Lul-aer /tauiger
^^^ Bei Lieferungsbehinderungen durch Tageblatt für Rhön und Vogelsberg fcX^Ä^ Iulüa- unö Haunetal. Zulüaer Kreisblatt Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Reöaktion unö Geschäftsstelle: Königstraße 42 * Zernsprech-Rnschluß Nr. 2989 Jjmtf: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachdruck der mit* versehenen Frtikel nur mitcktzrrllenangabe.ZulöaerFnzeiger'geslattel.
Anzeigenpreis: Für Behörden, Genossenschaften, Banken usw. kostet die Kleinzeile 0.30 Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für alle anderen 0.15 Mk. Die Reklamezeile wird mit 0.90 Mk. für auswärtige u. mit 0.60 Mk. für hiesige Auftraggeber berechnet. Bei Rechnungsstellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.
Ar. 238 — 1933
Fulda, Mittwoch, 11. Oktober
10. Jahrgang
ver Reichstagsbrandpifter-prozetz.
i Am Tatort in Berlin.
(Schluß des 13. Verhandlungstages.)
Tor gier, der der Vernehmung des Zeugen Flöter mit höchstem Interesse gefolgt ist, fragte:
M e5 richtig, daß der Zeuge trotz seiner Aufregung ruhig : A Hause gegangen ist, oder hat er sich sonst noch weiter W die Entwicklung des Vorganges irgendwie gekümmert.
Flöter: Die Aufgeregtheit war noch nrcyt vor- dmdcn, bevor ich das Fenster klirren und den Feuerbrand pachtete, sondern ist erst nachträglich aufgetreten. Ich tilt zu meiner Wohnung gegangen und nach wenigen Muten wieder zum Reichstagsgebäude zurückgekehrt.
Oberwachtmeister B u w e r t gibt den Zeitpunkt der HMing des einen Zivilisten mit etwa 5 Minuten nach 9U^r an. Sie gingen dann vor das Portal I und sahen jn, zweiten Fenster nach links vom Portal aus gesehen eine hochsteigende Flamme
der gegenüberliegenden Seite des Fensters. Er sagte in dem Betreffenden, er möchte doch zur Wache am lAmdenburger Tor laufen und melden, daß es brennt, ket Mann soll auch sofort weggegangen sein. Ich sah
nad) etwa zwei Minuten im Erdgeschoß hinter den Imdurchsichtigen Milchglasfenstern einen sich fortbewcgen- Feuerschein, als wenn jemand mit einer Fackel in der lief.
Ich zog meine Pistole, »Nil ich erkannte, daß das nicht mit rechten Dingen i Horsitzender: Es kamen dann zwei Streifen- ■ hinzu.
Zeuge: Ja. Einer von ihnen empfahl, lieber noch ■ fiel bie Feuerwehr zu alarmieren und lief dann auch I mMleltraße. Etwa um 9.17 Uhr kam Polizeileutnant
Der Reichstagsbrandstifterprozeß am Tatort.
Unser Bild berichtet von der Vernehmung des Zeugen Student F l ö t e r, der als erster den Brand bemerkt hatte und die Polizei Herberrref. Ganz links Prapdent Dr. Bünger, der den Vorsitz in der Verhandlung führt.
M im Lastkraftwagen mit Beamten an.
L Die Feuerwehr
^schätzungsweise fünf Minuten später. Genauer bc- Ichatzt der Zeuge den Zeitraum zwischen der Alar- und dem Eintreffen der ersten beiden Feuer- Mge aus drei bis fünf Minuten.
darauf eine Paute ein.
L Jl Wiederaufnahme der Verhandlung wird zunächst kJ ^ahre alte Schriftsetzer Werner Thaler aus k ^nommen, der zu den wenigen Personen gehört, Patent des 27. Februar
L den Ausbruch des Brandes jKten. Der Zeuge macht sehr klare Darstellungen W Beobachtungen. Er führte aus: Als ich um die Rßt; r Richtung zum Hauptportal einbog, hörte ich te von Fensterscheiben und sah in die Richtung Pen Dabei hatte ich den Eindruck, daß zwei te 1,611 in das dem Hauptportal benachbarte Fenster Beleuchtung war nicht besonders gut. die Ecke zurück und rief dort nach einem Schutz- i ’ ier Zeuge erklärt nachdrücklich, daß er
q, ^ei Personen habe einsteigen sehen.
Atzender: Haben Sie den ersten Mann r11 ^^ennen können? — Zeuge: Rein, ich konnte Lichts« ^en Körper sehen. Der erste Mann hatte kennend es in der Hand als er einstieg, m Eindruck fühlte sich der zweite Mann beob- I ivohl auch zu mir hin.
pincr U'yend er : Der Zeuge Flöter spricht nur,von I2 sZon, die einen F e u e r s ch è i t in der Hand p.aus J^Mc : Ich habe Flöter nicht gesehen. Als bis ^imsonstraße schnell wieder zurückkam und I Mej J ^^he sprang, sah ich oben drei hellerleuchtete
I hinten im Raum gegenüber dem Fenster
I k y a® später schlugen dann auch Flammen - ^-aume am Fenster hoch.
Vorsitzender: Das wurde ja mit der Darstellung van der Lübbes übereinstimmen, wonach er erst den Vorhang der Restaurationstür angesteckt hat und dann die Seitenvohänge am Buffet nach dem Fenster zu.
Auf die Frage des Vorsitzenden, was der Zeuge zu dem Beamten gesagt habe, erwidert dieser, daß er dem Beamten Mitteilung von dem Klirren des Fensters und davon gemacht habe, daß er auf dem Balkon und im Fenster zwei Gestalten glaube gesehen zu haben. Er habe dann
den Beamten aufgefordert zu schießen,
was dieser auch getan habe. Er gibt dann aber die Möglichkeit zu, daß die beiden Feuerscheine, die etwa in einer Entfernung von einem Meter sich gleichmäßig bewegten, von einer Person herrührten. — Vorsitzender: Wie haben Sie sich nach dem Schuß des Polizeibeamten weiter verhalten? — Zeuge: Ich blieb kurze Zeit an meinem Standort stehen, wurde dann aber von dem bald darauf eintreffenden Überfallkommando zurückgedrängt. Als ich an der Siegessäule angelangt war, sah ich mich noch einmal um, und da bemerkte ich plötzlich einen
glutroten Schein in der Kuppel
des Reichskagsgebäudes. Ich vermutete dort sofort einen umfangreichen Brandherd, lief zum Reichstagsgebäude zurück und teilte der Feuerwehr meine Beobachtungen mit.
Es wird beschlossen, die drei Tatzeugen einander gcgenüberzustellen und ferner eine Augenscheinnahme des Tatbestandes, wie er am 27. Februar abends war, vorzunehmen.
D i m i t r o f f hat schon wieder mal Fragen an die Zeugen zu richten, besonders an Thaler. Er möchte alles Mögliche über das Zustandekommen der Protokolle wissen. Senatspräsident Dr. Bünger läßt mit großer Geduld alle diese Fragen zu.
Der Verteidiger des Angeklagten van der Lubbe bittet hierauf, seinem Mandanten das Wesentlichste der bisherigen Zeugenaussagen nod) einmal vorzuhalten und
sich ihn dazu äußern zu lassen.
Ban der Lubbe, der die ganze Zeit wieder mit gesenktem Kopf völlig apathisch auf der Anklagebank gesessen hatte, wird darauf an den Zertgentisch geführt.
Vorsitzender: Haben Sie gehört, was die Zeugen heute ausgesagt haben?
Van der Luvve: (leise) Jai Da aber auch diese Antwort von einem Teil der Prozeßbeteiligten nickst verstanden wird, bemüht sich der Vorsitzende noch einmal, van der Lubbe zum Lautersprechen zu veranlassen. Er fragt ihn: Können Sie ganz genau sagen, daß k e i n e zweite Person dabei war? Van der Lubbe antwortet wieder so leise mit Ja, daß sein Dolmetscher es wiederholen muß. . - ™
Hierauf setzen der Reihe nach mehrfache Bemühungen des Rechtsanwalts Dr. Sack, des Rechtsanwalts Scusfert, des Vorsitzenden und des Dolmetschers ein, um van der "ubde zum lauten Sprechen zu veranlassen. Schließlich erklärt Dimi troff, van der Lubbe solle hier eine ganz klare und offene Antwort vor dem Gericht und vor der ganzen Welt geben.
Vorsitzender zu dem Angeklagten van der Lubbe gewandt: Antworten Sic, van der Lubbe, haben Sic den Reichstag allein angesteckt oder nicht?
Alles blickt gespannt aus den Hauptangcklagten. Die meisten im Gerichtssaal Anwesenden stehen gereckten Hauptes und warten auf die Antwort.
Dr. Bünger mahnt noch einmal sehr eindringlich: Antworen Sic! — vanderLubbc: Ja.
Vorsitzender: Ich will nochmals fragen: Haben Sie den Reichstag allein angesteckt?
D i m i t r o f f ruft in höchster Erregung: Unmöglich, ausgeschlossen!
Dr. B ü n g e r zu Dimitrofs gewandt: Schweigen Zue, ich entziehe Ihnen hierfür das Wort. Angeklagter van der Lubbe, haben Sie den Reichstag allein angesteckt'? — vanderLubbc: Ja!
Oberreichsanwalt W e r n e r zu van der Lube: Haben andere es vorbereitet: — Dr. Bünger: Angeklagter van der Lubbe, haben andere die Brandstiftung vorbereitet, Ihnen dabei geholfen? — Angeklagter van d e r L u b b e : Da s k a n n i ch n i ch t s a g e n.
Es wird dann mit der Zeugenvernehmung fortgefahren, und zwar werden die Eheleute Kuhl und Freudenfeld gehört, die zu dem Kreis derjenigen Personen gehörten, die als erste den Brand im Restaurant und im Erdgeschoß beobachteten.
Darauf wurde die Verhandlung abgebrochen und auf Mittwoch vertagt. Der Donnerstag bleibt sitzungsfrei.
*
Rach Abschluß der ersten Berliner Verhandlung im Reichstagsbrandstifterprozeß sind die fünf Angeklagten in drei geschlossenen Gefangenenwagen unter polizeilicher Bedeckung in das Moabiter Gefängnis zurückbefördert worden. Zahlreiche Schaulustige hatten sich in der Umgebung des streng abgesperrten Gebäudes auch während der Verhandlung aufgehalten; sie beobachteten dann nach Schluß der Sitzung die Abfahrt der Wagen der Prozeßbeteiliaten
Der 14. Tag.
Als die Angeklagten in den Saal geführt werden, fällt das veränderte Aussehen des Angeklagten v. d. Lubbe auf, der im Gegensatz zu sonst sauber frisiert ist.
Nach Eröffnung der Verhandlung teilt der Vorsitzende mit, daß der Lokaltermin vor dem Reichstagsgebäude am Donnerstag abend stattfinden soll.
Dimitrosf wird ausgeschlossen.
Der Angeklagte Dimitroff steht auf und will eine Frage im Zusammenhang mit diesem Termin stellen. Der Vorsitzende lehnt das ab. Dimitroff will trotzdem seine Be-> mcrkungen fortsetzen. Der Vorsitzende entzieht ihm das Wort. Dimitroff erklärt: Ich bin hier nicht nur Angeklagter, sondern auch Verteidiger für Dimitroff. Der Senat erhebt sich bei diesen Worten von den Plätzen und zieht sich zur Beschlußfassung über das Verhalten Dimitroffs zurück. Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende folgenden Beschluß des Senates:
Der Angeklage Dimitroff wird wegen wiederholten Ungehorsams gegen die Anordnungen des Vorsitzenden, insbesondere gegen die Anordnungen, durch die ihm das Wort entzogen ist, bis auf weiteres aus dem Sitzungssaal entfernt. Er ist in das Gefängnis abzuführen.
Dimitroff protestiert in erregten Worten dagegen und überreicht seinem Verteidiger Dr. Teichert ,ein Schriftstück mit dem Bemerken: Diese Frage möchte ich stellen. Tun Sie es bitte für mich. Rechtsanwalt Dr. Teichert ruft dem Angeklagten zu:
Hätten Sie mir das lieber früher gesagt!
' Der Angeklagte wird dann abgeführt.
Das Gericht setzt die Zeugenvernehmung über die Vorgänge am Abend des Reichstagsbrandes fort. Polizeileutnant Lateit, Führer der Brandenburger Torwache, beginnt seine Schilderung mit der Bemerkung, es sei vielleicht wesentlich, daß am Abend des Brandtages eine Kundgebung der SPD. im Sportpalast stattfinden sollte. Gegen 9 Uhr wurde mir, fährt der Zeuge fort, die Auflösung der Kundgebung gemeldet, und ich bekam damit erhöhte Alarmbereitschaft, um als erstes Eingreifkommando gegen Demonstrationen vorzugehen. Gegen 9X Uhr betrat ein junger Mann die Wache und teilte mit, daß im Reichstag ein Brand ausgebrochen sei. Wir fuhren schnell zum Reichstag hin. Vor der Treppe bemerkte ich oben einen hellen Feuerschein, der 2%—3 Meter hoch war. Ich ging hinauf. Der Wachtmeister Buwert erstattete mir Meldung. Ich unterbrach ihn sofort und fragte, ob Feuermeldung erstattet sei. Als er das bejahte, sagte ich, es müsse sofort Eroßalarm gemeldet werden. Auf weitere Fragen gibt der Zeuge an, daß er 9.15 Uhr die Meldung von dem Feuer bekommen habe. Sie seien mit kolossaler Geschwindigkeit zum Reichstag gefahren und es könne sich nur um 2 Minuten gehandelt haben. Die Meldung sei also 9.17 Uhr erstattet worden.
Der Zeuge setzt dann seine Schilderung fort: Als wir an die große Wandelhalle kamen, sah ich hinter dem Denkmal einen Schein, und auch das Denkmal war etwas erleuchtet. Links und rechts von mir am Eingang zum Plenarsaal sah ich nun einen Feuerschein links und einen rechts. In der Mitte des Einganges lag ein brennendes Kisten. Rechts hing ein dicker Plüschvorhang, der von rechts nach links oben brannte. Auch auf der linken Seite gegenüber war ein solcher Vorhang, der höher brannte, ebenfalls schräg abwärts.
Auf eine Frage des Vorsitzenden erklärt der Zeuge Lateit, der Mantel van der Lübbes sei so sorgsam zusammengelegt gewesen, daß er ihn bei seinen ersten Vernehmungen als Kisten bezeichnet habe. Er habe nachher gehört, daß das vermeintliche brennende Kisten tatsächlich der zusam- mengelegte Mantel des Angeklagten war. Der Zeuge schildert dann, wie er in den Plenarsaal hineinkam. Der Fußboden sei noch dunkel gewesen, aber der Saal sei beleuchtet worden durch eine Art flammender Orgel, die sich über den Präsidententisch erhob. In der Mitte brannte eine hohe Flamme in verhältnismäßig ruhigem Licht, rechts und links daneben züngelten kleinere einzelstehende Flammen empor, die wie leuchtende Orgelpfeifen wirkten. Alle diese Flammen vereinigten sich auf dem Präsidententisch zu einem zusammenhängenden Brandherd. Als ich das sah, war ich sofort im Bilde:
Brandstiftung, Pistolen raus'
(Fortsetzung unter „Letzte Rachrichteit")