Zul-aer Anzeiger
*ÄS^^ Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Nr. 230 — 1933
Fulda, Montag, 2. Oktober
10. Jahrgang
„Ehre dem deutschen Bauer".
Ganz Deutschland feierte den Erntedanktag und folgte der Opferparole des Führers.
„Sie größte Vauernbesteiung unserer Geschichte."
K t ichs m :nister Dr. Goebbels zum Erntedanktag.
Zur Einleitung des ersten Deutschen Erntedanktages M Reichsminister Dr. G o e b b e l s am Sonntagmorgen Ocr alle deutschen Sender eine eindrucksvolle Rede, in der er u. a. ausführte:
Zum erstenmal in unserer Geschichte feiert das ganzcdeutsche Volk den Erntedanktag. Die Parole von Blut und Boden hat im ganzen Lande die tiefen Zusammenhänge zwischen Stadt und Dors neu aufgedeckt and damit eine andere Haltung zum Bauerntum im deutschen Volke hervorgebracht.
Nunmehr gilt es, die
Voraussetzungen für die künftige Gesunderhaltung res deutschen Bauerntums zu schaffen. Vauernpolitik ist sie Grundlage einer gesunden Volkspolitik. Es gibt keine Erhaltung des deutschen Bauerntums ohne Überwindung ves K a p i t a l i s m u s und ohne Schaffung eines deutschen B a u e r n r e ch 1 e s. Die Negierung der nationalsozialistischen Revolution hat hier bereits- mit den ersten einschneidenden Maßnahmen begonnen. An
entscheidenden Schritten
zur Errettung des deutschen Bauernstandes sind getan:
l. D a s E r b h o f r e ch t ist als Grundlage zur Reifung eines deutschen Bauernrechtes festgelegt.
L Das N ä h r st a n d s g e s e tz wurde Wirklichkeit ck-Lorwerk und weitere Etappe zur lebenskräftigen Er- Nliung des deutschen Bauerntums.
~3. Das Reichserbhofgesetz in Verbindung mit sein II m s ch u l d u n g s g e s e tz wurde als ein untrenn- sarcs Ganzes proklamiert, mit dessen Abschluß das eherne >Zündament des Dritten Reiches gebildet ist.
Nicht vergessen werden darf dabei die Senkung der landwirtschaftlichen Grundsteuer, die mit einer Erhöhung der Rentabilität und Senkung der Kosten verbunden ist md sich wiederum günstig auf die Preisgestaltung für landwirtschaftliche Erzeugnisse auswirkt. Neue Methoden in der F e t t w i r t sch afi, Änderung von Händels- Mträgen, drei Millionen Mark für neue Rahmstationen, das grosse nationale Aufholzungswerk der Regierung, das den Holzbedarf aus eigener Produktion für die Zukunft i'cherii soll, zeigen den Weg an, den die Reichsregierung fernerhin zu beschreiten entschlossen ist. Die neuerdings erfolgte Senkung der Schlacht- und Viehhofsgebühren um rund zwei Millionen Mark in Berlin beweisen das starke Verständnis der Stadt für die Situation des deutschen Bauernstandes. Die durch diese Maßnahmen genossene Vorsorge für den deutschen Bauernstand muß mm tatkräftig.
durch das Volk selbst unterstützt werden. Es muß gefordert werden, daß besonders im »t a b t v o 11 die Maßnahmen der Negierung, die dem Weriiftanb helfen sollen, Unterstützung finden. Der Tarier muß vor allem vom ganzen Volk verlangen können, - daß ber
Hader und Haß endgültig beseitigt
wird, den Juden und Schieber in Kriegs- und Jnflatious- gesät haben, als sie die Schuld an der mangelhaften >cbensmittelversorgung lediglich dem Lande zuschoben, -lür wenn alle erkennen, daß der Bauer der Blutsquell des deutschen Volkes und der Garant seiner Ernährung wird es möglich sein,
Stadt und Land endgültig zu versöhnen.
gibt keine Sicherung für unsere nationale Existenz M die Erhaltung unserer Rasse. Die Erhaltung sicher Art aber hängt von der Erhaltung des deut- Menschen ab.
tu ii'dd nicht zuletzt sollte gerade die Stadtbevölkerunc l bändig, darüber klar sein, daß nur durch die Stützung deutschen Bauernwirtschaft und nur durch den
Verbrauch heimischer Erzeugnisse ^ândstßrtschaft die Ziele der Reichsregirrung erreich können.
H aber kann das deutsche Volk dafür von er n. berlaugeu ? Von ihm wird erwartet, das seinen besten Kräften, ja über seine besten Kräfti zu dem gewaltigen und imponierenden
Winterhilfswerk des deutschen Volkes
®’c Besitzenden spenden Geld, die Wirtschafi ich .0w Kohlenverforgung, der Bauer muß aus den Er dieses Sommers opfern, um die Ernährung notleidenden sicherzustellen.
^chortraucu ist die einzige Grundlage, auf der die sch""ug auch mit dem Bauern verhandeln kann. Ja iß 9t ein tun ist auch in diesem Falle ein schimpf 'wd ^gohen am Volkswohl. Kleinlicher Hader, Dünkel !ki>„>, ch^deblichkeit haben in unserer Volksgemeinschaft LWb mehr.
^dern Gemeinsinn und Gemeinnutz der Tat letzt MU des Ajuudes. Dazu gehört es auch, daß schon e Vorbereitiingen dafür getroffen werden, um die
notleidende Stadtbevölkerung im Sommer auf dem Lande unterzubringen.
Damit ist dem Landstand und jedem einzelnen Bauern in der Durchführung der Regierungsmaßnahmeu eine große Verpflichtung auferlegt. Der Bauer kann heute wieder.
stolz darauf fein, Bauer zu heißen.
Der Bauernstand ist kein Beruf mehr, den man heute erlernt und morgen wieder wechselt. Man muß in ihn hineingewachsen sein. Er ist zu einem Amt und zu einer u a t i o u a l e n V e r p f l i ch t n u g geworden.
Wenn heute das ganze deutsche Volk in Einigkeit und geschlossenem Lebenswillen zum erstenmal gemeinsam den deutschen Erntedanktag beginnt, dann bedenke der deutsche Bauer, dast die gröstteBauern befrei» ng unserer Geschichte, die jetzt angebahnt ist, nur dann ganz vollendet werden kann, wenn er selbst seine Arbeit und seinen Beruf als Amt auffastt. Diese Verpflichtung nehme er vom heutigen Tage ab mit in das neue Jahr des Wirkens. Denn von nun an ist das, was er schafft, nicht nur seine, sondern seines Volk es Ernte.
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Berlin jubelt den Vauernführern zu.
10 0 B a u e r N a b o r d N u N g e N trafen i N Flugzeugen auf dem Te m pelh ofer Feld ein.
Den Auftakt für die amtlichen Feiern bildete der E m p s a n g der B a u e r n s ü h r c r in Berlin. In sieben Flugzeugen trafen gegen 100 Bauern- aborbnungen aus dem Tempelhofer Feld ein, wo sie vom Reichsbanernsührer Darrs, Propagandaminister Dr. G o c b b e l s, den Llaatsräreu G o r l i tz e r und Engel und der gesamten Polizeibereitschaft z. b. B. Wecke be- gküstt wurden.
Nach einer kurzen Ansprache des Propagandaleiters der Laudesstelle Berlin-Brandenburg, Schulze-Wech- sungen. an die Bauernschaft, erfolgte die Abfahrt der Bauernführer in bl umengeschmückten Kraftwagen der NSKK. zur Reichskanzlei. Die Bevölkerung Berlins begrüßte überall mit lebhaftem Jubel die Bauern, die zum größten Teil in ihren m a l e r i s ch e n L a n d e s- t r achte n erschienen waren.
Im historischen Kougrestfaal der alten Reichskanzlei bauten die Bauern und Bauernführer zunächst ihre Gaben auf einem großen Tisch auf: Die W c st- f a l e n Schinken, Schwarzbrot und eine Flasche Doppelkorn sowie zwei Paar gestrickte Handschuhe, die Lüneburger eine großes seingegerbtes Schassell, die K u r - märker einen Riesenkorb mit Früchten, Kohl und Kürbis, die Danziger ihren Werderkäsc und ein Fäßchen Danziger Goldwasser und die Sachsen-Anhalter Tomaten, Rüben, verschiedene Samenkörner, Bohnen, Rebhühner und anderes mehr. Alle Gaben waren künst-
Der Empfang der Bauernvertreter in Berlin.
Reichsminister D r. Goebbels mit deni Bauern sichrer D a r r è Muts, neben ihm) und Staatsrat Görlitzer (rechts neben ihm) beim Empfang der Bauernvertreter auf dem Berliner Flugplatz Tempelhofer Feld. Links sieht man oldenburgische Bauern in ihrer kleidsamen Heimattracht.
lerisch in den Landesfarben, mit Ähren, Kornblumen und Klatschmohn geschmückt.
Dann erschien der F ü h r e r, Reichskanzler Adolf H i t l e r, begleitet vom Minister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, dem Reichseruährnugs- minister D a r r é und Staatssekretär L a m m e r s. Der Landesbauernführer von Pommern, B l o e d o n, überreichte hierauf nach einer kurzen Ansprache eine Spendenliste der Bauern zur Beüeblina der Not.
Dis Ansprache des Führers.
Darauf ergriff der Führer das Wort, dankte den Vertretern der Bauernschaft und führte folgendes aus:
Die Tatsache daß die Vertreter der deutschen Bauern heute hier so versammelt sind und als Deputation an dieser Stelle in die Erscheinung treten, zeigt Ihnen selbst, daß sich in Deutschland eine Schicksalswende vollzogen hat. Daraus erkennen Sie am besten, daß der Geist, der die Reichsregierung von heute beherrscht, ein anderer ist als der Geist, der die vergangenen Reichsregierungen in den letzten 15 Jahren beherrscht hat.
Wir sind nicht wurzellos und volksfremd, sondern wir fühlen uns mit der deutschen Scholle verbunden, wir hängen an ihr und damit auch am deutschen Bauerntum. Der deutsche Bauer ist für uns nicht nur ein Stand, sondern der Repräsentant der deutschen Lebenskraft und damit auch der deutschen Zukunft. Wir sehen im deutschen Bauern die Quelle der nationalen Frucht- b a r k e i t, die Grundlage unseres nationalen Lebens.
Sie können die Überzeugung mit sich nehmen, daß wir, soweit es irgend geht und wo es nur irgend geht, für den deutschen Bauern eintreten.
Ich danke Ihnen, daß Sie auch draußen auf dem Lande sich in dieser schweren Notzeit der Städter erinnern. Das wird die Bande festigen, die Stadt und Land miteinander verbinden müssen zu einer lebenden Volksgemeinschaft.
Die wahre Volksgemeinschaft muß auf Taten aufgebaut werden. So, wie wir von den Städtern verlangen, daß sie heute Opfer bringen, so müssen wir auch vom Bauern verlangen, daß er die Nöte und die Sorgen der Städter begreift.
Ich danke Ihnen, daß Sie aus eigenem Willen mit- helfen, diese uns alle bedrückenden Sorgen zu beheben. Wir sind stolz darauf, daß wir aus eigener Kraft, ans eigenem Vermögen, aus unserem Volke selbst heraus ohne fremde Hilfe und ohne fremde Anleihen unserer Nöte Herr werden.
Wenn wir so alle unsere Kräfte anfpannen, um die Not zu brechen, so wird der Segen, der daraus entspringen wird, nicht nur den deutschen Städtern zugute kommen, nicht nur den unmittelbar davon Betroffenen, sondern auch denen, die an der Behebung der Not so tatkräftig mit= helfen, auch den deutschen Bauern.
Bismarcks Gänsekiel für den Kanzler.
Der Führer ließ sich darauf vom Neichsernührungs- mlnifter Darre die Landesbauernführer v o r st e l l e n, die dann ihrerseits die einzelnen Abordnungen dem Kanzler vorstellten. Jedem einzelnen drückte der Kanzler die Hand.
Der Reichsbund Deutscher Diplomlandwirte überreichte die Schreibscder Bismarcks, einen Gänsekiel, die sich in einem etwa 70 Zentimeter hohen historischen Schmuckkasten aus Eichenholz aus dem Sachsenwald befindet, dem Kanzler. Der Führer des Reichsbundes, Dr. Kummer, führte dabei u. a. aus:
Die deutschen Diplomlandwirte überreichen Ihnen als dem Erneuerer des Deutschen Reiches auf der Grundlage des deutschen Bauerntums heute als Ehrengabe der deutschen Bauern die Schxeibfeder Bismarcks. Diese Schreibf sd er hat der Begründer des Deutschen Reiches an dem Tage g ef ü h rt, als er das Wort sprach: „Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt".
Wir sind st o l z darauf, diese Gabe an dem Wendepunkt unserer agrarischen Geschichte dem Mann mit heißem Dank überreichen zn können an dem Tage, au dem die deutschen Bauern unter Führung ihres Volkskauzlers und ihres Reichsführers mit neuer Zuversicht ans Werk gehen.
Zwei Mädchen überreichten als Dank der schlesischen Bauern mit einem kleinen Gedicht dem Reichskanzler eine mit Bändern in den Landesfarben geschmückte künstlerische Erntekrone. Der Kanzler unterhielt sich dann noch kurze Zeit zwanglos mit einzelnen Bauernver- tretcru. Nach einem dreifachen Heil der Bauern auf den Retter des Bauerntums vetabschicdetc sich der Kanzler.
Die Bauernabordnungen wurden dann wieder in i t 5 0 P r i v a t k r a f t w a g e n , die besonders schön aus- geschmückt worden waren, zum Tempelhofer Feld gefahren, wo sie in zehn Flugzeugen über Hannover nach dem B ü ck eber g befördert wurden.
Der Abflug des Führers nach Hameln.
Mittags traf dann der Reichskanzler auf dem Flug- haben Tempelhof ein, um sich von hier aus nach dem Bückeberg bei Jameln zu begeben. In seiner Begleitung befanden sich u. a. der Reichswehrminister v. B l o m b e r g, Landwirtschaftsminister Darrs, Propagandaminister G o e b b e l s, Vizekanzler V. Pape n. Auf dem Flugplatz hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge eingefunden, die den Kanzler immer wieder m i t st ü r m i- s ch e n H citrus é n feierte. /
„Im Boden besteht der wahre Reichtum des
Landes." Friedrich der G r o st c.