bald sie als Betrüger entlarvt sind. Es muß gelingen, daß Wohlfahrtsamtes, sondern alle ehrlichen Volksgenossen nur an wirklich unterstützungsbedürftige Personen öffent- müssen durch Angaben, für die sie mit ihrem Namen ge- Uche Mittel ausgczahlt werden. Dazu genügen aber trotz rade stehen können, mithelsen, die Not dort zu lindern, aller Versicherungsmaßregeln nicht die Einrichtung des wo es wirklich not tut.
Eine Bildungsstätte des Nationalsozialismus.
Einweihung der nationalsozialistischen Amtswalterschule III des Gaues Kurhessen in Weyhers.
△ Weyhers, 11. September.
Der gestrige Sonntag war für das idyllisch inmitten der Rhönberge gelegene Dörfchen Weyhers ein Ehrentag erster Ordnung. Das seit einiger Zeit leerstehende Gebäude des früheren Amtsgerichts Weyhers wurde vom Gau Kurhessen in der NSDAP, dazu ausersehen, eine Stätte der Pflege und der Vertiefung nationalsozialistischen Ideengut zu werden. Der Gau errichtete in dein Gebäude eine Amtswalterschule, die gestern ihrer Bestimmung übergeben wurde.
Aus diesem Anlaß trug das Dorf prächtigen Flaggen- und Girlandenschmuck. Zahlreiche Festteilnehmer' aus Fulda und der Umgebung, SA. und SS. brachten in die Straßen, die sonst bei der Abgeschiedenheit dieses Rhöndorfes von den großen Adern Les hastenden Verkehrs fast vereinsamt sind, große Belebung. Was Wunder, daß dieser Einweihungsakt so viele Gäste anlockte, hatte uns doch der Wettergott einen Herbsttag beschieden, wie man ihn sich nicht schöner denken kann. ' Co konnte man mit der Fahrt nach Weyhers einen Ausflug in die Rhön verbinden, der in vieler Hinsicht lohnend war.
Nach einer Besichtigung der in Reih und Glied ange- tretenen SA. durch Brigadeführer Schmidt-Hanau und Standartenführer Wenig, schritt Gauleiter und Staatsrat Weinrich unter den Klängen des Präsentiermarsches die Front der CA. und SS. ab.
Eauschulungsleiter Neuburg eröffnete sodann vom Balkon der Amtswalterschule aus gegen 5 Uhr den Festakt, indem er Gauleiter und Staatsrat Weinrich-Kassel, Landrat Dr. Burkhardt-Fulda, Brigadeführer Schmidt- Hanau und Standartenführer Wenig begrüßte.
Sodann ergriff Landrat Dr. Burkhardt das Wort, um der (Bauleitung zu danken, daß sie in unseren Kreis eine Bildungsstätte des Nationalsozialismus .gelegt hat. Wir versprechen Ihnen, so fuhr Landrat Dr. Burkhardt fort, dafür zu sorgen und daran mitzuarbeiten, daß das Wort Hitlers, das nationalsozialistische Ideengut müsse Gemeingut des Volkes werden, wahr wird.
Gauleiter und Staatsrat Weinrich
erinnerte in seiner Ansprache an den großen Reichsparteitag der NSDAP, in Nürnberg, aus den die ganze Welt mit Interesie blickte und zu dem die ganze Welt ihre Vertreter entsandt hatte, um sich davon zu überzeugen, daß der Nationalsozialismus wirklich in der Weise Fuß gefaßt hat, daß das Wort von der nationalsozialistischen Totalität voll berechigt ist. Heute hat Adolf Hitler und somit der Nationalsozialismus die Macht in den Händen, wie noch nie ein Staatsmann zuvor. Noch vor einem Jahr wurden die Nationalsozialisten bekämpft und gehaßt. Umso mehr ist es deshalb zu begrüßen, daß uns heute das ganze Volk gehört, weil es erkannt hat, daß wir ihm helfen und es einer besseren Zukunft entgegenführen wollen. Wir leben in einer Zeit, die die größte in der Geschichte des deutschen Volkes ist. Nach 14 Jahren Parteienherrschaft ist es Adolf Hitler gelungen, das deutsche Volk zu einen und seine Geschicke in die Hand zu nehmen. Er ist der Staatsmann, der von seinem Volke geliebt wird wie kein anderer vor ihm. Gott hat uns in ihm einen Mann geschenkt, der uns frei machte von den Fesieln der Parteienherrschaft und der Uneinigkeit, der dem Auslande bewies, daß er und mit ihm das deutsche Volk den Frieden will, daß er aber auch ein freies Deutschland fordert. Wir haben die Pflicht unserer Nachkommenschaft gegenüber, Hitler in seinem großen Wollen zu unterstützen und an seinem großen Werk mitzuhelfen.
Der Nationalsozialismus, der Träger des dritten Reiches, wird seine Führer in der Weise schulen, daß sie in der Lage sind, das nationalsozialistische Ideengut im Volke zu vertiefen und fest zu verankern. Jeder Amtswalter ist herausgestellt worden im Interesse des Volkes, dem er ein Vorbild sein soll. Unsere Führerschaft hat die Aufgabe, im deutschen Volk wieder deutschen Geist und deutsche Sitten zur Geltung kommen zu lassen, damit unser Führer weiß, daß das Volk in Einigkeit hinter im steht, wenn es gilt, große Entscheidungen zu treffen. Wir wol- sen, so fuhr der Redner fort, dem Volke dienen, gebt uns Euer Vertrauen, damit wir arbeiten können zum Wohle des gesamten Volkes, damit wir frei werden durch unseren Führer. Ihm gilt unser dreifaches „Sieg-Heil"!
Unter den Klängen des Deutschlandliedes und bei erhobenen Händen der Festteilnehmer stieg eine große Hakenkreuzflagge vor der Amtswalterschule auf. Hierauf übergab Gauleiter Weinrich die Schule an Eauschul-
leiter Neuburg- Kassel mit der Hoffnung, daß aus dieser Schule der Geist erwachsen möge, wie ihn die Führer wünschen.
Gauschulleiter Neuburg betonte sodann, daß der Parteitag in Nürnberg u. a. den Eindruck vermittelt habe, daß der Nationalsozialismus nicht eine Erscheinung ist. die sich nur auf die Politik be- schränkt, sondern die auf allen Gebieten des Lebens den Totalitätsanspruch erhebt. Die Schule soll ein lebendiges Zeugnis dafür sein, daß der Nationalsozialismus einen Zeitenwandel herbeigcführt hat und ein neues Volk erstehen läßt. Der Redner dankte allen Volksgenosien, die mitgeholfen haben, die Schule einzurichten' Besonderen Dank sagte er dem Herr Bürgermeister von Weyhers, der Frauenschaft und den Handwerkern, die tatkräftige Hilfe leisteten. Alle brachten sie Opfer und zwar nicht für die Partei, sondern für Deutschland. Wir Amtswalter, so betonte der Redner weiter, wollen einen Block bilden, auf den sich unser Gauleiter und unser Führer verlassen können. Gau- schulleiter Neuburg schloß seine Ansprache mit einem dreifachen „Sieg Heil" auf unser heutiges Volk und Vaterland, worauf die Feier mit dem gemeinsamen Gesang des Horst Wesiel-Liedes beendet wurde.
Ein Rundgang durch die Räume
der Amiswalterschule, deren Besichtigung freigegeben war, bewies, daß mit einfachsten Mitteln für die Amtswalter, die hier in ^tägigen Kursen ausgebildet werden, eine anheimelnde Unterrichtsstätte geschaffen wurde. In den unteren Räumen und zum Teil auch noch im Obergeschoß befinden sich 53 einfache Betten, von denen im ersten Kursus 50 belegt werden. Die übrigen Räume im oberen Geschoß umfassen neben dem Schulsaal u. a. ein Vera- tungszimmer, so wie das Zimmer des Schulleiters Kircher- Hünfeld. Das frühere Gefängnis enthält Küche und Speisesaal, sowie in einem Nebengebäude Wasch- räUme. Der erste Kursus beginnt am heutigen Montag. Wie bereits erwähnt, nehmen daran 50 Amtswalter teil, von denen zwei aus der Ortsgruppe Fulda entsandt wurden.
Aus Hessen und MAbaraebieten.
Merkblatt für den 12. September.
1819: gestorben der Feldmarschall Leberecht von Blücher in Kriehlowitz (geb. 1742). — 1829: geboren der Maler Anselm Feuerbach in Speyer (gest. 1880). — 1836: gestorben der Dramatiker Christian Dietrich Grabbe in Detmold (geb. 1801). — 1852: geboren der englische Staatsmann Herbert Henry Asquith in Morley (gest. 1928).
Ob du dich selber erkennst? Du tust es sicher, sobald du — Mehr Gebrechen an dir als an den andern entdeckst.
Hebbel.
Wetterbericht.
(Nachdruck nur mit Genehmigung der Oeffentlichen Wetterdienststelle Frankfurt gestattet.)
Das mächtige Hochdruckgebiet verlagert sich jetzt mehr nach Osten hin, so daß die östliche Luftzufuhr in mehr südöstliche bis südliche übergehen wird. Bei anhaltend trockenem und heiterem Wetter werden die Tagestemperaturen weiter ansteigen. — Vorhersage bis Montag abend: Fortdauer des fetteren Wetters, bei östlichen bis südöstlichen Winden Temperaturen allmählich mehr ansteigend. — Witterungsaussichten für Dienstag: Noch keine wesentliche Aenderung.
- Fulda, den 11. September 1933.
Ein neuer Schwindlertrick.
Im Laufe der vergangenen Woche erschien in einem hiesigen Schreibwarengeschäft ein bessergekleideter Mann, der sich Dr. Georg Borat nannte und angab, hier in Fulda zu wohnen. Er besah sich mehrere Schreibmaschinen und bat schließlich um Zusendung je einer Continental- und Royal- Kleinschreibmaschine zwecks Ausprobierung. Die beiden Schreibmaschinen wurden in der angegebenen Wohnung abgegeben. Einige Tage später mußte der Geschäftsmann feststellen, daß der „Käufer" von hier verschwunden war unter Mitnahme der beiden Schreibmaschinen. Offenbar handelt es sich um einen reisenden Schwindler, der sich möglicherweise auch eines ihm nicht zukommenden Namens bediente. Der Schwindler hatte hier für einige Tage ein möbiliertes Zimmer gemietet. Eine der erschwindelten Schreibmaschi
nen konnte bei einem hiesigen Althändler ermittelt
wo sie der Betrüger für 25 RM in Pfand gegeben W’ Er ist etwa 34 Jahre alt, etwa 1,80 m groß mit sckww, ' blassem Gesicht, trug dunkelbraunen Rock, hellgraue Breeck^ Hose, hellgraue Strümpfe und braune Schuhe. Sachdienu^ Angaben erbittet die hiesige Kriminalpolizei. Es wollet insbesondere auch der Fuldaer Herr melden, der bei mietung des möbilierten Zimmers in Begleitung des u bekannten gewesen ist. Ein Sohn dieses Herrn hat angeblichen Dr. Borat am nächsten Tage ein Paket ühp bracht. Anscheinend ist auch er ein Opfer des Sch windig geworden. 15
Sonntagsrückfahrkarten aus besonderem Anlaß.
Zu der vom 9. bis 27. September d. Js. in Karlsrubp stattfindenden Erenzlandmesse werden von den Bahnhof«, im Umkreis von 300 km um Karlsruhe Sonntagsriickfah, karten nach Karlsruhe mit folgender Geltungsdauer aus gegeben: zur Hinfahrt an den Samstagen von 0 Uhr hi= Sonntag 24 Uhr; zur Rückfahrt vom Samstag bis Mom^ 24 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt). Entfernn^ Fulda—Karlsruhe 257 km.
* Ticfengruben (Kr. Fulda), 11. Sept. (Der rote H a h n.) Am gestrigen Morgen wurde die feierliche Sonu- tagsstille durch grelle Feuersignale unterbrochen. Scheuer des East- und Landwirts Vogel in liefengruben stand in hellen Flammen. Die sofort heranrückenden Feuerwehren von Tiefengruben und Umgebung konnten das Feuer nicht mehr eindämmen und die Scheune brannte bis auf die Grundmauern nieder. Da vor kurzem erst die Wirtschaftsräume und ein Teil der Scheuer in Flammen aufgegangen waren und die Brandursache nicht geklärt werden konnte, wurde der Besitzer vorläufig in Schutzhaft ne- nommen.
Alsfeld, 8. Sept. (Auf der Flucht vor dem Staub tödlich verunglückt.) In der Nähe des Dorfes Münch-Leusel wurde gestern nachmittag die 58 Jahre alte Landwirtsfrau Frieser aus Holzburg (Kreis Ziegenhain) von einem Postauto angefahren und so schwer verletzt, daß sie auf dem Transport mit diesem Auto nach dem Alsfelder Krankenhaus bereits verstarb. Die Frau befand sich mit ihrer Tochter auf dem Heimwege vom Alsfelder Krankenhaus, wo ihr Mann zur Zeit als Patient weilt. Als die beiden Frauen die Annäherung des Postautos bemerkten, wollten sie den Staubwolken ausweichen und sprangen zu diesem Zweck.kurz vor dem Auto über die Landstraße nach der anderen Seite. Die Tochter hatte damit Erfolg, dagegen zauderte die Mutter erst etwas und lief dann so dicht vor dem Auto über die Straße, daß der Wagenführer bei der außerordentlich kurzen Entfernung und dem starken Gefälle der Landstraße das Auto nichi mehr rechtzeitig zum Stehen bringen konnte.
Kassel, 8. Sept. (VorSchreck die Sprache verloren.) Ein 19jähriges Mädchen befuhr mit seinem Fahrrad die Schönfelder Straße, als plötzlich aus einer Eroßgarage ein Kraftwagen gefahren kam. Sie erschrak so heftig, daß sie mit ihrem Rad zu Fall kam, wobei sie allerdings nur geringe Verletzungen erlitt, doch wirkte der Schrecken auf das Nervensystem so stark, daß sie die Sprache verlor.
Marburg, 8. Sept. (Auf der Pilgerfahrt nach Trier von einer Lokomotive erfaßt.) Der 77- jährige Landwirt Bieker aus Bauerbach bei Marburg wollte sich gestern vom hiesigen Hauptbahnhof aus nach Trier begeben. Nachdem er bereits im Zuge Platz genommen hatte, verließ er noch einmal das Abteil, um anscheinend auszutreten. Er wollte ein Gleis überschreiten, als auf diesem ein Personenzug heranbrauste. Der alte Mann wurde von der Lokomotive erfaßt und zur Seite geschleudert, wobei er schwere Verletzungen davontrug. In der Klinik, wohin man ihn verbrachte, mutzte ihm ein Bein amputiert werden.
Gießen, 8. Sept. (Tod an der Starkstromlei- t u n g.) Bei Arbeiten an der Elektrizitätsleitung in dem Kreisorte Treis a. d. Lumda kam gestern nachmittag der Elektromonteur Klöß aus Gießen der Starkstromleitung zu nahe, so daß er vom Strom getroffen und auf der Stelle getötet wurde.
Gießen, 9. Sept. (Der Direktor der Gießener Universitätsbibliothek gestorben.) Der Direktor der Gießener Universitätsbibliothek Prof. Dr. Ebel ist in Bad-Nauheim, wo er seinen Urlaub verbrachte, im Alter von nahezu 65 Jahren plötzlich verstorben. Direktor Prof. Dr. Ebel stand, nachdem er schon viele Jahre vorher in der Gießener Universitätsbibliothek mitgearbeitet hatte, seit 1921 an der Spitze dieses Universitätsinstitutes. Auf dem Gebiete der hessischen Heimatforschung hat er sich einen geachteten Namen erworben. Er war auch lange Jahre Stadtverordneter seiner Vaterstadt Gießen.
Frankurt a. M., 8. Sept. (Professor Dr. Grote geht nach Zwickau.) Der Leiter der weltberühmten C. von Noordenschen Klinik in Frankfurt a. M., Professor Dr. Grote, ist von der sächsischen Regierung mit der Leitung der Medizinischen Klinik des Krankenstifts in Zwickau betraut worden.
Gestorben:
Reichsbahnoberschaffner i. R. Philipp Narbe, Am Bahnhof 20, 77 Jahre alt. — Beerdigung: Montag nachmittag 4 Uhr auf dem neuen städtischen Friedhof.
Metzgermeister Konrad Staubach, Fulda, Blücherstraße 10, 77 Jahre alt. — Beerdigung: Mittwoch nachmittag 4 Uhr auf dem dompfarrl. Friedhof am Frauenberg.
Handelsregistereintragungen.
Fulda, den 4. September 1933: In unser Handelsregister A sind folgende Firmen neu eingetragen worden: unter Nr. 595 Karl Wiegand. Inhaber ist der Kaufmann Karl Wiegand in Fulda. Der Ehefrau Anna Wiegand geb. Hartmann in Fulda ist Prokura erteilt, unter Nr. 596: Wilhelm Schmitt. Inhaber ist der Kaufmann Wilhelm Schmitt in Fulda. Gegenstand des Unternehmens ist der Großhandel mit Wasch-Putz- und Toilettenartikcln sowie technischen Oelen und Fetten. Geschäftsräume: Schulstratze 10.
. Fulda, den 7. September 1933: Firma M. Becker u. Co., Fulda — H.R.A. 205 —: Der Ehefrau Paula Kohn geb. Becker in Fulda ist Prokura erteilt.
Amtsgericht, Abteilung 5.
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