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Nr. 189 — 1933
Fulda, Dienstag, 15. August
10. Jahrgang
Wege der Arbeitsbeschaffung.
Die Zündung.
Wir dürfen uns allerdings bei dem notwendigen Optimismus, den wir wahrhaftig nötig haben, nun nicht Utopien hingeben; wir dürfen nicht meinen, daß nun alles von selbst kommt und daß wir nun auch wirtschaftlrch von einem Sieg zu anderen schreiten können." Und weiter: Wir müssen den wirtschaftlichen Aufbau gründlich ansassen und müssen die Ursachen wirklich beseitigen, die zu dem Niedergehen der deutschen Wirtschaft geführt haben. So hatte mit starkem Temperament, „mit heißem Herzen, aber kühlem Kops" zum erstenmal vor der großen Ofseni- lichkeit der nun seit anderthalb Monaten im Amt beftnd- liche Reichswirtschafts mini st er Dr. Schmitt in Köln gesprochen. Er hatte dabei gerade jene Forderung eines wirtschaftlichen Optimismus in den Vordergrund gestellt; denn er als Wirtschaftler weiß ja nur zu genau, daß eine Überwindung der Krise und der Arbeitslosigkert doch nur dann erfolgen kann, wenn das Vertrauen zu einer besseren Zukunft auf einem begründeten Optimismus fußen kann. Aber Dr. Schmitt warnt auch sehr deutlich und lebhaft davor, die bisher errungenen Erfolge allzu optimistisch zu überschätzen. Die Arbeitslosigkeit zu beseitigen, und zwar durch ihre organische Vekämp.fuyg, bezeichnete er als eine Aufgabe, die noch vor uns steht.
Ebenso wie es der Reichskanzler Adolf Hitler vor kurzem in seiner Rede vor den Reichsstatthaltern aus- sührte, hat auch der Reichswirtschaftsminister mit ernsten Worten darauf hingewiesen, daß der Ansturm der nationalen Bewegung zwar auf politischem Boden ganz von vorn anfangen mußte und anfangen konnte, nachdem er dort das Morsche zerstört hatte. Anders aber ist es auf wirtschaftlichem Gebiete. Denn hier bat die langjährige Krise so außerordentlich viel zerstörr und selbst Lebenswürdiges vernichtet, daß es nur ein Ausbauen geben kann. Die wirtschaftlichen Gesetze und Notwendigkeiten sind etwas, das immer der Ausgangspunkt für wirtschaftliches Handeln gewesen sind und es bleiben werden.
Diese Notwendigkeiten sind heute für uns die Arbeitsbeschaffung, andererseits der Wieder- (Ut f b a u des Kapitals und Geldmarktes. Wenn Dr. Schmitt nun von der organischen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sprach, so scheidet er davon — theoretisch — die Maßnahmen der Regierung, die als B e - schleunigungsmittel in jenem Kampf eingesetzt wurden und entsprechend wirken sollen, nämlich dahin, die Funktionen der Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Denn eine gesunde Wirtschaft muß ein selbständiges Leben führen, wenn sie organisch aufgebaut ist und einer künstlichen Belebung nicht mehr bedarf. Der Minister spricht von der „Z ü n d u n g", die dem Motor der Wirtschaft durch die Maßnahmen der Regierung vor allem sür die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gegeben wird. „Es ist genau so, wie wenn man einen Motor anspringen läßt und gibt nicht im richtigen Augenblick Gas; dann ist die Zündung nicht gelungen."
Aus einem anderen Wege, als er jetzt eingeschlagen worden ist, hatte man vor nunmehr fast Jahresfrist, als die Krise ihren Tiefstand erreicht hatte und es so schien, als ob sich hier und da eine Besserung einstellen wollte, die Wirtschaft mit neuen Impulsen versehen wollen. Unvorhergesehene Störungen von draußen her und im binttendeutschen Wirtschaftsleben haben jene Versuche nicht zu den gewünschten Erfolgen führen können. Es war eben „n i ch t im richtigen Augenblicke GaS gegeben worden"! Die Zündung gelang nicht, weil tn der deutschen Wirtschaft das Vertrauen darauf sehr bald wieder wankend wurde, ob es denn nun wirklich aufwärts ginge. Erst mußten die Voraussetzungen dafür steschafsen werden, daß dieses Vertrauen entstand und an Stärke und Kraft zunahm. Es ist eine Utopie — Dr. Schmitt erklärt das mit aller Deutlichkeit —, den Erfolg »von einem bloßen Appell zu erhoffen: Deutsche unternehmt, Deutsche gebt Aufträge!" Ausgeführt wird ein solcher Appell doch nur dann, wenn alle wirtschaftenden Preise, vom Großunternehmer bis zum Handwerker, den Glauben und das Vertrauen haben, richtig und vernünftig SU handeln.
. Eine solche Atmosphäre des Vertrauens und des wlten Glaubens in eine bessere Zukunft, — das ist das Gas, das jetzt „im richtigen Augenblick gegeben" worden A Ist doch der Erfolg, der bisher im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit errungen worden ist, schon um vieles großer, als ihn die Maßnahmen der Regierung allein yerbeigeführi haben. „Wir haben heute einen wirk- rchen Rückgang der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen, schon ohne den konjunkturellen Rückgang, ohne die künstlichen Maßnahmen". Das war der erste Schritt und dieser Schritt war zugleich der schwerste. Gerade darum aber dürfen wir, wie Dr. Schmitt in narkem, aber berechtigtem Optimismus äußerte, „in unserem neuen Deutschen Reiche unter allen Umständen "Nen Rückschlag erleiden."
Öffentliche Arbeitsbeschaffung und private Zmtiative.
Pommerns alte Garde hat wieder Arbeit
In der pommerschen Arbeitsschlacht b5e neue Etappe erreicht Soeben angestellte Zahlungen ^. ergeben daß die Arbeitslosigkeit gegenüber dem
Höchststand im Winter aus ein Drittel herabgedrückt worden ist. Gegen 150 000 Arbeitslosen im Winter sind es im Augenblick nur noch rund 55 000 — und diese Zahl ist weiter im Sinken! D a s T e m p o der Arbeitsbeschaffung hat sich gegenüber dem Monat Juli verdoppelt! Heute meldet der Kreis S ch l a w e, daß dort der letzte Arbeitslose wieder eingereiht worden ist. Damit ist der zwölfte pommersche Kreis völlig frei! In zwölf Tagen wurden zwölf Kreife frei!
Der pommersche Wiederaufbau ist vor allem durch eins gekennzeichnet: alle Neueinstellungen erfolgen ausnahmslos zum vollen Tariflohn. Die baburdi entstehende echte Kaufkrafterhöhung wird aus alle Zweige der Wirtschaft befruchtend einwirken und die natürlichen Auftriebstendenzen, die sich bemerkbar gemacht haben, weiter fördern. Der bisherige Terraingewinn ist durch ein enges Zusammenwirken der privaten Initiative mit der ö f f e n t l i ch e n Arbeitsbeschaffung erzielt worden und man hat überall dafür Sorge getragen, daß ein Rück strö m e n der eben untergebrachten Erwerbslosen nicht erfolgen wird.
Es ist selbstverständlich, daß die Arbeitsbeschaffung verbunden wurde mit einer Hilfe für die Arbeitslosenangehörigen d c r a l t c n G a r d e. In Pommern haben alle Parteigenossen y§ zur Mitgliedsnummer 100 000, die in den Jahren des Kampfes infolge von politischer Schikane ihre Stellung verloren hatten, heute wieder Arbeit. Damit ist auch diese Aufgabe erfüllt worden, die ein Aufruf der preußischen Landtagsfraktion allen Gauen und Provinzen zur Pflicht gemacht hat.
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Aeichsregèerung und Wirtschaft Hand in Hand.
ReichSstatthalter Sauckel über die nächsten Ausgaben.
Auf einer Amtswattxrtagung der NSDAP. in Friedrichsroda sprach Reichs statthalter Sauckel über die Pflichten, die jedem einzelnen Deutschen aus der nationalen Erhebung erwachsen seien. Es komme nicht darauf an, in welchem Tempo der Nationalsozialismus als Weltanschauung durchgeführt werde, sondern es komme darauf an, wie er durchgeführt werde. Es sei der unerbittliche Wille des Führers, daß in keine nationalsozialistische Behörde irgendwelche Eingriffe von irgendwelcher Seite vorgenommen werden dürfte. Das gleiche geltevon der Wirtschaft.
Die nächste große Aufgabe, erklärte Sauckel weiter, bestehe darin, in Deutschland eine Autorität zu -rrichten, an der nicht mehr gerüttelt werden könne, ein Staatsprinzip, das für Jahrtausende Geltung habe. Keine Macht der Welt werde dann mehr ihr Spiel mit Deutschland treiben können. Dann werde auch die zweite Aufgabe gelöst werden können,
den europäischen Frieden zu erhalten.
Die dritte große Aufgabe bestehe darin, das deutsche Volk in seiner Gesamtheit wieder in Arbeit zu bringen. Nicht die Reichsregierung allein könne diese Aufgabe lösen, jeder einzelne müsse sich beteiligen, Industrie, W i r t s ch a f t u n d H a n d m c r t müßten an der Beseitigung der Arbeitslosigkeit helfen. ~
Die politische Leistung erzieht das Volk, S A. und S S. erziehe den deutschen Jungen zum deutschen Manne und die N S B O. führe den deutschen Arbeiter aus dem Marxismus heraus. Für die Arbeitsschlacht gelte der Satz, daß das Glück den Tapferen unterstütze. Wenn jetzt das deutsche Volk den Einsatz wage, dann lege es jeden Groschen, jeden wirtschaftlichen Wert in die Waagschale, die das Schicksal dem deutschen Volk in der Hand Adolf Hitlers noch einmal Vorbehalte.
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Deutschland will in Frieden arbeiten!
Beobachtungen eines Engländers auf einer Deutschlandreise.
In einem Brief an die Londoner Zeitung „Daily Telegraph" schildert der englische Historiker Sir Raymond B e e z l e y die Eindrücke, die er bei einem dreiwöchigen Besuch in Deutschland empfangen hat. Er schreibt u. a.: .
„Die Grundlagen des neuen Regimes sind im wesentlichen die Ideale der nationalen Einigkeit, der Vaterlandsliebe, der Tüchtigkeit, Ordnung, Gesundheit und körperlichen wie seelischen Sauberkeit und der allgemeinen materiellen Wohlfahrt des Staates, der Familie und der einzelnen Person. Diese Bewegung hat Millro- nen neue
Hoffnung, Tatkraft und Zuversicht gegeben. Sie hat eine Art neuen Lebens eingeflößt.
Beinahe jeder Mensch, dem ich begegnet bin, machte den Eindruck, daß er sich mit frischem Eifer an die gemeinsame Arbeit für die Wohlfahrt des Landes begibt. Viele von ihnen gehörten gar nicht zur Nationalsozialistischen Partei.
Wie einige der besten Beobachter glaube ich, daß das deutsche Volk Frieden wünscht. Denn cs will wiederaufbauen und umbilden und einen gesunden, kraftvollen und leistungsfähigen nationalen Staat errichten. Aber es fordert Frieden auf der Grundlage, einer gerechten Anwendung des Prinzips der G l e i ch h e i t.
Es entspricht nicht mehr der Gerechtigkeit, daß eintge Staaten bis zu den Zähnen bewaifnet ünb. Während
andere „bis aufs Hemd ausgezogcn sind". Manche Leute scheinen geneigt zu sein, das neue Deutschland derartig anzugreifen, daß jede Aussicht auf wirksame Rüstungsverminderung schwindet. Aber die Hoffnung der Abrüstungskonferenz liegt sicher in hohem Maße in der freundlichen Haltung Deutschlands gegenüber einer solchen Konferenz und in der g e r e ch t e n Behandlung Deutschlands durch die Konferenz."
Die Äußerungen Beezleys, der Professor an der Universität in Birmingham ist, sind insofern von Bedeutung, als der Gelehrte bereits in einem Buch zur Kriegs- schuldfrage in sehr sachlicher Weise Stellung genommen hat und damit unter seinen Landsleuten aufklärend gewirkt hat. Es ist nur zu begrüßen, wenn durch solche objektiven Darstellungen die englische Öffentlichkeit von unbeeinflußten Zeugen die Wahrheit auch über das neue Deutschland erfährt.
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Schluß mit Schwanarbeit!
In einer Amtswalterbesprechung wendete sich der stellvertretende Führer des Gesamwerbandes der deutschen Arbeiter, Ludwig Brucker, auf das schärfste gegen die Schwarzarbeit. Wer Schwarzarbeit leistet, vergibt oder annimmt, dabei auch noch oft öffentliche Unterstützungen mißbräuchlich beansprucht, versündigt sich am Allgemeinwohl, schädigt Wirtschaft und Gewerbe, und vergeht sich an den elementaresten Interessen der Arbeiterschaft. Die zugleich erfolgende Schädigung der sozialen Fürsorge durch Beitragsausfall und mißbräuchliche ungerechtfertigte Leistungen, die Minderung des steuerlichen Aufkommens und die Zerrüttung der öffentlichen Moral aus egoistischem Eigennutz wird als Sabotage der Wiederaufbauarbeit betrachtet und entsprechend geahndet werden müssen.
Wer Schwarzarbeit bekämpft, schafft ivirkliche Arbeit, daran und nur daran ist die Arbeiterschaft interessiert. Daß die Amtswalter der Arbeiterverbände daher mit besonderem Nachdruck den Kampf gegen unsoziale Schwarzarbeit führen werden, entspricht dem Grundsatz: Gemeinnutz geht vor Eigennutz!
Kein RSDW.-AbzeiHen an Ausländer.
Der stellvertretende Führer Rudolf Heß hat folgende Anordnung erlassen: Hiermit wird das Verschenken oder der Verkauf von Abzeichen der Bewegung an Ausländer grundsätzlich untersagt. Das Recht, in besonderen Fällen Ausländern Abzeichen zu verleihen, steht lediglich der Reichsleitung oder deren ausdrücklich hierzu ^Beauftragten zu.
Marxistischer Spitzel in der ALSO.
Einem Hetzer das Handwerk gelegt.
Wie der „Haniburgische Eorrespondent" berichtet, ist cs gelungen, einen m a rx i st i s chen Spitzel in der N S B O. zu entlarven, dèr sich in den Dienst der Hetzpropaganda gestellt hatte. Es handelt sich um den Obmann des Betriebsrates der AOK, Hamburg, Kart. Dieser bezog aus O st e r r e ich linksgerichtete Z c i t u n - a p n , hauptsächlich kommunistischer Tendenz, photographierte einzelne Artikel, um so ihre Herkunft zu verschleiern und versandte diese Elaborate dann an die verschiedensten Stellen. Der Zweck seiner Wühlarbeit war, das Vertrauen der Bevölkerung zu ihren neuen Führern zu untergraben und die Arbeit der nationalsozialistischen Regierung zu sabotieren. Dem Schädling wurde seine zerstörende Tätigkeit gelegt.
ZündholZzugabe bei Tabakwaren.
Das Reichswirtschaftsministerium teilt mit: Auf Ver anlassung des Reichswirtschaftsministeriums fanden sich die Vertreter des Reichsverbandes des Deutschen Einzel Handels mit Tabakwaren e. V. und der Deutschen Zünd ivaren-Monopolgesellschast zusammen, um über das von dem Verband ausgesprochene Verbot, Zündhölzer b e i m B e r k a u f v o n T a b a kw a re n z u z u g e b e n, zu verhandeln. Die Parteien einigten sich dahingehend, daß das ausgesprochene Zugabeverbot z u r ü ck g e n o m m c n wird. Stattdessen mirb den Mitgliedern empfohlen, dem Verkauf von Zündhölzern, insbesondere Buchzündhölzern, ihr besonderes Augenmerk zuzuwenden. Wenn überhaupt, so sollen in Anbetracht der geringen Gewinnspanne im Tabakwarèneinzelhandel Zündhölzer nur beim Verkauf von T a b a k w a r e n im Betrage von mindestens einer Reichsmark zugegeben werden
Zahlungseinstellung Rumäniens.
Keine Schuldenzahlungen an das Ausland.
Der rumänische Ministerrat beschloß, die rumänischen Schnldenzahluuqeu an das Ausland, also die Zahlung der Auslandskupons, ab 15. August cin - zuftcllcn.
Infolge eines technischen Versehen-, hna gestern die Texte zu den beiden oberen Bildern aus der ersten Seite fbetr, SS.-Appell in Berlin) vertauscht worden. Der aufmerksame Leser wird, so hoffen wir. dem Druckfehlerteufel Hilf dts Sour ILtomms* sei" und die Bedsutung der Bilder dennoch verstanden haben.