Zul-aer Anzeiger
rSÄS* Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Ä^*ÄL”Ä«5 Zulöa- unö Haunetal ♦ Zulöaer Kreisblatt Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ❖ Zernsprech-Rnschluß Nr. 2484 Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachüruck üer mit* versehenen Artikel nur mit Quellenangabe „Zulöaerflnzeiger"geskattet.
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Nr. 181 — 1933
Fulda, Samstag, 5. August
10. Jahrgang
Der fliegende Student.
Deutscher Student bricht Weltrekord im Segelflug.
Alle Da u e r f l ü g e w e i t ü b erböte n.
Der Königsberger Student Kurt Schmidt, der auf dein Segelflugplatz Korscheuruh (Ostpreußen) zu einem Angriff auf den Segelflugrekord aufgestiegen war, hat den bisherigen Weltrekord im Dauerflug Erbrochen imb bei weitem überboten. Um 14.3,0 Uhr hcsanti sich der neue Weltmeister im Scgelflng schon 3 1 § l uu dc n i u der Lust. Der bisherige Weltrekord im Dauerflug betrug 22 Stunden und 50 Minuten.
Der Weltrekord im Segelslug um fast ] 4 Stunden überböte n.
Der ostpreußische Segelflieger, der Königsberger Student K u r t S ch m i d 1. ist am Freitagabend kurz nach 20 Uhr wohlbehalten gelandet und hat somit > ä n - ger als 3 6 Stunden in der Luft gehangen. Schmidt hat den amerikanischen Weltrekord im Segelfliegen von 22 Stunden und 50 Minuten um f a st 1 4 Stunden überboten!
Der Student war mit einem Segelflugzeug des Grunau er Babytyps aufgestiegen. Er hatte in der letzten Zeit schon mehrere V e r s u ch c unternommen, den Weltrekord zu brechen, es war ihm aber bisher nie gelungen, länger als fünf bis sieben Stunden in der Luft zu bleiben. Am Donnerstag früh war Schmidt um 7.25 Uhr von neuem aufgestiegen und befindet sich seitdem in der Luft. Die ganze Nacht wurden am Hang Feuer unterhalten, um dem Flieger die Orten iie- rung zu ermöglichen. Am Morgen ist etwas Regen aufgetreten. Auch hat sich der Wind etwas südlich gedreht, so daß er sehr spitz zum Hang steht. Auf die Kunde von dem neuen Rekord strömten von allen Seiten die Neugierigen herbei, um
mit Begeisterung die sportliche Großtat zu beobachten. Schmidt fliegt in einer Höhe zwischen 70 und 300 Meter und verständigt sich teils mündlich,
Re IMsllß-MilNi gegen die MimWMen
Die angebliche französische „Hilfe für Österreich."
Paris hat England verschnupft.
Die Presseregie der französischen Regierung hat wieder einmal „zu gut" geklappt. Das Stichwort „Ptotest gegen die S a a r z w ischenfälle und H i l s e iür Österreich", das von zuständiger Stelle aus- Oegeben wurde, i^ von der Presse allzu willig aufgegriffen und sofort, in beiden Fällen zn einem a m t l i d) e n Vorstoß gestempelt worden. Sachlich ist der Unterschied gering; der Form nach ist es aber nicht unwesentlich, daß der dem Quai d'Orsay nahestehende „Temps" hinsichtlich des Falles Österreich die Blätter, die allzu prompt ein- steschwenkt sind, eines Besseren belehrt. Es handle sich •i i d) t um eine Verlautbarung halbamtlichen Charakters und es treffe nicht zu, daß eine bestimmte diplomatische Aktion bereits im Gange sei. Man tausche Beobachtungen 'M Saufe gewö h n licher Unterhaltungen unter Diplomaten aus, man bleibe nicht untätig gegenüber möglichen Gefahren; aber ein Schritt irgendwelcher Art sei bisher nicht getan worden. Nur im Falle, daß die deutsch-österreichische Spannung zunehmen würde, würde man veranlaßt sein, eine Initiative zu ergreifen in der Richtung auf ein gemeinsames Vorgehen, um die >in- baltbar gewordene Lage abzustellen. Gegenwärtig befinde man sich erst im Zustand der aufmerksamen Beobachtung dèr Ereignisse.
Der Meinungsaustansch zwischen England, Frankreich und Italien über die deutsch-österreichisch e n Siebungen und besonders die angebliche Uberfliegung österreichischen Gebiets durch Flugzeuge nimmt auch in der englischen Presse einen großen Raum ein, wobei diese jedoch einen sehr z u r ü ck haltend c ii Standpunkt vertritt. Die französische Verlautbarung scheint in England z j e m l i ch ve r st i nt m t zu habe n. So schreibt l>mt Beispiel der Londoner Korrespondcni des „Echo de Paris", daß man in London an eine Zusammenkunft der Vertreter Deutschlands, Frankreichs, E n g l a n d 's und I t a l i e u s , d. h. der llnterzeichner des Vier-Mächte Paktes denke, um eine Lösung für die deutsch-österreichische Frage zu suchen. Man ziehe eng- Wcherseits ein Verfahren vor, das es der ciigtnd)en Re- Pernug erlaube, sich etwas abseits zu halten Man bc.oiie außerdem in gutunterrichteten englischen Kreisen, daß die ö st e r r c i ch i s ch e Regierung nicht ausdrücklich M Eingreifen der Großmächte oder des Völkerbundes erbeten habe.
_,. ~*5 Regierung Dollfuß fei vielmehr z i e ml ich ^'chiittert, und der Bundeskanzler merbe durch die Drohungen seiner Kollegen eingeschüchtert, sie einem Z»- '«'""engchcn mit den Nationalsozialisten freundlich Pgenüberständeu.
teils durch Morsezeichen mit der Umwelt. Er berichtet, daß er sich wohlauf befindet und verkürzt sich seinen langen Ausenthalt in der Luft durch allerlei Flug- s ch e r L e u n d S t uF z f l ü g e. Als V e r p f l e g u n g bat der Segelflieger, der sich sorgfältig vorbereitet hatte, einige Butterbrote, etwas Schokolade und eine Flasche Wasser mitgenommen.
Die Fliegerlandesgruppe Ostpreußen des deutschen Luftsportverbandes hat an Reichsminister Göring folgendes T e l e g r a m in gerichtet:
Melde: Kurt Schmidt, Fliegerortsgruppe Königsberg, Preußen, Segelflngdauerfiug gestartet. 3. August, 7.23 Uhr, Korscheuruh, zur Zeit 4. August, 9 Uhr, noch in der Luft. Weltrekord bereits überschritten. Endgültige Meldung folgt. Oppermann, Fliegerlaudesgruppen- führer 1. — Ein Telegramm in gleichem Wortlaut ging an den Präsidenten des Deutschen Luftfahrtverbandes, Hauptmann a. D. Lörzer.
Kurt Schmidt ist Student der Philosophie in Königsberg. Er wurde im Jahre 1906 in Straßburg geboren, hat aber fast seine ganze Jugend in Ostpreußen verbracht. Die Segelfliegerei betreibt Schmidt seit langer Z e i t. Er ist in Korschenruh ausgebildet und bat dann in Grunau im Riesengebirge ii u ter W o l s g a u g '.s? i r t b seine weitere 91 usbil - d u n g genossen. Er mar bereits im Besitze der einzelnen Segelfliegerscheine und auch des amtlichen Flugscheines.
Telegramm an den Reichskanzler.
Die Flieger-Landesgruppe Ostpreußen hat an ben Reichskanzler in Berchtesgaden und den gleichfalls dort weilenden Oberpräsidenten von Ostpreußen, E r i ch K o ch, ein TelegramUl folgenden Inhalts gesandt: „Segelflieger S ch in t'b t, Fli^zerortsgruppe K vittgâ > g- Ostpreußen, fliegt Segolflngwelttekord. Zur Zeit bereits rfb e r 3 3 S t u il d c u in der Luft. Damit bisherigen Weltrekord um über 1 2 Stunde n g e schlage n. Oppermann, F liege r-La ude s g rup p enfü h rer I.'
Kit dem Seitengewehr gegen eine $reuereemeinbe.
Unglaubliche Auftritte bei der Beerdigung eines Nationalsozialisten in Tirol.
Der von einem Heimatwehrmann erschossene B e - zirksführer der NSDAP., Gastwirt Kantner, wurde in Fiebe r b r u n n (Tirol) zu Grabe getragen. Infolge der erregten Stimmung in der Bevölkerung hatten die Behörden am offenen Grabe eine Anzahl. G e n dar m e it m i t a u f g e p f l a n z t e in Bajo - ne 11 ausgestellt. Ein Mann aus Kufstein, der am Grabe einen Kranz niederlegte, auf dessen Schleife die Worte standen „U ii s e r e m t r c u e n M i t k ü m p f e r\ wurde vom Grabe weg verhaftet. Nachdem der Geistliche die Leiche cingesegnet hatte, sprach ein Nationalsozialist einige Worte. Zum Schluß streckte er über das Grab den Arm aus und sagte: „H eil unsere m M i t - kämpfe r". Daraufhin wurde andrer gleich am Grabe für verhaftet erklärt. Die Musikkapelle des Wohnortes des Toten spielte eine Trau erweise.
Kaum waren die Töne verklungen, als die gesamte Trauervcrfammlung spontan die Hände erhob und das Horst-Wessel-Lied anstimmte. Die am Grabe ausgestellten Gendarmen suchten nun mit gefälltem Sei tenge w c h r gegen die Leute loszagehe«, aber sie ivareu vollkommen machtlos, da die Menge mie eine Mauer stand und sich nicht abhalten ließ, alle Strophen des Ho rst - Wessel - L jedes bis zum Ende zu singen. Nachher zerstreuten sich die zahlreichen Trauergüste sofort
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Michsdenische Zour^aSisten
in Wien verhastei.
Die Wiener Zeitung „Die Stunde" meldet: Im Zu- jamineuhang mit einer polizeilichen Aktion, die zur Aus- hkbUng einer geheimen Nnzizentralc führte, wurden z iu e t W i cn cr Korrespondenten r cich s deut sch er Blätter zur Polizei gebracht, wo sie einem cingchcn- d- n Verhör unterzogen wurden. Die beiden Korrespon- denten sind der Korrespondent des Scherl- V e r la g e s, E. (shr. Schepky, uni) der Korrespondent der «M ü n - chrucè Zeitung", Hönig.
Wegen der Verhaftung dSs Korrespondenten Schepky bat, da Schepky r ei ch s d è u t sch e r Staat san gehöriger ist, die deutsche Gesandtschaft bereits nach- imüvfirb interveniert und die Zusage erhalten, daß die Aagelegeuheit so schnell wie möglich erledigt werde»;soll,
Ser Wiener Korrespondent der „Germania", Riedl, der in der österreichischen jungkatholischen Bewe- gung eine führende Rolle spielt, ist verhaftet und in i t 14 Tagen Sirrest bestraft worden, weil er in Zeitungsartikeln das österreichische System an- gegrisscu hat.
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Vergeltungsmaßnahme für die Deutschen- verfolgung in Österreich.
Nachdem in Österreich erneut eine Deutschenverfolgung eingesetzt bat, hat das Geheime Ttaats- p o l i z e i a m t in Berlin seinerseits eine Anzahl Ö st e r - reicher, die sich in Deutschland a ls mißliebige Auslände r betätigt haben, ansgewiesc n.
Empfänge und Besprechungen beim Kanzler in Berchtesgaden.
Das Programm des Reichsparteitages in Nürnberg bei vrocken.
Reichskanzler Adolf Hitler, der zu vorübergehendem Aufenthalt auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden eingetrossen ist, hatte eine Besprechung mit dem Staatssekretär der Reichskanzlei, Dr. Lam m e r s , uns) Staatssekretär Dr. Funk vom Reichspropagandaministerium. Außerdem empfing der Kanzler den amerikanischen Industriellen Mr. Behn und den Vizepräsidenten der City Company of Newyork, Mr. Henry Mann. — Weiter hatte der Reichskanzler im Beisein des Staatssekretärs Dr. Lammers eine Besprechung mit dem s üdafrik an i s ch e n Mini st er für Eisenbahn und Landesverteidigung, Pirow, und dem Generalkonsul Brehmer. An dieser Besprechung nahm auch der Vertreter der bremischen Regierung bet der Reichsregierung, Burandt, teil.
Danach fand eine Besprechung des Reichskanzlers mit dein Leiter der politischen Organisation der NSDAP., Dr. Ley, und dem Reichsjugendsührer v v it Schirach über den R eichs p a r t eit a g von Nürnberg statt. Dr. Ley legte die vom Führer entworfenen Pläne über die im Ausbau begriffenen Anlagen und Anfmarschrâumc in Nürnberg vor. Die Aufmarscharcna im Luitpoldhoin wird danach mit ihrem Fassungsvermögen von rund 4 0 0 0 0 0 Menschen zur größten Arena der Welt gestaltet. Außerdem wurde das Programm des Reichs- Parteitages besprochen, das eine reibungslose Durchfüh riiitg der gewaltigen Veranstaltung garantiert.
Der Reichskanzler empfing dann noch den Staatssekretär des Reichswirtschaftsministeriums, Gottfried Feder, zur Besprechung aktueller Wirtschaftsfragen.
Besondere Verkehrsregelung für Obersalzberg.
Unnötiger Lärm soll vermieden werden.
Wie der „Völkische Beobachter" ans München meldet, hat der Reichsführer der SS. und politische Polizei kommandeur Bayerns eine Bekanntmachung erlassen, nach der das Befahren der Straßen Berchtesgaden Ober salzberg und Berchtesgaden-Au-Obersalzberg nur besonders zugelassenen Fahrzeugen gestattet ist. Allen übrigen Fahrzeugen ist das Befahren der beiden Straßen polizeilich verboten.
Es wird von der Bevölkerung erwartet, daß sie im Interesse der Erholung de s Volk s kanzle r c- sich strikte an die Vorschriften hält. Es ist notwendig, daß jeder unnötige Lärm vor Dem Haus, wie Sprechchöre oder Zurufe, unter allen Umständen unterbleiben. Als gegen den guten Ton verstoßend muß es bezeichnet werden, wenn ständig jede Bewegung des Volkskanzters mit dem Feld st e ch c r b e o b a ch t e t wird.
Sie Schutzmaßnahmen für den Bauer.
Rcickslandbundführer Meinberg über die agrarpolitisrhen Ziele.
In einer Massenversammlung des tvestsälischen Bauernstandes und des westfälischen Landhandels in Hamm sprach in Anwesenheit zahlreicher Regierungs- und Behördenvertreter der Präsident des Reichslandbundes und Landesbauernführer M e i u b.c r g. Er legte in seiner Rede ausführlich die Ziele der deutschen A g rarst o l i t i f dar.
Ans dem Gebiet der P reis b e w e g n n g werde alles unternommen, um die Lebensmöglichkeiten des deutschen Bauerntums soweit als möglich sicherzustellen. Bei der Grund- und Bodengesetzgebung seien ge-- wiß Härten vorgekommen, aber sie seien u n v e r tu cid - l i ch gewesen. Die Maßnahmen der Regierung seien darauf abgestellt, den Bauer aus seiner Scholle zu schützen.
Niemand denke daran, den Großgrundbesitz zu zcr schlagen. Nur der ü verschuldet c u«d nicht lebensfähige Großgrundbesitz solle zur Schaffung eines lebensfähigen Bauerntums uufgeteilt werden.
In die Organisation des deutschen Bauerntums gehöre unbedingt auch die der deutschen Landfrauen und des deutschen I u n g b a u e r n t u in s, ans dein die künftigen Führer herauswachsen-sollten. Zum deutschen Bauerntum gehöre auch der deutsche L a n d h a u d c l, der den bisherigen Begriff des jüdischen Händlertums luicber ulmvandelu müsse in den Begriff des „l ö n i g - ’ i el) c ti K a u f m a n n s."