Bildetet Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal -Zulöaer Kreisblatt
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Ar. 209 — 1933
Fulda, Donnerstag, 7. September
10. Jahrgang
der Kampf für Veulschlandz Leben.
„Sieg oder Tod!"
Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda richtet an alle Organisationen, Verbände nid Vereine im Deutschen Reich folgenden Aufruf:
Einer der grundlegend wichtigsten Programmpunkte der nationalsozialistischen Bewegung war von jeher -orchdringung des politischen und wirtschaftlichen Lebens w e r b b i o l o g i s ch e n Gedanken. Nach der Macht- Weisung ist es mithin selbstverständliche Pflicht der Monalen Regierung, dieser programmatischen Forde- ktig der Kampfjahre zum Durchbruch und Sieg zu ver- Mfen. Das ganze staatliche und völkische Leben wird in Zukunft durch stärkste Einwirkung bevölkerungspolitischer Ad erbbiologischer Gedanken beeinflußt und gestaltet Serben. . t
Erbbiologisches Denken weist über den Kreis des Mzelindividuums und seiner Enge hinaus in die Zeiten von Generationen, von Jahrhunderten mb Jahrtausenden. Es ist klein und erbärmlich, die «ne, winzig kleine und bedeutungslose Person, das iigene Wohlergehen in Gegensatz zu stellen gegen das 'eben und d i e En t w i ckl u n g der Nation.
Denn bei aller Zuversicht zu dem gesunden Kern im mischen Menschen und in der deutschen Seele wollen im uns der bitteren Erkenntnis nicht verschließen, baff L um Sein oder Nichtsein, um Leben oder Sterben des mischen Volkes geht.
Darum muß das gum selbstverständlichen Allgemein- W des ganzen Volkes werden, was jetzt schon die Wissen- m und Denkenden längst kennen und fühlen. Die ein- tchsten Grundlagen erbbiologischen Denkens müssen eben» dem Bewußtsein jedes einzelnen eingehämmert werden, lie die statistischen und volkswirtschaftlichen Tatsachen ganze Volk erfassen und erschüttern müssen. Dazu ist Ise großangelegte Aufklärungsaktion mig, die nicht nur in der täglichen geistigen Nahrung der hgeëpreffe, des Rundfunkprogramms und der Zeit- iiiftenlektüre gelegentlich mit dahinplätschert, sondern he wie eine Sturmwelle das Land durchzieht, aufrüttelt pb wach macht.
Zwei Forderungen richten wir an alle die bièlen Organisationen, Verbände und Vereine, in denen ich der deutsche Mensch freiwillig organisiert, einordnet Ad zusammenfindet. Hier zahlt er freiwillig in Form seiner Beiträge nicht unerhebliche Summen an indirekten kentern. Bevölkerungspolitisches Denken verlangt Scn- luitg aller Lasten für die Väter und Mütter von Kindern.
Die deutschen Vereine jeder Art und Prägung sollen Arangehen mit einer Entlastung ihrer kinderreichen Mit- Beder durch prozentuale Senkung der Beiträge!
Außer dieser Maßnahme in ihrem Eigenleben werden Rr auch alle Verbände und Vereine aufgefordert, praktische Mitarbeit zu leisten bei der großen Auf- ilmmgs- und Propagandaaktion, die das erbbiologische Denken in die Gehirne und Herzen aller Deutschen hincin- 'ragen soll.
Jeder Vorstand muss es als Ehrenpflicht anseheu, mit M Aufklärungsmaterial, das offiziell herausgegcbe» "ird, jedes Mitglied der ihm unterstellten Organisation verfassen.
. Der gemeinsame Bezug in Sammelbestellungen muß '"igerichtig und zielbewußt organisiert werden. Anmel- langen des Bedarfs sind örtlich an die zuständige Ortsgruppe der NSDAP, zu richten, die die Bestellungen
Die Banken im neuen Staat.
Nie Neugestaltung des Bankwesens.
. Der für die Durchführung der Banke, iquete gebildete Mrsuchungsansschuß tagte erstmals unter Vorsitz des Rcrchs- l ^Präsidenten Dr. Schacht. Dr. Schacht ging in seiner «spräche von der Tatsache aus, daß das deutsche Bankwesen >Ach den Krieg und seine Fotgeerscheimingen eine schwere Be- Wrächtigung erfahren hat und daß dieses Bankwesen gegen
den Problemen, vor die uns die wirtschaftliche und Wonalc Umwälzung gestellt hat, in seiner gegenwärtigen Gc- Mung nicht zureicht. _
L Die Banken sind nicht Geldschöpser, sondern Geldver- 01 ter. Geldschöpfer ist allein der Staat durch seine Wah- >spolitik, für die eigene Gesetze gelten. Die, sorgfältige RWabung der Notenpresse aber ist entscheidend für alle Wirt- Astspolitik auf dem Gebiet der Löhne und der Preise der öffentlichen und privaten Haushalte. ^ieie Zu- "Menhänge haben vielfach die Forderung nach einer
Verstaatlichung des gesamten Bankwesens
Än lassen. Es wird daran festzubalten sein, daß die rang des einzelnen Menschen auch aus materiellem Gebiet Grundlage des Staates bildet. Der materielle Fortzchntt Volkes beruht auf
Arbeiten und Sparen,
sittlichen Faktoren, die in ihrem Erfolg letzten Endes vom Killen eines jeden Menschen bestimmt sind.
u Tie Aufgabe einer nationalsozialistischen Politik wird e? Wissen, auch das Bankwesen, über dem in der Nockurregs- Unstern der liberalistischen Wirtschastsansfassung ge- kin- < bat. wieder an den innersten Lebensnotwendigkeilen des Anen Volksgenossen wie des ganzen Volkes zu orientieren.
C1 werden wir am wenigsten
die personelle Seite
«Jkäölästâ außer acht lassen bürten Ich denke dabei dar in die verbänaniZLslleu Folaen der Gchrrnattneruna
an die NS. Volkswohlfahrt als Treuhänderin ivcitergibt. Bei richtiger Organisationsarbeil können die entstehenden Kosten so verteilt werden, daß auf den einzelnen ein geringer Pfennigbetrag fällt. Der Erfolg für die Gesamtheit und für die Zukunftsentwicklung wird aber von größter Bedeutung sein, wenn es gelingt, jeden Deutschen bis in das letzte Dorf hinein mit dieser Aufklärung zu durchdringen. Gleichzeitig wird diese Propaganda-Aktion zu einer praktischen Hil s e für Kinderreiche, denen der Überschuß der Einnahmen über die Herstellungskosten der Aufklärungsarbeitzugute kommt.
Propaganda, die sich aber nur an den Verstand wendet, kann nie eine durchgreifende Wandlung der
Die offizielle Aufklärungsschrift der großen bevölkerungs- politischen Propagandaaltion des Rcichsministeriums für
Volksansklärung und Propaganda.
geistigen und sittlichen Struktur des deutschen Menschen erzielen, wenn sic nicht gleichzeitig d i e H erzen erobert. Das herrliche, hohe Wort: „G e m e i n u u tz geht vor E i g e n n u tz" ist fast schon abgegriffen im Munde allzu vieler. Hier gilt es mehr denn je und muß das Sinnen und Trachten jedes Menschen völlig erfüllen.
Der trotzige Kampfruf: „Sieg oder Tod" gilt vom Standpunkte der Erbbiologic . gesehen für diesen Kampf mehr als in einem Krieg mit den üblichen Waffen.
Die Männer und Frauen, die Verantwortung tragen für das Wohl und Wehe der ihnen unterstellten Organisationen, seien sie auch im Rainnen des Ganzen noch so klein und bedeutungslos, sie alle tragen mit der Aufgabe, die ihnen heute zuerteilt wird, eine gewaltige Verantwortung, der sie nicht entrinnen können.
Nur wenn sie ihre Pflicht freudig mit ganzer Hingabe erfüllen, werden sie das Ziel erreichen, das wir alle zusammen mit höchster Anspannung unserer Kräfte erreichen müssen, wenn Deutschland leben soll.
und forntularmäßigen Spezilizicruna der Bankarbett, die Die Beschaffung eines geeigneten N a ch iv u ch s e s für die Leitung großer Bankunternehmungen immer schtvieriaer machte und Infolgedessen zur Überalterung der leitenden Posten geführt hat. Neben den erwähnten Problemen läuft eine ganze Reihe weiterer wichtiger Fragen lZinsgestaltung. Kreditver- teihnia nsiv.s, sowie Einzelpkoblemen, die das Arbeitsprogramm berücksichtigen wird.
Der Beauftragte für Wirtschaftsfraaen, W i l h e l m Keppler, betonte: Wenn ich als Beauftragter unseres Führers spreche, so will ich versuchen, die Aufgaben, die diesem Arbeitskreis gestellt sind, aus dem Gesichts- winkel seines weltanschaulichen und politischen Denkens zu betrachten:
Die,Frage des Bankwesens ist selbstverständlich keine politische, sondern eine wirtschaftliche. Es muß aber in den Beschlüssen des Ausschusses
der Geist des neuen Staates
wiedergegeben sein. Das F ü h r e r p r i n z i p, das wir rückhaltlos in der Politik anwenden, muß auch auf dem Gebiet der Wirtschaft und des Bankwesens zur Geltung stimmen. Wir müssen Institute schaffen, die für die einzelnen Persönlichkeiten voll übersehbar sind und wo daher der einzelne die Verantwortung übernehmen kann und muß, denn die Unklarheit, wer letzten Endes der Verantwortliche
ist, hat cs mit sich gebracht, daß manches unterlaufen ist, waS nicht hätte unterlaufen dürfen, daß die Begriffe von Moral und Sauberkeit versagten. Die Regierung wird weiterhin gegen iede zu iveitgehendc Organisierung und die durch unnötigen B.n r o k r a 1 is.m u s bedingte Schwerfälligkeit ankämpfen. Das Shstem der großen Banken hat in vielen Fällen die Entscheidungen über
die Kunden in der Provinz
dem Vorstand der Berliner Zentrale in die Hand gegeben, von dessen Mitgliedern saunt einer den Kunden kannte. Ss- bald hie 2d«rntwrrtuna in 15 oder 20 Teil? zerlegt würd'.
tvar letzten Endes überhaupt leine Verantwortung und kein Verantwortungsgefühl mehr vorhanden. Der Prozeß der Konzentration hatte den Erfolg, daß die Zahl der
selbständigen lebensfähigen Bankbetriebe
auf einen Bruchteil zusammenschrumpste. was dazu führte, daß eine große Anzahl Existenzen, die früher Träger einer Initiative und eigenen Unternehmenswillen waren, dem Volks- ganzen verlorengingen. Der Nationalsozialismus sieht das Schwergewicht der ganzen Wirtschaft
in den produzierenden Betrieben.
Ihnen müssen Handel und Banken unterstützend zur Verfügung stehen. Weiterhin wird es notwendig sein, nachzuprüfen, ob die Verteilung der Aufgaben zwischen den einzelnen Arten der Institute richtig ist, und ich glaube, daß der Ausschuß hier ordnend eingreifen muß. Ich denke hier vor allem an
die Sparkassen,
bei denen häufig der Wunsch vorlag, ihr Geschäft zum richtigen Bankinstitut auszubauen. Sie müssen die Ausgabe bekommen, sich jeden unnötigen Risikos zu enthalten. Wir sehen die beste Anlage für den Spargroschen weiterhin darin, daß der Artz eiterwteder ein eigenes Heim bekommt. Weiterer Beachtung bedürfen wohl
die Staatsbanken.
Sie. sollen dem Staat zur Verfügung stehen und so stark sein, daß sie in Zeiten der Not der Wirtschaft helfen können. Aus Anlaß des ständischen Aufbaus hört man häufig, daß besondere
Banken für die einzelnen Stände
geschaffen werden sollen. Ich sehe hierin aber keine gewünschte Neuschaffung. Weiterhin wird uns das Probleni der Zins- senkung beschäftigen müssen. Wenn die Regierung die richtigen Maßnahmen zur Gesundung des Kapitalmarktes ergreift, werden wir auch endlich auf organischem Wege der unbedingt notwendigen
vernünftigen Gestaltung des Zinsfußes näherkommen.
Nach Herrn Keppler nahm das Wort zu einigen grundsätzlichen Ausführungen Staatssekretär Feder, die er, wie er betonte, nicht in seiner Eigenschaft als Staatssekretär des Reichswirtschastsminifteriums. sondern als Vertreter der Theorie des Nationalsozialismus machte.
Ausgangspunkt der Gedankenwelt des Nationaljozialis- mus sei im Jahre 1919 das Manifest zur
Brechung der Zinsknechtschaft gewesen. Er habe dann in einem weiteren grundsätzlichen Werk die Grenzen aufzuweisen versucht zwischen Staat und Wirtschaft. Die Wirtschaft lasse sich trennen in drei große Gebiete: P r o d u k t i o n, Z i r k u l a t i o n, K o n s u in p t i o n.
In der Produktion
sei die s ch.v p f e.r i s ch e Persönlichkeit ausschlaggebend. Der Nationalsozialismus lehne auf dem Gebiete der Pro- duklionswirtschaft irgendwelche Sozialisierung ab.
In der Zirkulation
lägen die Verhältnisse anders. Auf dem Gebiete der Eisenbahn habe der Staat Vorbildliches geleistet. Die Geld- wirtschaft sei ebenfalls ein Verkehrsmittel. Hier habe das private Interesse zurückzntreten. Während die Produktion nicht verstaatlicht werden dürfe, sei in Der Zirkulation, also auch im Geldwesen, das schöpferische Privatinteresse nicht mehr ausschlaggebend. Hier müßten höhere Gesichtspunkte obwalten. Man müsse unterscheiden zlvischen der Geldschöpfung als solcher und dem Geldverkehr. Geld schöpfung sei alleinige Sache des Staates. Den R e a l k red i t zu verstaatlichen liege im Bereich der Möglichkeit. Hinter dem Personalkred :t jedoch müsse man ein Fragezeichen machen. Der Nationalsozialismus habe von vornherein gewünscht, daß zur Versorgung der Bevölkerung mit Kredit mitteln
ein starker Privatbankierstand ivieder aufgerichtet werde. Redner führte dann noch einige Zielsätze für den Untersuchungsausschuß an
Zum Schluß bemerkte der Redner, daß der Nationalsozra- lismns niemals daran gedacht habe, neues Geld zu schaffen. Ter Ausdruck „Feder-Geld" sei eine vom politischen Gegner erfundene Bezeichnung gewesen. Geldschaffung sei Alleinsachc des Staates. Es komme darauf an, daß sie reproduktiv und begrenzt sei. Dann könne von Inflation keine Rede sein.
Der Siedler gehört zum Zeichslaudstaud
Eine Warnung des Reichsbauernführcrs.
Das Stabsamt des R e i ch s b a u e r il f ü h r e r s teilt mit: In letzter Zeit lverden an zahlreiche bäuerliche Siedler von einem „Siedler Steg in a nn‘ aus Ostpreußen Rundschreiben verschickt, in denen Stegnrann zum Zusammenschltttz der Siedler im Interesse der Per- besserung ihrer traurigen Lage auffordert und zugleich natürlich 5 u r Zahlung eines Beitrage s (’). Im eigenen Interesse warnen wir alle Siedler, biefen Aufforderungen, hinter denen sich ein durchsichtiger Zweck schon im Hinblick aus die Beitragszahlung verbirgt, Folge zu leisten. Der bäuerliche Siedler gehört, Ivie alle Bauern, organisatorisch 31t dem jetzt im Aufbau begriffenen Rcichslandstand, ilnd es ist ganz selbstverständlich, daß im Hinblick ans das besondere Interesse des Reichsbauernführers für die Siedlung
die Vertretung aller Siedler durch den Rcichslandstand
wayrgenommen wird. Die Siedler können das volle Vertrauen haben, daß int Rahmen des allgemeinen Airs banes und besonders im Rahmen der von der Reichsregierung mit allem Nachdruck geförderten B a it c r n - Politik
alles nur Menschenmögliche geschieht, um auch die Lage der Siedler zu verbessern.
Daß nach dem Ergebnis einer vierzehnjährigen Ber fallspolitik und der Verwüstung des deutschen Bauern tums der Wiederaufbau seine natürliche Zeit braucht, weiß auch der Siedler. Die Bildung besonderer .mi sLNKnenschlüsfe mürbe jedenfalls ben Siedlers npr ÄSadss trüb ter aßest mrsL-ige Heften bringen.