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Nr. 217 — 1933
Fulda, Samstag, 16. September
10. Jahrgang
s
Der Staatsrat im neuen Reich.
Preußens Ehrentag.
In der Reichshauptstadt fand am Freitagvormittag unter großen Feierlichkeiten in der neuen Aula der Universität die Vereidigung des von dem Ministerpräsidenten Göring gebildeten Preußischen Staatsrates statt, der ms dem Kaiser-Franz-Joseph-Platz die Fahnenweihe für Sic Schutzpolizei voranging.
Nach einer stürmischen, regnerischen Nacht erwachte Berlin in einem sonnenüberstrahlten Herbstmorgen und fand sich aufs schönste geschmückt mit Fahnen, Girlanden vvS Blumengewinden. Eine besondere Note hatte die Ausschmückung Berlins besonders in der Wilhelmstratze, m Brandenburger Tor, Unter den Linden und auf dem ganzen Kaiser-Franz-Joseph-Platz diesmal dadurch er- bLÜen, daß die schwarz-weißen Preußen- sahnen stärker hervortraten.
Bon frühen Morgen an drängte sich die Menge in den Straßen, durch die der feierliche Zug der Preußenregie- liing führen sollte. Schon die
Flaggenparade der Schutzpolizei
ior dem preußischen Innenministerium Unter den Linden gab dem bedeutungsvollen Tag eine betonte Einleitung.
Im Laufe des Vormittags mal schierten dann die für die Spalierbildung vorgesehenen Formationen der SA. mit ihren Musikkapellen und Fahnen in der Feststraße aus; man sah auch die Berliner Blutfahnen, auf denen die Namen der für das neue Deutschland in Berlin gesattelten SA.-Männer zu lesen sind.
Kurz nach 10 Uhr bietet die breite Ehrenstraße Unter den Linden ein festliches, farbenfrohes Bild. Rings um das riesige Viereck des Karser-Franz-Joseph-Platzes sind zahlreiche Polizei- und andere Formationen aufmar- iâint. Man sieht da in Schwarz die Stabswache des .Mslanzlers, in Braun die Stabswache des preußischen Misierpräsiderrten. in Hellem Graugrün die Polizeiabteilung z. b. V., unter ihrem eben erst zum Oberst desörderten Kommandeur Wecke, weiter zahlreiche Abteilungen der blauen Schutzpolizei. Matt schimmern schwärzliche und feldgraue Stahlhelme, Bajonette funkeln.
Der Aufmarsch ist beendet. Jetzt stellen sich in der Mitte des weiten Platzes mit der Front zum Aulagebäude und der davorstehenden Rednertribüne
die sieben neuen Fahnen der Schutzpolizei uns; sie zeigen auf grünem Grund ein schwarzgerändertes weißes Hakenkreuz und den Preußenadler. Inmitten dieser Polizeifahnen steht die berühmte München-r Bluisa h n e v o n l 9 2 3.
Ringsum auf dem weiten Platz sind die Fenster, die Tücher dicht mit Menschen besetzt.
Die Auffahrt der Staatsräte beginnt.
Als einer der ersten trifft der greise Generalfeldmarschall »on Mackensen in großer Uniform ein. Herzlich bkglüßt er unter den vor dem Portal des Anlagebäudes schon versammelten Staatsräten die ihm bekannten Herren, unter ihnen auch den vor wenigen Tagen zum Gruppenführer der SA. ernannten Prinzen A u g n st W i l h e l m. ^n der Gruppe tritt Admiral v o n T r o t h a, ebenfalls in Uniform. Man sieht ferner General L, tz - "'n n it, Bischof B erning von Osnabrück int rotseidenen Mantel und den preußischen Landesbischof Müller. Jetzt erschallen von den Linden her Heilrnfe und Musik. Der Rug des Ministerpräsidenten naht, von der Bevölkerung stürmisch begrüßt: voran eine Abteilung berittener Schutzpolizei, dann im ersten Wagen Ministerpräsident Göring in brauner Uniform mit dem Stabs- Ms der SA., Staatsrat Röhm, im zweiten Wagen Staatssekretär Körner mit dem.Reichsführer der SS., Himmler; hinter diesen beiden Wagen eine Abteilung veilttencr SA.: dann folgen in weiteren fünf Wagen tätliche preußischen Staatsministcr und Staatssekretäre.
Wahrend sich die Minister und Staatssekretäre zu den T dem Portal des Anlagebäudes wartenden Staats- begeben, verläßt Ministerpräsident Göring seinen Rauschend und schmetternd setzt, von allen Musik- '«Men zugleich gespielt, der altpreußische
Präsenticrmarsch
B. Unter seinen Klängen schreitet Ministerpräsident Ming in Begleitung des Stabschefs Röhm, des Reichs- Nihrers der SS., Himmler, des Staatssekretärs Körner, 2s uenernannten Polizeigenerals Daluege und Oberer hoher Polizei- und Reichswehroffiziere die Front im weiten Viereck ausgestellten Polizeiformationen ab. M begibt sich der Ministerpräsident mit seinem Gefolge in der Mitte des Platzes ausgestellten Polrzei- Ä sie senken sich vor ihm und er nagelt sie mit den „Der Mann kann fallen, die nie!“
*iw Weiherede an die Polizeisahne.
Taun hält Ministerpräsident Göring vom Redner- ®»Ä ^ Ansprache an die Schutzpolizeiabtellungen. des einleitend auf die hohe Bedeutung der Eröffnung u^isrates hin und führte u. a. aus:
^ie Wichtigkeit dieses Aktes besonders hervor- vreuk, !l^be ich befohlen, daß die neuen Anwärter der Schutzpolizei hier vereidigt und daß in erster neuen Fehnen, die ich der Schptzvdlizei ver- h^te aeweiht werden. .
Als der Krieg' zu Ende war, brach in Deutschland alles zusammen, was uns einst heilig und wert war. Danken wir es dem Schicksal, daß über dem Deutschland der Schmach und der Schande auch das eigene Symbol der Schande wehte und daß es ihm versagt blieb, die ruhmreichen Fahnen zu beschmutzen. Die Fahnen und Feldzeichen des Ruhmes wurden damals in
Kranzniederlegung am Denturai Friedrichs des Großen beim Staatsakt.
Im Rahmen deS feierlichen Sluutsalies zur Slaarsrats- eroffnung legte Ministerpräsident Göring diesen riesigen Lorbeerkranz am Denkmal des Großen Königs Unter den Linden nieder. Neben Ministerpräsident Göring Stabschef Röhm — hinter ihm steht man die neue Staatsstandarte.
verstaubte Räume gestellt. Das war gut so; sie waren nicht zu Hause in dem damaligen -Deutschland.
Wenn unser einziger Führer in Nürnberg auf dem Parteitag sagen konnte: „Die Schmach ist gelöscht:", dann wiederhöle ich in seinem Auftrage heute auch für eudr m der preußischen Schutzpolizei „Die Schmach ist gelöscht! , und zum äußeren Zeichen, daß ein neuer Geist entstanden ist, verleihe ich euch jetzt wieder Feldzeichen und Fahnen in euren Farben, im Grün der Schutzpolizei, im Symbol aber der alten ruhmgekröntcn preußischen Standarte. Mitten hinein pflanzen wir zwei Symbole, den siegreichen preußischen Adler, der immer zur Ehre cmpor- qcstiegen war, den Adler des einzigen Königs, und das Zeichen der siegreichen Fahne der deutschen Revolution der Ehre, das Hakenkreuz. Seid immer eingedenk, bat? ihr in einer großen Zeit, an einem großen Tage preußisch- deutscher Geschichte in die Front der Schutzpolizei em- gereiht worden seid! Das muß auch eurem Eide tue be- sondere Bedeutung beilegen. Ihr seid glücklich, daß ihr auf solchem Platz und angesichts dieser Zeichen vereidigt werdet! ~ ■
Ich werde die Fahnen jetzt weihen mit dem Zeichen, das einstmals vor zehn Jahren den Kämpfern um die deutsche Ehre voranwehte. Eine Fahne, ein Feldzeichen, das ._
mit dieser Blutsahne geweiht
ist, hat dadurch die feierlichste Verpflichtung übernommen. Der Ministerpräsident schloß mit einem: „Vorwärts und Gott befohlen!"
Nach der Ansprache schreitet Göring wieder auf die Polizeisahnen zu und vollzieht nun ihre Weihe, indem er sie nacheinander
mit der Münchener Blutfahne berührt.
Wieder braust der Präsentiermarsch über den Platz, wieder präsentieren die Polizciformationen, die neugewerhten Fahnen marschieren zu ihren Abteilungen.
Unter Führung des Ministerpräsidenten begeben sich nun die Mitglieder des Preußischen Staatsrates in das Aulagebäude hinein; sie geleiten zugleich die Münchener Blutfahne in den Festsaal. Dann klingt aus den Lautsprechern die Stimme Görings über den Platz, klar und fest — oben in der Aula hat der Staatsakt begonnen. Bald fallen
die Glocken von Berlin fin. Nach der Rede erklingen das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied, die von den vielen Tausenden auf dem Platz mit erhobenem Arm mitgesunge» werben. Dann ertönt aus den Lautsprechern das Niederländische Dank- gebet, die feierliche Vereidigung der Staatsräte ist zu Ende. v ...
Und wieder schmettern die Kapellen den Prazeutler- marsch: unter dem Portal des Aulagebäudes erscheint die Standarte des preußischen Ministerpräsidenten, dann Göring selbst, hinter ihm wird ein riesiger Lorbeer k r a n z mit zwei großen Schleifen getragen, dann folgen die Staatsräte. In geschlossenem Zuge geht cs zum Denkmal Friedrichs des Großen,
an dem eins Ehrenwache aus Offizieren der Schutz- volirei steht. Der Lorbeerkran » wird am DenMa! des
großen Proußenkönigs niedergelegt. Dann begeben sich Ministerpräsident Göring, Stabschef Röhm und der Reichsführer der SS., Himmler, zu einem erhöhten Platz in der Mitte der breiten Straße, Kommandos erschallen, die Musik setzt ein und die Formationen der Schutzpolizei ziehen im Parademarsch an Ministerpräsident Göring vorüber.
Nach dem Vorbeimarsch begab sich der Ministerpräsident mit seiner Begleitung, immer wieder von den Menschenmassen begeistert begrüßt, ins Staatsministerium zurück.
Die feierliche Eröffnung des Giaaisrates.
In der mit Blumen und Grün reich dekorierten Vorst a l l e d e r N e u e n A u l a und auf der zum Festsaal führenden Treppe standen die Fachschaften der einzelnen preußischen Ministerien und Behörden sowie Kommandos der Schutzpolizei im Tschako, und Abordnungen der Hitlerjugend, alle mit ihren Fahnen. Der F e st s a a l bot ein farbenprächtiges Bild. Neben dem bekannten großen Wandgemälde von Professor Kampf „Fichtes Reden an die deutsche Nation", das fast die ganze Längsseite des Saales einnimmt, hatten eine riesige Hakenkreuzfahne und preußische Fahnen Platz gefunden. Unter dem Gemälde standen eine Anzahl Lorbeerbäume, au der Längswand unterhalb des Bildes die 2 7 B l u t f a h n e n und 1 2 Standarten der Berlin-Brandenburger SA., fünf Blutfahneu der Hitlerjugend und in der Mitte eine dreiköpfige Abordnung der Schutzpolizei z. b. V., Oberst Wecke, mit dem ihr kürzlich vom Ministerpräsidenten verliehenen Panner, das den neuen preußischen Adler zeigt. Dic drei Emporen waren mit Fahnentuch ausgefonagen und mit reichem Blumenschmuck versehen. Vor dem Wandgemälde hatte das Rednerpult seinen Platz. Von der Kuppel hingen lange schwarz-weiß-rote und Hakenkreuzfahnen in den Saal hinab.
In feierlichem Zuge betrat Ministerpräsident Göring mit den Staatsrätèn den Saal. Die Ehrengäste erhoben sich von den Plätzen, Fanfaren ertönten. An der Spitze schritt Ministerpräsident Göring in der braunen SA.-Uniform. Ihm folgten die Staatsministcr und Staatssekretäre, dann die dreiz'hn Staatsräte kraft Amtes, dann die fechsundfünszig ernannten Staatsräte, geführt von Stabschef R ö h m und SS.-Reichsführer Himmler. Als nächste folgten die verdienstvollen Heer- führet des Weltkrieges, Gcncralfcldmarschall v o n Mackensen in Husaren-Uniform, General der In- fanteric Litzmann in schwarzem Gehrock und Admiral von Trotha in der Marincunlform, die übrigen Staatsräte in der alphabetischen R-lhcnsolgc chres Namens. Die Mehrzahl der Staatsräte trug bic Uniform der SA. und SS.
Ministerpräsident Göring nahm auf einem gegenüber dem Rednerpult ausgestellten alleinstehenden Sessel Platz, mit dem Gesicht den Fahnen und Standarten zugewandt. Hinter dem Ministerpräsidenten standen drei Mann der Stabswache mit der M u n ch e - u e r Blutfahne. Auf den rotgepolsterten nesteln in der Mitte des Saales nahmen die Staatsräte Platz.
Zur Einleitung der Feier spielte das Staatsoperu- orchester unter Leitung des Staatskapellmeisters Prof. Heger die Ouvertüre aus der Orchestersuite m V-Dur von Johann Sebastian Bach. .
Dann erhob sich der Mimsterpra,ldent und iwritt zum Rednerpult. Die Münchener Blutfahne wirrdc ihm nadtgetragen.
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Das Treutgelöbnis an Sen Führer.
Bor Beginn der Feierlichkeiten zur Eröffnung des Prcußifchcu Staatsrates ist der preußische Ministerpräsident vom Führer in der Reichskanzlei empfangen ivordcn und hat diese Gelegenheit benutzt, ein Trcuegelöbnis zum Führer abzulege». . v ,
Im Rahmen seiner großen Rede in der ^estaula gab der Ministerpräsident bem Preußischen Staatsrat von diesen, Treuegelöbnis Kenntnis. Er bat hierbei der Entschlossenheit Preußens, bem Führer u n b bem Dritten Reich z u dienen, feierlidjen Ausdruck ge» geben Der Ministerpräsident betonte besonders, daß die Einrichtung und die Arbeit des neuen Preußischen Staatsrates auch bem Reiche dienen sollen.
Damit hat er den Grundsatz unterstrichen, den der Führer auf dem Reichspartcitag in Nürnberg über bic Vollendung der inneren Einheit des Deutschen Reiches ausgesprochen hat, wonach das Reich nur noch auf ber Gesamtheit der Deutschen und auf der nationalsozialistischen Bewegung beruht.
Französisches Luftgcschwadcr in Moskau.
Moskau. Unter Führung des französischen Luftfahrt- ministers Pierre Cot landete auf dem Moskauer Flugplatz ein Pariser Fluggeschwader. In der französischen Botschaft fand »in großer Empfang statt, an dem Vertreter der fotmefrv’nWn Regierung und der Armee teèlnaHmen.