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Zul-aer Anzeiger

ÄSSaSSS Tageblatt für Rhön un» Vogelsberg »ÉÄS^ Votiere ffieöalten", Streite, «uslpenungen, Hätt- UNÜ OllUULtül $UldOCt ßtClSblOtt °»- â^v°t^M^R-ll°m-A Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine V z V mit 0.90 Mk. für auswärtige u. mit 0.60 Mk.

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Nr. 166 1933

Fulda, Mittwoch, 19. Juli

10. Jahrgang

Eine Unterredung Hitler Daladier?

Henderson reist über Prag nach München zum Reichskanzler.

Berlin, 18. Juli. Der Präsident der Abrüstungs­konferenz erklärte vor der Berliner ausländischen Presse, der Unterzeichnung des Biermächte-Paktes müsse sofort eine herzliche Aussprache zwischen dem französischen Mini­sterpräsidenten Daladier und Reichskanzler Hitler folgen. Nur aus diesem Wege könnten einige Zweifel und das noch bestehende Mißtrauen aus dem Weg geräumt werden. Dazu wird von Berliner zuständiger Seite er­klärt, Deutschland begrüße jeden Schritt, der einen Erfolg und eine brauchbare Abrüstungskonvention in Aussicht stelle. Einen Zeitpunkt der Zusammenkunft jetzt schon zu erörtern^ sei noch zu früh. Henderson wird von hier nach Prag und dann nach München reisen, um dem Reichskanz­ler einen persönlichen Besuch abzustatten.

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Henderson empfängt die Berliner ausländische Presse.

Berlin, 18. Juli. Der Präsident der Abrüstungskon­ferenz, Henderson, empfing heute die ausländische Presse und machte etwa folgende Ausführungen:

Seiner Meinung nach sei sein Besuch in Berlin außer­ordentlich nützlich gewesen. Er habe mit dem Reichsautzen­minister Freiherrn von Neurath dreimal und mit dem Bot­schafter Nadolny, sowie mit dem Reichswehrminister von Blomberg zweimal die Abrüstungsfragen ausführlich be­sprochene Die Realitäten der Lage seien ernstlich geprüft z r F£b^ LÄM di«, noch bestehenden Schwierigkeiten ver- klemern zu wollen, sei er der Ansicht, daß die Mei­nungsverschiedenheiten in verschiedenen Punkten verringert worden seien. Er sei sehr hoff­nungsvoll. daß die Abrüstungskonferenz doch noch ver­schiedene Ergebnisse zeitigen könnte.

Man müsse immer eines im Auge haben, wenn ein Erfolg sichergestellt werden solle, das fei die freundschaftliche Verständigung zwischen Deutsch­land und Frankreich. Diese Verständigung sei der

Schlüssel zur Lage in Europa.

Das Viermächteabkommen, so erklärte Hen­derson weiter, sei sehr begrüßenswert, aber der Unterzeich­nung des Abkommens müsse sofort eine herzliche Aussprache zwischen dem französischen Ministerpräsidenten Daladier und dem Reichskanzler Hitler folgen. Nur auf diesem M!ge konnten noch einige Zweifel und das noch bestehende Mißtrauen aus dem Weg geräumt werden. Bis diese nicht aus dem Weg geräumt worden seien, könne der volle Wert des Viermächtepaktes nicht verwirklicht werden Henderson fügte dann hinzu, er reise am Mittwoch nach Prag zu einer eingehenden Besprechung mit Minister Benesch, der ja der langjährige Berichterstatter für Ab- rustungsfragen tm Völkerbund sei.

Bon Prag werde er nach München fahren, um eine Aussprache mit Reichskanzler Hitler zu haben.

Dann begebe er sich nach Paris und von dort nach Lon­don. Vielleicht werde er später auch noch weitere Haupt­städte besuchen.

( Henderson dankte zum Schluß in seinem eigenen Namen wie im Namen des Generalsekretärs der Abrüstungskon­ferenz Aghnides unb im Namen seiner Mitarbeiter dem Außenminister Freiherrn von Neurath sowie dem Bot- I fünfter Nadolny für die großen in Berlin bewiesenen & Freundlichkeiten.

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Die Nachricht, daß der Vorsitzende der Abrüstungskon­ferenz, Henderson, nach Ablauf seiner Prager Besprechun­gen mit dem tschechischen Außenminister Benesch eine per- sönliche Fühlungnahme mit Adolf Hitler haben wird, die voraussichtlich in München stattfindet, hat politischen I Kreisen der Reichshauptstadt heute abend wie eine Bombe ^ eingeschlagen. Die Ueberraschung war um so größer, als § man erfuhr, daß Henderson sich um das Zustandekommen X einer persönlichen Begegnung zwischen dem Reichskanzler und dem französischen Ministerpräsidenten Daladier be- - müht.

Obwohl Einzelheiten über die Umstände, die zu dieser Wendung in der Entwicklung der Abrüstungsfrage geführt

/ A .?' uicht mitgeteilt werden, glaubt man in politischen I Krepen doch, daß nur ein besonders günstiger Verlauf der I Berliner Besprechungen Henderson mit dem Vertrauen er- I füllen konnte, daß durch die persönliche Fühlungnahme zwi­lchen Daladier und Hitler die Sache der Abrüstung wesentlich zu fördern sei. Jedenfalls soll Henderson der I Ueberzeugung sei, daß die Abrüstungsverhandlungen im ? Herbst mit wirklicher Aussicht auf Erfolg wieder aufge- uvmmen werden könnten. Der Präsident soll sogar der Memung Ausdruck gegeben haben, daß schon die Ver- Handlungen desBüros" der Abrüstungskonferenz im September zu einer ziemlich weitgehenden Klärung führen Wurden Die. eigentlichen Abrüftungsverhandl ringen be- Sinnen bekanntlich erst am 16. ©stöber

Ob dieser Optimismus in solchem Umfange angebracht ist, bleibe dahingestellt. Sicher ist, daß die deutsche Regie­rung die Bemühungen Hendersons nach jeder Richtung hin zu unterstützen gewillt ist und eine persönliche und frei­mütige Aussprache zwischen dem Reichskanz­ler und dem französischen Ministerpräsi- denten Daladier wohl geeignet sein könnte, bisher zwischen Deutschland und Frankreich bestehende Mißver­ständnisse zu beseitigen. Eine solche Aussprache läge auch durchaus im Sinne des kürzlich unterzeichneten Viererpak­tes, wenn dieser allerdings auch voraussetzt, daß auch die anderen Unterzeichner des Vertragswerkes zu den Bespre­chungen herangezogen werden. Aber schon eine unverbind­liche Fühlungnahme zwischen dem leitenden deutschen Staatsmann und seinem französischen Kollegen, die sich auf keinerlei Abkommen stützte, sondern nur gewissermaßen der Vereinigung des politischen Vorfeldes jener Fragen dienen würde, die zwischen Frankreich und Deutschland eine tren­nende Wand aufrichteten, wäre von der größten politischen Tragweite.

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß noch für Juli auch eine Zusammenkunft zwischen Mussolini und Daladier vorgesehen sein soll. Diese Gerüchte wollen noch immer nicht verstummen. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, beginnen sich also die Mög­lichkeiten, die internationale Diskussion auf breitester Grundlage von neuem anzukurbeln, deutlicher abzuzeich­nen. In diesem Falle wären die Bemühungen Hendersons wirklich nicht vergeblich gewesen. Im übrigen ist natür­lich weder über den Zeitpunkt einer Begegnung zwischen Hitler und Mussolini noch auch über denjenigen der ge­planten Begegnung zwischen Hitler und Daladier bisher irgend etwas Näheres bekannt bezw. bestimmt. Alles Weitexe wird ja davon abhängen, wie sich die sonstigen Be­mühungen Hendersons auswirken. Nicht zuletzt wird man abwarten müssen, wie Paris, bisher das Zentrum des Widerstandes gegen eine umfassende Abrüstung, auf die Wendung, die infolge der Berliner Verhandlungen einge- treten ist, reagieren wird.

Verbreitung des nationalsozialistischen Gedankengutes in der Beamtenschaft.

Berlin, 18. Juli. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Ministerpräsident Göring ernen Erlaß an die preußische Beamtenschaft gerichtet, in dem es heißt:

Anläßlich der Uebernahme der Dienstgeschäfte des preu- ßlichen Ministeriums des Innern habe ich die Beamten­schaft aufgefordert, getreu den Idealen altpreußischen Be­amtentums Preußen wieder zum Hort der Sauberkeit, Sparsamkeit und hingebenden Pflichterfüllung zu machen, ^ch habe Veranlassung, erneut darauf hinzuweisen, daß es Pflicht jedes Beamten ist, diesen Zielen nachzuleben. Da­zu gehört in erster Linie, daß jeder seine eigenen Wünsche, Interessen und vermeintlichen Ansprüche zurückstellt gegen­über dem Dienst am Ganzen. Dies aus innerer Ueber­zeugung zu tun, wird einem jeden um so leichter gelingen, je mehr er bestrebt ist, sich mit dem Gedankengut der natio­nalsozialistischen Weltanschauung und Staatsauffassung vertraut zu machen. Nur dann wird die Gewähr gegeben sein, daß die Arbeit der Behörden volksverbunden bleibt und die richtunggebenden Anordnungen der Staatsführunq verständnisvoll, zielbewußt und einheitlich ausgeführt werden.

Alle Behördenleiter haben die Beamten zu eingehender Beschäftigung mit den Grundsätzen der heutigen Staats­politik und mit dem Gedankengut des Nationalsozialismus anzuhalten. Sie haben dafür zu sorgen, daß jedem Beam­ten sowohl die grundsätzlichen Ausführungen der Land­tagsrede vom 18. 5. 33 als auch insbesondere die wichtigsten Werke des nationalsozialistischen Schrifttumcs in ausrei­chendem Maße zugänglich gemacht werden. Auf das Buch des FührersMein Kampf" weise ich besonders hin.

Ich erwarte, daß alle Vehördenbüchereien der Anschaf­fung des nationalsozialistischen Schrifttumcs und seiner Verbreitung unter der Beamtenschaft ihr besonderes Augenmerk zuwenden. Die Leiter von Behörden, die über keine eigene Bücherei verfügen, haben aus den ihnen für Geschäftsbedürfniszwecke zur Verfügung stehenden Mitteln wenigstens die wichtigsten Schriften zu beschaffen und ihre Beamten darauf hinzuweisen.

Den Behördenleitern mache ich zur Pflicht, auch persön­lich aufklärend und belehrend auf die Beamtenschaft in die­sem Sinne einzuwirken und sich bei Gelegenheit davon zu überzeugen, daß den Beamten das wesentliche Gedankengut der Bewegung nicht mehr fremd geblieben ist.

Ein interessantes Experiment.

W a s h i n g t o n , 18. Juli. Nach einer Erklärung des Kommissars für Arbeitsbeschaffung, General Johnson, haben die auf die Erhöhung der Kaufkraft gerichteten Be­mühungen der amerikanischen Regierung bereits zu spür­baren Erfolgen geführt. In den letzten 24 Stunden sind die Löhne von nahezu einer Million Arbeitern Heraufgc«

Noch heute hat der der französchen Regierung nahe­stehendeTemps" sich recht unfreundlich über Henderson geäußert. Das französische Blatt nahm es dem englischen Diplomaten übel, daß sein Berliner Besuch sich in sichtbar freundlichen Formen abspielte. Dabei schien die franzö­sische Zeitung aber kein reines Gewissen zu haben, denn vorwiegend bemüht sie sich abermals um den Nachweis, daß Frankreich für das. etwaige Scheitern der Abrüstung nicht verantwortlich zu machen sei. Besonders interessant ist es in diesem Zusammenhang, daß derTemps" die Rolle Hendersons als die eineseinfachen Informators" kennzeichnete, der keinerlei Befugnisse habe,Verhandlun­gen zwischen den einzelnen Regierungen zu vermitteln". Gerade in diesem Sinne scheint aber Henderson seine Auf­gabe aufgefaßt zu haben. Man darf neugierig sein, ob das französische Blatt seinen im wesentlichen ablehnenden Standpunkt auch in den nächsten Tagen noch beibehalten wird.

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Amtliche Mitteilung.

Berlin, 18. Juli. Amtlich wird mitgeteilt: Der Präsi­dent der Abrüstungskonferenz, H e n d e r s o n , ist in Be­gleitung des Direktors der Abrüstungsabteilung des Völ­kerbundssekretariats, Aghnides, gestern hier eingetroffen und hat mit dem Reichsaußenminister, dem Reichswehr­minister, dem Führer der deutschen Delegation auf der Abrüstungskonferenz, Botschafter Radolny, und dem Ver­treter des Reichsluftfahrtministers gestern und heute ein­gehende Besprechungen über die auf der Abrüstungskonfe­renz behandelten Fragen gehabt.

Dabei wurden insbesondere die in der letzten Zeit im Büro der Konferenz ausgearbeiteten Fragen einer ein­gehenden Erörterung unterzogen und der deutsche Stand­punkt dazu Herrn Henderson mitgeteilt. Die Besprechun­gen wurden beiderseits im freundlichen Geiste und in dem Bestreben geführt, einen Erfolg der Abrüstungskonferenz vorzubereiten.

setzt worden, während gleichzeitig die Arbeitszeit verkürzt wurde. Auf diese Weise find j. B. in der Textilindustrie durch Einführung der Vierzigstundenwoche 100 000 neue Arbeitsstellen geschaffen worden. In der Stahlindustrie ist die Zahl der Beschäftigten seit Anfang dieses Monats mehr als verdoppelt worden. Auch hier tritt eine Lohnerhöhung ein, die bei den Bethlehem-Stahlwerken 15 Prozent be­trägt, unter gleichzeitiger Herabsetzung der Arbeitszeit. Das gleiche gilt von der Automobil-Industrie, die seit An­fang dieses Monats allein in Detroit über 10 000 Arbeiter neu eingestellt hat.

Zusammen mit der Veröffentlichung dieser Zahlen hielt Präsident Roosevelt eine Rundfunkrede, in der er sich mit scharfen Worten dagegen wandte, daß viele Amerikaner die gegenwärtige Aufwärtsbewegung lediglich als Mittel zum Reichwerden, möglichst ohne Arbeitsleistung, betrachteten. Roosevelt erklärte, daß man diesen Versuchen, auf Kosten der Allgemeinheit Gewinne aufzuhäusen, rasch und griind- llch ein Ende machen müsse.Wir müssen endlich begreifen, daß unsere Zukunft und.unsere Hoffnung in ehrliAr Ar­beit liegt", betonte der Präsident Roosevelt abschließend.

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Newyork, 18. Juli. Um das Regierungsprogramm rest­los durchzusetzen, erwägt dasUeberkabinett" einen Auf­ruf, in dem die Oeffentlichkeit aufgefordert werden soll, die Erzeugnisse der Werke und Firmen zu boykottieren, die dem Ziel der Regierung, also Lohnerhöhung und Arbeits­zeitverkürzung, Widerstand entgegensetzen.

Adolf Hitler und die Deutschen Christen.

München, 18. Juli. Die Kanzlei Adolf Hitlers teilt mit: Die von mehreren Seiten, u. a. auch durch Flug­blätter verbreitete Behauptung, Adolf Hitler habe sich von den Deutschen Christen losgesagt, entspricht in keiner Weise den Tatsachen.

Vom Sondergericht verurteilt wegen unbefugten

Tragens nationalsozialistischer Abzeichen.

Das Frankfurter Sondergericht hatte sich mit zwei fallen unberechtigten Tragens nationalsozialistischer Ab­zeichen zu befassen. Dem Gärtner Landen war in dieser Beziehung eine Schuld nicht nachzuweisen, da man nicht feststellen tonnte, ob er das Parteiabzeichen noch nach dem Erlag des das Tragen der Abzeichen regelnden Gesetzes ge­tragen hat. Er wurde aber wegen Betrugs, Unterschlagung und verbotenen Waffenbesitzes zu sechs Monaten Gefäng­nis verurteilt.

Ein Mann, mit dem sich das Gericht schon sehr oft zu besassen hatte, der schon dreizehnmal vorbestrafte Kauf­mann Erwin Ernst Weber, hat das SA.-Abzeichen ge­tragen, ohne der SA. oder NSDAP. anzugehören. Er be­kam drei Monate Gefängnis. Ein dritter Angeklagter wurde freigesprochen.