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Untechaltungsblatt

Aßmannshausen und Aßmannshauser.

Von H Z Bumann- Alzey.

Durch die Weinberge von Rüdesheim sind wir zum Nationaldenkmal hinausgeklettert. Unbarmherzig hat die Tonne uns auf den Rücken gebrannt. Jetzt, da wir uns ande­ren Weinbergen voll Feuer und Glut zuwenden, blendet sie uns die Augen. Aber der Gedanke au den guten Aßmanns­hauser läßt alle Wandermühe ohne Murren ertragen.

Hei, wie das federt in den Beinen bergabwärts vom Jagdschloß, als hätten wir denSpätroten" von unten schon in den Knochen! Größer werden die Schritte, flotter schwingt )er Marschrhytmus, je tiefer wir in die Schlucht hinunterstoßen.

Drüben über der tief eingerissenen Furche hängt die andere Schluchtwand, schattenlos ist die flimmernde Wand mit den Rebenzeilen. Auf neue Betonmauern prallt Mittagsglut und strahlt glühender zurück; fällt über gesteinte Wege, zwischen grünes Reblaub, sucht jede Wurzel im Boden, spielt um jede Beere und bringt sie zum Kochen. Das ist die heiße Werkstatt des Aßmannshauser Weinbauern. Da klebt er, die Hacke sicher schwingend, am Gelände wie der Bergsteiger an der Steilwand. Meine Freunde, ihr wollt Aßmannshauser schlürfen? Schaut noch einmal dorthin, wo er wächst, blüht, kocht, reift! Wo Gesicht, Nacken und Arme geröstet werden und der Schweiß von Stirn und Wangen rinnt!

Zu weit ist das kühlende Bad des Rheins. Wie ein silber­ner Teich glitzert er dort unten herauf. Aber näher ist das erquickende Naß des Weines. Aßmannshäuser Wein! Er ist schon da, wo die Straße steil hinunterstürzt ins bunte Wirrsal dicht gedrängter Häuser, ins lachende Vielerlei von geputzten Menschen, schmucken Blumenfenstern, freundlichen Läden. Er winkt mit Tannenzweigfingern in Häuser rechts und links, in kühle Wohnräume, wo in den letzten Jahren dasMorgen" manchmal zur bangen Frage werden konnte; er lockt mit Ge­sang und Spiel dahin, wo dasHeute ist heut!" als voller Lebensjubel an die Wände schlägt.

Unvermutet sind wir auch schon aus Sommertageshelle in ein trauliches Halbdunkel eingetaucht. Farbige Lichter durchglühen den Raum und weisen den Weg zu festen eichenen Bauernstühlen; zu einem ebenso festen eichenen Tisch. Rhei­nisch-fröhlich braust es um die Ohren. Was nicht fiedelt, trommelt oder spielt, das singt; was nicht singt, das tanzt; was nicht tanzt, das sorgt für den Durst. Flaschen stoßen auf Tische, Pfropfen knallen, Wein strömt aus. Wein, wie er an den Hängen von Aßmannshausen wächst, am Hängen, in saubere, steinerne Klammern gefaßt, muß in feine Gläser lausen, in Gläser mit Goldrand. Irgendwo steht in einer Weinschenke des Städtchens geschrieben:

Ein Diamant, in Blei gefaßt, Ein Königskind in Lumpen, Das ist ein echter, rhein'scher Wein In schlechtem Glas und Humpen."

Mit wenigen Schritten sind wir am Rhein, wo es aus schmucken Gasthäusern, grünumrankten Terrassen, blumenver­hängten Lauben zum Strome hin, zur bewaldeten Bergwand hinüberlacht. Eingesponnen in Behaglichkeit und Sonntags­glanz, lassen wir uns von dem frohen Lebensrhythmus tragen, der oie Menschen hier fesselt und nicht loslassen will. Ein Lebensrhythmus, der auf fünf Wegen dahinschwingt, Wegen voll dichtesten Verkehrs, nebeneinandergedrängt auf schmalem, schmalem Raume. Eine Enge, in deren romantischem Zauber doch so unendliche Weite empfunden wird: bei den hingleiten­den Schiffen, den vorüberdonnernden Eisenbahnrügen, den hupenden Kraftwagen, dem unablässigen Kommen und Gehen, dem ewigen Fluten von Wellen und Menschen.

Auch wir müssen weiterziehen. Vorher aber wollen wir noch den restlichen Lohn für Wandermühe genießen, bei einer Flasche feurig würzigerSpätburgunder Auslese", vergangene Tage voll sonniger Rheinromantik und mit ihnen die Geister von Freiligrath, Geibel, Hoffmann von Fallersleben herauf­beschwören.

Wein aus Burgund, hast Dich in Deiner neuen Heimat, im rheinischen Boden gut verwurzelt, bist was Rechtes hier

Aus der Speisekammer unserer Ahnen. Spargelersatz" bei den alten Germanen. Wildgemüse spielten eine große Rolle. Suppenbrei statt Brot.

Von Dietrich Rasmussen.

AIs vor kurzem dieGesellschaft zur Förderung der deut- |d)en Pflanzenzucht" zu Berlin ihr 25jähriges Bestehen feierte, konnte man höchst interessante Einblicke in die Fortschritte gewinnen, die der Pflanzenbau, vor allem insoweit er der Ernährung unseres Volkes dient, in der letzten Zeit gemacht hat. Sowohl was die Ertragssteigerung als auch was die Neuzüchtung angehi, ist man bereits heute zu Zielen gelangt, an die man früher kaum zu denken gewagt hat. Die Zucker­rübe weist den mehrfachen Zuckergehalt auf gegenüber der Zeit ihrer Einführung, von Kartoffeln wird heute das Drei­fache je Hektar geerntet als vor nur vier Jahrzehnten. Frost­beständige Kartoffel- und Weizenarten, süße, zu Fütterungs­zwecken geeignete Lupinen, gegen Meltau unempfindliche Weinreben bilden nur einige wenige Beispiele aus der langen Reihe der neu- oder höhergezüchteten Vertreter unserer Nutzpflanzen.

Unwillkürlich schweift angesichts dieser Erfolge der Blick zurück in eine ferne Vorzeit, in die Zeit unserer Ahnen, die voch auch auf pflanzliche Kost angewiesen waren, da der Mensch ja nun einmal kein reiner Fleischesser ist. Unser Ge­treide, Gemüse und Obst standen ihm nicht zur Verfügung, stellen sie doch insgesamt die Ergebnisse einer jahrhunderte­langen Kultur dar, bei der eine stets weiter durchgeführte Zuchtwahl dafür sorgte, daß nur das Tauglichste erhalten blieb, sich fortpflanztè und vielfach durch die Kreuzung mit aus fernen Ländern eingeführten Arten verbessert wurde. Manche unserer wichtigsten Nahrungspflanzen stammen über­haupt aus dem Auslande, wie die Kartoffel, die Tomate aus der Neuen Welt, Spinat und Rübe von den Gestaden des Mittelmeers, der Kohl aus den Küstenländern des Atlanti­schen Ozeans, fast alle Getreidesorten aus Kleinasien oder Aegypten. Und es versteht sich von selbst, daß ein Volk schon auf einer beträchtlichen Kulturhöhe stehen mutz, ehe es sich an den Anbau fremder, unbekannter Pflanzen wagt, ganz abgesehen davon, daß eine solche Einfuhr verhältnismäßig enge Handelsbeziehungen mit dem Auslande voraussetzt. Einen noch größeren, Fortschritt als die Einführung dieser Neukulturen bildete indessen die viel weiter zurückliegende Erkenntnis von der Möglichkeit, daß man durch die Aussaat des Samens eine neue Ernte bestimmter Gewächse erzielen konnte. Damit erst war ein geregelter Ackerbau überhaupt ermöglicht.

Aber wir wollen noch weiter zurückgehen und untersuchen, wie sich der Menick. der noch keinen Ackerb.au kannte, die

geworden! Aßmannshauser Roter, Du Edling mit dein glühen­den Funkeln, Du kannst Dich sehen und trinken lassen! Dank Euch Weinbauern, die Ihr an den Hängen oben im Sonnen­brand schafft und sorgt, daß uns hier unten das Leben lächelt!

Vaterland" undLohengrin" schwimmen stolz auf den grünen Wellen vorüber nach Süden. Hände winken, Tücher wehen. Wir wollen nicht mitgenommen sein. Wir warten, bis das letzte Schiff nach Bingen fährt.

Es liegt eine Krone im grünen Rhein, Das mag ja sein.

Aber jedenfalls liegt eine dran llnd darauf kommt mir's an."

So schrieb es hier 1905 Otto Ernst irgendwo nieder. Wer's nicht glaubt, möge kommen und es selbst lesen.

Schichtwechsel.

Von Willi Heinsohn.

Somme, September 1916.

Liebe Christa!

Riesige Granatwolken wachsen vor uns aus dem Bou- raine-Wald. Im Gebüschstrcifen, der sich von unserem Gra­ben zu der nächsten Waldspitze hinzieht, glitzern launasse Brombeeren wie Perlen in der strahlenden Herbstmorgensonue Es sieht wunderschön aus aber heute abend beim befohlenen Gegenstoß werden uns die rotflammenden zähen Ranken, an denen die verheißungsvollen Früchte locken, sehr zu schaffen machen. Wir kennen das. Der Wald verschwindet immer mehr. Er wird zerstampft, zerfetzt, zerrissen. Und doch steigt ein Tag herauf, fo golden, wie man ihn nur zwischen Sommer und Herbst kennt...

Hier endet der Brief, den Gorch Haugen schmutzig und eng zusammengefaltet im Schloß eines abgenutzten, aber der­ben Koppels geklemmt fand, das ihm ein Kumpel seines schlagenden Wettern zum Opfer gefallenen Vaters an dein Tage geschenkt hatte, an dem er zur ersten Schicht seines Le­dens in denPütt" 'einfuhr. Daß jener, der diesen Brief geschrieben hatte, in diesem Koppel am Abend beim Gegen­stoß gefallen war, hat Gorch nie erfahren.

Das Koppel ist seit der ersten Schicht ein Teil seines Selbst geworden. Tag für Tag, Schicht für Schicht hält es seine schmierige Leinenhose, trägt es seine Grubenlampe, wenn seine harten Hände die Keilhaue oder den Fäustel schwingen.

Die Hose ist alles, was der magere junge Lehrhauer im Revier 16 der 6. Sohle unter Tage, wo 30 Grad Celsius :twas durchaus Normales sind, au| dem schweitzüberperltcn Körper trägt. Sein offenes Gesicht mit der nicht sehr hohen Stirn hat die den Bergleuten eigene gelbliche Färbung. Die Linwirlung der Gruben- und Kohlengase zeigt sich auch in Den duukelumschatteten Augen.

Unter Elend und Schwierigkeiten groß geworden, marb :r sich der entseelenden Gleichmäßigkeit seiner harten Arbeit ngentlich erst bewußt, als er vor einigen Monaten zufällig Den Brief aus dem Koppelschloß in einem alten Lohnbuch Dieoerfand und er die Zeilen jenes Unbekannten vom Bou- caine-Wald nach den inzwischen vergangenen Jahren las.

Urplötzlich hatte ihn da die aus dem Brief sprechende heiße Freude an der Schönheit des Lebens angesichts der Ge- sahr und Vernichtung mit jäher Gewalt gepackt und tief er­griffen. Klar übersah er auf einmal sein eigenes, dem ge- childerten ähnliches Dasein wie etwas nicht mehr zu ihm Gehörendes und erkannte schaudernd sein Leere. Riesengroß üand in ihm die Sehnsucht nach dem auf, das sich aus der Be­schreibung des Soldaten so farbig heraushob.

Von dieser Stunde an suchte er die Freundschaft des in Der benachbarten Strecke arbeitenden Werkstudenten, der sich bisher vergebens bemüht hatte, dem ihm gefallenden Lehr- qauer mehr als der Kumpel zu sein. Während des Butterns ruf der Gezähkiste erschloß ihm der junge Student die Schön­heit der deutschen Heimat, die er sich erwandert und erflogen

nötige pflanzliche Nahrung beschaffte. Betrachten wir einmal die Lebensweise der bis auf unsere Zeit erhaltenen primitiven Völker, so finden wir aus unterster Stufe diejenigen, die keine feste Bodenbestellung kennen, sondern aus ber um­gebenden freien Natur solche pflanzlichen Teile sammeln, die ihnen, roh oder nach geeigneter Zubereitung zur Nahrung tauglich scheinen. Es unterliegt feinerm Zweifel, daß auch bte ältesten Bewohner unseres Vaterlandes einst nicht anders gehandelt haben. Vieles davon hat sich sogar noch bis in unsere Tage erhalten, denn noch heute sammelt man bei uns Brombeeren, Bickbeeren und andere Früchte des Waldes, dazu Pilze und Heilkräuter. In den Tropen mit ihrer bedeutend vieseitigeren Pflanzenwelt gilt dies in noch viel stärkerem Maße. Die Zahl der Wildpflanzen, die von der Bevölkerung beispielsweise der hinterindrschen Inselwelt regelmäßig der Ernährung nutzbar gemacht werden, läßt sich einfach nicht schätzen.

Unsere ältesten Ahnen kannten den so nahrhaften Spinat, wie gesagt, noch nicht, aber sie wußten sich in zahlreichen anderen Pflanzen, die nach der Art des genannten Gemüses zubereitet tourben, ausreichenden Ersatz zu schaffen. Dahin gehören der wilde Gänsefuß, junge Brennesseln und Sauer­ampfer, Bärenklau und manche Kreuzblüter. Erst um die Wende des 13. zum 14. Jahrhundert kam der echte Spinat nach Mitteleuropa; weite Gebiete im Osten unseres Erdteils kennen ihn aber auch heute noch nicht und behelfen sich mit den genannten Ersatzpflanzen.

Auch der Spargel kam aus der Fremde zu uns. Er ver­langt eine besonders aufmerksame Behandlung; ehe man es aber so weit gebracht hatte, half man sich aus andere Weise. Man atz die jungen, zarten Sprossen etwa des Hopfens, der Vogelmilch und anderer lilienartigen Gewächse, wie es die Japaner noch heute vielfach tun.

Gleich allen anderen Naturvölkern sammelten auch die alten Germanen uitb die noch vor ihnen in deutschen Landen ansässigen Völkerschaften Wurzeln und Knollen aller Art, um ihren Bedarf an Stärkemehl zu decken. An Stelle der Kar­toffel und der echten Zwiebel traten die verdickten Wurzeln mehrerer Kampanula-Arten, des Bocksbarts, der Zuckerwurzel, des Selleries und der wilden Möhre. Auch Blumenknospen konnten als Gemüse dienen, sowie die noch nicht erschlossenen Blüten der Wege- und Silberdistel, der Kornblume und anderer. Ehe man das Getreide kennen lernte, nutzte man Die Früchte einheimischer wildwachsender Grasarten.

Zubereitet wurde die Pflanzenkost meist als Suppe oder Brei. Vornehmlich die grünen Pflanzenteile verwandte man zur Suppcnbereiiung, unterwarf sie auch wohl allerlei Gärungsprozessen. Auf diese Weise entstand u. a. der noch heute weitverbreitete Sauerkohl. *

Das Brot mußte eine jahrhundertelange Entwicklung

hatte. Die Wunder des Segelslugs nahmen Gestalt an. ^ griffe wie Auftriebswinde, Kaltluftwolken, GewitterflÜP wurden ihm, der bis dahin nur in Stempeln, Halbhölzerii, Wettertüren, Bohrhämmern, Förderhaspeln gedacht hatte, qe= läufig. Aber Wochen bedurfte es, bis es Horst so hieß öet Student gelungen war, alle Hemmungen in ihm zu be- zwingen und ihn zu überreden, mit ihm über Sonntag in§ Segelfluglager zu fahren und von den Borkenbergen aus Das Münsterland zu überfliegen.

Morgen ist der Tag. Heute abend noch wollen sie fahren. Zum letzten Male vor dein großen Ereignis ist Gorch zur Frühschicht eingefahren.

Jetzt liegt er in einer knapp einen Meter hohen und etwa drei Meter breiten Strecke, die sich von der Hauptstrecke ziemlich steil zur 5. Sohle hinaufzieht, auf dem Rücken und bebaut über sich die Kohle. Die Schüttelrutsche neben ihm lärmt und löscht alle übrigen Geräusche aus. Zum Schneiden Dies ist die vom Kohlenstaub geschwängerte Luft, durch die das Licht feiner Lampe nicht mehr den Weg zu ihm findet. Kohlen­staub dringt ihm in Nase, Mund und Augen. Schweiß rinnt aus allen Poren seines Körpers. Die spitzen Steine und Kvhlenbrocken unter seinem nackten Rücken machen sich schmerzhaft bemerkbar.

Und doch ist Gorch all dem gegenüber empfindungslos. Mechanisch lockert er über sich die Kohle, mechanisch wälzt et sich zur Seite, wenn unheimliches Rieseln über ihm das Herunterbrechen der Kohlen ankündet, und mechanisch schippt er die gewonnene Kohle in die Rutsche. Stunde für Stunde mit Gedanken, die fern sind.

Bis, unerwartet, der Lärm der Rutsche verstummt. Schichtwechsel.

Die Gitterfalltür des Förderkorbs rattert hinter Gorch herab. Die Glocke schlägt. Schwankend setzt sich der Korb in Bewegung und saust, acht Meter in der Sekunde schluckend, Dem Tage zu. Mit glitschigem Laut gleitet er die Spurbalken entlang. Durch seine Eisenmaschen spritzt das im Schacht sickernde Wasser in die tiefschwarzen Gesichter der Hauer, Lehrhauer uitb Schlepper, in deren Augen im Schein der Lampen dann uitb wann das Weiß grell aufflackart.

Sohle 5, 4, 3 zischen helle Lichtflecken in der feucht­kalten Düsterheit vorbei. Sohle 2 und 1. Ein Zuruf zer- flattert, erreicht den Korb nicht mehr. Dann setzt sich Dem Emporrasen ein deutlich spürbarer Widerstand entgegen. Ein gewaltiger Schlag der heraufsausende Korb hat den un­gefügen' Schachtd'eckel erreicht, stößt ihn hoch und im selben Augenblick brausen, ehe er schwankend und vibrierend stillhält, Ströme Hellen Mittaglichts und goldenen Sonnenscheins so hemmungslos in ihn hinein wie die befreiten Wasser eines Mühlenwehrs in das leere Bachbett.

Licht! Sonne! Es ist schier unfaßbar, daß es soviel gibt!

Geblendet schließt Gorch die Augen. Noch nie ist ihm die Wonne dieses erlösenden Augenblicks, der ihn täglich dem Leben von neuem zurückgibt, so stark bewußt geworden. Un­willkürlich faßt er sein Koppel, in das er gewohnheitsgemäß seine Hände gehakt hat, fester und streicht mit den Fingern über das rauhe Leder. Dann tritt er aus dem Korb heraus.

Das Koppel, sein Koppel das ist ihm plötzlich ein­gefallen wird er natürlich auch morgen tragen, wenn a neben dem Freunde im Segelflugzeug über die grünen Wäldn seiner Heimat gleitet.

Dieses Koppel, das ein Soldat 1916 an der Somme truj, als es hieß, der kommendenSchicht" die Heimat zu sichern.

Wie's gewünscht wird!

Jean Paul, der deutsche Dichter, blieb leider nicht ganz frei vom Vorwurf der Engländerei. Kein Wunder, da er sich bei seiner großen Kenntnis vieler Anekdoten und sonstiger seltsamer Dinge oft und oft einer Antwort erinnerte, die vor ihm schon von anderen, meist von Engländern, gebrauch! worden war.

So antwortete er einer Dame, die ihn fragte, wie alt er denn eigentlich sei, mit den Worten Sternes:Das hängt ganz davon ab, was Sie von mir wollen!"

durchmachen, bevor es die heute bei ihm geschätzten Eigen­schaften erhielt. Es kam zu größerer Bedeutung eigentlich :rst, als die Bevölkerung sich in größeren Mengen in Städten ansiedelte. Auf dem platten Lande hat es eigentlich erst im letzten halben Jahrhundert sich durchsetzen können, aber auch beute wird dort noch vielfach, besonders im Osten, der alt­gewohnte Brei bevorzugt.

Um zu erfahren, wie und wovon die Urbevölkerung unseres Vaterlandes sowie unseres Erdteils im allgemeinen sich genährt hat, kann man verschiedene Verfahren anwenden. Entweder studiert man die Sitten und Gebräuche fremder, ans Der niedrigsten Kulturstufe stehender Völker und zieht aus den Ergebnissen durch Analogie entsprechende Schlüsse. Oder aber man hält sich an Speise- uitb Pflanzenreste, die man in den Ueberbleibseln vorgeschichtlicher Siedlungen gefunden hat, wie etwa in den bekannten Pfahldörfern im Bodensee, die äußerst aufschlußreiche Einblicke in das Leben der Vorzen zu tun gestatten.

Tote als Blutspender.

Vor der Medicochirurgischen Akademie zu Madrid machte Der russische Arzt Dr. Judiue kürzlich interessante Mitteilungen über die Verwendung von Blut Verstorbener zu Zwecken der Blutübertragung. Tierversuche Tschaumoffs, bei denen dieser Forscher das Blut toter Hunde lebenden mit Erfolg eingespE hatte, brachten Dr. Judinc auf den Gedanken, Achnliches auch beim Menschen zu versuchen. Der erste Erfolg stellte sich 'inem Manne ein, der sich in selbstmörderischer Absicht Pulsader durchschnitten hatte. Dr. Judiue nahm das Blu :ines sechs Stunden zuvor infolge eines Schädelbruchs ver­storbenen Sechzigjährigen, dem er nach Oeffnung des Unter­leibes aus der Vena caba 450 Kubikzentimeter Blut entnahm Die lebenswichtige Flüssigkeit wurde dem Selbstmordkandidatei 'ingespritzt, der vier Tage später als geheilt entlassen werde konnte. Seitdem hat der russische Arzt sein Verfahren ach erfolgreich angewandt. Die Erfahrung lehrte ihn, daß Blut eines Toten bis zu 12 Stunden nach dem Ableben lcl1 Wirksamkeit bewahrt bleibt. Zur Verwendung gelangt nu ws Blut von Selbstmördern, an Herzleiden oder infolge em Lchädelbruchs Verstorbener. Das der Leiche abgezastfte B zëlangt in eine Salzlösung und mit dieser in einen Eisschru ' n dem es sich bis zu 28Tagen brauchbar erhält. Im allgeine" sieht Dr. Judiue aber einen Gebrauch nach bereits 12 tor. Das Blut von Menschen, die länger als 12 Stunden Der Entnahme gestorben sind, kann leicht zu einer Verg'sw. uhren, und seine Verwendung ist daher zu vermeiden. ~ lutr Blut von solchen Leichen genommen wird, die bere Blutgruppe wie der Kranke angehören, bedarf weiter u Erklärung.