durch die Hauptsachen wirken, sondern durch die Nebensächlichkeiten, durch die beiläufigen Angaben, durch das unerfindbare Detail. So kann die nordische Seele aus den Unwichtigkeiten und Beiläufigkeiten der evangeli­schen Darstellung ein Bild Christi gewinnen, das in' der nordischen Seele etwas bewirkt, was L. F. Clauß mitAuf­ruf" bezeichnet. Wunder und Zeichen wirken auf den Orientalen; auf den nordischen Menschen wirkt die Kraft der Seele. Wir lesen die Evangelien nicht, um zu erfah­ren, an welchem Tag irgend welches Ereignis im Leben Jesu geschah; wir lesen nicht, um zu erfahren, was da war; wir lesen, um zu erfahren, was ist, was heute ist, in dem Augenblick, in dem wir lesen. Religion ist unbedingte Gegenwart. Es kommt nicht darauf an, was wir philoso­phisch, exegetisch, zeitgeschichtlich, religionsgeschichtlich aus den überlieferten Schriften des Neuen Testaments machen, velmehr kommt alles darauf an, was das Evangelium aus uns macht. Kann das Evangelium etwas aus uns machen, wenn es nicht Gegenwart, Leben, Kraft ist?