Simba.
Skizze von Alfred Dicke -Crsurk.
Frau Lotte Haberl, die stattliche Wirtin der „Goldenen Traube", stand auf dem Bahnsteig. Neben ihr der Gatte. Wie alles in Abwesenheit Frau Lottes gehalten werden sollte, hatte man schon besprochen.
„Artur", sagte sie zum Schluß vorsichtig, „noch eine kleine Bitte... Brems' ein bissel mit... mit dem Trinken! Ich ängstige mich um Dich ..."
„Oho, Lotteken, was könnte mir wohl geschehen!" Selbstbewußt reckte er die starken Glieder.
„Deine Nerven — in letzter Zeit — ich fürchte..."
„Herrjeh! Du tust ja, als ob ich — als ob ich schon .schwarze Männer' sähe."
„Wer weiß", neckte sie.
„Bitte Platz nehmen!"---
I Lotte war fort. Unruhig strich Herr Haberl durch Küche und Keller, Gaststube und Weinhandlung. Abends wurde die Gaststube brechend voll. Träge schlichen die Stunden. Er trank keinen Tropfen. Endlich wurde es leer. Nur im Probierstübchen kneipte noch eine seßhafte Runde: die „Sieben Raben". Zu denen gesellte er sich. Großes Hallo!
„Was gibst Du aus für Deine Freiheit, glücklicher Strohwitwer?" rief der Kinobesitzer Lieblich.
Gute Kunden, dachte der Wirt und gab einen geheimnisvollen Befehl. Diensteifrig schleppte der Küfer Flaschen herbei. Kurzum, es wurde ganz schlimm ...
Morgens lag Herr Haberl schwergeladen im Bett und träumte. Vom Abschied am Tage zuvor. Eben hatte er gesagt: „Herrjeh, Du tust ja, als ob ich — als ob ich schon .schwarze Männer' sähe", da erwachte er plötzlich. Und nun geschah Unfaßbares, Unheimliches... Leise öffnete sich die Schlafzimmerair, und herein schaute ein kohlschwarzes, grinsendes Gesicht.
Entsetzt zog Haberl die Steppdecke über den Kopf, verkroch sich. Sekunden später lugte er vorsichtig durch einen Spalt. Die Erscheinung blieb. Da erfaßte ihn ein unbeschreiblicher Zorn. Decken fort, Kopfkissen genommen und jählings gegen die Tür geschleudert. Die Erscheinung verschwand. Raus nis dem Bett, Schlafrock übergeworfen, hinterdrein. Auf dem §lnr: nichts. Die Wohnungstür war nur angelehnt. Gerade wischte Auguste die Treppe. „Auguste! Auguste! Wo ist der Neger?"
Auguste hielt inne. „E' Schwarzer? Nee, Herr Haberl, per is' Sie keine Menschenseele lang..."
Also eine offensichtliche Sinnestäuschung! Was half in olch verzweifelten Fällen? Nur Wasser natürlich, eiskaltes Wasser. Verstört wankte Herr Haberl ins Badezimmer. Sofort iitter die Brause. Ausgiebig. Hu! So — und nun die innerliche Kur: drei große Gläser Wasser. Runter mit dem Zeug!
Trotzdem wiederholte sich die Erscheinung. Drei Tage päter, in der Schlummerstunde, unten im Weinkeller. Nichts- chnend bog Herr Haberl um eine Ecke, da stand etwa zehn Schritte vor ihm der Schwarze. Grinste, fuchtelte mit den Händen. Dann sprach er auch noch. Gurgelnd, rollend, schauerlich. Er sagte: „Simba..."
Haberl schleuderte einen Holzhammer gegen die Er- cheinung. Die verschwand. Bald darauf polterte der Küfer sie Treppe hinunter. „Neumann, Neumann, haben Sie den Schwarzen gesehen?"
Neumann verneinte sehr erstaunt.
Die Wasserkur wurde verschärft. Vier Tage vergingen. Haberl saß in seinem Privatkontor, nachmittags zwischen vier und^fünf, blickte wie zufällig auf. Da sah er im Oberlicht )er Tür zum dritten Male den greulichen Simba.
Einen wuchtigen Aschenbecher nehmen, ausholen und werfen — alles war eins. Sekunden saß der arme Haberl wie betäubt. Dann sprang er fluchend auf, rannte ins Gastzimmer. Umsonst, der Schwarze war spurlos verschwunden. Die Gäste itarrten ihn erschrocken an. Er aber wagte keine Frage.
Am selben Abend kehrte Lotte zurück, legte im Flur ab. Da klingelte es. Auguste öffnete. Aengstlich" grinsend schob 'ich ein Neger herein, drückte der Hausfrau schnell einen Brief n die Hand und stürzte Hals über Kopf die Treppe hinunter. Noch schneller war Herr Haberl. Kaum daß er den Schwarzen sah, schrie er laut auf und verschwand im Baderaum. —
Wartend saß Lotte im Speisezimmer. „Auguste", fragte sie verwundert, „badet mein Mann nicht mehr morgens?"
„Der Herr? Oh, der duscht jetzt fünfmal am Tage..." Endlich drückte sich Haberl herein.
„Mann, Artur, was geht hier vor?"
Der Fernsprecher meldete sich. Gleichgültig nahm Haberl den Hörer. „Hier Lieblich. Artur, Du selbst?"
Der „Arrak"-Diebstah! von Hermopolis.
Kannten die Alten den Alkohol? — Wicken sind kein Schnaps.
Von Martin Ried.
Es war um das Jahr 260 nach Christi Geburt. In Hermopolis, einer Stadt der römischen Provinz Aegypten, waren die guten Bürger mit der Verwaltung ihres schönen Gemeinwesens nicht einverstanden. Ihrer Meinung nach herrschte bei den städtischen Behörden eine richtige Sauwirtschaft. Das färbte natürlich auf die Einwohnerschaft ab. Tat die hohe Obrigkeit ihre Pflicht nicht, nun, so konnte man sich selbst ja auch hier und da einmal' einen kleinen Ueber- grisf erlauben. Und so schloß sich eines Tages eine Anzahl Hermopolitaner zusammen, bemächtigte sich dèr Schlüssel zum städtischen Vorratsspeicher — ob er schon dem alten Joseph zu seiner großartigen Getreidespekulation gedient hatte, ist nicht überliefert — und hieß außer großen Mengen Weizen, Gerste und Linsen auch 100 Artaben „Arrak" mitgehcu. Ihren Raub verbrauchten sie teils selbst, teils verkauften sie ihn zu Schleuderpreisen. Wie sich die hohe Obrigkeit zu der -tat gestellt hat, ist nicht bekannt, jedenfalls aber wurde darüber ein Protokoll ausgenommen, der Zeit entsprechend in griechischer Sprache, und dies im Archiv niedergelegt. Aus irgend eine Weise gelangte es in das Archiv von el-Fayuni, wurde dort mit unzähligen anderen Schriftstücken zusammen verschüttet, spater wieder ausgegraben und gehört nun sum „Papyrus Erzherzog Rainer" in der Wiener Nationalbibliothek, einer Sammlung von über 100 000 in zehn Sprachen abgefaßten Dokumenten aus der Zeit von 1400 vor bis 1300 nach Christi Geburt.
Dort würde es wahrscheinlich wie die meisten seiner Gefährten ein höchstens wissenschaftlichen Kreisen bekanntes Dasein führen, wenn die Beute der unzufriedenen Bürger von Hermopolis nicht auch 100 Artaben „Arrak" umfaßt hätte. Diese Angabe, verbunden mit der irrigen Annahme, es handele sich um eine früharabische Urkunde, führte nämlich zu der Vermutung, daß der Alkohol als Stoff schon im achten oder neunten Jahrhundert bekannt gewesen wäre. Das widermiicht jedoch der Auffassung des maßgebenden
„Sag'mal, warum schmeißt Du dauernd meinen Simba 'raus?"
„Wen?! Deinen — Simba?"
„Klar! Den Neger, der seit kurzem vor meinem Kino steht. Du hast doch selbst verlangt, er soll mal zu Dir kommen. Weißt Du noch, vorige Woche bei der letzten Sitzung der »Sieben Raben'?"
„Ich?"
„Gewiß. Hub nun wirfst Du ihn immer 'raus samt meinem schriftlichen Weinauftrag. Ich verdurste ja."
„Verzeihung. Dein Wein wird heute besorgt. Mißverständnis. Erklärung später. Auf Wiederhören!"
„Artur?"
„Ach, Schatz", sagte er aufatmend, „hier hat sich eine Gewaltkur abgespielt. Wer heute trinke ich wieder Wein, Dir zu Ehren. Allerdings mäßig... Und wenn ich jemals wieder zu viel trinken will, brauchst Du nur ein einziges Wort zu lagen.. "
Sic lächelte. „Was ist das für ein seltsames Wort?"
„Simba", sagte er und gab ihr einen herzhaften Kuß.
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Wanderlied.
Durch die Wälder in die Weite!
O, Natur ist gut und schön. Uns zum fröhlichen Geleite Leuchtet sie ans Tal und Höhn.
Frischer Lüfte kühles Wehen!
' Herz und Sinne glühen rein!
Mit verzückten Augen sehen Wir ins Herz der Welt hinein.
Hier in friedlichen Bezirken
Quillt des Lebens Sinn und Saft: Wie Natur soll jeder wirken. So in Stille, so in Kraft!
Tausend Wundern hingegeben Staunen wir und lauschen still, Wie das tätig heil'ge Leben Sich uns offenbaren will.
Will Vesper.
Professor Kaliko und Melitta.
Humoreske von Walter Sperling -Danzig.
Im Artistenpensionat herrschte schon am frühen Morgen ein kaum zu schilderndes Durcheinander. Es ivar der Letzte. In den Korridoren türmten sich die Koffer der abreisenden neben denen der ankommenden Artisten. In allen Räumen lärmten in allen Sprachen schimpfende und schreiende Menschen, weinende Dienstmädchen; den einzigen ruhenden Pol in diesem Wirrwarr bildete die Hausfrau, mit einem Schreibblock bctoaffnet von Zimmer zu Zimmer gehend, um die kleinen Gelder für verbrannte Tischdecken, zerschlagene Gläser und zerbrochene Möbel zu kassieren.
Mittlerweile hatten Dienstmänner ein Stück nach dem andern hinausgetragen, und die neuen Gäste begannen sich gegenseitig die besten Zimmer streitig zu machen. Bis zum Mittagessen hatte jedoch alles seine Bleibe.
Unter den neu Angekommeuen fiel ein großer schlanker, graumelierter Herr mit schwarzem Bärtchen auf, der sich Professor Kaliko nannte, seines Zeichens ein Jlsusionist, der sein Brot damit verdiente, sciyc — nach außen hin mit Frau bezeichnete — Partnerin Melitta allabendlich aus einem großen buntbemalten Kasten verschwinden zu lassen.
Besagte Melitta machte ihm viel Sorgen. Als Künstler, der nur seinem Beruf lebt, hatte er nicht viel Sinn für die Lebcnswünsche eines jungen Mädchens, und so tarn es oft zu mehr oder weniger großen Skandalen.
Auch hier hatte Professor Kaliko alsbald den Tisch mit bunten Kästchen, Fahnen, Karten, Bällen und Würfeln bepackt und begann mit seiner Lieblingsbeschäftigung: neue Tricks zu probieren, neue Apparate zu basteln und von großen Erfolgen zu träumen, die von Rechts wegen schon vor zwölf Jahren hätten da fein müssen.
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griechische „arax" odei die Bezeichnung für eim eine mitunter auch als Die diebischen Hermn hundert Flaschen Arra! ihr Hkusgètier gestohlen
Forschers auf dem Gebiete der Geschichte der Eyenne, Professors O. von Lippmann, der ein derartiges Wissen erst vom elften Jahrhundert ab für wahrscheinlich hält. Deshalb unterzog er die genannte Urkunde einer kritischen Prüfung, als deren in der „Chemiker-Zeitung" berichtetes Ergebnis sich der eingangs geschilderte Sachverhalt herausstellte.
Für die Frage nach den, Alter der Alkohol-Kenntnis ist d,c Deutung des Wortes „Arrak" ausschlaggebend. Als Bezeichnung für das heute gebräuchliche, zumeist aus Britisch- und Nicderländisch-Jndien ftammcube alkoholische Getränk geht es aus das arabische „al-rak" zurück, das „Schweiß" bedeutet und später auf „Uebergcschwitzte", das Destillat, "bertrageu wurde. Aber diese Wurzel kommt für den Inhalt oer Juu Arraven ja Utzon aus zertUcyen evrunoeu n...„ u Mage. Hierfür ist vielmehr das ' „arakos" heranzuziehen. Das war meist wild wachsende Hülsènfrucht, Vlehfutter verwendete Wickcuart. polltaner taten sich also nicht an
für “/•- 'È'uusyciiti yc]iuyicil
ter-^rcn ^üch bie „Artaben", unter denen nicht irgend ineldje Gefäße, etwa Flaschen oder Krüge zü verstehen sind sondern ein Hohlmaß wie der Schefsel oder die Metze, da- rund 50 Liter faßte.
Professor von Lippmann stellt in seinem Aufsatz auch noch ein anderes Mißverständnis richtig, auf dem die Ansicht voii einer früheren Kenntnis des Alkohols fußt. Es handelt IM um du! falsche Auslegung einer Stelle aus dem „Katalog der Wißeuichaften des um die Wende vom neunten zum zehnten Jahrhundert lebenden arabischen Gelehrten al-Farabi Dieser befaM stch mit der berauschenden Wirkung des Weines die er aber nicht einem im Wein enthaltenen besonderen Stoff zuichrelbt fonbern einer Eigenschaft, einem Abstraktum. Er stellt sie der Scharfe des Schwertes oder der Heilkraft eines Arzneimittels gleich. Beide und ja auch selbst nicht wahrnehmbar, sondern nur an ihren Wirkungen zu erkennen H^uus geht deutlich hervor, daß der arabische Gelehrte den âklohol nicht gekannt und noch viel weniger etwas von seiner Abscheidung aus dem Wein gewußt hat.
Melitta durfte in solchen Fällen Tücher nähen, Fahnen plätten und später den ganzen Kram wegräumen, sotvie die | Stube säubern.
Am Nachmittag fand eine Probe statt. Das erste, was unserem Professor Kaliko die Galle in Bewegung brachte, war die Feststellung, daß „Little Bully", der steptanzcndc Jongleur, mit zum Programm gehörte. Dieser probte gerade und ließ wohl zum dreißigsten Mal den Schlagzeuger eine : Trickuntermalung wiederholen.
Damals in Hamburg hatte cs den furchtbaren Krach gegeben, als Melitta durchaus mit Bully fahren wollte. $ Bully war jung und baute keine Pappwürfel. Bully war immer luftig und träumte nie von Ruhm.
Professor Kaliko betrat die Bühne. Da stand schon Melitta und sah dem Treiben Bullhs zu. Mit drei großen x Schritten war der aufgeregte Kaliko bei ihr, zog sie beiseite und fuchtelte ihr mit gespreizten Fingern vor dem Gesicht herum. Er hielt dabei eine Rede, deren Wiederholung an dieser Stelle nicht angebracht erscheint. Die Garderobenfrau und die Auftrittszeit regelte Professor Kaliko in dem Sinne, daß die jungen Leute nie Gelegenheit hatten, zusammen zu sein.
Doch schon am ersten Abend überraschte er Melitta dabei, wie sie ein Briefchen von Bully las, das ihr der Boy zngestcckt hatte. Als sie die Gefahr bemerkte, riß sie das Pa- Pier in kleine Stückchen: nur ein größeres geriet dem Pro- A fessor in die zitternden Hände, und darauf stand der Bruch- s teil eines Satzes: „...Kaleika darf nichts davon ahnen..." Ha — auch noch Spott. Kaleika! So ein Klamottenjonglcur!
Professor Kaliko ließ Melitta nicht aus den Augen, immer mußte sie bei ihm sein. „Türmen kommt gar nicht in Frage", das sagte er ihr den Tag wohl zehnmal.
Er dachte und redete sich so in Aufregung hinein, daß abends auf der Bühne lauter fauler Zauber zustande kam. Wo Eier erscheinen sollten, lagen Bluinen, der Würfeltrick klappte gar nicht; plötzlich waren zwei Würfel da, der verschwundene und der erschienene. Die Blumen blieben in ihren Verstecken hängen und eine Versenkung wollte sich nicht ein- t stellen. Daß der Revolver nicht losging, als Melitta im Kasten unter Donner und Blitz verschwinden sollte, wurde vom Publikum mit Schmunzeln, von Kaliko aber mit Verdruß und Zähneknirschen ausgenommen.
Dann fiel der Vorhang, und Kaliko sah in der Kulisse den grinfciibcn Bully. Mehr konnte er nicht verlangen...
Fünfzehn Tage sollte das Engagement dauern, dann würde alles vorbei sein. Bully mußte nach Breslau fahren und er, Kaliko, nach Köln. Noch zwei Tage, dann war Ruhc. Fünfzehn Tage immer auf eine Frau aufpassen, keine Tricks ersinnen, keine Apparate bauen, nicht träumen können, immer nur auf dem Sprung sein — na sowas!
Am 15. abends war es schon etwas unruhig im Bau. Alles hatte Reisefieber; die erste Hälfte des Prograunns wollte noch abends fortfahren. Das Gepäck stand schon halb gepackt, nur die notwendigsten Requisiten lagen noch in der Kammer.
Bully hatte bereits das „Große" auf dem Bahnhof und zwei Fahrkarten nach Breslau in der Tasche. Er arbeitete die zweite Nummer, dann rechnete er ab und verabschiedete sich, ' auch von Kaliko. DieserF sonst sehr diesem Augenblick, sicher aus Freude darüber, bagnuii endlich ruhige Zeiten begannen, Kollegialität und gab Händchen.
Zum letzten Mal führte Professor Kaliko die Zuschauer in das Reich der tausend Wunder. So gut hatte er noch nie gezaubert. Alles klappt wie am Schnürchen. Alles erschien und verschwand vorschriftsmäßig. Mit fliegenden Frackschößen stolzierte der zauberstabschwingende Kaliko zwischen seinen Tischen umher. Als Melitta im Kasten war und diesen hinten, wie es der Trick vorschreibt, durch eine Kluppe verließ, knallte sogar der Revolver.
Professor Kaliko verneigte sich nach allen Seiten; es gab „drei Vorhänge". Er hatte cs auch verdient, denn noch nie waren seine Tricks so gut gelungen. Melitta ist bis heute verschwunden...
Das Ueberfallkormnando macht große Beute.
Aufgeregt, schweißtriefend stürzte ein Mann in eine Tokioter Polizeiwache: „Ucberfallkommando! Drüben im z Taschiaigawa treibt ein kopfloser Frauenrumpf mit der Stro- | mung." Der wachhabende Schutzmann verlor angesichts dieser entsetzlichen Nachricht seine für gewöhnlich stoische Ruhe. Er riß den Hörer herab, alarmierte das UeberfallkoMmando, nahm sich noch nicht einmal die Zeit, die Personalien des Mannes festzustellen, und raste hinüber jum Ufer dcs Taschiaigawa. Hunderte von Menschen hatten sich dort schon angèsam'melt, starrten in den Fluß hinunter, zeigten mit dem Finger auf das Fürchterliche, was dort zwischen den hohen Ufermauern dem Meer ziltrieb. Der Schutzncann sah, daß keine Sekunde verloren gehen durfte, und ohne Koppel oder Rock abzustreifen, sprang er kopfüber in den Fluß. Er packte unter atemloser Stille der Zuschauer den fürchterlichen Fun» , an den Kleiderfetzcn, die den Rumpf umhüllten, und schwamm mit- der entsetzlichen Beute zur nächsten Ufertreppe. Wider- f strebend schickten sich ein paar Beherzte an, den schauerlichen Fund aus dein Wasser zu heben. Da ging plötzlich ein Sturm der Heiterkeit durch die bisher lautlose Menge: Der brave | Schutzmann, der nun triefend neben seiner Beute stand, hatte - eine kopflose Wachspuppe aus dem Wasser gezogen. Glückliches weise kam im gleichen Augenblick der Wagen des llcbcrfaiu ; kommaudos augcbraust und entzog mit Windeseile SchutzmaiM und Puppe dem unbarmherzigen Spott der schadenfrohe» Zuschauer.
Das Eis in der Galle.
Das' ständige Anwachsen der Verdcutungskraukheitcm I besonders in den Vereinigten Staaten, ist in jüngster Zeit | wiederholt der Gegenstand medizinischer Erörterungen in der breiten Oeffentlichkeit gewesen. Recht bemerkenswert ? die Mitteilungen, die auf einem Internationalen Kongre» y zum Studium der Gallcubtaseulraickheiten gemacht wurden Auf der Tagung in New Park erklärte ein namhafter diziner, daß die uuailfhörliche Zuuahme der Verdauung^ s leiben in erster Linie auf den allzu großen Genuß von Eu | zurückzuführen sei. Seitdem die elektrischen Kühlschränke 1° weite Verbreitung gewonnen hätten, sei es üblich heworde»- | daß man in jedes Getränk einige Eisstückchen wirft.
Unsitte hat selbst nach Europa hinübergegriffen. Das zeM ; sich auch anläßlich jener. Tagung. Als das große Bantc^ | stattsand, an dem übrigens 1400 Aerzte leiluahmen, veu langten die Europäer ebenfalls nach den erfrischen'dcn E'tzi' stückcheu, um sie in ihr Trinkglas zu werfen. Naturim Wurden sic alsbald eines Besseren belehrt, nämlich dayim daß diese Schleckerei, so bekömmlich sie auch für den Ga> men sein mag, doch dem Magen, der Galle und der Schaden bringen muß, wenn sie übertrieben tvird. Das v ein Rat, der sonderlich zur Sommerzeit durchaus behcrstt - werden sollte,. J