Zul-aer Anzeiger
1.70 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch Tageblatt für Rhön und Vogelsberg ten,^ Banken usw^kostet die Klei'nMeÄÄMsi, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Zulöa- unö Hauneèal >Inlöaer Kreisblatt alle anderen 0.15 Mk. ^)ie Reklamezeile wird Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Re-aktion und Geschäftsstelle: Königftraße 42 * Zernsprech-Rnschluß Nr. 2489 für hiesige Auftraggeber be/ech^ Rech- Druck: Friedrich Chrenklau, Lauterbach i. H. Nachdruck öer mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe, Z»iöaerflnzeiger"geslait»t. nungsstellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.
. 197 — 1933
Fulda, Donnerstag, 24. August
10. Jahrgang
AattederAeimatzeitlmg
die Treue!
Es scheint an der Zeit, diese Mahnung hinauszurufen in die Kreise unserer Leserschaft. Haben etwa einzelne schon wieder vergessen, von welcher Bedeutung die Heimatzeitung ist, die neben dem Vorzug ihres heimatlichen Charakters die politische und weltanschauliche Einstellung ihrer Leser vertritt?
Wir wissen, daß es einen Konkurrenzkampf gibt; solange er gesund bleibt, ist. nichts gegen ihn einzuwenden, ja ist er sogar der Sache dienlich. Konkurrenzkampf bedeutet aber nicht Ausübung irgendwelchen Druckes auf einzelne! Die nationalsozialistische Führung wendet sich erst neuerdings wieder gegen Androhung wirtschaftlicher oder politischer Nachteile bei der Zeitungswerbung. Es hat also niemand in unserer Stadt etwas zu befürchten, wenn er andere ihm empfohlene Blätter ablehnt, weil er feiner bewährten Heimatzeitung die Treue halten will! Es darf niemand, was er auch sei, wo er auch stehe, bedroht oder bedrängt w er d e n.
Man lasse sich nicht durch hohle Schlagworte i r r e f ll h r e n. Da wird gern von der „anderen", von der „gleichgeschalteten", von der „bürgerlichen" Presse gesprochen oder geschrieben. Das mag in manchen Fällen zutreffen. Wer aber erinnert sich nicht der Tatsache, daß der „Fuldaer Anzeige r", soweit es irgend möglich war und in seiner Kraft stand, sich früher schon für das neue Deutschland eingesetzt hat? Wer hat vergessen, daß wir der nationalsozialistischen Idee unsere Spalten für Berichte aller Art weit öffneten, zu einer Zeit, da gewisse und wohlbekannte andere Zeitungen noch — die sich heute gar nicht genug ihres „stets nationalen" Pflichtbewußtseins rühmen können — den Nationalsozialismus und seine Führer kübelweise mit Hohn, Spott und Unrat überschütteten! Und wer hätte schließlich vergessen, daß der „Fuldaer Anze i - g e r" es war, der als das Heimatorgan der evangelischen Glaubensgenossen für die evangelische Sache st r i t t, wenn es ab und zu nötig wurde? —■ Vergiß das nicht, lieber Leser! Lctß Dich nie und nimmer beirren und halte die Treue!
Der Fuldaer Anzeiger
ist und bleibt Deine evangelische Heimat- zeitung, die nach wie vor dem neuen
Deutschland rückhaltlos dient und als Heimatzeitung von auswärtigen Blättern n i ch t e r s e tz t werden kann.
Vermischte Nachrichten
Anordnung öffentlicher Beflaggung nur noch durch Presse und Funk.
Merlin. Mit Rücksicht darauf, daß das bisherige Versal,ren Verbreitung von Anordnungen einer onentltdjcn Je Kng sich als recht kostspielig erwiesen hat, har sich der im$c Innenminister entschlossen, in Zukuntz derarng nur durch Preise. Rundfunk und Polizcrsimk '^»izumachen.
^ Arlands „Blauhemden" alS ungesetzlich erklärt.
n^'"' Die irische Freistaatregierung hat die Nation al- Organisation der Blauhemden, als ungesetzlich er u"b zugleich die Mitglieder des Militärtribunals ernannt.
3n Zachen Reichstagsbrandsüftung.
Sie wissen von Deutschland nichts.
Tie fremde Juristenlommission und der Reichstagsbrand.
Die Antwort des schwedischen Rechtsanwalts D r. B r a n t i n g an den Oberreichsanwalt, der den Schweden bekanntlich um Überlassung eines angeblich in internationalen Rauben befindlichen Materials in der Reichstagsbrandsache gebeten hatte, liegt jetzt vor. Branting zählt zunächst die Juristenkommission auf, die man anscheinend für diese Einmischung in ein schwebendes Verfahren zusammengebracht hat, behauptet, „reiches Material" zu haben, und nimmt für jene völlig unbefugte Kommission die Bezeichnung
„Untersuchungsausschuß"
in Anspruch. Er unterstellt dem Oberreichsanwalt einfach, daß dessen Bcweismaterial nicht ausreichend sei, muß die Wichtigkeit der Vorlage jeglichen aufklärenden Materials vor dem Reichsgericht zugeben, macht aber die Herausgabe des angeblichen Materials von bestimmten „Voraussetzungen für eine freie und unabhängige Verteidigung" abhängig.
Welcher Geiftesrichtung diese Juristenlommission anscheinend ist und welche Unwissenheit ihre Mitglieder gegenüber deutschen Verhältnissen haben, geht aus der Aufzählung dieser Voraussetzungen hervor, die einerseits Selbstverständlichkeiten und andererseits derartige Bekundungen von Weltfremdheit enthalten, wie etwa „menschenwürdige Behandlung der Angeklagten" und „Sicherheit des Lebens für die Verteidiger"! Als ob es sich um Rußland und nicht um Deutschland handelte!
Der Oberreichsanwalt kann denn auch in seiner Antwort betonen, daß er ja schon in seinem ersten Schreiben auch um Entlastungsbelege
gebeten hat und erklärt sich mit der Vorlage etwaigen Materials durch die Verteidigung ohne weiteres einverstanden. Im übrigen macht er den schwedischen Juristen aus die freie Verteidigerwahl in Deutschland sowie auf das Recht zur Einsichtnahme in die Akten und zur ungestörten Aussprache mit den Angeklagten anfmerk- sam und weist Unterstellungen, wie sie in der Forderung nach „menschenwürdiger Behandlung der Angeklagten" und nach „Sicherheit des Lebens der Verteidiger" liegen, nachdrücklich zurück.
Das große Lustrennen über veutschland.
Deutschlandflug 4933.
Vom Kurischen Haff bis zum Rhein, von der Nordsee bis zu den bayerischen Alpen werden am 25., 26. und 27. August deutsche Sportslugzcugc ihre Bahn ziehen beim Deutschlandslug 1933, dem größten bisher veranstalteten deutschen Fluqzeugwettbcwerb.
Der Streckenflug ist in drei große Tage^- schleifen eingeieilt, von denen jede entsprechend der Einteilung der Maschinen in drei Klasien drei verschiedene lange Strecken aufweist. Die kleinste Klasse A muß täglich etwa 850, die mittlere Klasse B etwa 1100 und die große Klasse C etwa 1350 Kilometer abfliegen.
Die Strecke des ersten Tages führt von Berlin-Tempelhof nach Nordosten, und zwar ist die erste Zwischenlanduna in Stettin vorgesehen.
Die Streckenführung im Deutschland-Flug.
Dann geht es weiter nach Da n z i g, von wo die große und mittlere Klasse einen Abstecher nach Königsberg macht, und von Danzig fliegen dann alle drei Klassen nach Frankfurt a. d. O., wo die erste Zwischenlandung auf einem nicht dem Luftverkehr dienenden Flughafen erfolgt. Von hier kehrt die kleinere und mittlere Klasse direkt nach Berlin zurück, während die „Großen" noch einen Abstecher nach Görlitz machen.
Am zweiten Tag
führt der Streckenflug nach dem Nordwesten und Westen Deutschlands. Die große Klasse beginnt den zweiten Wett- bewerbstaa mit der längsten Etappe des ganzen Fluges,
Der französische Schriftsteller Romain Rolland hat in einem Schreiben an den Oberreichsanwall die Aushändigung des angeblich im Besitz des ausländischen Untersuchungsausschusses befindlichen Beweismaterials von denselben Bedingungen abhängig gemacht wie Rechtsanwalt Branting. Der Ober- reichsanwalt hat zu dessen Forderungen im gleichen Sinne Stellung genommen wie in dem Schreiben an Rechtsanwalt Branting.
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Verschiedentlich verlautete, daß der Prozeß gegen die Reichstagsbrandstifter nicht in Leipzig, sondern in B e r l i n stattfinden solle, da das Reichsgericht einen großen Teil der Verhandlungen ohnehin in Berlin ab- halten müsse. An zuständiger Stelle des Reichsgerichts ist jedoch von einer Verlegung des Sitzes von Leipzig nach Berlin für die Dauer des Prozesses nichts bekannt; allerdings werden der Lokaltermin wie auch ein Teil der Zeugenvernehmungen in Berlin stattfinden müssen.
Wie weiter verlautet, ist zu dem Reichstagsbrand- stlfterverfahren Rechtsanwalt Dr. Sack als Wahlverteidiger des Angeklagten Torgler zugelassen.
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Größtes Entgegenkommen des Oberreichsanwalts.
Seine Antwort an Branting und Romain Rolland.
L e i p z i g, 23. Aug. (WTB.) Von zuständiger Stelle wird ein Briefwechsel zwischen Rechtsanwalt Branting, dem Schriftsteller Romain Rolland und dem Oberreichsanwalt in Sachen Reichstagsbrandstiftung veröffentlicht. Der wesentliche Inhalt der umfangreichen Schreiben ist folgender:
Der schwedische Rechtsanwalt Branting erwiderte auf das an ihn gerichtete Schreiben des Ober- reichsanwaltes vom 10. August u. a., es habe sich in der Tat ein Untersuchungsausschuß zur Aufklärung des Reichs-
(Fortsetzung auf Seite 2.)
B e r l i n — W y k au s F ö h r mit über 405 Kilometer. Die beiden anderen Klassen fliegen direkt nach Bremen, treffen sich hier mit den starken Maschinen und fliegen mit ihnen gemeinsam nach M ü n st e r weiter. Von hier geht die kleine Klaffe über Hannover nach Berlin zurück, während die Flugzeuge der mittleren und großen Klaffe nach Düsseldorf, also nach dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet gehen, um dann über .Hannover und Magdeburg die zweite Tagesschleife zu beenden.
Der dritte Tag
des Wettbewerbs führt über die deutschen Mittelgebirge nach Süden., Alle drei Klassen fliegen zunächst von Berlin nach dem Flughafen Schkeuditz (Halle-Leipzig) und von hier nach Rudolstadt. Von hier muß die große und mittlere Klasse über Thüringer Wald und 'SPessart, an der Wasserkuppe mit ihrem Segelfliegerlager vorbei, Darmstadt und M a n n - heim erreichen. Hier zweigt die mittlere Klasse ab n a ch Nürnberg, wohin inzwischen die „Kleinen" direkt von Rudolstadt geflogen sind. Die große Klaffe aber gebt von Mannheim nach Stuttgart-Böblingen und von hier weiter nach München, um dann in Nürnberg die Teilnehmer der beiden anderen Klaffen wiederzutreffen und mit ihnen gemeinsam über Dresden nach Berlin-Tempelhof zurückzukehr.en, wo der Wettbewerb sein Ende findet.
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Die Deuischlan-flieger
am Siari eingeirossen.
Mittwoch mittag war der offizielle Eintreffschluß für die am Deutschlandflug beteiligten Flieger. Es trafen bis 12 Uhr in Tempelhof 118 Flugzeuge mit ihren Besatzungen ein. Diese Zahl ist deshalb noch nicht endgültig, weil sich sechs bis acht Flieger noch auf der Strecke befanden, die wegen Witterungs- schwierigkeiten von ihrer örtlichen Luftpolizei bzw. von den Flughafenüberwachungen auf der Strecke Startverbote bekommen hatten.
Die endgültige Zahl der ant Deutschlandflug beteiligten Besatzungen wird sich also auf etwa 125 stellen. Damit erreicht dieser Wettbewerb eine Zahl von Teilnehmern, wie sie bisher kein Flugwettbewerb in irgendeinem Lande aufweifen konnte. Das neue Deutschland und die neue Lustfahrtführung beweisen mit dem großzügigen Ausziehen des Deutschlandsluges, daß die deutsche Luftfahrt gewillt ist, sich mit aller Macht gegen alle Widerstände durchzu setze,!.