Zulöaer NnZeLger
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M. 219
Dienstag, 19. September
1933
Kurze polittsche Nachrichten.
Das in Berlin erscheinende Blatt „Die Welt am mh^nd" ist bis auf weiteres verboten worden.
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Anläßlich des Konkordats-Dankgottes- Lienstes, der am Sonntag in allen Kirchen der Diözese Aerlin stattfand, wurden von der Katholischen Aktion an den Reichskanzler und den Papst Danktelegramm e gesandt. $
Der Kreditausschuß der Rentenbank-Kreditaustalt hat wiedir Darlehen von 5,5 Millionen Mark für Arbeiten im Interesse der deutschen Landwirtschaft bewilligt (Ostpreußen, Freistaat Sachsen).
Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 18 September 1933 hat sich in der verflossenen Bankwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 65,1 Millionen auf 3469,7 Mill. Mark verringert. An Reichsbank Noten und Rentenbankscheinen zusammen sind 35,7 Mill. Mark in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen. Der Umlauf an Scheidemünzen nahm um 21,7 Mill, auf 1440,8 Mll. Mark ab. Die fremden Gelder zeigen mit 389,5 Mill. Mark eine Zunahme um 11,2 Mill. Mark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben «ch um 0,4 Mill, auf 397,0 Mill. Mark erhöht. Die Deckung der Noten betrug am 15. September 11,7 Prozent gegen 11,6 Prozent am 7. September d. I.
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Die Einweihungsfeier des Separatisten- a b w e h r d e n k m a l s in A d e n a u (Eifel) gestaltete sich ix einer erhebenden Dankeskundgebung an die Bauern, Arbeiter und Bürger der Eifel, die durch ihren mutigen Abwehrkampf gegen den verbrecherischen Separatismus im November 1923 die Einheit des Deutschen Reiches gerettet haben.
Der 450. Geburtstag Martin Luthers.
Feiern in ganz Deutschland.
Der 10. November, der 450. Geburtstag Martin Luthers, soll in ganz Deutschland in würdiger Form gefeiert werden. Er soll zu einem Feiertag des gesamten Protestantismus werden, an dem alle evangelischen Deutschen sich in dem Gedächtnis an deck großen Reformator zusammenfinden.
Die Schirmherrschaft haben Reichsprä- sident von Hindenburg und Landesbischof Müller übernommen. Dem Ehrenpräsidium gehören die Reichsminister Dr. Frick, von Neurath, Seldte, Göring und von Blomberg an. Die Reichskirche hat den 10. November als kirchlichen Feiertag proklamiert und die Entscheidung der Reichsregierung, den Tag als gesetzlichen Feiertag anzuerkennen, steht bevor. Im ganzen Reich, in allen Orten finden Festgottesdienste statt, an die sich g r o ß e ö f f e n t- liche Kundgebungen schließen.
Oie Danzig-polnischen Abkommen unterzeichnet. '
In Warschau erfolgte die endgültige Unterzeichnung der am 5. August d. I. paraphierten Danzig-polnischen Abkommen über den Danziger Hafen und die Frage der polnischen Minderheit in Danzig. Die Unterzeichnung stent einen entscheidenden Abschnitt in der Geschichte des Danziger Freistaates sowie in der politischen Entwicklung im Osten überhaupt dar.
Es handelt sich bei diesen beiden Abkommen um eine kurzfristige Lösung. Die Abkommen sind jederzeit kündbar. Die Fragen können also jederzeit wieder vor den Völkerbundinstanzen ausgerollt werden. Dem Danziger Hafen ist durch das Abkommen zunächst ein Umschlagsniveau gesichert, das, wertmäßig gesehen, etwas über "dem Umschlagsniveau im Gdinger Hafen (nach dem heutigen Stande gerechnet) steht. Das 9(0= kommen bedeutet einen vollen
Erfolg der Danziger Regierung, der angesichts der Schwierigkeiten der Arbeitslosenfrage in Danzig gar nicht hoch genug veranschlagt werden kann.
In einer Besprechung zwischen dem Präsidenten des Senats, Dr. R a u s ch n i n g , und dem diplomatischen Vertreter der Republik Polen in Danzig, Minister Dr. P a p ö e, wurden verschiedene kleine U n st i m m igle it e n b e i g e l e g t, die durch Zusammenstöße zwischen Nationalsozialisten und polnischen Staatsbürgern in -anzig hervorgerufen worden waren.
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Wie nachträglich bekannt wird, kann das neue Danzig-polnische M i n d e r h e i t e n a b k o m m e n nicht jederzeit, sondern erst nach Ablauf eines Jahres mit e i n- jähriger Frist gekündigt werden.
Die Trauung des SA-Gruppenführers Karl Ernst.
Große Anteilnahme der Bevölkerung.
... In Berlin fand die Trauung des Gruppcu- M)rer§ der SA., Karl Ernst, mit Fräulein M. Wolf lehr .Nachdem auf dem Standesamt Grunewald die Ehe- ^meßung stattgefunden hatte, wobei Ministerpräsident . 0 51 n 0 und Stabschef Röhm als Zeugen fungierten, das junge Paar unter großer Beteiligung des .^"^'ums in der Grunewald-Kirche getraut. Vom Bis- amplatz aus bildeten S A. - M ä n n e r bis zur Kirche v Her. Die kleine Kirche war bis auf den letzten beseht' trotzdeni nur geladene Gäste Eingang fanden, m r Nltar war mit Blumen und Girlanden geschmückt. Ar j < iOr Beginn der Trauung betraten PrinzAugust führ eim, Ministerialrat Daluege und alle Ober- u,nb Führer, soweit sie in Berlin anwesend waren, »Urche.
Schiffe stoßen im Nebel zusammen.
Panik auf einem sinkenden Dampfer.
Im Oeresund ereignete sich unweit des Hafens von Malmö ein schweres S ch i f f s u n g l ü ck. Gegen Mitternacht stieß der schwedische Passagier- dampfer „Malmö" mit dem norwegischen Dampfer „Alix" in voller Fahrt zusammen. Die „Malmö" hatte etwa 600 Fahrgäste an Bord, von denen sich etwa 50 bis 60 im Vordersalon befanden, als bei dem Zusammenstoß der Vorderteil des Schiffes eingedrückt wilrde. Alle Fahrgäste wurden durcheinander geworfen und durch die zersplitternden Einrichtungsgegenstände verletzt. Der Dampfer „Malmö" konnte mit eigener Maschinenkraft den Hafen erreichen, wo 25 Passagiere in Krankenhäuser übergeführt wurden. Die „Alix" âus Oslo ging unter. Diè 17 Mann starke Besatzung konnte sich retten. Bei dem Zusammenstoß entstand an Bord der „Malmö" eine wilde Panik. Von allen Seiten ertönten Verzweiflungsschreie. Der Kapitän ließ die Rettungsboote bereitmachen. Als er jedoch festgestellt hatte, daß das Schiff sich schwimmend erhielt, nahm er Kurs zum Malmöer Hafen. Viele Fahrgäste fielen in Ohnmacht. Über 50 Personen wurden verletzt.
Nach Augenzeugenberichten des im Öresund vor der Malmöer Hafeneinfahrt gerammten Dampfers „Malmö" haben sich grauenerregende Szenen an Bord des Schiffes abgespielt. Bei dem Zusammenstoß mit dem norwegischen Dampfer drängte alles an Deck, und Frauen versuchten schreiend über Bord zu springen. Im Speisesaal erster Klasse, wo die Fahrgäste gerade das Mittagessen einnahmen, hat wenige Sekunden nach dem Zusammenstoß nur noch ein wirrer Haufen von zerbrochenen Möbeln, zersplittertem Glas, blutenden Menschen und Speiseresten am Boden gelegen. Ein Fahrgast wurde durch die große Glasscheibe in den Vorraum geschleudert. Von Furcht und Schmerz völlig verwirrt, haben die Menschen wieWahnsinnigege- schrien. Auch als der Dampfer schon am Kai anlegte, versuchten noch einzelne, sich über Bord zu werfen. Ein Student ist beim Zusammenstoß über Bord gefallen und ertrunken.
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Stabschef Röhm und General von Epp bei der Meeflotte.
In Königsberg i. Pr. trafen Stabschef Röhm und der Reichsstatthalter in Bayern, General Ritter von Epp, ein. Nach einer Begrüßung durch die Führer der ostpreußischen SA. und SS. begaben sich Röhm und Epp, in deren Begleitung sich u. a. die Obergruppenführer Krüger und Schreyer von der Obersten SA.-Führung befanden, nach Pillau. Dort schritten Stabschef Röhm und Reichsstatthalter von Epp die Front des Marinesturms ab und begaben sich dann an Bord des Kreuzers „Leipzig", der darauf ablegte. Gleichzeitig ging die Ostseeflotte in See.
Der Kurier der Freiheit.
Ein großer historischer Roman um Deutschlands Erhebung.
Bon Hans Vietzke.
Ueverall in deutschen Landen glimmt unter der Asche der Knechtschaft der ziiu- dende Funke der Erhebung, genährt von Vaterlandsliebe und Empörung gegen die Unterdrücker. Noch vermag die harte Franzosenfaust mit rücksichtsloser Grausamkeit das gärende Volk niederzuhalten.
Aber schon wird den besetzten Gebieten die alarmierende Kunde, daß der Tag der Freiheit nicht mehr fern sei. Ein todesmutiger preußischer Kurier ist unablässig auf der Reise, um den Patrioten die Nachricht zu bringen von der Sammlung aller guten Deutschen, und um das Feuer der Begeisterung zu schüren gegen die verhaßten Franzosen. Im Rahmen der großen Geschehnisse wird das Schicksal dieses geheimnisvollen Kuriers, das auf das innigste mit dem seines heißgeliebten Vaterlandes verbunden ist, mit hinreißender Begeisterung und atemraubender Spannung geschildert.
„Das Volk steht auf — der Sturm bricht los!"
Von diesem Dichterwort ist dieser nationale Roman beseelt, mit dessen Veröffentlichung wir heute beginnen. '
Mordanschlag aus GA -Truppsührer.
2 5 Kommunisten verhaftet.
In Wanne-Eickel wurde von bisher unbekannten Tätern aus einen SA. Truppsührcr ein Schuß aus einem Revolver abgegeben, der den Truppsührcr in den Oberschenkel traf. Der Verletzte, der sich in Begleitung von zwei SA.-Mânnern befand, schoß nach dem fliehenden Täter. Im Verlauf der sofort unbestellten Ermittlungen wurden bisher insgesamt 25 Mitglieder und Funktionäre der KPD. und ihrer Nebenorganisationcu in Schutzhaft genommen, die als Täter bzw. Mitwisser in Frage kommen. Die Verletzungen des SA.-Truppführers sind glücklicherweise nicht lebensgefährlich. Der Verwundete wurde dem Krankenhaus zugeführt.
Ein elftes Todesopfer des Solinger Lastautounglücks.
In Bochum'ist im Städtischen Krankenhaus der SA.-Reservemann Fritz Kann aus Bochum als elftes Todesopfer des Autounglücks bei Solingen gestorben. Ein weiterer Schwerverletzter befindet sich noch in Lebensgefahr.
Zusammenstoß auf der Elbe.
•Der auf der Unterelbe die Schiffahrt schwer behindernde Nebel hat einen größeren Schisfs- Zusammenstoß zur Folge gehabt. Auf der Höhe von Appensleht ist der fr a n z ö s i s ch e Dampfer „L o r i e n t" mit dem holländischen Dampfer „Colytto" schwer zusammengestoßen. Der Holländer erhielt ein großes Leck am Steuerbordbug, und der Franzose wurde ebenfalls erheblich beschädigt. Beide Schiffe mußten die Reise aufgeben und sind nach Hamburg zur Reparatur zurückgekehrt. Der ein- und ausgehende Schiffsverkehr wurde durch den Nebel stark behindert. Die Seebäderdampfer „Kaiser" und „Eobra" der Ham- burg-Amerika-Linie, die eine Fahrt nach Helgoland planten und einige hundert Berliner Fahrgäste an Bord hatten, sind auf der Unterelbe nur bis Kurhaven g e k o m m e n, wo sie ihre Fahrgäste an Land setzten.
Segeljacht auf die Mole geworfen.
Vor Pillau hat sich ein schweres Segelboot- unglück ereignet. Die mit vier Personen besetzte Segeljacht „Baldur" wurde, etwa 700 Meter vom Molenkopf entfernt, bei der Wendung auf die S ü d m o l e geworfen und völlig zertrümmert. Der Besitzer der Jacht, Kaufmann Riedel aus Königsberg, und zwei Damen ertranken. Der vierte Insasse, der Jungmann Harnack, konnte von einer Barkasse des vor Pillau liegenden Linienschifses „Hessen" gerettet werden.
Finnischer Segler gestrandet.
Das finnische Segelschiff „Aura" aus Helsing- sors ist an der K ü st e von Gotland g e st r a n d e t. Es hatte beim Sturm ein großes Leck erhalten und Ruderschaden erlitten. Die aus sechs Mann und einer Frau bestehende Besatzung hat sich trotz hoher See geweigert, das Schiff zu verlassen, das nicht versichert ist.
Frachtdampfer gesunken.
Der ungarische Frachtdampfer „Magyar" ist 70 Seemeilen von Leizoes an der portugiesischen Küste gesunken. Der englische Dampfer „British Hope" eilte dem Schiff zu Hilfe und rettete die gesamte Mannschaft. Der „Magyar" ist auseinandergebrochen.
Der deutsche Gruß bei der Polizei.
An Preußen nur noch deutscher Gruß.
Der preußische Ministerpräsident Göring hat in seiner Eigenschaft als Minister des Innern einen neuen Runderlaß, betreffend Grußbestimmungen für die Polizei, an , alle Polizeibehörden gerichtet. Danach haben künftig, abweichend von den bisherigen Bestimmungen, die Beamte« der Schutzpolizei, Landjäger ei und kommunalen Polizei auch mit Kopfbedeckung in und außer Dienst den deutschen Gruß anzuwenden.
Göring Mitglied des Großen Konvents der Arbeitsfront.
Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Staatsrat Dr. Ley, hat, wie der nationalsozialistische „Zeitungs- dlenst" meldet, den preußischen Ministerpräsidenten Her- mawn Göring, gebeten, in den Großen Konvent der Deutschen Arbeitsfront einzutreten. Ministerpräsident Göring hat dieser Bitte mit großer Freude entsprochen und dabei zum Ausdruck gebracht, daß er ihr besonders gern Nachkomme, weil er sich immer mit der deutschen Arbeiterschaft verbunden gefühlt habe.
Wieder aus Deutschlands Rücken?
Pariser „Abrüstungs"-Gesprâche zwischen England und Frankreich.
In Paris haben am Montag die englisch-französischen Sonderbesprechungen über die Abrüstungsfrage begonnen. Die französische Presse vermerkt dabei mit Unwillen, daß zu diesen Vorbesprechungen nicht der englische Ministerpräsident Macdonald herübergekommen sei, sondern nur seinen Unterstaatssekretär Eden geschickt habe, obwohl Frankreich diese Verhandlungen seit langem eingehend vorbereitet und der englischen Regierung u. a. auch
„eine Lifte sämtlicher Verletzungen des Versailler
Vertrages durch Deutschland"
zugeleitet habe; aber die englische Regierung „hat es nicht einmal für nötig befunden, darauf zu antworten".
Im übrigen gehen die Franzosen darauf aus, schon in Paris die Engländer aus die weitere gemeinsame Verschleppung der Abrüstungsverpflichtung festzulegen. Sie hoffen dabei die Engländer so weit cinmidcln zu können, daß man dann in Gens ein gemeinsames „festes Angebot" an Deutschland machen kann. Wie wir hier schon milteilten, gehen die französischen Pläne auf die erneute Verweigerung der praktischen Gleichberechtigung" und eine mindestens vierjährige Rüstungskontrolle vor allem für Deutschland aus. Daß auch dies nur wiederum ein neues Verschiebungsmanöver ist, geht daraus hervor, daß sogar der englische Korrespondent der „Times" in Paris seinem Blatt jetzt kabelt:
„Frankreich aber ist nicht bereit, ein Versprechen für eine Herabsetzung der Rüstungen zu geben, selbst wenn die Rüstungskontrolle vier Jahre lang wirksam arbeitet. Es verlangt jetzt eine sofortige vorläufige Untersuchung des deutschen Rüstungöstandes.".
Deutschland muß den neuen Abrüstungsbe- sprechungen selbstverständlich mit den a l l e r e rn st e st e n Erwartungen gegenüberstehen. Es ist sowohl in der Abrüstungs- wie in der Gleichberechtigungsfrage der Gläubiger der ausgerüsteten Militärmächte. Darum wird auch Reichsaußenminister von Neu rath den deutschen Standpunkt in der bevorstehenden Vollversammlung des Völkerbundes in Genf noch einmal mit aller Klarheit darstellen. Nach Pariser Meldungen will sich der französische Ministerpräsident Daladier selbst nach Genf begeben und dem Reichsaußenminister bei seinen Ausführungen entgegentreten. Frankreich wird vor aller Welt bekennen müssen, ob es sich nun auf den Boden des Macdonaldschen Abrüstungsplanes stellen will oder nicht, der bekanntlich von Deutschland trotz mancher Bedenken als Verhandlungsgrundlage angenommen worden ist. Es wird nun an Frankreich sein, endlich einmal ein ähnlich weitgehendes Entgegenkommen zu zeigen.