Zulöaer Anzeiger
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Nr. 200 — 1933
Fulda, Montag, 28. August
10. Jahrgang
Dienen durch Leistung
ist oberster Grundsatz der Heimatpresse. Ueber allem steht die Mitarbeit am Aufbau des neuen Staates. Die Vielgestaltigkeit der kulturellen Lebensäußerungen unseres Volkes bedingt jedoch, daß eine Zeitung die Prägung erhält, die dem engeren Heimat- gebiet a n g e p a ß t ist. Erst der heimatliche Charakter der Zeitung verwurzelt sie mit dem Heimatboden, verbindet sie mit den Menschen.
Seit Jahren schon ist der Fuldaer Anzeiger die evangelische Heimatzeitung unseres Gebietes. Diese Jahre verbinden ihn mit seinem Heimatland und mit der Bevölkerung des Kreises. In guten und schweren Zeiten hat er unbeirrt die heimatlichen Belange vertreten. Das verpflichtet!
Zuverlässige, schnelle und ausführliche Berichterstattung aus dem Leserkreis ist unser Grundsatz. Niemand ist gezwungen, eine andere Zeitung als die zu halten, die er gern liest und die seinen Wünschen entspricht. Das evangelische Heimatorgan ist und bleibt der
Fuldaer Anzeiger.
Der Bluff mit dem Reichsiagsbrandmaienal.
Ein Schreiben des Verteidigers Dr. Teichert an Branting.
Der Leipziger Rechtsanwalt Dr. Paul Teichert I mt an den schwedischen Rechtsanwalt Branting ein I Schreiben gerichtet, das nicht nur für diesen Mitstreiter der Reichstagsattentäter, sondern auch für den ganzen sogenannten Untersuchungsausschuß in Paris sehr pein- l'ch ist. Zunächst stellt Dr. Teichert fest, daß der gesamten I Lssentlichkeil, also auch Herrn Branting, seit dem 29. Juli I bekannt war, wer die Reichstagsattentäter verteidigt, I und daß deshalb diese, wenn sie die Absicht wirklich gehabt I ballen, ernstes Material den Verteidigern zu übergeben, ■ das bereits seit vier Wochen hätten tun können.
Dr. Teichert teilt aber weiter mit, daß ein amerika- I Wer Rechtsanwalt, Arthur Garfield H a y s , der dem I logenannten Untersuchungsausschuß auch angehört, am I August mit ihm eine Unterredung gehabt habe, aber von b c m Untersuchungsausschuß nichts gesagt habe. Dagegen habe Hays erklärt, daß er ,
kein Material besitze.
I ?d Teichert macht dann noch davon Mitteilung, daß er Hays und auch andere ausländische Rechtsanwälte, die sich die Angeklagten bemühen wollten, gebeten habe, ihm ■ Material zu übermitteln.
*
I Der schwedische Rechtsanwalt ist ein Sohn des frühe- I ^1’ schwedischen Ministerpräsidenten. Er hat sich seit I 'Wen marxistisch u n d ko in m unist i s ch b e - i g t. Zeitweilig hat sich Branting in Rußland auf- ■ schalten.
Urins von Pleß von Polen zu Gefängnis verurteilt.
Das polnische Burggericht in Nicolai (Ost-Obcr- Wcsienl verurteilte den Prinzen von Pleß zu k.rei Wochen Gefängnis, weil er den Brauerei-
Krogel beschäftigt hatte, der die Danziger v "Mangel,örigkeit besitzt. .
. Bemerkenswert ist, daß die Wojewodschaft aus Gruiid L gesetzlichen Vorschrifteu von der Einstellung des Dgil- m Staatsangehörigen Dr. Krogel als Sraucreibircffor öcr Fürstlich Pleß'schen Brauerei
. in Kenntnis gesetzt
und daß eine Genehmigung seitens der Be-
' aus Grund des polnisch-Danziger Vertrags in ch t führ,u c 11 b i 9 ist. Obwohl die Verteidigung dies an- Urlü taui das Gericht zur Verurteilung. Gegen das P wurde sofort Berufung eingelegt.
handelt sich nicht um den Fürsten Pleß, der den F £m Hinrich XV. führt, sondern um seinen iopâU' der auch vor Gericht zutreffend ongab. nicht er, ^ sein Vater sei bei Arbeitgeber.
Der Ehrentag von Tannenberg
Das neue Deutschland dankt seinem greisen Feldmarschall Hindenburg.
Oer feierliche Staatsakt am Tannenbergdenkmal.
Bildung eines Hindenburg - Hausgutes : „H i n d e n b u r g - N e u d e ch mit P r e u ß e n w a l d".
Tannenberg, Tag stolzester Erinnerung an Deutschlands größte Stunde! Tannenberg, Symbol der Befreiung der Heimat und des Wiederaufstiegs! Fahnen wehen über ganz Ostpreußen, über Deutschland. Glocken klingen über das Land. Kanonenschüsse unterstreichen die gewaltige Erhabenheit der Stunde, in der sich h i e F ü h r e r d e r N a t i o n, die beiden großen Männer der Weltgeschichte, im Hofe des Denkmals von Tannenberg die Hände reichen: Hindenburg, der Vater des Vaterlandes, und Adolf Hitler, der Volkskanzler, gwei Männer, um die uns die Welt beneidet, die Ostpreußen als feine Befreier ansieht, und denen heute wieder alle Herzen zufliegen.
Unendlich war der Jubel der Massen, der aber und aber Tausende, die, aus dem ganzen Reich herbetgeströmt, sich am Sonntag in dem weiten Umkreise um das Tanncn- berg-Rationaldeukmal bei Hohenstein scharten, historisch die Stunde, in der der greife Marschall durch den Führer des neuen Deutschland und durch ganz Ostpreußen geehrt wurde, wie einst Bismarck; Hindenburg, der vom deutschen Volke den Ehrentitel erhält: Der Alte vom Preu- ß c n w a l d.
Der Einmarsch in den Ehrenhof
Mit klingendem Spiel und wehenden F ahnen marschierten die braunen Kolonnen, zahlreiche Reichswehrformationen und auch eine Abteilung Matrosen in den Ehrenhof des Nationaldenkmals als erste am Sonntagmorgen ein. Dann kamen in laufender Folge die Wagen mit allen Prominenten der Provinz; Offiziere des alten Heeres und der Reichswehr in ihren Uniformen belebten das Bild. Und dann, eine Minute vor 9 Uhr, beginnt d i e denkwürdige Feier. Fanfaren erklingen von den Zinnen des Denkmals; alle Glocken läuten in ganz Ostpreußen. Nach den Fanfarenstößen überreicht Staatssekretär Funk dem ost- preußischen Oberpräsidenten und Gauleiter
die Treuebotschaften der Ostpreußcnfahrer.
Staatssekretär Funk erklärte dabei in seiner Ansprache u. a.: Hier ans historischem Boden unter dem hochtragenden Ehrenmal für eine der größten Schlachten der Weltgeschichte und in freudiger Erwartung des Siegers von Tannenberg, des Generalfeldmarschalls von Hindenburg, unseres allverehrten Reichspräsidenten, geloben 1500 Kraftfahrer aus ganz Deutschland dem deutschen Osten u n v e r b r ü ch l ich e Treu e. Wir O st l a n d - Fahrer sind in langen und anstrengenden Anmärschen hierher gekommen, um d as oft Preuß i s ch e Wunder mUzuerleben und Ihnen, Herr Oberpräsident Koch, und allen lieben treuen ostpreußischen Volksgenossen durch die Tat unseren Dank abznstatten.
Danach wurden die Fahnen des 2 0. Arme e - korps, soweit sie an der Schlacht von Tannenberg beteiligt waren, von Reichswehrsormationen in den Ehrenhof zu dem großen Kreuz getragen. Mehrere F lug - z e u g st a f f e l u kreuzten über dem Denkmal, die Göring-- staffel, die Königsberger Staffel und die Heinkelstaffel; auch die Hindenburg-Maschine „D. 2600" zog ihre Kreise über der Menge.
Dann braust heller Jubel von der Straße her näher. Deutschlands größter Kanzler und sein getreuester Palladiu, Ministerpräsident Göring, nahen im Wagen. SA. und SS. müssen fast Gewalt anwenden, um die aubrnigcnbcn Massen zurückzuhalten. Ehe der Jubel verfliugt, brandet er neu aus. Der greife Sieger von Tannenberg, Ostpreußens Volksheros Hindenburg, kommt näher heran, steigt ohne fremde Hilfe auf der Straße aus dem Kraftwagen und schreitet rüstig wie immer _bie Ehrenkompanien der Reichswehr, der SA. und SS. und des Stahlhelm ab. Sein Gruß wirb jubelnd erwidert. Der Fcldmarschall spricht mit Veteranen herzliche Worte und schreitet dann in seiner imponierenden Gestalt durch das Tor des Denkmals in de« Jnnenhos, wo ihn bic Ehrengäste entblößten Hauptes erwarten.
Selbst bei der Einweihung des Denkmals waren E h r e n g ä st e in solcher Anzahl nicht versammelt. Da sah man Rcichswehrministcr von Blomberg mit General v. Hammerstein, den Chef der Heeresleitung, und Admiral Raeder, den Chef des Marineamtcs, Vizekanzler von Papen, den Gencralsupcrintendcnten und den Bischof des Ermlandes, dazu Statthalter, Minister und Staatssekretäre des Reiches und der Länder, die gar nicht alle aufzuzählen sind, alte Generäle und Ofifzrere, Diplomaten, Männer der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens, Vertreter der Presse aus aller Herren Länder, rund im Kreise die TreuefaHrer und eine dicht gedrängte Menge.
Bon den Zinne« grüßen Hunderte vs« Fahne« des
neuen Deutschland, und in dem Rund des Stadions stehen 8000 SA.-Kämpfer des neuen Deutschland, die Krieger- vereine mit ihren Bannern und dann in weitem Umkreis die unübersehbare Menge. Das ist ein Rahmen für den Staatsakt, wie er nicht schöner gedacht werden kann.
Oberpräsident Koch begrüßt den Marschall.
Während der Generalfeldmarschall von Hindenburg Jnnenhos betritt, donnern die Salutbatterien der Reichswehr mit 21 Schuß. Es ist zehn Uhr geworden. Und nun ergreift Ostpreußens Oberpräsident K o ch das Wort, um den Marschall und den Kanzler zu begrüßen und den Staatsakt einzuleiten. In feiner Ansprache sagte Ober- präsident Koch, an den Reichspräsidenten gewandt, u. a. folgendes:
Es ist mir eine hohe Ehre, die mich mit stolzer Freude und Genugtuung erfüllt, Euer Exzellenz hier an geweihter historischer Stätte die ergebensten Grüße des Volkes der Heiligen ostpreußischen Erde übermitteln zu dürfen. An dieser Freude nimmt das ganze unter den Faynen oes Nationalsozialismus geeinte Ostpreußen, nimmt ganz Deutschland herzlichen Anteil. Gibt dieser Tag doch in besonderem Matze die Möglichkeit, die unauslöschbare Dankbarkeit zu bekunden, die das deutsche Volk Ihnen, Herr Generalfeldmarschall, gegenüber empfindet. Sie sind uns in Ihrer überragenden soldatischen und staatsmännischen Größe Zeuge und
Sinnbild deutscher Treue, Ehre und Größe.
Nachdem Oberpräsident Koch an die gewaltigen deutschen Waffentaten unter Führung Hindenburgs und sein gigantisches Ringen um die Heimaterde erinnert hatte, fuhr er fort: Die tiefe Liebe und Verehrung, die gerade die ostpreußischen Menschen für Sie, Herr Generalfeldmarschall, empfinden, wurzelt nicht nur in^der Dankbarkeit, sondern ebensosehr in dem berechtigten Stolz darauf, daß Sie selbst ein Mann ost preußischer Erde sind. Hohaus ragt Ihre Reckengestalt als Verkörperung der Kraft und der Treue, der beiden Gruudclcmentc, dm die ostpreußische Erde ihren Söhnen mitgibt. Leuchtend steht Ihr Name, zwei Generationen überbrückend, im Ehrenbuch der preußisch-deutschen Geschichte. Welches Blatt wir auch umwenden, wir sehen Sie überall in vorderster Front, wo es galt, in altpreußischer soldatischer Überlieferung die Ehre, die Lebensrechte Ihres Volkes zu verteidigen. Wenn heute schon der Mythos um Ihren stolzen Namen weht, er wird Sie dereinst fortleben lassen als den trutzigen Stamm aus knorriger ostprenßischer Wurzel, als den
„Hilfen vom Preußenwald".
Das ostpreußische Volk wünscht aus dankerfülltem Herzen, daß diese Zusammengehörigkeit des Namens von Hindenburg und der Provinz Ostpreußen, diese Gemeinsamkeit der Erde und des Blutes, a u ch f ü r a l l e Zukunft erhalten bleiben möge. Es hat deshalb durch seine gewählten Vertreter im Provinzial land tag einstimmig eine E nt.schlie ß u n g gefaßt, die diesen Gefühlen der Liebe und der Verehrung Ausdruck g-bt und die Ihnen, sehr geehrter Herr Gcueralfeldmarschall, zu übermitteln ich die hohe Ehre habe. Der Provinzialland tag der Provinz Ostpreußen weiß sich mit dem gesamten deutschen Volke und insbesondere mit der ostpreußischen Bevölkerung eins in der Liebe und Verehrung für unseren greifen Reichspräsidenten, Generalfeldmarschall von Hindenburg, der die Provinz Ostpreußen vom Feinde befreite und als Führer in Krieg und Frieden dem deutschen Volke mit starker Hand die Freiheit wiedergegeben hat. Diese Taten sind uns erblich. Solange die deutsche Zunge klingt, wird der Name von Hindenburg in dein Herzen eines jeden guten Deutschen einen Ehrenplatz einnehmen.
Die Wurzeln der Kraft, die zu solchen Taten befähigen, ruhen in ostprcußischer Erde und in der angestammten Zw gchörigkeit zum ostpreußischen Volkstum. Wunsch des Provinziallandtages und der Vertretung der ostpreutzl- schcn Bevölkerung ist es deshalb, daß die Familie von Hindenburg für alle Zeiten mit der Provinz Ostpreußen durch Blut und Boden aufs engste verbunden bleibt. Der Provinziallandtag bittet demgemäß die Reichs- und Staatsrcgicruna, im Interesse des ganzen Volkes, die Verbindung der Familie von Hindenburg mit dem vstprcu- ßischen Volke und der ostpreußischen Scholle, die ewig deutsch bleiben werden, für immer sicherzustelleii.
An den Reichskanzler und den Ministerpräsidenten sich wendend, fuhr Oberpräsident Koch fort: Namens der ost- preußischen Bevölkerung habe ich die Ebre, Sie hiermit zu bitten, den in der Entschließung des Ostpreußischen Provinziallandtages vorgetragenen Wünschen in der Ihnen geeignet erscheinenden Weise Rechnung zu tragen, damit auf diese Weise das starke Bündnis zwischen dem alten und dem jungen Deutschland an dieser geweihten Stelle erneut besiegelt wird.
Ministerpräsident Göring
ipanbte sich darauf mit einer Ansprache an den Reichspräsidenten, in der er betonte: Dieser Tag darf mich m i t Stolz erfüllen, denn als Führer Preußens darf ich heute wieder sehen, wie die schwere Zeit der Schmach und der Schande vorüber ist, wie sich das preußische Volk heute im Rahmen des großen deutschen Vaterlandes lcidcnschafi- licher denn je wieder bekennt zu seiner stolzen Geschichte und zu seinen großen Männern. Ich bin glücklich, den Dank Preußens an dieser Stelle Ihnen, Herr GsneralfeldmarschLll, heute nach vielen Jahren noch em- mal Ausdrücken zu dürfen für die gewaltige ?. at die